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Bericht: Pirna
die Zweite
Die Stadt Pirna hielt die geplante antifaschistische Demonstration
von Anfang an für keine gute Idee. Weil für ein
Verbot keine ausreichenden Fakten gegeben waren, wurde versucht
öffentlich Druck zu machen und teilweise offensichtlich
rechtswidrige Auflagen für die Demo verhängt.
Solche waren z.B.: die Demonstration dürfe nur bei
den Zwischenkundgebungen den Lauti benutzen, Ordnerinnen
sind vorher namentlich zu melden, Seitentransparente dürfen
nur 1,50m lang, alle anderen nur 3m sein, und die Auflage,
das Ordnungsamt könne vor Ort jederzeit neue Auflagen
erlassen. Durch letztgenannte wurde den Anmelderinnen jede
Rechtssicherheit genommen.
Einige der Auflagen wurden schon bei der Beschwerde der
Anmelderinnen am Verwaltungsgericht gekippt. Die zweite
Instanz, das Oberverwaltungsgericht Bautzen, war ab freitagnachmittags
nicht mehr für eine Eilentscheidungen zu haben, obwohl
sie dazu verpflichtet gewesen wären.
Trotz aller Abwehrmanöver kamen am 27. November 04
ca. 1200 Antifaschistinnen und setzten dort erfolgreich
ihre, wenn auch sehr verkürzte, Demoroute durch. Auch
ohne Klage konnten sich die Antifas auf der Demo über
die meisten absurden Auflagen hinweg setzen. Zuvor hatte
die Polizei versucht, mit akribischen Vorkontrollen den
zeitlichen Rahmen der Demonstration zu sprengen.
Von den angedrohten militanten Aktionen der Nazis, war den
Tag über wenig zu sehen.
Empfang in Pirna
Dass der Mobilisierung nach
Pirna erfreulich viele Leute gefolgt waren, zeichnete
sich schon am Bahnhof in Dresden ab. So wurde entschieden,
aus Platzgründen in zwei S-Bahnen zu fahren. Die
Reise verlief super - nur kurz vor Pirna, in Heidenau,
stoppte die Polizei den Zug. Der Grund waren ein paar
Dutzend Nazis auf dem Bahnhofsvorplatz in Pirna, welche
erst noch von der Polizei weggeschafft wurden. Als die
Antifas ankamen, wurden sie schon am Bahnhof von reichlich
Polizei, teilweise mit Hunden, empfangen. Der Weg zum
Auftaktkundgebungsplatz in der Gartenstrasse, wo sich
der Lauti befand, wurde versperrt. Wer dahin wollten mussten
zunächst die, in der schmalen Gartenstrasse platzierte,
Vorkontrolle passieren. Mit dieser Maßnahme wollte
Versammlungsbehörde auch die Auflagen gegen die Antifa-Demonstration
durchsetzen. Das 5m lange Fronttranspi wurde an der Vorkontrolle
aufgehalten und sollte nur in zwei Teilen durch kommen.
Die wenigen, mit der Vorkontrolle beschäftigten Beamten,
liessen sich außerdem Zeit und nahmen alles ganz
genau unter die Lupe. Diese Vorkontrollen bei über
1000 Teilnehmenden hätten extrem lange gedauert und
die Durchführung der Demonstration gefährdet.
Das Ordnungsamt hatte die Antifa-Demonstration nur von
13 bis 16 Uhr genehmigt. Es war Strategie, den Antifas
zwar zu gestatten sich eine Zeitlang in Pirna aufzuhalten,
jedoch wenn möglich zu verhindern, dass sie sich
dabei allzuviel bewegen.
Vorkontrollen werden versucht
zu durchbrechen - Demonstration wird durchgesetzt
Nachdem sich die Demo aufgestellt
hat versuchen die Antifas die Polizeikette zu durchbrechen
und sich zum Lauti in der Gartenstraße durchzudrücken.
