Sprengstoff-Anschlag
auf das Büro des Netzwerkes für Demokratische Kultur
Wurzen e.V.
from www.ndk-wurzen.de
Wurzen, 7.11.2004: In der Nacht von Samstag, 6.11.04 zu Sonntag,
7.11.04 gab es ein Anschlag auf das Büro des Netzwerkes für
Demokratische Kultur e.V. in der Bahnhofsstraße 19 in Wurzen
durch bisher unbekannte Täter.
An Schaufenster und Eingangstür wurden jeweils ein Sprengsatz
angebracht und gezündet. Die Sprengsätze zerstörten
die Scheiben. Nur weil es sich um Sicherheitsglas gehandelt hat,
haben die Sprengsätze die Scheiben nicht gänzlich zum
Einsturz gebracht.
Um die Bedeutung dieser Tat zu unterstreichen:
Nach Aussage des Landeskriminalamtes, welches die Ermittlungen
mit Hilfe von Sprengstoffexperten aufgenommen hat, hätte
der Sprengsatz bei einer Fehlzündung den oder die Täter
erheblich verletzt. Außerdem muss der Tat eine längere
Planungsphase vorausgegangen sein, um die Materialien für
die Sprengsätze zu besorgen und sie dann zu erstellen.
Dies macht u.a. deutlich, dass dies eine neue Qualität von
Gewalt ist, die sich gegen Andersdenkende richtet und eindeutig
politisch motiviert war. Es war eine geplante Tat und entstand
keineswegs aus einer Laune heraus.
Pressemitteilung
zum Bombenanschlag von Nazis
Antifaschistische Gruppen Leipzig
Leipzig, den 8. November 2004, 7:30 Uhr
* Bombenanschlag von Nazis auf alternatives Projekt in Wurzen
in der Nacht vom 6. zum 7. November 2004
* Spontandemonstration von knapp 200 Personen in Leipzig in der
Nacht vom 7. zum 8. November 2004
* Montag, 8. November 2004, 20 Uhr, Wurzen: Demonstration gegen
das Erstarken von Nazi-Strukturen in Sachsen und die stillschweigende
Unterstützung durch die Bevölkerung
In der Nacht vom 6. zum 7. November 2004 wurde in der sächsischen
Kleinstadt Wurzen von Nazis ein Bombenanschlag auf das Gebäude
des „Netzwerkes für demokratische Kultur e.V.“
(NDK) verübt. An die Scheiben und den Eingang des Gebäudes
wurden zwei Rohrbomben installiert und zur Explosion gebracht.
Es entstand kein Personen-, aber ein Sachschaden. Die Verletzung
bis hin zur Tötung von in der Nähe befindlichen Personen
wurde dabei billigend in Kauf genommen. Bei dem NDK handelt es
sich um ein alternatives Projekt, das durch seine Arbeit gegen
Rassismus und Nazismus in der Vergangenheit immer wieder Ziel
von nazistischen Angriffen geworden war.
Der Angriff mit Rohrbomben bildet jedoch den bisherigen Höhepunkt
einer langen Geschichte von Angriffen, Überfällen und
Diskriminierungen von Alternativen und Nichtrechten durch Wurzener
Nazis. Er reiht sich gleichzeitig in die zunehmende Radikalisierung
von Nazis in Sachsen, aber auch in anderen Bundesländern
ein. Spätestens seit dem Wahlerfolg der NPD bei der Landtagswahl
in Sachsen gehen Nazis zum offenen Angriff auf linke Demonstrationen,
Personen und Projekte über, ohne dass dies in der Bevölkerung
zu bemerkenswerten Gegenaktivitäten führt.
Gegen diese Aktionen und die stillschweigende Unterstützung
der Bevölkerung demonstrierten in der heutigen Nacht (vom
7. zum 8. November) knapp 200 Personen im Leipziger Süden.
