INDEX
Neo-Nazis Regional |
INDEX
NPD-Pressefest 2001 in Grimma
|
|
Artikel aus der Leipziger
Volkszeitung zum NPD-Pressefest
|
Jetzt volle Programm zum
Volksfest in der LVZ -
und Sicherheitshinweise
Leipziger Volkszeitung/ Wurzen 6. September 2001
Prominente Redner, Friedensgebet
und viel Musik, Tanz und Sport
"Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt" - morgen große Veranstaltung
auf dem Grimmaer Marktplatz, mit der die Kreisstädter Flagge
zeigen wollen
Grimma. "Bunte Vielfalt statt brauner
Einfalt" lautet das Motto der großen Veranstaltung, mit
der die Grimmaer morgen auf dem Marktplatz dem auf dem Volkshausplatz
geplanten NPD-Pressefest paroli bieten wollen. Nachdem das
Jugendblasorchester 10.45 Uhr den musikalischen Auftakt
gibt, findet 11 Uhr eine öffentliche Stadtratssitzung auf
einer der drei Marktbühnen statt. Anschließend sprechen
der sächsische DGB-Chef Hanjo Lucassen und der sächsische
Ausländerbeauftragte, MdL und Pfarrer Heiner Sandig. Bevor
fünf vor zwölf die Glocken der Frauenkirche zu hören sind,
wird es ab 11.40 Uhr auf dem Markt ein ökumenisches Friedensgebet
mit Trommelperformance geben.
Ab 12 Uhr reihen sich in bunter Folge Auftritte von Grimmaer
und Muldentaler Kulturgruppen aneinander: Nach dem JBO zeigt
ab 12.30 Uhr der Muldental-Fitness-Club sein Können, 12.45
Uhr ist indianisches "Pow-Wow" angesagt, 13 Uhr tritt die
Big Band der Musikschule Muldental auf, es folgen ab 13.30
Uhr bis 14.45 Uhr der Sport- und Spielkindergarten, die
Tanzgruppe der AWO, Gitarrist Torsten Steudtner, Zauberer
Adi Becker und der Chor von Grimma-West.
Ab 15 Uhr wird's rockig auf dem Markt, denn bis gegen 18
Uhr sorgen die vier Rockbands "Bannkreis", "The Romjaks",
"Native Minds" und "Drive" für Stimmung. Ab 18 Uhr stellen
sich mit Gert Gräve, Frau Lawonn und Herrn Seidel Literaten
aus der Region vor, und 19.30 Uhr wird die Theatergruppe
des St. Augustin Szenen aus dem Stück "Es war die Lerche"
aufführen. Ab 20.15 Uhr wird der Film "Das Leben ist schön"
gezeigt. - Parallel zu den Veranstaltungen auf dem Markt
findet 15 Uhr im Stadion der Freundschaft das Fußballspiel
der Traditionsmannschaft des SV 1919 gegen Asylbewerber
aus Collmen statt.
Gemeinsam für Sicherheit sorgen
Wie die Verantwortlichen der Stadtverwaltung versichern,
würden die Veranstaltungen auch bei Regen stattfinden, da
die Auftritte dann in die Räume des Rathauses verlagert
werden. Um die Sicherheit brauchten sich die Besucher des
bunten Tages keine Sorge zu machen. Auf jeden Fall (bei
Redaktionsschluss dieser Seite war die letztliche Entscheidung
über ein Verbot der NPD-Zusammenkunft noch nicht gefallen)
sei ausreichend Polizei präsent, um den friedlichen Verlauf
der Veranstaltung auf dem Markt zu gewährleisten.
Dezernentin Renate Göhler von der Stadtverwaltung wies jedoch
darauf hin, dass die Grimmaer Bürger und Gewerbetreibenden
vorsorglich bewegliche Gegenstände wie Blumenkästen an unteren
Fenstern, Fahrradständer und anderes am besten in die Häuser
nehmen und die Firmen ihre Baustellen massiv absperren sollten,
damit nichts greifbar ist, was möglicherweise als "Wurfgeschoss"
Verwendung finden könnte.
