| geplantes Neo-Nazi Zentrum
(um Günther Deckert) in Gränitz bei Freiberg
Bericht vom 04. April 2002 (FreibÄrger)
STOP!
Nazi-Zentrum in Gränitz (Sachsen)
Ex-NPD Chef Günter Deckert will
in Gränitz (Sachsen) ein altes Dorfgasthaus renovieren
und zu einem bundesweiten Treffpunkt ausbauen. Die Bürgerinitiative
"Kein Nazi-Zentrum in Gränitz.. und auch nicht anderswo!"
will sich dagegen zu Wehr setzen. Ein neues bundesweites
Nazi-Zentrum? STOP! dem Nazi-Zentrum in Gränitz (fbÄ)
Organisierte Neo-Nazis im Landkreis
Freiberg? Auf diese Frage antworten Polizeiführung und
Kommunalpolitiker regelmäßig mit "gibt es nicht" oder
"nicht so schlimm", die "Sprüher" gelten in Freiberg als
weitaus gefährlicher. Unumstößlicher Fakt jedoch ist:
die organisierten Neo-Nazis werden noch in diesem Frühjahr
über ein neues Zentrum verfügen, von dem sie ihre menschenverachtenden
Verbrechen noch besser ausführen können.
Seit dem der notorische Nazi Günter Deckert das Dorfgasthaus
in Gränitz im August erworben hat, sollte jedem Landkreisbewohner
klar sein, was auf Freiberg zukommt.
Beispiele für solche Zentren und deren politische Ausstrahlung
gibt es genug: Wurzen, Zittau in Sachsen, Club 88 in Neumünster
oder das inzwischen verbotene und aufgelöste Zentrum in
Hetendorf (Niedersachsen). Inzwischen hat sich eine Bürgerinitiative
"Kein Nazizentrum in Gränitz... und anderswo" gegründet,
die am 12. April eine Bürgerversammlung im Rathaus von
Langenau veranstaltet. Aus deren Flugschrift veröffentlichen
wir im folgenden einige Passagen, die wir noch um eigene
Recherchen ergänzen.
Wer ist Günter Deckert?
Der heute 62-jährige Deckert stammt
aus Heidelberg und war bis zu seinem Rauswurf aus dem
Staatsdienst 1988 Gymnasiallehrer für Englisch und Französisch
in Baden-Württemberg. Mit 25 Jahren trat er der NPD bei
und war von 1991 bis 1995 ihr Bundesvorsitzender. Seinen
Einfluß machte der Holocaustleugner und Ausländerhasser
Deckert auch in anderen neo-faschistischen Organisationen
geltend.
Er ist Gründungsmitglied der "Deutsch-Europäischen
Studiengesellschaft" (DESG), war Referent des "Staatspolitischen
Clubs" Frankfurt , JN-Bundesvorsitzender, Gründer
der "Arbeitsgemeinschaft Nationaldemokratischer Lehrer",
NPD-Funktionär, Verfasser ausländerfeindlicher Schriften,
Autor in den neo-nazistischen Zeitschriften "Nation
und Europa", "Deutsche Monatshefte" und
"Unabhängige Nachrichten". Daneben ist Deckert
noch Geschäftsführer und Inhaber der Agentur "Germania
Reisen" und Reiseleiter für die Türmer- Kulturreisen.
Deckert ist mehrfach wegen Beleidigung zu Geldstrafen
verurteilt worden und hat wegen Volksverhetzung im Gefängnis
gesessen. Die Liste der Anklagepunkte gegen Deckert ist
eindrucksvoll: Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenhass,
Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, falsche Verdächtigung
von Behörden und Polizeibeamten, Verleumdung, Beleidigung.
In den achtziger Jahren tat er sich durch rassistische
Hetze gegen Flüchtlinge und hier lebende ausländische
Mitbürger hervor, in den neunziger Jahren intensivierte
er die Verbreitung antisemitischer und revisionistischer
Propaganda. Deckert ist maßgeblich für die Radikalisierung
der NPD durch die Öffnung gegenüber der militanten Neonazi-Szene
verantwortlich. Anfang 1990 organisierte er Verbindungen
der NPD zu nazistischen Gruppen und Parteien in Argentinien,
insbesondere zur "Partido Nacionalista de los Trabajadores"
(PNT).
Im Oktober 2000 wurde Deckert aus dem Knast entlassen.
Er behauptete, dass er an der Universität Straßburg Rechtswissenschaft
studiere. Tatsächlich aber hatte er sich zum Wintersemester
2000/01 an der Universität Heidelberg immatrikuliert.
In der Nazipostille "HNG-Nachrichten" bot er
bereits Dienste als Rechtsbeistand "vorrangig in
Strafsachen" beim Amtsgericht an.
Im Juli 2001 stellte die Staatsanwaltschaft Stuttgart
nach dreijährigen Ermittlungen das Verfahren wegen des
Verdachts der Untreue gegen den ehemaligen Bundesvorsitzenden
der NPD ein. Am 8. August 2001 gab die erst kürzlich gegründete
"Bürgerinitiative Ausländerstopp" bekannt, dass
Deckert als deren Kandidat für das Amt des Nürnberger
Oberbürgermeisters antreten werde.
Hinter der nach eigenen Angaben überparteilichen Wählergruppe
verbirgt sich die örtliche NPD. Deckert zog seine Kandidatur
später zurück.
