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specials
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Mai 2006: Die Welt zu Gast bei Kriegsverbrechern
Alljährliches Treffen der Gebirgsjägerdivision
in Mittenwald
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Am 28.05. 2006 fand zum 49.
ten Mal das Kameradentreffen der Gebirgsjäger in Mittenwald
statt. Zum größten Soldatentreffen Deutschlands finden
sich Wehrmachts- und SS-Veteranen, ehemalige und aktive Bundeswehrsoldaten
und deren SympathisantInnen zum Gedenken auf dem Hohen Brendten
am Ehrenmal der Gebirgsjäger ein. Das Ehrenmal wurde 1957
von den zurückgekehrten Gebirgsjägern in Erinnerung
an ihre im 2. Weltkrieg gefallenen Kameraden errichtet. Bei dieser
jährlich stattfindenden Veranstaltung werden jedoch die von
ihnen verübten Kriegsverbrechen im Rahmen des nationalsozialistischen
Vernichtungskriegs ignoriert und geleugnet. Einheiten der Gebirgsjäger
beteiligten sich unter dem Vorwand der "Bandenbekämpfung"
an über 50 Massakern in Griechenland, Italien, Frankreich,
Finnland, Jugoslawien, Polen, Albanien und der Sowjetunion. Im
nordgriechischen Dorf Kommeno ermordeten sie 317 ZivilistInnen
und auf Kephallonia, einer Insel bei Korfu, metzelten sie über
5000 entwaffnete italienische Soldaten nieder.
Bereits in den vergangenen Jahren wurde dieses Traditionstreffen
durch AntifaschistInnen problematisiert und die Öffentlichkeit
mit der mörderischen Vergangenheit der Gebirgsjäger
konfrontiert. Da aber der bisherige Protest lediglich zu einer
Verlegung des Treffens um eine Woche vor Pfingsten geführt
hatte, nicht jedoch zur Abschaffung, war es auch in diesem Jahr
wieder nötig vortort zu sein und aktiv zu werden gegen die
Traditionspflege der Mörder unterm Edelweiß. "Der
ganz große Wurf ist das noch nicht" meinte der Tourismusdirektor
Klaus Ronge zu der zeitlichen Verschiebung. Das sehen wir genauso
und deshalb fuhren auch wir in diesem Jahr ins oberbayrische Mittenwald.
Bereits wenige Kilometer hinter München zeigte sich das bayrische
USK von seiner bekannten Seite. Zivilfahrzeuge fischten potentielle
"Demonstrationsprofis" (1) aus dem Verkehr und führten
sie in eine langwierige Vorkontrolle. Unter den Worten "Hände
aufs Lenkrad, so dass ich sie sehen kann!" begann die umfangreiche
Durchsuchung. Und das bereits einen Tag vor der ersten angemeldeten
Demonstration. Nach gut 45min ging es dann auch schon weiter auf
unseren Campingplatz.
Am nächsten Tag fuhren wir zur Zeitzeugenveranstaltung auf
dem Mittenwalder Bahnhofsvorplatz. Verschiedene Widerstandskämpfer
erzählten aus ihrem bewegten Leben und zur erinnerungspolitischen
Situation in ihrem Land. Nicht nur in Deutschland wird ihr Kampf
um Menschlichkeit und Gerechtigkeit nicht anerkannt, sondern auch
in ihren Ländern warten sie darauf oftmals vergebens. Daher
war es nicht nur eine Informationsveranstaltung, sondern auch
der Versuch eine nachträgliche Würdigung des Partisanenkampfes
zu erreichen. Das eigens für die Veranstaltung aufgestellte
Zelt war brechend voll, jedoch nicht von MittenwalderInnen - diese
wehrten sich gegen die Veranstaltung bereits im Vorfeld. So waren
weder die Stadt noch Gastwirte dazu bereit Räumlichkeiten
zur Verfügung zu stellen, selbst das Zelt konnte nur gegen
den Widerstand der Stadt durchgesetzt werden.