S. H.
up |
Bürgerfest größer
als erwartet, LVZ gibt nochmal Bericht
Leipziger Volkszeitung/ Wurzen 5. September 2001
Grimmaer zeigen Flagge in bunter
Vielfalt
Veranstaltungen sollen Zeichen gegen Rechts setzen
Grimma. "Bunte Vielfalt statt brauner
Einfalt" - fast stündlich gehen bei der Grimmaer Stadtverwaltung
neue Ideen ein, wie die große Veranstaltung auf dem Marktplatz
am 8. September noch vielfältiger und ideenreicher gestaltet
werden kann und sich damit die Grimmaer und ihre Gäste aktiv
gegen die geplante und mittlerweile verbotene NPD-Versammlung
auf dem Volkshausplatz aussprechen.
In enger Zusammenarbeit mit den Kirchen und zahllosen Organisationen,
Vereinen und Bürgern der Kreisstadt sowie anderer Kommunen
konnte durch die Stadt schon jetzt ein Programm auf die Beine
gestellt werden, das bis weit in den Abend die Muldentaler
in ihrem Protest gegen fremdenfeindliche Politik und rechte
Gewalt vereinen wird. Mit einer öffentlichen Stadtratssitzung
auf dem Markt, bei der sich die Parlamentarier zum Thema "Rechts"
positionieren wollen, soll 11 Uhr der bunte Tag eingeläutet
werden. Die Personalräte der Stadtverwaltung, des Landratsamtes
und des Krankenhauses berufen außerordentliche Personalversammlungen
ein, und als Redner hat sich der DGB-Vorsitzende Sachsens,
Hanjo Lucassen, angesagt. Zu einem ökumenischen Gottesdienst
auf dem Markt werden sich alle friedliebenden Bürger vereinen.
Zu den prominenten Gästen, die auf dem Marktplatz vor den
Bürgern auftreten werden, gehört auch Pfarrer Heiner Sandig,
Landtagsabgeordneter und Sächsischer Ausländerbeauftragter.
Auf den beiden Bühnen wird es mit viel Musik hoch her gehen.
Das Jugendblasorchester spielt ebenso wie die Big Band der
Musikschule Muldental, der Chor des Seume-Gymnasiums tritt
auf und Rockbands sorgen für Stimmung. Eine Trommel-Performance
soll es geben, der Muldental-Fitness-Club zeigt sein Können,
auch kleine Künstler aus Grimmaer Kindereinrichtungen. Adi
Becker wird die Besucher "verzaubern", es sind Bastelstraßen,
Hüpfburg, Versorgungseinrichtungen und manch andere Überraschungen
aufgebaut. Am Abend finden Lesungen zum Thema Fremdenfeindlichkeit
statt. Ab 20 Uhr soll ein entsprechender Film gezeigt werden.
Um die ganze Stadt an diesem Tag in ein farbiges Kleid zu
hüllen, sind schon jetzt viele Hände am Werk. Sowohl Plakate
"Die Welt ist bunt" als auch bunte Fähnchen, gefärbte Bettlaken
und viele andere äußere Zeichen des Protests gegen Braun sind
bereits vor-bereitet.
Grimmas Stadtoberhaupt Matthias Berger hat indes alle Bürgermeister
des Muldentals angeschrieben mit der Bitte, dass die anderen
Kommunen für diesen Tag ebenfalls Flagge zeigen, ihren Protest
gegen die geplante NPD-Veran-staltung zum Ausdruck bringen
und die Stadt Grimma bei ihrer Aktion unterstützen. Nachdem
der Nerchauer Stadtrat auf einer Sondersitzung bereits "Farbe
bekannt hatte", unterstützt nun auch der Naunhofer Stadtrat
das Grimmaer Bürgerbündnis. Die Stadträte rufen die Naunhofer
Bürger dazu auf, die Aktionen auf dem Grimmaer Markt zu besuchen.
Als symbolischen Betrag werde die Stadt Naunhof 100 Mark auf
das Konto des Bürgerbündnisses einzahlen.
