| Sächsische Zeitung (Lokales Niesky),
06.09.2003
Leserbriefe
W. Wenisch aus Niesky schreibt zur Kreuzschändung
und zum Artikel „Umstrittene rechtsradikale Veranstaltung“ in
Niesky:
Als ich heute, am 3. September, bei meiner
Fahrt von Niesky nach Rothenburg am Stadtausgang das geschändete
Kreuz sah, war mir klar, dass ich zu diesem Zwischenfall Stellung
beziehen muss. Da ich selbst vor nicht allzu langer Zeit meinen
Sohn verloren habe – um Spekulationen vorzubeugen, er war bestimmt
kein sogenannter Rechter – verabscheue ich diese Tat aus vollem
Herzen.
In diesem Zusammenhang möchte ich nachträglich
zum Beitrag in der Sächsischen Zeitung vom 25. August, Seite
10, einiges aus meiner Sicht bemerken. Und zwar zum Treffen der
20 Jugendlichen, die laut Ihrer Ausführungen im Artikel „Umstrittene
rechtsradikale Veranstaltung in Niesky“ der rechten Szene zugeordnet
werden und die sich in einem Saal einer Gaststätte in Zeche-Moholz
getroffen haben.
War das Treffen illegal? Nein. Verlief das
Treffen geordnet? Ja, denn wie ich der Presse entnehme, bestätigte
Herr Raik Schulze als Sprecher der Polizeidirektion Görlitz:
„Die Veranstaltung verlief aus unserer Sicht ohne Störungen.“
Wurde also gegen Verordnungen oder Gesetze verstoßen?
Wenn sich nun ein Mitarbeiter des Landratsamtes
laut Zeitungsartikel äußert: „Nach meiner Überzeugung
stellt ein Gastwirt, der Extremisten Räumlichkeiten zur Verfügung
stellt, sich selbst in die extreme Ecke“ habe ich schon Bedenken.
Sollte man mit derartigen Äußerungen nicht etwas vorsichtiger
sein?
Ist man denn nicht weitsichtig genug zu
bedenken, dass oben angeführte Äußerungen gegenüber
dem Betreiber der Gaststätte in Zeche-Moholz solchen Handlungen
wie dem Schänden des Kreuzes gewollt oder ungewollt Vorschub
leisten könnten?
Mike Tobis aus Weißwasser schreibt
zu den Artikeln „Umstrittene rechtsradikale Veranstaltung“ und
„Bärendienst“:
Es ist es eine grundlegende Eigenschaft
eines pluralistisch-kapitalistischen Systems, (. . .) dass alle
möglichen Spielarten von politischen Meinungen gepflegt werden
können. Zumindest so lange, wie sie sich im Rahmen der Gesetzlichkeiten
bewegen. Der Kampf gegen missliebige oder auch falsche Meinungen
sollte in der BRD im Rahmen von Diskussionen und Argumenten stattfinden,
nicht in künstlich aufgeblasener Meinungsmache durch die
„meinungsbildenden Medien“.
Nun ist es jedoch bedenklich, wenn eine,
wie auch immer geartete Veranstaltung öffentlich gebrandmarkt
und als quasi verboten dargestellt wird, nur weil der Tenor selbiger
nicht der Meinung einiger entspricht. Es mag sein, dass es einem
Teil, vielleicht auch einem größeren der Bevölkerung
nicht angenehm ist, wenn der ehemalige Gauleiter Schlesiens mit
einer Feierstunde bedacht wird. Jedoch kann man junge Leute, die
sich diszipliniert und unauffällig verhalten, nicht schon
allein deswegen kriminalisieren, weil sie nicht in das Schema
heutiger politischer Denkweisen passen. Insbesondere nicht vor
dem Hintergrund, dass weder eine Gefahr für die öffentliche
Sicherheit und Ordnung bestand, noch dass diese Veranstaltung
überhaupt publik geworden wäre, wenn nicht die SZ ihrerseits
für Rummel gesorgt hätte.
Ganz besonders störend ist in diesem
Zusammenhang, dass die in oben erwähnten Artikeln besonders
engagierte Katja Mielcarek wenige Tage später kriminelle
Machenschaften des anderen Extrems, der sogenannten Antifa, als
etwas verunglückten Kampf gegen den Rechtsextremismus relativiert.
Es besteht ein eklatanter Unterschied zwischen einer „diszipliniert
abgelaufenen“ Veranstaltung und dem Beschmieren von öffentlichen
Gedenkstätten für die Opfer von Gewaltherrschaft und
Diktatur sowie dem Zerstören von Erinnerungskreuzen am Straßenrand
(. . .) Es hat allerdings den Anschein, dass einige Vertreter
der Medien nicht allzu erfreut waren, dass die rechte Veranstaltung
so ruhig verlaufen ist. (. . .) Die Nieskyer indes werden nicht
umhin können, zufrieden zu sein, dass sich benannte „Neonazis“
nicht in die Schablone besoffener und kahlköpfiger Achteklasseabgänger
haben quetschen lassen.
Eines sollte sich die Autorin zu Herzen
nehmen. Sie schrieb in ihrem Artikel vom 28. August, jener missliebigen
Strömung könne man nur mit Argumenten begegnen. Ich
warte gespannt darauf.
Zu dem Artikel „Umstrittene rechtsradikale
Veranstaltung“, SZ vom 25. August, S.10, schreibt ein Herr aus
Niesky (Name der Redaktion bekannt):
Man muss es den jungen Leuten einfach einmal
sagen, wenn sie Personen in einer Veranstaltung „glorifizieren“
– wer dahinter steckt!
Ich war als Luftwaffenhelfer Kriegsteilnehmer.
Nachdem ich die Bombenangriffe in Dresden überlebt hatte,
wurde ich auf dem Fliegerhorst Dresden/Klotzsche eingesetzt. Unsere
Flugzeugbesatzungen flogen Tag und Nacht Einsätze nach Breslau
– zuletzt auch in die Festung zu den Eingeschlossenen.
Gauleiter Hanke verkündete in dieser
Zeit „Durchhalteparolen“ an die Verteidiger. Unsere Flugzeugbesatzungen
flogen Munition und Verpflegung ein und kamen mit Verwundeten
zurück. Täglich waren wir über die Situation in
der Festung Breslau informiert!
Während die Verteidigung in Breslau
auf dem Höhepunkt war, hatte ich auf dem Fliegerhorst/Klotzsche
Nachtwache an der Start- und Landebahn. Plötzlich rege Betriebsamkeit
in der Dunkelheit, es war nachts gegen 3 Uhr, Pkws fuhren an ein
gelandetes Flugzeug – Abfahrt und wieder Ruhe!
Was geschehen war, erfuhr ich am Morgen
vom Fliegerhorstkommandanten. Gauleiter Hanke ist aus der Festung
Breslau ausgeflogen worden.
Unsere Piloten, die weitere Einsätze
nach Breslau flogen, berichteten von weiteren „Aufrufen“ des Gauleiters
in der Festung per Band. Hanke hatte also die Soldaten in Breslau
„im Stich gelassen“. Man beurteilte dies damals in der Wehrmacht
als Fahnenflucht!
Der weitere Ausgang im Kampf um die Festung
Breslau ist ja bekannt.
Also, „meine Herren“, denkt mal nach! Wie
wäre es mal mit einer Gedenkveranstaltung für die sinnlosen
Opfer des Krieges, von Diktatur, Terror und Gewalt?
Ich wünsche diese Zeit der heutigen
Jugend jedenfalls nicht wieder!
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