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11. Juli 2004: antifaschistische Demonstration in Spremberg (Südbrandenburg) |
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a lesson in history -
Gegen den alltäglichen Rassismus und Geschichtsrevisionismus |
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Geschichtsrevisionisten,
CDU -
Spremberg Kacknest, we hate you!
Heute demonstrierten 100 AntifaschistInnen
in Spremberg, um auf den neuerlichen Skandal des dort ansässigen
CDU-Rechtsaussen Egon Wochatz aufmerksam zu machen. Wieder einmal
hatte Wochatz das jährliche Treffen ehemaliger Soldaten der
Waffen-SS-Division "Frundsberg" mit Jungnazis besucht
- während in Frankreich der D-Day gefeiert wurde. Die örtliche
Bevölkerung ist solcherlei Aktivitäten von Wochatz nicht
nur gewöhnt, sondern teilt auch dessen Geschichtsbild, welches
die Verbrechen der Deutschen im Nationalsozialismus beschönigt.
Das Brandenburger "Bündnis gegen
Geschichtsrevisionismus" hatte anlässlich des neuerlichen
Outings des Ex-Bürgermeisters Egon Wochatz als Nazi kurzfristig
zu einer Demonstration aufgerufen.
So erwartete die verschlafene Kleinstadt mit ihren in den Cafes
versammelten BürgerInnen die angekündigte "lesson
in history" an diesem sonnigen Sonntag-Nachmittag. Gegen
15 Uhr versammelten sich äußerst unangepasst wirkende
Leute auf dem Marktplatz und entrollten Transparente. In Bezugnahme
auf den von Wochatz geplanten Gedenkstein mit dem SS-Motto "Unsere
Ehre heißt Treue" hiess es auf einem Transparent "Eure
Ehre heisst Treue, unsere Antwort heisst Dresden" - ein Zitat
des US-Generals Patton.
In einem Redebeitrag wurde auf das verquere
Geschichtsbild der BürgerInnen eingegangen, während
diese sich das kommentarlos anhörten, anscheinend völlig
überrumpelt vom Anblick des bunten Treibens am sonst so öden
Sonntag-Nachmittag. Von Legenden war die Rede, mit denen sich
die Bevölkerung den Nationalsozialismus schönredet:
Die SS-Division "Frundsberg" habe ihnen damals die Rettung
vor der Kapitulation versprochen und daher bis in die letzten
Kriegstage hinein enorm verlustreich gegen die Rote Armee gekämpft.
Was andernorts Luftkriegslegenden sind, die die Deutschen von
Tätern zu Opfern machen; hier ist es die "heldenhafte"
Waffen-SS-Division. Was ein Skandal daran sein soll, wenn Wochatz
der SS einen Gedenkstein setzen will, versteht hier niemand.
Lautstark und mit cooler Musik setzt sich
nun eine Demonstration in Bewegung. "Geschichtsrevisionisten,
CDU - Spremberg Kacknest, we hate you!".
Für die interessierten Rentner an der Demostrecke hiess es
"Stalingrad war wunderbar, Naziopa blieb gleich da!".
Fröhlich, ein wenig krachend und knallend und hin und wieder
von der Route abweichend lief die Demo ein Mal durch die Innenstadt.
Die Zwischenkundgebung fand wieder an einem
Cafe statt und brav hörten sich die BürgerInnen ihre
"lesson" an. Diesmal ging es um die CDU, welche so einigen
Nazis ein demokratisches Podium bietet. Die vermeintliche Aufgabe
der CDU, Rechtsaussen bis Nazi-Strömungen zu integrieren,
kann trotz der hohen Wahlergebnisse für Naziparteien bei
den sächsischen Kommunalwahlen, als übererfüllt
gelten. Dies wurde mit zahlreichen finsteren Zitaten aus der sächsischen
CDU gezeigt.
Zurück am
Marktplatz löste sich die Demo nach einigem Hin und Her auf,
nicht ohne zu rufen "Wir kommen wieder, keine Frage!"
und die Angereisten verliessen frohen Mutes das scheussliche Kacknest. |




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Lausitzer Rundschau, 12.07.2004
Junge Leute gaben Geschichtslektion
Das Aktionsbündnis gegen Geschichtsrevisionismus hatte gestern
zu einer «Geschichtsstunde» auf den Spremberger Marktplatz
eingeladen. Zur besten Kaffeezeit verrieten harte Klänge
aus dem Lautsprecher, dass sich hier junge Leute deutlich artikulieren
wollten.
