| Nachlese
zu Leipzig am 8. Juni 2002
insgesamt knapp 2000 Neo-Nazis demonstrierten ungestört
durch Leipzig
>> L.E. 6. April 02
zum NAZIS-NO-WAY-DESASTER von Leipzig
am 8. Juni 2002 einige ausgewaehlte, und zum Teil bezeichnende,
Pressestimmen zur hoffentlich aufschreckenden Lektuere fuer
alle Beteiligten und vor allem fuer alle diesmal Nicht-Beteiligten
des autonomen Antifa-Widerstandes.
Ein aufruettelnd-aktivierender Service von S.A.R.G. Dresden
- Diskussion zum Desaster bei de.indymedia.org
- autonomes Leipziger Info-Portal www.left-action.de
Leipziger Volkszeitung 10.06.2002
500 Leipziger protestierten gegen 1720 Neonazis
4000 Polizei- und Bundesgrenzschutz-Beamte
haben am Sonnabend in Leipzig Ausschreitungen zwischen rechten
und linken Demonstranten verhindert. 1100 NPD sowie 620
Anhänger des Neonazis Christian Worch protestierten auf
zwei separaten Kundgebungen gegen die Wehrmachtsausstellung.
500 Leipziger folgten zeitgleich einem Aufruf des Courage-Bündnisses
und gingen gegen Rechts auf die Straße. Für den Vorsitzenden
des PDS-Stadtverbandes, Volker Külow, war der Sonnabend
ein "schwarzer Tag für Leipzig", da sich nur rund 500 Messestädter
dem Aufruf des Bürger-Bündnisses, gegen den NPD-Aufmarsch
zu demonstrieren, angeschlossen hatten.
Enttäuscht zeigte sich Külow vor allem von OBM Wolfgang
Tiefensee (SPD), der dem Zug vom Volkshaus zum Südtor der
Alten Messe fern geblieben war. "Statt Courage und Gesicht
zu zeigen, versteckten sich wichtige Verantwortungsträger
der Stadt bei einer Podiumsdiskussion", so Külow. In dieses
Forum in Halle 6 sollte um 15 Uhr der Bürger-Protestzug
münden. Doch etwa die Hälfte der Teilnehmer blieb am Südtor
stehen, um auf den Vorbeimarsch der NPD-Anhänger zu warten.
Gegen 16.15 Uhr standen sich beide Seiten nahe des Hit-Marktes
in Rufweite gegenüber nur getrennt durch eine Polizei-Kette.
Es kam zu einem kurzen Gerangel zwischen 150 Linken und
den Ordnungshütern, die die aufgebrachte Menge zu nah an
die Rechten herangelassen hatte. Erst zwei Wasserwerfer
und zusätzliche Polizeikräfte sorgten wieder für Ruhe. Nicht
nur diese Aktion stieß bei den linken Gegendemonstranten
auf Kritik, sondern auch die Personenkontrollen am alten
Messegelände: "Selbst Organisatoren unserer Demo wurden
durchsucht", schimpfte Toralf Herschel von "Jugend ist bunt".
Kontrollen mussten auch die rund 1100 NPD-Mitglieder und
deren Sympathisanten über sich ergehen lassen. Sie waren
aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, um gegen die Wehrmachtsschau
zu protestieren. Gegen 14 Uhr begann ihre Kundgebung auf
dem Parkplatz vor der alten Messehalle 2, gegen 15.40 Uhr
setzte sich der Zug in Bewegung, der "Ruhm und Ehre den
deutschen Wehrmachtsoldaten" rief. Auch ein Plakat "Solidarität
für Möllemann" hatte die NPD dabei.
Um Neonazi Christian Worch versammelten sich derweil 650
Anhänger an der Ostseite des Hauptbahnhofs. Als die Rechten
von der Brandenburger Straße in die Wintergartenstraße einbogen,
schlugen ihnen "Nazi-raus"-Rufe von Autonomen entgegen.
Die versuchten an der Schützenstraße, den Neonazi-Zug gewaltsam
zu stoppen. Doch mehr als 1000 Polizisten verhinderten dies.
Auch in der Rosa-Luxemburg-Straße flogen Steine auf Worchs
Anhänger, die von da an ungestört bis zum Ostplatz gelangten.
