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November
05: Zivilcourage goes Anti-Antifa
Im sächsischen Pirna macht eine Zivilgesellschaftsinitiative
das, was sonst nur Nazis und Polizei vorbehalten ist. - die
Aktion Zivilcourage Pirna führt den Kampf gegen Links.
von Elma Wischowski, Schöna
Wenn am Samstag, dem 12.
November, im westsächsischen Aue das Jahrestreffen des
Netzwerk „Tolerantes Sachsen“ stattfindet, werden
dabei auch eine Reihe Vertreter_innen der Aktion Zivilcourage
Pirna sein. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss von etwa 40
Projekten und Initiativen, deren Anspruch es ist, die so genannte
Zivilgesellschaft Sachsen zu repräsentieren.
In dem Bündnis, was nur von wenigen offen antifaschistischen
Projekten unterstützt wird, ist die Aktion Zivilcourage
Pirna (AZP) aktiv. Die wurde gegründet von ehemaligen antifaschistischen
Pirnaer Jugendlichen, die im Laufe der Zeit zunehmend gemeinsame
Sache mit den Staatsorganen machten.
So wurde kürzlich bekannt, dass die AZP einen Jugendlichen
aus der Sächsischen Schweiz bei der Polizei denunziert
hat. Sie werfen ihm vor, im Mai diesen Jahres, während
dem „Markt der Kulturen“ eine Flasche auf eine Gruppe
Nazis geworfen zu haben. Dort konnten etwa 50 Neonazis aus der
Region die Bühne auf dem Pirnaer Marktplatz entern und
ein Transparent mit der Aufschrift „Linker Hetze entgegen
treten“ enthüllen. Im Anschluss bewarfen sie Veranstaltungsteilnehmenden
mit Eiern. Sowohl Polizei als auch AZP zeigten sich unfähig
und unwillens dem Treiben ein Ende zu setzen und bedrängten
stattdessen die wenigen Einzelpersonen, die die Nazis nicht
ungehindert passieren lassen wollten. Ein junger Mensch machte
seinem Unmut Luft, indem er in Richtung der Nazis eine Flasche
warf, welche sie verfehlte und auf der Bühne zerschellte.
Derweil spielte noch eine Band, welche von der AZP zum Weitermachen
angehalten wurde. Konzept: Wegignorieren der Nazis.
Im Nachhinein wurde die Aktion als Erfolg von den Nazis gewertet,
was angesichts ihrer langen, ungestörten Verweildauer mitten
auf der Bühne nicht aus der Luft gegriffen ist. Sie hatte
damit den Besucher_innen des "Markt der Kulturen"
deutlich gemacht, dass sie sich in Pirna nach wie vor einiges
erlauben können ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten
zu müssen.
Anstelle sich wenigstens im Nachhinein für einen couragierten
Umgang mit Nazis einzusetzen, begann die AZP vielmehr mit nahezu
kriminologischem Eifer nach dem Namen des tatverdächtigen
Flaschenwerfers zu fahnden. Rene Wolprecht (Name geändert),
ein ehemaliges Mitglied der Antifagruppe „Afa13“
wurde wenige Tage danach von einem Angestellten der AZP angerufen.
„Er teilte mir mit, dass sie Anzeige gegen den unbekannten
Flaschenwerfer erstattet haben und fragte mich nach dem Namen
der Person. Welchen ich ihnen natürlich nicht nannte, wie
auch kannte ich ihn doch selber nicht.“ Auch die Polizei
bestätigte dem Tatverdächtigen, dass sie seinen Namen
schließlich von der AZP erhalten hat. Demonstrativ stellte
sich das AZP-Gesamtplenum hinter die Denunzianten in einem Positionspapier:
„ Der Name des Flaschenwerfers wurde aus unseren Reihen
auf Nachfrage der Polizei an selbige weitergegeben. ... Die
AZ-Mitstreiter stehen ganz grundsätzlich hinter diesem
Schritt“.
Dass sie nur auf der Seite der Betroffenen stehen, wenn es opportun
ist, stellte die AZP in den letzten Jahren mehrfach unter Beweis.
Als im November 2000 am Rande einer Bürgerdemo gegen Rechts
eine Horde Neonazis versuchte, den Imbiss einer türkischen
Familie in Pirna anzugreifen, „forderten AZP’ler
uns auf nicht der Familie zu Hilfe zu eilen, sondern stattdessen
in Sichtweite davon vorbeizugehen.“ sagt Karina Scholz
eine damalige Teilnehmerin. Als Antifas im letzten Sommer eine
Demonstration gegen den extrem rechten Konsens in der Sächsischen
Schweiz durchführen wollten, versuchte die AZP vergebens
das zu verhindern, gleiches geschah vor einer Demonstration
im November letzten Jahres.
Ihren Lohn für die Angepasstheit hat die AZP längst
erhalten. Neben Preisen jeder Art ist einer ihrer Anführer,
Sven Forkert seit 1. November 05 „Extremismusbeauftragter“
des Landkreises Sächsische Schweiz. In seinem neuen Arbeitsfeld
will er „extremistischen Gedankengut den Nährboden
entziehen“ sagte er der Sächsischen Zeitung. Beginnen
kann er da in den eigenen Reihen. So betreibt ein Mitglied seiner
Gruppe, Marcel U., eine Homepage zur Darkwaveszene mit Namen
„sturmgeweiht“ auf welcher er Liedtexte aus dem
offen rechten Spektrum veröffentlicht, sowie entsprechende
Bands und Projekte des Thüringer Christian Kapke bewirbt.
Der Bruder eines der führenden Thüringer Neonazis
Andre Kapke, trat vor Jahren mit seiner Band schon mal vor Blood&Honour
Aktivisten auf arbeitet mittlerweile mit unscheinbareren Mitteln,
was seiner Gesinnung offenbar keinen Abbruch tut. Das linke
Portal zu Musik und Subkultur turnitdown zitiert Kapke wie folgt:
„ »dass man bewusst versucht, politische Inhalte
über Kunst zu transportieren, einfach weil es dadurch unscheinbarer
oder entsprechend eingängiger erscheint«“ Das
versucht er mit den von Marcel U. - dem „Zivilcouragierten“-
verlinkten Projekten "lichttaufe" und "individualmode"
umzusetzen.
Am Wochenende wird sich in Aue die sächsische Zivilgesellschaft
entscheiden müssen. Ob sie mit der, der Totalitarismus
Theorie anheim gefallenen Demokraten, wie der AZP zusammen arbeiten
wollen oder sich für eine antifaschistische und solidarische
Idee einsetzen wird.
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