Aufruf zu Gegenaktivitäten
am 8. September 01:
Die deutsche Stimme verstummen lassen!
Antifaschistisches Bündnis Dresden
Die Parteipostille der NPD will
am 25. August ein Pressefest mit bis zu tausend TeilnehmerInnnen
veranstalten. Dies ist nicht nur irgendein Nazitreffen, wie
sie inzwischen leider jedes Wochenende irgendwo stattfinden.
Hier geht es auf der einen Seite darum sich selbst zu feiern,
auf der anderen Seite Planungen für die Zukunft zu treffen
und Strategien zu diskutieren.
Die angekündigten Redner, wie der Bundesvorsitzende der Jungen
Nationaldemokraten Sascha Rossmüller, der wegen verschiedener
Anschläge verurteilte Rechtsterrorist Peter Naumann, Herbert
Schweiger, ehemaliger SS-Untersturmführer der Division „Leibstandarte
Adolf Hitler“ und Roberto Fiore von der neofaschistischen
Forza Nuova aus Italien lassen darauf schliessen, dass die
NPD nicht aus Angst vor einem Verbot zurückschreckt, sondern
einen radikaleren Kurs einschlägt. Der bedeutet offen neonationalsozialistisches
Auftreten und Annäherung an die "Freien Kräfte". Denn einerseits
bedeutet die NPD eine noch legale Basis, aber andererseits
ist seit langem eine Missstimmung über die vermeintliche Anpassung
der Partei bei ihren Mitgliedern spürbar. Damit man diese
nicht immer mehr an sogenannte "Freie Kameradschaften" verliert,
schlägt man gerade auf solchen Zusammenkünften einen schärferen
Ton an.
Das gemeinsame Agieren von Alt- und Neonazis für die Zukunft
stellt auch bei diesem Treffen eine besondere Brisanz dar.
Hier werden Kontakte geknüpft, Ideologien verbreitet und somit
die Vorbereitung für immer wieder neue Kaderstrukturen geschaffen.
Andererseits will sich die "Deutsche Stimme"die seit Jahrzehnten
erscheinende Parteizeitung der NPD sich selbst hoch leben
lassen. So sind für das erwartete glatzköpfige Publikum die
einschlägig bekannten rechten Skinheadbands "Noie Werte" und
"Nordwind" eingeladen. Werden sonst Konzerte mit diesen Bands
öffentlich angekündigt, so stellt dies in aller Regel einen
Verbotsgrund dar, denn zahlreiche Texte sind inzwischen aufgrund
ihrer faschistischen Propaganda indiziert. Wie immer auf solchen
Veranstaltung dürfen auch die Jammerbarden nicht fehlen und
so geben sich Jens von Sturmwehr, Lars Hellmich und Jörg Hähnel
ein Stell dich ein. Ansonsten ist ein braunes Rahmenprogramm
mit Bierständen, Infotischen, Volkstanz und einer Schinkenversteigerung
geplant.
Genauso wie es sich für ein deutsches Volksfest, die auch
jedes Wochenende irgendwo in Deutschland stattfinden, gehört.
Der Deutsche Stimme Verlag verlegte im Januar 2000 seinen
Hauptsitz aus dem badischen Sinningen in die sächsische Kleinstadt
Riesa. Mit ihr siedelten sich im Gewerbegebiet auf der Mannheimer
Str.4 auch der ihm angegliederte Devotialienhandel und Pühses
Liste, zuständig für den Vertrieb von Nazi-Musik, an.
Seit dem Umzug sind auch zahlreiche Nazikader, wie Holger
Apfel, Jens Pühse und Jürgen Distler, der in Riesa im Juni
2001 zur Bürgermeisterwahl antrat, dem Ruf der "Deutschen
Stimme" in die Stadt gefolgt. Riesa ist damit für die NPD,
neben Berlin, wo die Bundeszentrale ihren Sitz hat organisatorischer
und struktureller Schwerpunkt geworden. Aber es wird bei weitem
nicht nur bundesweit agiert, der Umzug hat konkret Einfluss
auf die Naziaktivitäten vor Ort. So stellt Riesa auf fast
jeder Nazidemonstration in Sachsen den Lautsprecherwagen,
die zugezogenen Kader unterstützen die Kreisverbände in ihrer
Arbeit vor Ort und der Landesverband kann sich auf hauptamtlich
Angestellte stützen.