Im August 2001 erwarb Deckert den Gasthof Gränitz für
ca. 5000 DM und gibt an, dort eine "Straußwirtschaft"
und eine Jugenddiskothek zu eröffnen. Auf dem letzten
bundesweiten Treffen der NPD im März in Königslutter scheiterte
Deckert mit seinem Versuch, den weiterhin amtierenden
Bundesvorsitzenden der NPD, Udo Voigt, auszuschalten.
Hilfe erfuhr Deckert vor allem von der inzwischen selbstaufgelösten
"revolutionären Plattform" innerhalb der NPD, die im wesentlichen
von dem Neo-Nazi Steffen Hupka angeführt wurde. Im Vorfeld
des Parteitreffens hatte Hupka eine Liste erstellt, auf
der Deckert der Posten eines stellvertretenden Bundesvorsitzenden
zugeteilt wurde.
Ein funktionierendes Nazi-Zentrum
in Gränitz würde Deckert und auch Hupka bei ihren Vorhaben
die NPD unter ihrer Kontrolle zu bekommen, sehr nützlich
sein, zumal dort gerade die jungen Nachwuchskräfte eingebunden
werden könnten. Neben Saufgelagen und Nazi-Konzerten könnte
in Gränitz auch ein Schulungszentrum geführt werden. Deckert
hat die Zeitschrift "Recht und Wahrheit" von dem Wolfsburger
Georg Albert Bosse übertragen bekommen. In der Ausgabe
Nr. 1 und 2/2002 teilt Bosse seinen LeserInnen mit, dass
sein "langjähriger Gesinnungsfreund... und unerschrockene
Kämpfer...Günter Deckert" das Frühjahrs-Herbstlesertreffen
weiterführen wird.
Ein neues bundesweites Nazi-Zentrum
in Sachsen?
Ein bundesweites "Ausbildungslager
für Neonazis" gab es z. B. in dem kleinen Dorf Hetendorf
in der Lüneburger Heide. Von 1991 bis zum Verbot und der
Beschlagnahme der Grundstücke durch die niedersächsische
Landesregierung im Jahre 1998 richtete der Hamburger Rechtsanwalt
Jürgen Rieger als der maßgebliche Kopf mehrerer neo-faschistischer
Vereine die "Hetendorfer Tagungswoche" aus,
die auf dem Gelände des Heide-Heim-Vereins in Hetendorf
stattfand. Seine Bedeutung als Schulungs - und Tagungszentrum
von Neo-Nazis erlangte der "Treffpunkt Hetendorf"
Anfang der 90er Jahre. Die Teilnehmerzahl bei den jährlichen
Treffen lag bei bis zu 200. Zum Programm gehörten vor
allem Vorträge, Gesprächskreise und Mitgliederversammlungen
sowie Sommersonnwendfeiern und Geländeübungen mit Wehrsport.
Immer wieder kam es zu Schlägereien, bei denen Neonazis
auf kleinere Gruppen losgingen. Ein Bauer aus Hetendorf
berichtete, dass er immer "in Angst" gelebt
habe, "wenn vollbesetzte Autos mit Glatzköpfen aus
ganz Deutschland hier einfielen." Ein Bürger, der
öffentlich seine Meinung kund tat, bekam sofort einen
Drohbrief´, man merke sich die "Verleumder".
Der Versuch eine ähnliche Tagungswoche
im sächsischen Ostritz zu etablieren misslang Ende der
90er Jahre. Das Projekt in Gränitz könnte ein weiterer
Versuch sein, ein bundesweites Schulungszentrum für Neo-Nazis
zu errichten. Eine Gruppe von ca. 20 Neo-Nazis aus Freiberg
steht schon für Deckerts Projekt bereit. Neben einem Dutzend
älterer NPD- Mitglieder aus Freiberg zeigt sich besonders
die Freiberger "Kameradschaft Norkus" engagiert,
ein Zusammenschluß von ca. 10 Jung-Nazis unter dem NPD-Funktionär
Sandro Kempe. Die "Kameradschaft" wirbt neuerdings
auf ihrer Home-Page für verschiedene Veranstaltungen mit
Günter Deckert. Im Februar und März trafen sich Freiberger
Neo-Nazis von der NPD und der "Kameradschaft Norkus" im
Hotel Stadt Dresden, neben der Kneipe "Wartburg" der Nazi-Treffpunkt
Freibergs. An diesen Treffen nahmen der stv. NPD-Bundesvorsitzende
Jürgen Schön (Leipzig) und Neo-Nazis aus Annaberg teil.
Vor allem Jugendliche sollen tatkräftig beim Renovieren
des Gasthofs in Gränitz beteiligt sein, darunter auch
einschlägig vorbestrafte Jung-Nazis.
Der Errichtung eines Nazi-Zentrums
sollte entschieden Widerstand entgegen gebracht werden!
Die Bürgerinitiative "Kein Nazi-Zentrum in Gränitz
... und auch nicht anderswo!" veranstaltet eine öffentliche
Gesprächsrunde am 12. April in Langenau. Die Informationsveranstaltung
findet im Rathaus statt und beginnt um 19.00 Uhr. Die
Veranstaltung gibt den BürgerInnen Gelegenheit über ihre
Sorgen und Ängste in Bezug auf das Nazi-Zentrum gemeinsam
zu reden.
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