Dort hallten fast eine Stunde lang Sprechchöre über die
Kreuzung, die komplett dicht war. Am Ende kündigte Worch
weitere Demonstrationen an: Weil Stadt und Polizei drei
Auftritte seiner Anhänger "widerrechtlich" unterbunden hätten,
würden "mindestens drei weitere Demonstrationen vom Hauptbahnhof
zum Völkerschlachtdenkmal" stattfinden, drohte er. Marschiert
werde am 13. Juli, 3. August, 7. September und 3. Oktober
bei Widerstand würden ab März 2003 weitere Veranstaltungen
folgen.
up
Freie Presse 10.06.2002
Regen hält Leipziger Demonstranten daheim
Rechtsradikale können unbehelligt gegen Wehrmachtsausstellung
aufmarschieren
Es war wie immer und trotzdem anders.
Die Stadt Leipzig, die vergangenen Samstag zum vierten Mal
innerhalb von zehn Monaten Schauplatz von Neonazi-Demos
war, glich einem Hochsicherheitstrakt. Die Stadt befand
sich wie bereits am 1. September und 3. November 2001 sowie
6. April 2002 im Ausnahmezustand. Gut 4000 Polizisten hatten
Stellung bezogen, um Ausschreitungen zu verhindern. Das
Ziel wurde erreicht. Es blieb weitgehend friedlich. "Erfolgreicher
Polizeieinsatz am 8. Juni, Leipzig zeigte Courage", meldete
die Pressestelle der Polizeidirektion Leipzig. Doch zumindest
was den zweiten Teil dieses Resümees betrifft, sind Zweifel
angebracht. Schließlich konnten die Rechtsextremen, die
gegen die zeitgleich eröffnete Wehrmachtsausstellung auf
dem alten Messegelände anwetterten, erstmals ungehindert
in zwei Marschzügen durch die Stadt ziehen und "Ruhm und
Ehre der deutschen Wehrmacht" skandieren.
Der "antifaschistische und demokratische Gegenprotest",
so kritisierte der Stadtvorstand der PDS, war "diesmal weder
quantitativ noch qualitativ in der Lage, den Nazis auf der
Straße offensiv entgegen zu treten." Was war geschehen?
Anders als bei den vorherigen Aufzügen der Radikalen, wo
stets die Demonstration am Hauptbahnhof starten sollten,
waren diesmal zwei Aufmärsche angemeldet und genehmigt worden.
Die eine Aktion, ein Zug vom Hauptbahnhof zum Ostplatz,
organisierte der Hamburger Christian Worch und 600 Teilnehmer
kamen. Zur zweiten, die um die alte Messe führte, hatte
Sachsens NPD 1100 Gefolgsleute geholt. Für die Polizei keine
leichte Aufgabe, beide Veranstaltungen abzusichern und Gewalttätigkeiten
mit Gegendemonstranten zu verhindern. Zwar hatte das Bündnis
"Leipzig zeigt Courage!" wiederum zu einem friedlichen Protest
aufgerufen. Doch statt der rund 6000 Bürger, die noch im
April am Hauptbahnhof mit Konfetti und Lachsäcken den braunen
Aufmarsch aufs Korn nahmen und eine Demonstration verhindern
konnten, kamen an diesem verregneten Samstag nur 500 Leipziger,
um auf abgelegener Route "Nazis raus" einzufordern.
Ein Teil der Leute, die an dem Zug, dessen Ziel ebenfalls
die alte Messe war, teilnahmen, besuchte eine Diskussion
zur Wehrmachtsausstellung. Auf dem Podium saß auch Leipzigs
Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee. Seine Botschaft angesichts
etlicher Gerichtsurteile, welche die Aufmärsche bestätigten:
"Die Politik ist gefordert, Balance zu halten zwischen dem
Recht zu demonstrieren, dem Recht auf öffentliche Sicherheit
und dem Recht auf demokratische Gegenwehr." Zur Schau "Verbrechen
der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944",
die bis zum 21. Juli in Leipzig zu sehen ist, fanden am
Eröffnungstag nur relativ wenige Besucher. Mag sein, dass
die beängstigende Situation rund herum ausschlaggebend war.