Und das taten sie dann auch in einer kurzen Ansprache. Anknüpfend
an die Debatte um die Teilnahme des Altbürgermeisters am
Treffen von Veteranen der SS-Division Frundsberg und die Publikation
«Spremberg ist Frontstadt» vom CDU-Landtagskandidaten
Andreas Kottwitz forderte der Sprecher der etwa 60 Teilnehmer
am Aktionstag eine öffentliche Ausseinandersetzung mit rechtsextremem
und nazistischem Gedankengut, das noch in manchen Köpfen
spuke. Man werde keine Geschichtsumdeutung oder Verharmlosung
dulden.
Lausitzer Rundschau, 08.07.2004
In Aktion: Bündnis gegen Geschichtsrevisionismus
Das «Bündnis gegen Geschichtsrevisionismus» hat
für kommenden Sonntag um 15 Uhr eine Demonstration unter
dem Motto «A lesson in history» - Eine Geschichtsstunde
- angekündigt.
Anlass für diesen Protest auf dem Spremberger Marktplatz
ist für das Bündnis das Treffen des ehemaligen Bürgermeisters
der Stadt und heutigen Fraktionsvorsitzenden der CDU im Kreistag
Spree-Neiße, Egon Wochatz, mit Veteranen und Verehrern der
Waffen-SS-Division «Frundsberg» am 5. Juni in Spremberg
(die RUNDSCHAU berichtete). Nicht nur die aktuellen und vergangenen
Geschehnisse um die Person Egon Wochatz sollen nach Auskunft der
Organisatoren an diesem Tag Aufmerksamkeit finden. Auch das alljährlich
stattfindende Heldengedenken von Neonazigruppen zum Volkstrauertag
sowie die geplante Umbenennung des Antifaschistischen Denkmales
in Spremberg würden ein Thema auf der Demonstration sein.
Des Weiteren solle ein Blick auf die aktuellen Bestrebungen rechtsextremer
Gruppierungen in Südbrandenburg geworfen werden. Bündnissprecher
Stephan Neidert: «Die Person Egon Wochatz ist nur der extremste
Ausdruck eines nationalkonservativen Grundklimas in dieser Region.
Dieses Klima drückt sich nicht nur durch die Menge an rechtsextremen
Straftaten aus. Antisemitische und rassistische Vorurteile sowie
ein tief verwurzelter Nationalismus und eine damit einhergehende
Geschichtsumdeutung lassen sich an vielen Ereignissen der Vergangenheit
und Gegenwart dieser Region thematisieren.» Im «Bündnis
gegen Geschichtsrevisionismus» sind verschiedene soziale,
politische und kulturelle Initiativen und Vereine aus Brandenburg
aktiv. |
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Aufruf zur Demonstration :::
a
lesson in history
Zugegeben, es gibt in den meisten ostdeutschen
Kleinstädten genügend Gründe und Anlässe für
eine Demonstration. Spremberg in Brandenburg ist nur eine von
ihnen. Und doch gibt es derzeitig einen besonderen Grund der Stadt
einen sonntäglichen Besuch abzustatten.
Alljährlich findet im Juni ein Treffen
der alten Kameraden der SS-Division "Frundsberg" statt.
Sie nutzen das Wochenende um gemeinsam mit jungen Neonazis aus
ganz Deutschland die Schauplätze des 2. Weltkrieges in Südbrandenburg
zu besuchen, ihrer "toten Kameraden" zu gedenken und
Erlebnisse auszutauschen.
Am sog. "Volkstrauertag" nehmen
jährlich alte und junge Nazis an Landesfeier der Stadt teil
und legen ihre Kränze nieder. Manches Jahr fand sich ein
Teilnehmender, den dieser offensichtliche Aufmarsch störte,
manch anderes Jahr konnte er kommentarlos stattfinden. Unterbunden
wurde er nie.
Über Anlässe, an denen sich die
Bevölkerung für "Heimatfeste" auf den Straßen
und Plätzen trifft, wissen nicht-rechte Jugendliche und MigrantInnen
vor allem von Pöbelein, Beleidigungen und Angriffen zu berichten.