S.H./H.L.
up |
LVZ gibt nochmal Bericht über
die Bunte Vielfalt in Grimma
Leipziger Volkszeitung/ Wurzen 28. August 2001
Berger: "Rechten nicht allein die
Straße überlassen"
"Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt": Grimmaer wollen mit
Volksfest am 8. September auf NPD-Pressefest in ihrer Stadt
reagieren
Grimma. Unter dem Motto "Bunte Vielfalt
statt brauner Einfalt" wollen viele Grimmaer dem NPD-Aufmarsch
am 8. September in ihrer Stadt begegnen. Darauf einigte man
sich jetzt auf einer Bürgerversammlung im Rathaussaal. Grimmas
Bürgermeister Matthias Berger bedauerte es außerordentlich,
dass die erste Bürgerversammlung, zu der er geladen hatte, zu
so einem unerfreulichen Anlass abgehalten werden müsse. 1500
NPD-Anhänger würden zum Pressefest der "Deutschen Stimme" erwartet.
Unabhängig davon, ob die Veranstaltung verboten werde oder nicht,
müsse Grimma ein Zeichen setzen. Berger: "Ich bin ein bisschen
stolz darauf, dass es mir ganz kurzfristig gelungen ist, ein
breites Bündnis - von der PDS bis zur katholischen Kirche -
für die Aktion ,Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt' zu gewinnen."
Zugleich appellierte er, nicht zu politisieren und polemisieren,
sondern Vorschläge zu machen, was unternommen werden könne,
damit man den Rechten die Straße nicht allein überlässt. Ein
Redner sprach sich dafür aus, in Grimma nicht etwa nur am 8.
September gegen Rechtsextremismus auf die Straße zu gehen, sondern
regelmäßig: "So wie die Leute damals in Leipzig um den Ring
gelaufen sind, könnten wir hier auch einmal in der Woche auf
dem Wallgraben demonstrieren." Ein Mädchen fände es als Kontrast
zur Veranstaltung auf dem Volkshausplatz witzig, wenn man im
benachbarten Jahn-Stadion ein farbenfrohes Fußballspiel organisieren
würde. Bürgermeister Berger war nicht mit leeren Händen gekommen.
Er präsentierte einen Vorschlag, auf den sich die Vertreter
der Parteien, Kirchen und der Grimmaer Jugend bereits geeinigt
hatten: Am Vortag des sogenannten Pressefestes solle auf dem
Rathausplatz eine öffentliche Parlamentssitzung stattfinden.
Im Anschluss könne u.a. ein gemeinsamer Gottesdienst in der
Frauenkirche geben. "Alles schön und gut. Aber was machen wir
an dem Tag, wenn die Nazis kommen? Soll ich da in meinen Schrebergarten
gehen oder mit bunten Klamotten durch Grimma laufen?", fragt
Schüler Felix Rößger. Letztlich plädierte die übergroße Mehrheit
der Anwesenden dafür, auf Aktionen am Vortag zu verzichten und
die Kräfte lieber für den 8. September zu bündeln, um auf dem
Marktplatz ein möglichst massenwirksames buntes Fest mit Ratssitzung
und Gottesdienst auszurichten. Bürgermeister Berger hofft in
den nächsten Tagen auf weitere Mitstreiter für ein buntes Programm.
H. L.
Für die bunte Veranstaltung am 8. September
auf dem Grimmaer Marktplatz sind auch Geldspenden gefragt. Bei
der "Kirchkasse Grimma" ist ein Spendenkonto eingerichtet. Kontonummer:
1010028223. Bankleitzahl: 860 502 00 bei Sparkasse Muldental.
Kennwort: "Bunte Vielfalt".
up |
LVZ gibt Bericht über die
Grimmaer Bürgerversammlung für lustige Gegenaktivitäten
Leipziger Volkszeitung Wurzen / Grimma 25.08.2001
"Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt"
Antwort auf Pressefest der "Deutschen Stimme": Volksfest am
8. September auf dem Grimmaer Markt Grimma.
NPD-Aufmarsch am 8. September auf dem
Grimmaer Volkshausplatz? Wenn es nach Thomas Ott geht, würde
die ganze Maßnahme glatt ins Wasser fallen. "In Grimma passieren
doch hin und wieder mal Havarien. Wasserrohrbrüche zum Beispiel.
