| Magdeburger
Volksstimme 08.07.2002
Nach Brandanschlägen: Polizei verhinderte mit
einem Großaufgebot Ausschreitungen
Magdeburg - Mit einem Großaufgebot
begleitete die Polizei am Sonnabend zwei Demonstrationen
in der Innenstadt. Die "Initiative gegen linke
Gewalt", eine rechte Vereinigung, war mit etwa
250 Anhängern vom Uniplatz zum Olvenstedter Platz
gezogen.
Auf dem Bahnhofsvorplatz demonstrierten etwa 100
linke Jugendliche gegen den Aufmarsch. Es blieb
aber bei beiden Veranstaltungen ohne Zwischenfälle.
Unter dem Motto "Stoppt Gelder für linke Gruppen
- Antifa verbieten" demonstrierten gestern rund
250 rechtsorientierte Jugendliche.
Der Aufzug begann am Uniplatz und machte einen
Zwischenstopp an der Gaststätte "Zum Reinheitsgebot".
Das Lokal der rechten Szene im Parterrebereich
des ehemaligen SKL-Bürohauses war am vergangenen
Freitag völlig ausgebrannt. Es war ein Schaden
von rund 200000 Euro entstanden. Die Täter legten
mit Benzin Feuer und sprühten an die Wand "Antifa
heißt Angriff".
Die Auseinandersetzung deutete sich bereits im
Internet zwischen den beiden Lagern ab. Während
die Rechtsradikalen "Schluss mit den roten Hass-
und Gewaltverbrechen" forderten, machten linksorientierte
Magdeburger rechtsradikale Gruppen für Brandstiftungen
in Gardelegen und Halle in linken Projekten verantwortlich.
Alle drei Taten, die in drei aufeinanderfolgenden
Nächten passierten, konnten bisher noch nicht
aufgeklärt werden. Eine Sonderkommission der Magdeburger
Polizei ermittelt in alle Richtungen. Es gebe
eine Reihe von Spuren, denen nachgegangen wird,
machte am Freitag der amtierende Magdeburger Kripo-Chef
Hoffnung, die Täter ausfindig zu machen.
Die eingesetzten Hundertschaften
der Polizei sorgten dafür, dass es am Sonnabend
in der City nicht zu Auseinandersetzungen zwischen
beiden Lagern kam. Offensichtlich ging die Taktik
der massiven Polizeipräsenz sehr gut auf. Die
Beamten kontrollierten alle verdächtigen Personen
bereits im Vorfeld und sprachen in Einzelfällen
auch Platzverweise aus. An dem einzigen komplizierten
Punkt auf der Strecke, am Hauptbahnhof, hatten
die Beamten Absperrgitter aufgestellt. Eine weitere
Hundertschaft sorgte an dieser Stelle dafür, dass
Gewalttäter erst gar keine Gelegenheit bekamen,
aktiv zu werden. Beim Marsch durch Stadtfeld zum
Olvenstedter Platz war es ähnlich. Offensichtlich
linksorientierte Jugendliche, die in einem Hauseingang
standen, wurden sofort zurück gedrängt.
Nach der Veranstaltung setzten die MVB Sonderbusse
ein, damit es auch nach Auflösung der Demonstrationen
ruhig blieb. Die Teilnehmer wurden in Polizeibegleitung
zum Bahnhof gebracht, wo die zum größten Teil
aus der Altmark und Halle angereisten Rechten
vom Bundesgrenzschutz übernommen wurden.
Am Sonntag gegen 0.45 Uhr
kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen
linken und rechten Jugendlichen an der Ecke Große
Diesdorfer/Gerhart-Hauptmann-Straße. Dort wurden
mehrere Personen aus der linken Szene aus einem
vorbeifahrenden Auto mit einem Gegenstand beworfen.
Als der Pkw wieder auftauchte, bewarfen die Jugendlichen
im Gegenzug das Fahrzeug mit Bierflaschen und
Steinen. Dabei ging die Frontscheibe zu Bruch.
Etwa 30 Personen der rechten Szene, die sich in
der Nähe aufhielten, wurden darauf aufmerksam.
Die Situation drohte zu eskalieren. Auch hier
konnte ein masssiver Polizeieinsatz Schlimmeres
verhindern.
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