Die Gedenkstätte für die Opfer
des Faschismus, welche auf dem Georgenberg steht, soll, da sie
aus denkmalschutztechnischen Gründen nicht zu entfernen ist,
die Namen von "11 Opfern" des Stalinismus aufnehmen.
Die einzelnen Biographien wurden nicht öffentlich gemacht,
manch einem Stadtverordneten beschlich immerhin der Verdacht,
es könnte sich auch um Menschen mit einer eindeutigen NS-Biographie
handeln. Eine offizielle Stellungnahme oder Entscheidung steht
bis heute aus.
1998 wollte der damalige Bürgermeister
Egon Wochatz auf dem Georgenberg einen Gedenkstein mit dem SS-Motto
"Unsere Ehre heißt Treue" aufstellen lassen. Unterstützer
fand die Initiative viele, unterbunden konnte sie nur werden,
weil es letztlich doch noch zuviel Protest und Aufmerksamkeit
gab.
Wer den bereits angefertigten Stein am Ende mit nach Hause nahm,
ist nicht überliefert.
All dies und noch einiges mehr ist seit
Jahren bekannt. Und auch der Name des Fraktionsvorsitzenden der
CDU und ehemaligen Bürgermeisters Egon Wochatz kann immer
wieder in diesen Zusammenhängen gelesen werden. Denn auch
aus seiner Geisteshaltung machte er noch nie ein Geheimnis. Eins
der prominentesten Beispiele waren seine Äußerungen
zum Tod des algerischen Asylbewerbers Farid Guendoul in Guben.
Die Verantwortung für die tödliche Hetzjagd beantwortete
er mit der Frage "Was hatte der auch nachts auf der
Straße zu suchen?" und weiter "Die brandenburgische
Heimordnung für Übergangswohnheime, die unter anderem
(...) eine Nachtruhe von 22 - 6 Uhr vorsieht, ist durchzusetzen."
Und weil es dieses Jahr einmal aufgefallen
war, dass Egon Wochatz regelmäßig an den Treffen der
SS-Veteranen teilnimmt, gab es so etwas wie eine "Empörung".
Und die war kurz, blieb bisher ohne Konsequenz und für so
manche SprembergerIn noch dazu unverständlich.
Und so wollen wir die Einschätzung
der Lausitzer Rundschau vom 05.07.04, dass sich "die Empörung
über die Kontakte des Spremberger Altbürgermeisters
Egon Wochatz (CDU) zu Veteranen der Waffen-SS" gelegt hat,
nicht einfach teilen und rufen auf, gemeinsam mit uns am 11.o7.2oo4
um 15:oo Uhr in Spremberg (Treffpunkt: Marktplatz) "a lesson
in history" zu erteilen.
[buendnis gegen geschichtsrevisionismus]
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| spiegel-online 24. Juni 2004
BRANDENBURG
CDU-Mann unter SS-Kameraden
Von Karin Geil
Brandenburgs CDU-Parteichef Jörg Schönbohm
hat ein Problem. Ein Mitglied seiner Partei nahm zum wiederholten
Male an einem Treffen von SS-Veteranen teil. Der Koalitionspartner
SPD fordert nun Konsequenzen.
Berlin- Für den 6. Juni 2004 hatte sich die Gemeinde Spremberg
in Brandenburg etwas ganz Besonderes ausgedacht. Um der Landung
der alliierten Truppen vor sechzig Jahren zu gedenken, lud die
Stadt zu einer "Folklore-Lawine". Darunter waren auch
zahlreiche Gruppen aus Frankreich.
Während die Bürger dem bunten
Treiben zusahen, fand zum selben Zeitpunkt an anderer Stelle eine
Erinnerungsfeier ganz anderer Art statt. In der Gaststätte
Georgenberg trafen sich rund 30 Veteranen und junge Verehrer der
SS-Panzerdivision "Frundsberg" und gedachten ihrer toten
Kameraden, die 1944 im Kampf gegen die Alliierten in Nordfrankreich
gefallen waren. Mitten unter ihnen: Egon Wochatz, CDU-Fraktionsvorsitzender
im Kreistag Spree-Neiße und ehemaliger Bürgermeister
Sprembergs.