Im Anschluss wurde im Zentrum des Ortes Informationsmaterial an
die "freundliche" und "aufgeschlossene" Bürgerschaft
verteilt. Dabei konnte Mensch sich Schimpfwörter um die Ohren
hauen lassen oder musste zusehen wie die Zeitungen achtlos in
Pfützen geworfen wurden. Unter der permanenten Präsenz
des Polizeihubschraubers am Himmel begaben sich dann alle zu den
drei Treffpunkten der Sterndemonstration. Am Obermarkt trafen
diese zusammen und nach einem kurzen Aufenthalt ging es als kraftvolle,
laute Demonstration weiter quer durch Mittenwald. 500 AntifaschistInnen
zogen vorbei an den für diese Region so berühmten "Lüftlemalereien"
und zahlreichen TouristInnen. Sie riefen "Die Welt zu Gast
bei Kriegsverbrechern", "Braunbär lass den Honig
sein, friss den Traditionsverein" oder "Kommeno, Distomo
- das war Mord. Entschädigung der Opfer jetzt sofort!".
Im Anschluss an die sehr gelungene Demonstration mit vielen interessanten
Redebeiträgen fand bis zum Abend auf dem Bahnhofsvorplatz
noch ein Konzert statt.
Während der Abschlusskundgebung nutzten wir die Zeit für
einen kleinen Spaziergang auf den Hohen Brendten. Jedoch erreichten
wir das Ehrenmal der Gebirgsjäger nicht, denn schon am Fuß
des Hügels bemerkte uns ein Team Zivilbeamter. Kurz vor dem
Ziel stoppten uns ein dutzend USKler, da wohl am Ehrenmal bereits
Sachbeschädigungen festgestellt wurden. Von nunmehr 20 USK
Beamten wurden wir kontrolliert und durchsucht und der Spaziergang
musste wohl oder übel in die andere Richtung weiter gehen.
Am Sonntag hieß es früh aufstehen, um den anreisenden
Traditionspflegern ihren Aufenthalt so unangenehm wie möglich
zu gestalten. Trotz zahlreicher Polizeikontrollen an den Zufahrtstrassen
Mittenwalds gelangten wir in die Ortschaft und setzen dann unseren
Weg zu Fuss fort. Quer durch Wald und Wiesen näherten wir
uns der Zufahrtstrasse zum Ehrenmal. So konnten wir die rückreisende
Gedenkgemeinde mit einem Transparent "Deutsche Täter
sind keine Opfer - NS Täter bestrafen. NS-Opfer entschädigen."
und Sprechchören wie "Gebirgsjägerdivision - mörderische
Tradition" verabschieden und verärgern. Denn die abrückenden
Gebirgsjäger reagierten darauf sehr aufgebracht, einige liessen
es sich nicht nehmen uns mit Messern zu bedrohen.
Wenn auch das Kameradentreffen nicht verhindert werden konnte,
schafften es dennoch trotz hoher Polizeipräsenz einige Antifas
den reibungslosen Ablauf der Feier zu stören.
Das lässt für das nächste Jahr hoffen. Mit ein
paar mehr gut vorbereiteten "Demonstrationsprofis" können
wir es schaffen das 50. Kameradentreffen der Gebirgsjäger
zu einem Desaster werden zu lassen.
Tradition ist angreifbar - Wir
kommen wieder im nächsten Jahr!
"ag wald und wiesen" c/o sächsische antifagruppen
mehr dazu unter
www.nadir.org/mittenwald/
(1) Garmisch Partenkirchner Tageblatt 29.5.2006: "Es war
wichtig zu zeigen, dass wir gut aufgestellt sind", rechtfertigt
Polizeisprecher Klaus Schürgers den Einsatz von rund 300
Ordnungshütern aus ganz Bayern. Denn die Brendtengegner -
diesmal waren es ungefähr 300 - seien besonders geschult
und sozusagen "Demonstrationsprofis. Wir aber sind Polizeiprofis"
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Alljährliches Ausflugsziel von Nazikriegsverbrechern &
Freundeskreis - Ehrenmal der Gebirgsjäger auf dem Hohen Brendten

Mittenwald 2006 - Wald & Alm Idylle

Mittenwald 2006 - Antifaschistischer Sternmarsch
Mittenwald 2006 - Blockade einer Zufahrtstrasse durch Antifaschist_innen |
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