Kurzzeitig hatte die Polizei sogar die Zugänge zum alten
Messegelände dicht gemacht. Nach heftigen Wortgefechten
mit Beamten, die aus Sicherheitsgründen keinen mehr hinauslassen
wollten, durften die Gäste der Schau dann doch passieren.
Ein Ausstellungsstart mit Hindernissen. In Berlin, Bielefeld
und Wien, wo die neu konzipierte Exposition des Hamburger
Instituts für Sozialforschung zuvor gezeigt wurde, war das
ähnlich.
up
die tageszeitung 10.06.2002
Geschichtsleugner unter sich
1.500 Rechte demonstrierten in Leipzig gegen die "Wehrmachtsausstellung"
LEIPZIG
Mit offenen Drohungen gegen Jan Philipp
Reemtsma und Solidaritätstransparenten für die Waffen-SS
demonstrierten am Samstag rund 1.000 Anhänger der rechtsextremen
NPD in Leipzig. Lautstarke "Hurra-Rufe" von ehemaligen Wehrmachtssoldaten,
Ex-Waffen-SS-Angehörigen und Neonazis feuerten auch jene
NPD-Redner an, die "Schweinejournalisten" für "eine Hetzjagd"
verantwortlich machten und antisemitische Tiraden gegen
"Brunnenvergifter" und den Zentralrat der Juden in Deutschland
verlasen. Anlass für die vierte Demonstration der extremen
Rechten in Leipzig innerhalb von zehn Monaten war die Eröffnung
der Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht - Dimensionen
des Vernichtungskriegs. 1941-1944" des Hamburger Instituts
für Sozialforschung, die bis Ende Juli auf dem Gelände der
Alten Messe gezeigt wird. Nachdem NPD und militante Kameradschaften
schon gegen die erste Wehrmachtsausstellung mobilisiert
hatten, ist Leipzig jetzt der vierte Ort, an dem Neonazis
auch gegen die überarbeitete Ausstellung auf die Straße
gingen. Getrennt von der NPD marschierten auch rund 500
Aktivisten der militanten Kameradschaften unter Führung
des Hamburger Neonazis Christian Worch durch Leipzig. Worchs
Anhänger, die zuletzt aufgrund massiver Proteste und Polizeiauflagen
dreimal mit Aufmarschversuchen in Leipzig gescheitert waren,
feierten am Samstag ihren "Sieg". Worch kündigte zudem vier
weitere Demonstrationen in Leipzig an. Mehrere hundert Gegendemonstranten,
die dem Aufruf des Bündnisses "Jugend ist bunt" gefolgt
waren, wurden von der Polizei von den Rechten fern gehalten.
up
Neues Deutschland 10.06.2002
Aufmarsch von Neonazis in Leipzig Leipzig (ND-Lasch).
Wegen der am Vortag eröffneten Ausstellung
"Verbrechen der Wehrmacht", die jetzt sechs Wochen lang
in Leipzig zu sehen sein wird, sind am Samstag in der sächsischen
Stadt 2000 Rechtsextreme aus dem ganzen Bundesgebiet auf
die Straße gegangen. Sie marschierten in zwei getrennten
Blöcken mehrere Stunden lang ungehindert von Polizei oder
Gegendemonstranten. Die Neonazis skandierten dabei Parolen
wie "Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht". Zu einer Gegenveranstaltung
kamen dagegen nur 500 Teilnehmer. Sie wurden durch 4000
Polizisten von den Rechtsextremen fern gehalten. Zu gewaltsamen
Konfrontationen kam es nicht. Anders als bei früheren Neonazi-Aufmärschen
hatte die Rathausspitze diesmal zur "intellektuellen Auseinandersetzung"
auf einer Podiumsdiskussion aufgerufen. PDS-Stadtchef Volker
Külow sprach angesichts des erlahmenden Protests von einem
"schwarzen Tag" für Leipzig und forderte neue Überlegungen.
In Leipzig sind bis Jahresende drei weitere rechtsextreme
Aufzüge angemeldet. Leipzig ist die vierte Station der neu
konzipierten Wehrmachtausstellung nach Berlin, Wien und
Westfalen. Man hofft hier auch auf Besucher aus Dresden,
wo noch die alte Fassung zu sehen war. Chemnitz zeigt die
neue Exposition im März 2003. Leipzig hatte ursprünglich
erster Ort der neuen Ausstellung sein wollen, wegen veränderter
Raumanforderungen aber vorübergehend zurückgezogen. Oberbürgermeister
Wolfgang Tiefensee sagte, die Stadt biete jetzt mit der
Ausstellung Platz für Aufklärung: "Die Wunde dieses Krieges
ist noch längst nicht vernarbt."
up
In Leipzig ist Courage ermattet
Neonazimarsch gegen Wehrmachtausstellung.