Die Polizei setzt Pfefferspray und körperliche Gewalt
ein und der Durchbruchsversuch misslingt.
Schließlich wurde ausgehandelt, das wir ohne Vorkontrolle
zum Lauti dürfen - aber erstmal nicht weiter. Es
gab einen weiteren Durchbruchversuch und nach Verhandlungen
durften wir dann auf einer neuen, unverschämt kurzen,
Route loslaufen. Mit lauter Musik und Sprechchören
bog die Demo dann 3mal um die Ecke. Auf dieser Route wurde
nach ca. 150 Metern, zum Ärger der Polizei, die sich
das verbeten hatte, eine Zwischenkundgebung eingefügt.
Dabei konnte der Redebeitrag der AfA 13 zur Vorgeschichte
der Demo, der eine hinreichende Beschreibung der politischen
Verhältnisse (=Symphatie mit den Nazis) im Landkreis
darstellte, gehalten werden. Zwei Versuche das Polizeispalier
zu durchbrechen und damit die Demostrecke zu verlängern
halfen genauso wenig wie die "Wir woll´n zum
Weihnachtsmarkt..." Gesänge. Pirna wollte uns
wieder los werden. Anders als das Vorgehen der Nazis waren
die Behörden erfolgreicher in der Behinderung der
Antifa-Demo.
Gegen 16 Uhr waren alle angereisten AntifaschistInnen
wieder im Zug in Richtung Dresden.
Die Neo-Nazis und ihre großen
Störpläne
Trotz der Drohungen von Nazis,
die Antifas in Pirna und Dresden anzugreifen, ließen
sie sich den Tag über kaum in der Nähe der Kampagnen
Demonstration blicken. In der Stadt waren verteilt ca.
150 Neo-Nazis, darunter Nazi-Hools, Ex-SSSler sowie die
NPD-Landtagsabgeordneten Uwe Leichsenring und Klaus Menzel.
Sie hielten sich auf ihrer Kundgebung am Thälmannplatz
auf, ließen sich auf dem Weihnachtsmarkt von der
Presse bewundern oder liefen in kleinen und großen
Gruppen durch Pirna. Von ihren Zielen haben sie nichts
erreicht und statt dessen mehrfach in Pirna, Dresden und
Leipzig einige unangenehme Erfahrung mit Antifas machen
müssen.
Der Tag in Pirna hat gezeigt: auch in Regionen wie der
sächsischen Schweiz ist es möglich, antifaschistische
Demonstrationen mit großer überregionaler Beteiligung
durchzuführen – wenn auch mit etwas mehr Aufwand.
Ein entschlossenes Auftreten und viele Leute konnten sich
zumindest in vielen Punkten in Pirna durchgesetzt werden.
Da die Antifas totzdem noch vom Vorgehen der Polizei in
Pirna verärgert waren stiegen sie in der Dresdner
Innenstadt aus, um noch etwas von der Demonstration nachzuholen.
Spontan demonstrierten einige Hundert über die Prager
Strasse in Richtung Neustadt. Dabei gingen einige Schaufenster
z.b. eines Sex-Shops kaputt.
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visit Pirna!

Als die Demo versucht, die schikanöse
Vorkontrolle beiseite zu schieben, setzt die Polizei Pfefferspay
ein. (Foto von
www.adf-berlin.de)

Bei der Abreise am Bahnhof zeigten
sich noch einmal einige Sächsische-Schweiz-Nazis. Karsten
Scholz mit der Bart-Simpsons-Maske in der Hand (der mit
den Buttersäureangriffsplänen) und andere warfen
mit Eiern auf die Antifas. Die Antwort darauf kam sofort
als Pyros, Steine, Flaschen und einer Rauchbombe zurück.
Schließlich wurde Scholz festgenommen und weitere
eintrudelnde Nazis einige Meter früher aufgehalten.
(Foto von www.adf-berlin.de)
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