Jawohl, ich bin dafür, dass am 8. September ein großer Wasserrohrbruch
passiert!" Wenn das so einfach wäre, wird sich Klaus-Jürgen
Linke vom Landratsamt gedacht haben, während das Publikum den
feucht-fröhlichen Vorschlag noch feierte. Linke wies zuvor darauf
hin, dass das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung sehr weit
dehnbar sei "auch wenn es für uns alle schwer nachvollziehbar
ist, dass es erlaubt ist, Dinge von sich zu geben, die sich
gegen die Menschenwürde richten". Es müssten triftige Gründe
gefunden werden, die auch gerichtlich standhalten, um ein Verbot
aussprechen zu können. Volkmar Wölk schüttelte den Kopf: "Ich
weiß gar nicht, wo die vielen Eier hier im Raum sind, um die
sie gerade getanzt sind. Ihre Behörde hat doch inzwischen genügend
Zeit gehabt, hieb und stichfeste Begründungen zu erarbeiten.
Dafür gibt es auch in der Fachliteratur Hilfen. Wie lange wollen
Sie mit dem Aussprechen eines Verbotes noch warten?" Breites
Bündnis Grimmas Bürgermeister Matthias Berger, der mit CDU-Mandat
erst kürzlich ins Amt gewählt wurde, bedauerte es außerordentlich,
dass die erste Bürgerversammlung, zu der er geladen hatte, zu
so einem unerfreulichen Anlass abgehalten werden müsse. 1500
NPD-Anhänger würden zum Pressefest der "Deutschen Stimme" erwartet.
Unabhängig davon, ob die Veranstaltung verboten werde oder nicht,
müsse Grimma ein Zeichen setzen. Berger: "Ich bin ein bisschen
stolz darauf, dass es mir ganz kurzfristig gelungen ist, ein
breites Bündnis von der PDS bis zur katholischen Kirche für
die Aktion Bunte Vielfalt statt brauner Einfalt zu gewinnen."
Zugleich appellierte er an die Besucher im gut besetzten Rathaussaal,
nicht zu politisieren und polemisieren, sondern Vorschläge zu
machen, was unternommen werden könne, damit man den Rechten
die Straße nicht allein überlässt. Ein Diskussionsredner sprach
sich dafür aus, in Grimma nicht etwa nur am 8. September gegen
Rechtsextremismus auf die Straße zu gehen, sondern regelmäßig:
"So wie die Leute damals in Leipzig um den Ring gelaufen sind,
könnten wir hier auch einmal in der Woche auf dem Wallgraben
demonstrieren." Ein Mädchen fände es als Kontrast zur Veranstaltung
auf dem Volkshausplatz witzig, wenn man im benachbarten Jahn-Stadion
ein farbenfrohes Fußballspiel organisieren würde. Mit bunten
Kleidern und fetzigen Kostümen. Gabriele Lawonn fragte, ob man
das Pressefest nicht einkreisen sollte und in lauter Trillerpfeifen
pusten könnte ...
Schüler Tobias Vogt stehe noch ganz unter dem Eindruck, dass
vor kurzem am hellichten Tag mitten auf dem Grimmaer Markt ein
Ausländer verprügelt wurde. Spontan erklärt er sich bereit,
mit seiner Theatergruppe zu sprechen, ob es nicht möglich sei,
die Premiere des Stückes vorzuverlegen, um auch so dem Aufmarsch
etwas entgegen zu setzen. Bürgermeister Berger war nicht mit
leeren Händen gekommen. Gewissermaßen aus der Schublade zog
er einen Vorschlag, auf den sich die Vertreter der Parteien,
Kirchen und der Grimmaer Jugend bereits am Vorabend geeinigt
hatten: "Wir mussten abwägen, entweder passiv zu bleiben oder
aktiv ein Zeichen zu setzen. Wir haben uns für Variante zwei
entschieden, wollen am Vortag des sogenannten Pressefestes eine
öffentliche Parlamentssitzung auf dem Rathausplatz abhalten,
uns im Anschluss daran in Richtung Schwanenteich in Bewegung
setzen, wo die Jugendlichen am dortigen Denkmal des unbekannten
Widerstandskämpfers gegen Diktaturen mobilmachen wollen. Danach
soll es in Richtung Frauenkirche gehen, wo es einen gemeinsamen
Gottesdienst geben soll. Am Abend könnten wir uns vorstellen,
dass es auf dem Markt noch ein Konzert gibt." Berger betont,
dass dieser Vorschlag nicht etwa beschlossene Sache sei und
stellt ihn zur Diskussion. "Alles schön und gut. Aber was machen
wir an dem Tag, wenn die Nazis kommen? Soll ich da in meinen
Schrebergarten gehen oder mit bunten Klamotten durch Grimma
laufen?", fragt Schüler Felix Rößger. Klaus Richter, SPD-Stadtrat:
"Wir haben natürlich auch überlegt, ob wir am Vortag oder am
eigentlichen Kundgebungstag ein Zeichen setzen sollten. Aber
wir müssen auch das Angstpotenzial unserer Bürger berücksichtigen.