Wenige Gegendemonstranten.
Von Hendrik Lasch
2000 Rechtsextreme aus ganz Deutschland
haben gegen die gerade in Leipzig eröffnete Wehrmachtsausstellung
protestiert. Anders als bei vorherigen Aufmärschen blieb
der Widerstand gering. Leicht verlottert wirkt das Gelände
der Alten Messe in Leipzig und dadurch um so weitläufiger.
Zwar waren die Brachflächen zwischen den ramponierten Pavillons
am Freitag grüner geworden: 4000 Polizisten brachten sich
in Stellung, während am Abend in Halle 14 die Ausstellung
"Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges
1941-1944" eröffnet wurde. Als am Samstag etwa 500 Gegner
der rechtsextremen Aufzüge am Südtor eintrafen und teilweise
zu einer Podiumsdiskussion in Halle 6 weiterzogen, wirkten
sie verloren. In der Halle gab es nur 300 Zuhörer. Andere
Gegendemonstranten versuchten, in Rufweite der Marschroute
der Rechtsextremen auszuharren. Sie wurden von Polizeikordons
abgeschirmt. Wer sich vorbeimogeln wollte, wurde in Gewahrsam
genommen. Knapp 100 solche Fälle gab es bis zum Abend. Nachdem
während der Eröffnungsfeier am Freitag nur sechs mit Stalinmasken
Vermummte an einem Tor gegen die angeblich von der Ausstellung
beförderte "Schuld- und Schmachkampagne" protestiert hatten,
wurde die Teilnehmerzahl bei zwei getrennten, von dem Hamburger
Neonazi Christian Worch sowie der NPD angemeldeten Aufmärschen
am Samstag auf 2000 geschätzt.
Vor allem die NPD hatte bundesweit mobilisiert: Bussen entstiegen
Männer, die sich dem "Nationalen Widerstand" aus Hessen
oder Brandenburg sowie "Kameradschaften" aus Thüringen oder
dem Rheinland zugehörig zeigten. Sie marschierten mehrere
Stunden ungehindert durch Leipzig. Dabei wurden Parolen
wie "Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht" und "Deutsche
Soldaten-Heldentaten" gebrüllt. Dass zu den Gegenveranstaltungen
trotz des gemeinsamen Aufrufs von Initiativen wie "Leipzig.
Courage zeigen" sowie von Gewerkschaften und Parteien nur
wenige Teilnehmer kamen, lässt den Leipziger PDS-Stadtchef
Volker Külow von einem "schwarzen Tag" sprechen. Er machte
die Stadtverwaltung dafür mitverantwortlich, die eine "versteckte"
Podiumsdiskussion der direkten Konfrontation vorgezogen
habe.
Der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD)
bezeichnete die Stadt dagegen nach wie vor als "widerständig".
Die jetzt in Leipzig zu sehende Ausstellung verlange nach
"intellektueller Auseinandersetzung". Von der lokalen CDU
wird die Rathausspitze zunehmend attackiert, weil sie sich
überhaupt an Protesten beteiligt. Seit September 2001 gab
es vier Aufmärsche von Neonazis in Leipzig; weitere sind
angemeldet. Mehrfach wurden die Neonazis durch Straßenblockaden,
durch Bürgerfeste mit Tausenden Teilnehmern oder durch akribische
Polizeikontrollen verhindert. Doch der Widerstand scheint
zu ermatten. Tiefensee fragte am Samstag, "wie weit es sich
Demokratie gefallen lassen kann, dass sie mit demokratischen
Mitteln angegriffen und gegebenenfalls ad absurdum geführt
wird". Mit Verboten hatte die Stadt bislang nie Erfolg.