Die Demonstration dauerte von 23 Uhr bis 24 Uhr und führte
vom Südplatz die Karl-Liebknecht-Straße entlang bis
in die Innenstadt, wo sich die Demonstration auflöste. Die
Sprecherin der beteiligten antifaschistischen Gruppen, Clara Kujat,
betonte: „Wir wollen zeigen, dass wir die zunehmende Bedrohung
durch militante Nazis nicht hinnehmen werden. Gleichzeitig ist
es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass diese Nazis in einem
gesellschaftlichen Umfeld agieren, in denen ihre politischen Ideologien
geteilt und akzeptiert und die terroristischen Methoden mindestens
toleriert werden.“
Am Montag, den 8. November, 20 Uhr findet in Wurzen eine Demonstration
verschiedener antifaschistischer Gruppen aus Sachsen statt. In
dieser soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Entwicklung
in den ostdeutschen Bundesländern immer mehr dahin führt,
dass ganze Landstriche von Nichtdeutschen, Alternativen, Linken
und DemokratInnen durch die militante Naziszene „gereinigt“
werden. Dieser Entwicklung gilt es sich entgegenzustellen.
Hermann Romeck
für das Bündnis antifaschistischer Gruppen in Leipzig
Bombenanschlag in Wurzen
eröffnet neue Dimension
Pressemitteilung des Netzwerkes "Tolerantes
Sachsen" zum Bombenattentat auf das NDK e.V. in Wurzen
Dresden 08. November 2004
Mit Bestürzung haben die Vereine und Initiativen des Netzwerkes
„tolerantessachsen.de“ die Nachricht vom Bombenanschlag
auf das Büro des Mitgliedsvereins in Wurzen aufgenommen.
Für uns gibt es – auch wenn die polizeilichen Ermittlungen
noch nicht abgeschlossen sind – keine andere Erklärung
als die einer gezielten, politisch motivierten Tat. Dieser Anschlag
zeigt deshalb eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt in Sachsen:
• Der Anschlag richtet sich gegen eine Einrichtung, die
sich die Förderung demokratischer Kultur zur zentralen Aufgabe
gemacht hat und dafür bundesweite Anerkennung gefunden hat
– deshalb ist der Anschlag ein Angriff auf alle Demokraten
in Sachsen.
• Zerstörung wurde angerichtet, ein mögliches
Feuer und somit auch Verletzung und Tötung von Menschen wurden
billigend in Kauf genommen.
Der Anschlag erfordert Planung und Technik. Deshalb zeigt der
Anschlag aus unserer Sicht, dass die rechtsextreme Szene in Sachsen
nicht nur gewaltbereit, sondern zunehmend gewalttätig ist.
Er ist der vorläufige Höhepunkt einer neuen Welle von
Gewalt seit den Erfolgen rechtsextremer Parteien und Bündnisse
bei den Wahlen in Sachsen.
• Die Rohrbomben von Wurzen explodierten nur 6 Tage bevor
sich die sächsischen Initiativen des Netzwerkes „tolerantes-sachsen.de“
nur wenige Schritte vom Ort der Zerstörung zu ihrer Jahresversammlung
treffen wollten. Die Detonationen sollten offensichtlich Initiativen
und Menschen einschüchtern, die sich für demokratische
Kultur in ihren Orten, gegen Rechtsextremismus, Rassismus und
Antisemitismus wenden. Sie sollten auch eine Einrichtung treffen,
die Opfer rechtsextremer Gewalt berät und unterstützt.
Wir werden unser Landestreffen trotz dieser Drohgebärde durchführen
- unsere Arbeit ist wichtiger den je und verdient noch stärkere
Unterstützung aus allen Bereichen der Gesellschaft.
Wir erwarten ein deutliches Signal der Solidarität mit dem
Netzwerk für demokratische Kultur von Politik und Verwaltung,
Bürgerinnen und Bürger in Wurzen und Sachsen, um zu
zeigen, dass wir einen solchen Anschlag auf demokratische Initiativen
und damit auf die Demokratie nicht unwidersprochen hinnehmen.
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