Dieses Treffen wäre wohl niemandem
aufgefallen, hätte nicht der Berliner "Tagesspiegel"
davon berichtet. Nun steht, kurz vor Beginn des Landtagswahlkampfs
in Brandenburg, Innenminister und CDU-Landesvorsitzender Jörg
Schönbohm unter Druck. Dienstagabend verfügte zwar der
Kreisverband Spree-Neiße, der 67-Jährige solle seine
Geschäfte als Fraktionschef ruhen lassen - von einem Ausschluss
aber war keine Rede.
Der Koalitionspartner SPD ist empört.
Brandenburgs Ministerpräsident Mathias Platzeck hält
den ganzen Vorgang schlichtweg für "unerhört".
Und für SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness ist
dies längst keine Lokalposse mehr. "Die Partei vor Ort
will den Fall aussitzen". Die Landes-CDU müsse intervenieren.
Neben dem SPD-Fraktionsvorsitzenden im Potsdamer Landtag, Gunter
Fritsch, fordert auch Wolfgang Wieland, Spitzenkandidat der Grünen
für die Landtagswahl, Schönbohms Machtwort: "Er
sollte gegen Wochatz den Parteiausschluss einleiten."
Doch der CDU-Chef hält sich bislang
bedeckt. Zwar heißt es in Potsdam, Schönbohm sei alles
andere als begeistert, eine direkte Stellungnahme wollte er aber
nicht abgeben. CDU-Generalsekretär Thomas Lunacek distanzierte
sich erneut ausdrücklich von Wochatz' Teilnahme an dem Veteranentreffen.
Dies sei "inakzeptabel". Doch dabei will es die Spitze
offenbar belassen. Für die CDU sei die Erklärung von
Wochatz, solche Besuche nicht mehr zu wiederholen, verbindlich,
so Lunacek. Die Junge Union Brandenburg sieht das jedoch anders.
In einer Erklärung äußern die jungen Christdemokraten
"Ekel und Entsetzen" und fordern, dass Wochatz und die
märkische Union künftig getrennte Wege gehen sollten.
Wochatz selbst ist seit Tagen nicht zu erreichen und zu einer
Stellungnahme offenbar nicht bereit.
Ein Gedenkstein und der Vorfall von Guben
Schon in der Vergangenheit hat der Geschichtslehrer
Wochatz mit seinem emphatischen Interesse für Hitlers Elitemörder
für Aufregung gesorgt. Bereits 1998 wurde seine Verbindung
zur SS-Division "Frundsberg" bekannt. Damals wollte
der Christdemokrat als Bürgermeister der Stadt Spremberg
auf öffentlichem Baugrund einen Gedenkstein mit dem Motto
der SS "Unsere Ehre heißt Treue" für die
Gefallenen der Division aufstellen lassen - ohne die Stadtverordneten
zu informieren. Nach Bekanntwerden der Pläne gab es Proteste
- die Gedenkstätte wurde schließlich verhindert.
Wochatz hat aus seinen Kontakten mit den
Veteranen keinen Hehl gemacht. Mit den SS-Angehörigen sei
er durch seine Arbeit für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge
in Kontakt gekommen. Schon mehrmals nahm er, wie er selbst bei
früheren Anlässen bekannte, an Veteranentreffen der
Elite-Panzertruppe teil und hielt außerdem Kontakt zu Angehörigen
anderer Einheiten wie der Führer-Begleitdivision.
Auch bei anderen Gelegenheiten geriet Wochatz
in die bundesweiten Schlagzeilen. Als 1999 der 28-jährige
Asylbewerber Farid Guendoul von mehreren rechtsradikalen Jugendlichen
quer durch Guben gehetzt wurde und schließlich bei einem
Sprung in eine Fensterscheibe starb, reagierte Wochatz lapidar:
"Was hatte der auch nachts auf der Straße zu suchen?"
Und auch heute, fast fünf Jahre nach dem Tod des Algeriers,
bereut Wochatz anscheinend seine Aussage nicht. Er habe sich nichts
vorzuwerfen, zitierte ihn der "Tagesspiegel". "Es
stimmt doch, wäre der im Heim geblieben, wäre ihm nichts
passiert."
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