Anlässlich der neuen Qualität
von Naziangriffen die mit dem
Sprengstoffanschlag auf das NDK ("Netzwerk für demokratische
Kultur") deutlich wurde, trafen sich am Abend am Wurzener
Bahnhof ca. 300 Antifaschisten und Antifaschistinnen aus der Region
zu einer Demonstration. Am Bahnhof lief zu diesem Zeitpunkt eine
Kundgebung des NDK und Umfeld, bei der einige BürgerInnen
anwesend waren. Die erfreulich grosse Menge an AntifaschistInnen
jedoch wollte wie angekündigt durch Wurzen demonstrieren.
Polizeiübergriffe und Auflösung
der Demonstration
Mit einem lautstarkem "Kühe, Schweine Ostdeutschland"
setzte sich die Demo in Bewegung. Und schlimmer als alle Kühe
und Schweine in Ostdeutschland zusammen ging die Polizei ab. Sie
hinderte die Demo am Verlassen der Kundgebung und deshalb ging's
im zweiten Anlauf weiter in die andere Richtung (Büro des
NDK).
Nach wenigen Metern blockierte erneut die Polizei den Weg. Ihr
Vorgehen dabei kann nur als gewaltgeil und überfordert bezeichnet
werden. Sie prügelten mit Tonfas (Winkelschlagstock) in die
Gesichter der ersten Reihe der Demonstration und verwendeten Pfefferspray.
Tonfas dürfen von der Polizei seit einer Weile als Verteidigungswaffe
benutzt werden, und sind geeignet schwere Verletzungen herbeizuführen.
Die sächsische Polizei verwendet diese Waffe aber oft gezielt
für Angriffe.
So wurden einem Antifaschisten mehrere Zähne ausgeschlagen
und ein weiterer musste mit einer Kopfplatzwunde in die Notaufnahme.
Der Demonstration gelang es noch einige hundert Meter weiter und
am Büro des NDK vorbei zu kommen, musste sich aber wegen
des brutalen Vorgehens der Polizei wieder auf den Kundgebungsplatz
zurückziehen. Eine weitere Anmeldung wurde verweigert und
angedroht die Versammlung aufzulösen, Polizei-Verstärkung
traf ein. Daraufhin konnte ausgehandelt werden, dass der Polizeikessel
in kleineren Gruppen zur Abreise verlassen werden kann.
Nazis sammelten sich zum Angriff
Schon zu Beginn der Antifa-Demo griff eine 15köpfige Nazihoolgruppe
vier Antifas in dem Park an, der an den Bahnhofsvorplatz angrenzt.
Es kam zu keinen Verletzungen. Nachdem sich daraufhin Antifa-Grüppchen
im Park aufhielten, leuchtete die Polizei diesen mit Scheinwerfern
aus und durchkämmte ihn mit Hunden. Als später alle
Antifas eingekesselt waren, und in kleinen Gruppen die "Schleuse"
passieren durften, lief eine 30köpfige Nazigruppe geschlossen
in Richtung Bahnhof. Desweiteren liefen während der Demonstrationversuche
zwei Zivibullen im Nazilook herum und versuchten Antifas in einen
Hinterhalt der Polizei zu locken.
Der Verein Amal berichtet von ca. 80 Nazis, die sich am Abend
in Gruppen in Wurzen aufgehalten haben. Nach der aufgelösten
Demo wurden zwei Wurzner Jugendliche durch Nazis verletzt (siehe
weiter unten
Amal-Veröffentlichung).
vorherige Ankündigung der Demonstration
in den Medien
Die antifaschistische Demonstration war im Vorfeld von online-Nachrichten
angekündigt worden. Ein Bündnis Leipziger Antifagruppen
hatte eine entsprechende
Pressemitteilung herausgegeben. Auf Nachfrage erfuhr das Leipziger
Uni-Radio Mephisto von der Polizeidirektion Grimma, es seien keine
besonderen Sicherheitsmaßnahmen geplant. Das NDK distanzierte
sich (laut LVZ) von den zu erwartenden "Autonomen".
Bernd Merbitz, der Chef der Polizeidirektion Grimma äußerte
in Bezug auf die bevorstehende Antifademonstration: "Nichts
wäre fataler, als wenn sich hier in Wurzen das Problem dadurch
wieder zuspitzt." Also einmal wie gehabt: das Problem mit
Nazis spitzt sich eigentlich nur zu wenn die Antifa kommt.
Bernd Merbitz, ehemaliger Leiter der SoKo Rex, in Sachsen war
z.B. auch im August 2001 unangenehm aufgefallen. Damals hatte
ein Fernsehteam eine Dokumentation über Neonazis drehen wollen.
Nachdem sie in Wurzen von ihren Forschungsobjekten angegriffen
wurden, engagierten sie sich friedliche Schauspieler. Merbitz
ließ die Dreharbeiten beenden, weil sie, wie er sagte, „getürkt“(sic!)
seien. Auch Wurzens Bürgermeister hatte sich zutiefst über
die „Verunglimpfung“ Wurzens, der Verfolgten Unschuld,
empört. (siehe
venc-Bericht)
Je brauner das Nest, desto vehementer wird sich gegen eine Thematisierung
und Bekämpfung der Nazis gewendet. Von den Nazis, der Polizei
und auch der Zivilgesellschaft.
Nicht mit uns - wir bleiben dran!
Antifaschistische Demonstrationen müssen auch und gerade
in Nazihochburgen stattfinden!
ZeugInnen und Bildmaterial gesucht!
1. Wenn ihr die oben genannten
Polizeiübergriffe gesehen und/oder dokumentiert habt, insbesondere
mit den Verletzten: Bitte wendet euch dringend an die Rote Hilfe
Dresden.
Rote Hilfe e.V. Dresden
Rudolf-Leonhard-Str. 39
01097 Dresden
Tel.: 0351- 89960456
Fax: 0351-8115111
dresden@rote-hilfe.de
2. Wenn ihr am 8. 11.
in Wurzen Polzei- oder Naziübergriffe beobachtet habt, macht
bitte schnellstmöglich ein Gedächtnisprotokoll (wie
immer bei solchen Sachen:). Was genau ein Gedächtnisprotokoll
ist, erfahrt ihr z.B. bei den Rechtshilfe-Tips
"Schöner
Demonstrieren!" - aag.antifa.net. Bewahrt es sicher
auf und wendet euch an die Rote Hilfe Dresden. Einen Termin könnt
ihr über oberstehende Telefonnummer vereinbaren.
up
Wurzener Jugendliche von Rechten überfallen
Wurzen, 09.November 2004: Im Anschluss an die gestrige Kundgebung
gegen den Bombenanschlag auf das Büro des Netzwerks für
Demokratische Kultur, des Mobilen Beratungsteams und der AMAL
– Opferberatung in Wurzen wurde eine Gruppe junger Wurzener
(ca. 12 Personen) auf dem Heimweg von 20 - 25 Rechten verfolgt
und angegriffen. 2 Jugendliche wurden verletzt und mussten ärztlich
behandelt werden.
Nach Angaben der Polizei wurden 16 Rechte in Gewahrsam genommen,
aber auch einer der angegriffenen Jugendlichen. „Trotz der
starken Präsenz von Polizeikräften vor Ort scheuten
die Rechten nicht vor einem tätlichen Angriff zurück.
Im Vorfeld hatten sich mehrere Gruppen Rechter mit insgesamt ca.
80 Personen im Stadtgebiet aufgehalten.“ so Anja Treichel,
Beraterin bei AMAL.
Infos und Hilfe: www.amal-sachsen.de
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