Der PDS-Landtagsabgeordnete Steffen Tippach hat daher erneut
eine "antifaschistische Klausel" angeregt. Die Wehrmachtsausstellung
wird sechs Wochen lang in Leipzig zu sehen sein. Dazu gibt
es ein Programm mit 100 Veranstaltungen von Universität
und Schulen, auch von Luxemburg- und Böll-Stiftung sowie
der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Leipzig ist die vierte
Station der neu konzipierten Ausstellung. Oberbürgermeister
Tiefensee sagte, die Stadt biete "gern Platz" für die historische
Aufklärung: "Die Wunde dieses Krieges ist noch längst nicht
vernarbt."
up
jungeWelt 10.06.2002
Worch will weiter nerven Leipzig: 2500 Neofaschisten marschierten
ungestört gegen Wehrmachtsausstellung
Nur einige hundert Menschen beteiligten
sich am Sonnabend in Leipzig an Protesten gegen zwei von
Neofaschisten durchgeführte Aufmärsche. So zogen die beiden
braunen Züge mit etwa 2500 Teilnehmern, begleitet von einem
martialischen Polizeiaufgebot, ungestört durch die Innenstadt.
Ein Aufzug der NPD setzte sich mit etwa 2000 Neonazis gegen
Mittag unter dem Motto "Ruhm und Ehre den Wehrmachtssoldaten"
von der Alten Messe aus in Bewegung. Hier ist die am Sonnabend
vormittag eröffnete Wanderausstellung über Verbrechen der
Wehrmacht des Hamburger Instituts für Sozialforschung untergebracht.
An einem von Christian Worch angemeldeten Marsch sogenannter
"Freier Kameradschaften", der am Hauptbahnhof begann, beteiligten
sich rund fünfhundert Anhänger.
Die Polizei hatte mit ihren aus dem gesamten Bundesgebiet
zusammengezogenen 4000 Einsatzkräften um die Aufmärsche
herum ein Areal von etwa fünf Quadratkilometern abgeriegelt.
Passanten, die sich nicht als Anwohner ausweisen konnten,
durften Polizeisperren nicht passieren. Dutzende Platzverweise
seien erteilt worden, so die Einsatzleitung am Abend gegenüber
junge Welt. Etliche Versuche Worchs, Aufmärsche durch Leipzig
durchzuführen, waren in der Vergangenheit mehrfach durch
Antifaschistinnen und Antifaschisten verhindert worden.
Gegen den letzten Aufmarsch Anfang April waren über zehntausend
Menschen auf der Straße.
Obwohl auch diesmal Gewerkschaften, Parteien und antifaschistische
Gruppen zu Aktionen gegen die Neofaschisten aufgerufen hatten,
kamen nur etwa 500 Demonstranten zusammen. Eine Gegendemonstration
war von Jusos, DGB, PDS und Leipzigs Bürgermeister Wolfgang
Tiefensee (SPD) unterstützt worden. Tiefensee bezeichnete
den Aufmarsch als "Gefahr für die Demokratie", die Politik
müsse nun "endlich darauf reagieren". Den Ereignissen war
das übliche juristische Hickhack vorausgegangen. Die Stadt
Leipzig war vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen damit
gescheitert, ein Verbot der Aufzüge durchzusetzen. Das Gericht
verwarf ebenfalls eine Beschwerde der Stadt gegen den vorbestraften
Worch als Versammlungsleiter des "Kameradschafts"-Aufmarsches.
Durchgesetzt werden konnte jedoch ein Verbot von Bomberjacken
und Springerstiefeln für Teilnehmer der Neonazidemo.
Erst im Dezember 2001 waren etwa 1500 Neofaschisten durch
Berlins Innenstadt marschiert, um mit Parolen wie "Unsere
Väter waren keine Verbrecher" gegen die Ausstellung zu hetzen.
Antifaschisten waren hingegen nahe der Jüdischen Synagoge
in der Oranienburger Straße Polizeiknüppeln und Wasserwerfern
ausgesetzt. 1997 waren schon einmal 5000 Nazis durch München
gegen die Ausstellung aufmarschiert. Auch in den kommenden
Monaten wird Leipzig von Bildern wie am Sonnabend nicht
verschont bleiben. "Wir haben Leipzig genervt und werden
Leipzig weiter nerven!", rief Worch seinen Kameraden zu,
bevor diese sich auf den Heimweg machten. Vier weitere Aufmärsche
hat er deshalb noch für dieses Jahr angemeldet - den nächsten
bereits am 6. Juli.
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