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Hess wurde auf einem Friedhof in Wunsiedel
in Nordbayern begraben.
Seit seinem Tod wurden alljährlich sogenannte
"Hess-Gedenkwochen" ausgerufen, in denen vorwiegend Flugblatt-
und Propagandaaktionen stattfanden, die den Mythos Hess fundieren
sollten. Auch fanden Anfang der 90er Jahre in Wunsiedel selbst "Trauermärsche"
für Hess statt, welche damals zu den größten Neonaziaufmärschen
nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten. Tausende Mitglieder und
Anhänger von heute größtenteils verbotenen Organisationen
wie FAP, NO, etc. marschierten durch Wunsiedel. Teilweise wurden
die Aufmärsche auch untersagt und fanden in anderen Ausweichorten
statt.
Seit 1991 wurde der Hess-"Trauermarsch"
in Wunsiedel verboten und erst seit 2001 konnte er durch eine Beschwerde
des Neonazi-Anwalts Jürgen Rieger wieder stattfinden. 2001
marschierten 800, 2002 marschierten ca. 2.500 Neonazis aus Deutschland
und dem europäischen Ausland. Rieger meldete für die nächsten
10 Jahre einen Aufmarsch an (nach eigenen Angaben).
In diesem Jahr (2003) nahmen erneut etwa
2.600 Neonazis teil.
Das besondere am Hess-Marsch ist ähnlich
wie bei den ebenfalls Anfang der 90er Jahre üblichen und jetzt
"neu" aufgelegten Halbe-Märschen (in Halbe südlich
von Berlin befindet sich ein Soldatenfriedhof, auf welchem Soldaten
begraben sind, die in der Kesselschlacht um Berlin kurz vor Ende
des Zweiten Weltkriegs gefallen sind. Anfang der 90er Jahre fanden
hier große Neonazi-Aufmärsche statt, an der größtenteils
Angehörige inzwischen verbotener Organisationen teilnahmen.),
dass hier Neonazis völlig offen ihrer Vorbilder aus dem Nationalsozialismus
gedenken und diese verherrlichen können. Diese Möglichkeit
schafft eine Integrationskraft über die verschiedenen extrem
rechten Spektren bis ins Ausland hinaus. Hinzu tritt der revisionistische
Versuch, den Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten Rudolf Hess
als vermeintlichen "Friedensflieger" und Märtyrer
zu stilisieren.
Die Aufmärsche von Halbe und Wunsiedel
sind Bestandteil des offenen Bekenntnisses zum Nationalsozialismus,
was gerade an diesen Terminen überdeutlich zur Schau getragen
wird. Damit einher geht ein Schulterschluss von alten Nationalsozialisten
aus der "Erlebnisgeneration" und jüngeren Neonazis,
die am Thema "Hess" an einem Strang ziehen und zu einer
sich gegenseitig bestärkenden Wechselwirkung gelangen.
Aus antifaschistischer Sicht gilt
nach wie vor:
Deutsche Täter sind keine Opfer! Und
Nationalsozialisten schon gar nicht!
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