Und da denke ich, dass der Freitag der bessere Tag ist. Ein
Tag, an dem wir mehr Menschen erreichen können." Schülerin Eva
Pechstein bestreitet gar nicht, dass auch sie Angst habe, wenn
ihr entsprechende Horden entgegen kommen würden. "Vielleicht
könnte man ja an beiden Tagen Demonstrationen machen, eine am
Vortag, für diejenigen, die ein bisschen mehr Angst haben und
eine am 8. September, für die, die nicht ganz so viel Angst
haben." Peter Müller, der für die PDS im Kreistag sitzt: "Aus
Erfahrung wissen wir wenn man sich teilt, werden die Kräfte
geschwächt. Ich bin für den Freitag. Wie will die Polizei, die
sicher an besagtem 8. September einen Gürtel um Grimma ziehen
wird, unterscheiden, wer zu welcher Demo will?" Auch Bürgermeister
Berger favorisiert den Freitag, schon allein, weil die Polizei
mit zwei Veranstaltungen an einem Tag möglicherweise überfordert
wäre. Bernd Merbitz widerspricht: "Einen polizeilichen Notstand
würde es auch dann nicht geben. Wir wären selbstverständlich
in der Lage, zwei Veranstaltungen abzusichern."
Als eine Frau im Publikum, die bereits am 1. Mai gegen den NPD-Aufmarsch
getrommelt habe, mehr Mut forderte, entschied sich Bürgermeister
Berger für eine Abstimmung: Und tatsächlich, die übergroße Mehrheit
sprach sich dafür aus, auf Aktionen am Vortag zu verzichten
und die Kräfte lieber für den 8. September zu bündeln, um auf
dem Marktplatz ein möglichst massenwirksames buntes Fest mit
Ratssitzung und Gottesdienst auszurichten. Jürgen Wieczorek,
SPD-Bundestagsabgeordneter, schlägt vor, dass zu der Stadtratssitzung
auf dem Rathausplatz auch Politiker aus der Region eingeladen
werden sollten. Vielleicht könne man ja sogar Politiker für
die Aktion interessieren, die zur gleichen Zeit beim Tag der
Sachsen in Zittau weilen. Wie auch immer, es müsse an diesem
Tag eine große Solidarität mit Grimma geben. Friedensgebet wird
eingeläutet Weil Kirchenglocken lauter sind als Trillerpfeifen
erklärten sich sowohl der Pfarrer der evangelischen Gemeinde,
Christian Behr, sowie Josef Reichl, Pfarrer der katholischen
Gemeinde, dazu bereit, im Anschluss an die öffentliche Parlamentssitzung
auf dem Rathausplatz das gemeinsame Friedensgebet einzuläuten.
Der jugendliche Gregor Meister versprach, sich um Musikgruppen
zu kümmern. Dies sollten aber nach Möglichkeit nicht nur Hip-Hopper
sein, um nicht etwa die Nicht-Hip-Hopper auszugrenzen, warf
Pfarrer Behr mit einem Schmunzeln ein. Bürgermeister Berger
würde sich freuen, wenn sich bei ihm in den nächsten Tagen alle
diejenigen melden, die zum bunten Programm beitragen wollen.
"Wir sind für alle offen: für die Indianer, die Theatergruppe,
die Musikband, das Jugendblasorchester ... für eine bunte Vielfalt
eben."