Gestört hat sich an dieser Ansiedlung bis auf wenige bisher
niemand. Zwar fanden im letzten Jahr und auch in diesem Jahr
antifaschistische Demonstration statt, aber sonst passiert
nur noch wenig. Gerade deshalb soll der "Deutschen Stimme"
auf ihrem Pressefest ein anderer Wind entgegen wehen. Dabei
werden wir nicht auf die Zivilgesellschaft und/oder die deutsche
Bevölkerung vertrauen. Wir wollen unsere Kreativität nicht
von irgendwelchen pseudoantifaschistische Bündnissen einengen
lassen.
Der "Aufstand der Anständigen" hat nie stattgefunden. Er hat
nie stattfinden können, denn der Bund einer rassistischen
Regierung mit deutscher Bevölkerung, kann viel hervorbringen,
aber keinen Antifaschismus! Wir sind nicht das Alibi irgendwelcher
Organisationen, die immer mal wieder glauben "Gesicht" zeigen
zu müssen. Mit ihrem Verständnis von Demokratie, dass sie
meilenweit entfernt von Nazis laufen lässt.
Antifaschismus heisst sich den Nazis in den Weg zu stellen!
Der Veranstaltungsort des Pressefestes wurde von den Nazis
aus Angst vor Gegenaktivitäten nicht offiziell bekanntgegeben.
Zeigen wir ihnen, dass ihre Angst berechtigt ist!
Treffpunkt: 10.00 Uhr vor der "Scheune"
in der Dresdner-Neustadt
Bitte seid pünktlich, da wir noch zum Veranstaltungsort kommen
müssen!
Pressemitteilung
(wurde noch mit dem alten Termin verschickt, ist hier aber
aktualisiert.)
Dresden, 14. August 2001
Widerstand gegen Nazi-Pressefest!
Zum "Deutsche Stimme"-Pressefest
am 8. September 2001 bereitet sich das Antifaschistische Bündnis
Dresden auf eine Besetzung des Platzes, auf dem die Naziveranstaltung
stattfinden soll, vor.
Dazu erklärt die Sprecherin des Bündnisses Claudia Neumann:
"Wir werden aktiv gegen dieses Treffen von Alt- und Jungnazis
vorgehen. Ziviler Ungehorsam ist unser Ansicht nach aufgrund
der menschenverachtenden Ideologie und der zahlreichen Opfern
rechter Gewalt erforderlich. Wir fordern die Gemeinden auf,
dieses Nazitreffen nicht zuzulassen. Alle BürgerInnen sind
bei den Gegenaktivitäten herzlich willkommen."
Angekündigte Redner der rechtsextremen Veranstaltung sind
der Bundesvorsitzende der Jungen Nationaldemokraten, SASCHA
ROßMÜLLER, der verurteilte Rechtsterrorist und jetzige Freie
Nationalist PETER NAUMANN. Ebenso der wegen NS-Wiederbetätigung
mehrmals verurteilte HERBERT SCHWEIGER, eine der zentralen
Führungsfiguren des österreichischen Rechtsextremismus und
ehemaliger SS-Untersturmführer der Division "Leibstandarte
Adolf Hitler" sowie ROBERTO FIORE von der neofaschistischen
Forza Nuova aus Italien.
Für rechte Unterhaltung sollen die Skinbands "Nordwind"
und "Noie Werte" und die Nazi-Liedermacher JENS
VON STURMWEHR, JÖRG HÄHNEL und LARS HELLMICH sorgen. Bei dieser
Veranstaltung werden um die 1.000 Teilnehmer erwartet, "für
das leibliche Wohl wird mit verschiedenen Ständen mit Speisen
& Getränken bestens gesorgt".
Diese Ansammlung von strammen Alt- und Jung-Faschisten, Rechtsterroristen
und Nazi-Skins kann und wird nicht widerstandslos hingenommen
werden. Es darf keine freien Tummelplätze für nationalistische,
volksverhetzende, ausländerfeindliche und rassistische Auftritte
geben. Wir werden mit allen Mittel verhindern, dass Stiefel-
und Anzugfaschisten ungehindert ihren braunen Müll verbreiten
können.
Kein "Deutsche Stimme"-Pressefest!
Nirgendwo!
Den Nazis ihre Suppe versalzen, auf dass sie sich den Mund
verbrennen!
Antifaschistisches Bündnis Dresden
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