"Heldengedenken" in Halbe 2002
Am 17. November 2002 wollen
Neonazis eine Demonstration in Halbe bei Berlin durchführen.
Diese stellt unseres Erachtens nach keine übliche Neonaziveranstaltung
dar. Im Gegenteil: Halbe steht genauso wie Wunsiedel (Gedenken
an den Hitlerstellvertreter Rudolf Hess) für das offene Bekenntnis
zum Nationalsozialismus.
Schon kurz nach der Wende marschierten hunderte von uniformierten
Neonazis am > Volkstrauertag
1990-1992 in Halbe auf. Damals wurde der dortige Soldatenfriedhof
förmlich zu einem Wallfahrtsort für junge Neonazis,
die hier auf den Geist der Waffen-SS eingeschworen wurden und
die Wiederbelebung des Nationalsozialismus forderten.
April 1945 Kesselschlacht
von Halbe
Tage vor dem Ende des II. Weltkrieges
kam es zwischen dem 24. April und dem 1. Mai bei Halbe, ca. 45
Kilometer südöstlich von Berlin, zu einer der letzten
- sinnlosen- Kesselschlachten. Unter den Soldaten bestand ein
großer Anteil aus Angehörigen des sogenanntenVolkssturms,
Jugendliche und Alte, die trotz der absehbaren Niederlage die
Gefechte fortsetzten. Seither gilt der Soldatenfriedhof mit etwa
22.000 begrabenen Soldaten als der größte in Deutschland.
Hier liegen nicht nur deutsche, sondern auch sehr viele Soldaten
der Sowjetarmee und ukrainische Zwangsarbeiterinnen begraben.
Der SS-General Felix Steiner befehligte damals das III. Germanische
Panzerkorps und gab den Befehl, sich nicht der weit überlegenen
Roten Armee zu ergeben, sondern stattdessen ohne Aussicht auf
Erfolg für den "Endsieg" zu kämpfen.
Obwohl die historischen Fakten
eindeutig sind, ranken sich seitdem Mythen der Alt- und Neonazis
um den Ort. Schon vor 1989 war Halbe eine "Kultstätte"
der ostdeutschen Neonazis gewesen. Sie suchten hier die Gegend
nach Waffen und Militaria-Gegenständen ab.
November
1990 der erste Neonazimarsch
Wie bekannt ist, wurde unmittelbar
nach der Wende die ostdeutsche Neonaziszene durch westdeutsche
Kader massiv unterstützt und strukturiert. Der erste große
gemeinsame Auftritt der Szene war dann der Aufmarsch am Volkstrauertag
1990. Dabei wurde die Vorbereitung und Einladung von der Berliner
Sektion der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in Kooperation
mit den Jungen Nationaldemokraten (JN) übernommen. Der Aufmarsch
selbst war geprägt von uniformierten Marschformationen der
Wiking Jugend (1994 durch das Bundesinnenministerium verboten),
ebenso wie durch Abordnungen aller wichtigen Neonazigruppen, welche
damals in Berlin und Brandenburg existierten. Genauso wichtig
dabei war auch die Teilnahme von Alt-Nazis aus dem Kameradenwerk
Korps Steiner e.V. .Diese agierten europaweit und verfestigten
bzw. knüpften in Halbe ihre Kontakte innerhalb der Neo- und
Altnaziszene.
November 1991 Halbe II
Waren es 1990 noch etwa 300
Teilnehmer, kamen ein Jahr später schon mehr als tausend
Alt- und Neo-Nazis. Darunter wieder die Wiking Jugend, die Nationalistische
Front, die Jungen Nationaldemokraten, die Deutsche Alternative
und die Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP)(außer
die JN sind inzwischen alle genannten Organisationen verboten).
Mehr als 600 Alt- und Neonazis feierten im Fackelschein mit Trommelwirbeln,
die "Heldenehrung" "zu Ehren der Soldaten der Waffen-SS".
Der Bundesjugendführer der Wiking Jugend trug Gedichte vor,
die Anmelderin, Frau Dr. Ursula Schaffer, nannte die Waffen-SS
eine "Vorkämpferin für ein neues Europa".
Auf den abgelegten Kränzen waren durchgehend NS-Symbole,
wie z.B. die verbotenen SS-Runen, abgebildet. Auch die noch heute
aktiven Neonazikader Oliver Schweigert und Arnulf Priem waren
anwesend. Der Berliner Schweigert war damals in der FAP aktiv
und ist heute einer der wichtigen Anti-Antifa-Aktivisten des Aktionsbüro
Mitte. Priem, ebenfalls aus Berlin, ist Führer der Nazirockergang
Vandalen, aus deren Umkreis auch die Band Landser stammt.
November 1992 Halbe III
und vorläufiges Ende
1992 fand das Märtyrergedenken
sein vorläufiges Ende. Trotz Verbots versuchten relativ viele
Alt- und Neo-Nazis nach Halbe zu kommen, dies wurde allerdings
durch ein massives Polizeiaufgebot unterbunden.
Aufgrund der Welle von Verboten rechtsextremistischer Organisationen
in der Zeit 1992 bis 1994 fand seither kein weiterer Aufmarsch
statt. Daher ist die diesjährige Anmeldung von Cristian Worch
aus Hamburg, als Versuch zu werten, an die damalige Zeit anzuknüpfen.
Dass das Feld dafür bereitet ist, wird am Beispiel Wunsiedel
deutlich. Hier marschierten im August 2001 und 2002, ca. 1.500
bzw. 3.000 Alt- und Neonazis aus ganz Europa zu Ehren des Hitlerstellvertreters
RudolfHess.
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