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Wo die Trauer grinst - Wunsiedelbesuch zum "Rudolf Hess Marsch"
2004 - na wat denn?
Nicht anders als die Jahre zuvor marschierten
im bayrischen Wunsiedel mehrere tausend Neo-Nazis um dem "Mord
in eigener Sache" von Rudolf Hess zu gedenken. Weil Wunsiedel
doch recht klein ist, konnte man sie an vielen, aber eben nicht
an allen Ecken dort treffen. Letzteres im Unterschied zu den Vorjahren.
Neben 400 angereisten Antifas waren auch ca. 1000 Wunsiedler BürgerInnen
bemüht und recht erfolgreich darin, den Nazis ihr nationalsozialistisches
Märtyrerevent zu vermiesen. Zunächst mussten die Nazis
auf ihren bisherigen Kundgebungsort, den städtischen Festplatz,
verzichten und auf einen engen Platz ausweichen. Unzufrieden darüber
und eine schnellere Bearbeitung der noch in Vorkontrollen befindlichen
40 Nazibusse zu erwürgen, löste der Anmelder des "Hess-Marsches"
Jürgen Rieger die Kundgebung zeitweilig auf. Die anwesenden
Nazis versuchten sich darauf hin in der Stadt zu zerstreuen. Die
Antifas und Bürger wurden dann mit dem Rieger Spass konfrontiert
und 200 Nazis versuchten auf die Gegenkundgebung zu stürmen,
was aber noch verhindert wurde. Zeitnah wurde ein, von der Polizei
zwischen lauter Bussen und PKW´s anreisender Nazis in einer
Vorkontrolle plazierter Bus mit Antifaschistinnen mit Steinen beworfen
(
indymediabericht). Bei einer weiteren Auseinandersetztung
nahe der Gegenkundgebung entlud Sven Hagendorf, "Nationales
Bündnis" (Dresden) - Kandidat für Jugendangelegenheiten
seine Aggressionen mittels physischer Gewalt.
Ab 14.30 hatte Rieger sich dann doch wieder für eine Anmeldung
entschieden. Bis gegen halb 4 am Kundgebungsplatz holten sich die
Nazis, wenn nicht kalte, so denn zumindest nasse Füsse von
dem ewigen Rumgestehe, leider nicht in As- oder Midgard, sondern
am Bahnhof. Während des Wartens rockten sich die Nasen dann
diskursiv selbst, nur auszugsweise einige Anekdoten:
Die tschechische Delegation durfte nach einem Streitgespräch
am Bühnenrand ihren Redebeitrag nicht beisteuern, da ihre Entschuldigung
für die nach dem Befreiung von den Nazis teilweise Ausweisung
der Sudetendeutschen von ihnen nicht geleistet wurden. Die Sprecherin
verweigerte ein Bekenntnis ihrer eigenen Schuld an jenen Taten,
und hätte maximal ein gewisses Bedauern bekunden wollen. Die
ostmärkische Fraktion, für alle, denen dieser Begriff
verständlicherweise abhanden gekommen ist, es handelt sich
um die Österreicherinnen, verwehrten sich dikschend gegen das
Verlesen einer Grussbotschaft russischer Nazis.
Bis zum Aufmarschbeginn gab es immer wieder mehr oder weniger körperliches
Aufeinandertreffen von Antifas und Nazis. Die Polizeitaktik ließ
nicht wirklich ein großes Bemühen erkennen dies zu verhindern.
Viele kleinere Nazigrüppchen mussten daher von Antifas in Richtung
ihrer Jammerkundgebung geschickt werden. Auch die Bürgerinnen
engagierten sich in diesem Jahr. Eine Unmenge von, schon merkwürdigen
jedoch zum Trauergesäusel der Nazis pragmatisch passenden (Karneval)
Transparenten. Die Transparente waren überraschenderweise mit
Konfetti und Leuchteclowns gefüllt sowie mit einer Reissleine
versehen und hingen über den Strassen, wurden aber vor dem
Aufmarsch von der Feuerwehr entleert.
Als der Aufmarsch dann ca. 16.30 in die Gänge kam säumten
bereits überall Gegendemonstranten die Aufmarschroute der gerade
zum Schweigen (wegen der Trauer) verdonnerten Nazis. Die ganze schöne
Stille wurde überrollt von tosendem „arthur harris -
do it again“, „Rudolf hess - Bruchpilot., wir feiern
heute deinen Tod“, "Was tut diesen Deutschen gut? Bomber
Harris und die Flut. " und meckernde und pöbelnde Nazis
wurden immer wieder von ihren Ordner zurechtgewiesen. Die Erwähnung
der "Brigate Rossa" brachte den kalkigen Trauerflor der
italienischen, die wieder mit einer Busladung angereisten "Veneto
Skins" arg in Rage. Eine Sitzblockade von zweihundert Bürgerinnen,
mit dem kirchlichen Würdenträger „monseniore“,
Bürgermeister und mehreren Stadträtinnen liess einen pöbelnden
Rieger zum Zweikampf mit dem Rest der bösen Welt antreten.
Nach der dritten Aufforderung der Polizei hin ließen sich
die Blockierer zur Seite drängen.
Auf die genaue Zusammensetzung des diesjährigen "Rudolf
Hess Marsches" wird sicher noch an anderer Stelle eingegangen
werden. Hier sein nur erwähnt, dass neben Udo Voigt, NPD Bundes-Vorsitzender
und Jürgen Rieger Anmelder auch Holger Apfel, stellvertr. NPD
Bundesversitzender und als Mitglied des "Nationalen Bündnis
" im Dresdner Stadtrat, bedeutungsvoll in der ersten Reihe
des Nazi-Aufmarsches lief.
Neben den Gegenaktivitäten in Wunsiedel gab es auch andernorts
antifaschistisch verursachte Probleme bei der An- und Abreise der
Nazis. In Kornbach wurde beispielsweise ein Nazikleinbus von Antifas
gestoppt und fahruntauglich gemacht und in Frankfurt/Main sahen
neun abgestellte Naziautos grob beschädigt.
Alles in allem war die diesjährige Aktivitäten
gegen die NS-Verherrlichung zum Todestag von Rudolf Hess ein ganz
guter Start für eine längerfristige Kampagne. Wir fuhren
aus Wunsiedel jedenfalls mit dem Eindruck zurück, dass antifaschistische
Busreisen durchaus Spass machen können.
See you in
Wunsiedel next year!
Antifa Flyeraktion in Südthüringen -
siehe Indymedia
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Nazis versuchen zur Gegenkundgebungen
zu kommen
Antifa Kundgebung
Antifa Kundgebung

Feuerwehr als Spassbremse

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