Haig Latchinian
up |
|
neuer
Veranstaltungsort Grimma?
von: Leipziger Volkszeitung vom 17. August 01
LVZ vom 17.8.01
"Keine Plattform für Rechtsradikale im Muldental"
Muldentalforum gegen NPD-Treffen in Grimma
Machern. Alle juristischen Möglichkeiten
für ein Verbot des am 8. September geplanten Pressefestes der
NPD Sachsen auf dem Volkshausplatz in Grimma müssen ausgeschöpft
werden, forderten die Mitglieder des Muldentaler Forums gegen
Gewalt und für die Unantastbarkeit der Menschenwürde am Mittwoch
in Machern. Die NPD-Veranstaltung war am Tag zuvor im Landratsamt
angemeldet worden. Nach eigenen Angaben erwartet die NPD 1500
Gäste, bietet vier Bands auf und kündigte elf Redner an.In einschlägigen
Publikationen der NPD werden bereits seit Juni für das Pressefest
an einem noch festzulegenden Ort geworben, informierte Volkmar
Wölk (PDS) das Forum.
Geplanter Termin war der 25. August. Für den Tag der Mulderegatta
habe das Landratsamt die Veranstaltung abgelehnt, als Ausweichtermin
stehe der 8. September. Unter den angekündigten Rednern, so
Wölk, befänden sich ein Altnazi und ein bereits vorbestrafter
Rechtsterrorist. Vergeblich habe die NPD andernorts versucht,
sich in Hallen einzumieten. In Grimma wurde nun eine Versammlung
unter freiem Himmel angemeldet. "Das heißt, die NPD ist überall
bei der Raumsuche gescheitert. Der Muldentalkreis muss rechtliche
Schritte unternehmen", fordert Wölk. "Ein peinliches Datum",
findet Kerstin Köditz (PDS). "Am 9. September wurden in der
DDR die Opfer das Faschismus geehrt." Sie schlägt dem Forum
vor, dem Landrat politisch den Rücken zu stärken, dass alle
rechtlichen Möglichkeiten für ein Verbot ausgeschöpft werden.
Schließlich sei für den 10. November noch ein Aufmarsch der
sächsischen NPD angemeldet. "Wir brauchen mehr als bunte Tücher.
Der Muldentalkreis soll keine Plattform für Rechtsextreme sein.
Bereits beim letzten Aufmarsch haben sich viele Städte und Gemeinden
öffentlich distanziert." "Wir lehnen beide Veranstaltungen ab",
so SPD-Kreisvorsitzender Klaus Uhlemann zur einstimmigen Position
seines Vorstandes. "Der Landrat muss unserer Unterstützung sicher
sein", spricht er sich dringlich für eine gemeinsam Erklärung
aus. Vertreter des Muldentalforums sprechen noch in dieser Woche
mit dem Grimmaer Bürgermeister Matthias Berger über gemeinsame
Initiativen. Grimmas Bürgermeister in einer ersten Reaktion:
"Persönlich bin ich strikt dagegen, dass derartige Veranstaltungen
in Grimma stattfinden." Er ist sich darin auch mit dem Ältestenrat
des Stadtparlamentes einig. Berger war über die Anmeldung "tief
betroffen", müsse sie aber nach den Grundsätzen des Rechtsstaates
zunächst akzeptieren. Er wolle im Gegenzug aber alle rechtsstaatlichen
Möglichkeiten ausschöpfen, um das Treffen der NPD zu verhindern.
"Ich weiß, dass das schwer sein wird, es gilt aber auch, ein
Zeichen zu setzen, dass wir derartiges in Grimmas nicht wollen."
Berger will sich beim Landrat für ein Verbot der Veranstaltung
stark machen. Auch für den Fall, dass es nicht zustande kommt,
will der Bürgermeister gerüstet sein. Die Stadt sei mit "allen
im Gespräch, die dagegen sind".
Gemeinsam wolle man auch in dem Fall ein Zeichen setzen. Von
einer Gegendemonstration hält Matthias Berger nichts: "Im Sinne
der Deeskalation wäre das nicht wünschenswert."
Viola Heß/André Neumann
up |
|