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Safari im Neo-Nazi-Streichelzoo
Sächsische Schweiz Folge I
Die TV-Serie "Lindenstrasse"
will die Quote im Osten steigern. "Da muss es doch Themen
geben, die die Leute beschäftigt" hat man sich gedacht.
- Und: "Bei den vielen Neo-Nazis..." So kam es zur
unten beschriebenen Handlung der beliebten Soap.
Nur ging das Ganze nicht auf - Königsteins Bürgermeister
reagiert auf das freundliche Thematisieren des Neo-Nazi-Problems
mit der Drohung einer Anzeige wegen Verleumdung.
Als Verunglimpfung der Sächsischen
Schweiz gilt in selbiger Region auch die Berichterstattung über
das rassistische Schild in einer Pirnaer Drogerie.
SächsZ als Nestbeschmutzer
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Safari
im Neo-Nazi-Streichelzoo Sächsische Schweiz Folge II - wer
sich wehrt wird juristisch erlegt |
| Sächsische Zeitung, 8. Januar 2002
Auf Safari im Nazi-Streichelzoo
Die ARD-Serie "Lindenstraße" rückt
die Sächsische Schweiz ins Zwielicht
Klaus
Beimer steht in einer Dresdner WG-Küche und grübelt. Er will einen
Artikel über die rechte Szene schreiben. "Wo sind denn die Schlimmsten?",
fragt Freundin Nina. In Dresdner Vorort-Plattenbauten? "Ich glaub,
ich fahr raus nach Pirna oder Königstein", sagt Klaus. Das sahen
am Sonntag 5,46 Millionen. Alles Zuschauer von Folge 840 der ARD-Endlosserie
"Lindenstraße" mit dem schlichten Titel: "Safari".
Da fährt Klaus nämlich in den "Nazi-Streichelzoo", wie Nina das
nennt. Dass jener in der Sächsischen Schweiz liegt, hat mit Tatsachen
zu tun, aber auch mit TV-Marktforschung. Die "Lindenstraße" (produziert
in Köln, spielt in München) gilt als "Wessi-Serie", ihre Zuschauer-Quote
im Osten ist weit unter Durchschnitt. Das sollte anders werden.
Im März 2000 zogen die Serienfiguren Klaus Beimer und Philipp
Sperling in eine fiktive Dresdner Studenten-WG, um der "Lindenstraße"
östliches Lokalkolorit zu verpassen. WG-Bewohnerin Suzanne sprach
seither oft von Muttis Zupfkuchen, Mutter Beimer kam zu Besuch
in die Semperoper.
Ausgedacht hat sich dies Drehbuchautor Michael Meisheit, 29, gebürtiger
Kölner, wohnhaft in Berlin. Bei Recherchen in Dresden verstand
er "Nu" anfangs als "Nein" - auch das wanderte ins Drehbuch.
Doch wie kam Königstein in die Serie? Er
wolle Frauen in der rechten Szene thematisieren, sagt Meisheit.
Dies wird in den nächsten Monaten die Dresdner "Lindenstraße"-Außenstelle
beschäftigen, die eine neue Figur bekommt: Carmen, Anfang 20,
Neonazi-Braut. "Ich kenne mich nicht aus in der Gegend, ich musste
mir vieles anlesen", sagt der Drehbuchautor. Im Internet fand
er, dass die Rechten bei Bürgermeister-Wahlen besonders gut in
Königstein abgeschnitten hatten (NPD: 16,2 Prozent).
So kam die Stadt in die "Lindenstraße" - alles andere als schmeichelhaft:
Als Klaus Beimer in Folge 840 vom Ausflug in die Sächsische Schweiz
zurückkehrt, bluten Gesicht und Hände. In einer Königsteiner Kneipe
hätten ihn ein paar Neonazis übel verdroschen ("mit denen kannste
echt Werbung für die NSDAP machen").
Durch eine SZ-Anfrage erfuhr Bürgermeister Frieder Haase vom TV-Auftritt
seiner Stadt. "Eigentlich müsste ich die ARD wegen Verleumdung
verklagen", sagte er, "doch ich lasse mich nicht auf Grabenkämpfe
ein. Vom Fernsehen ist niemand bei mir vorbeigekommen, um sich
zu informieren." Bleibt ihm vielleicht der Trost, dass die Serie
- trotz vieler Anleihen aus der Realität - gerne dramatisch überzieht:
Einmal wurde ein Pastor, der das Keuschheitsgelübde gebrochen
hatte, mit einer Bratpfanne erschlagen.
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Sächsische Zeitung Pirna
15.01.2002
Königsteins Bürgermeister
wehrt sich
Königstein. "In einem Gespräch
mit der Produzentin der Serie Lindenstraße habe ich gestern
angeregt, dass in der ARD auch mal die Schönheiten der Sächsischen
Schweiz gezeigt werden." Frieder Haase (parteilos) versucht
Schadensbegrenzung. Vor kurzem hatte in der ARD-Serie "Lindenstraße"
ein Student Prügel von Rechten in einer Königsteiner Kneipe
bezogen. Haase betont, dass etwas derartiges nie in seiner
Stadt vorgekommen sei und frei erfunden ist. Der Ratschef
hatte sich schon in einem kurzen Statement in einem sächsischen
privaten Radiosender gegen das Negativimage der Stadt gewehrt.
Er fürchtet, dass der Ruf Königsteins und damit auch die touristische
Anziehungskraft unter solchen Darstellungen leidet. Und das
in einer Zeit, in der viele Familien ihren Urlaub planen þ
(SZ/kö)
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Sächsische Zeitung
Pirna 19.01.2002
Umstrittenes
Schild wirbelt Staub auf
Tourismuschef sieht die SZ als Nestbeschmutzer
Von Domokos Szab
Der SZ-Bericht zum
diskriminierenden Schild in der Pirnaer Drogerie "Sonneck"
wirbelt weiterhin Staub auf. Unzählige Stimmen aus der
ganzen Republik äußerten sich bereits empört über die
inzwischen gestoppte negative Sonderbehandlung von Ausländern.
So durften im Laden Menschen ohne deutschen Pass monatelang
nur unter Aufsicht des Personals einkaufen.
Die Wochenzeitung "Die Zeit" schrieb zum Beispiel von
"Dumpfheit", der "Stern" widmete dem Fall eine Doppelseite.
Auch die türkische Zeitung Hürriyet brachte gestern einen
Beitrag zum Thema. Im Internet indes wird Pirna offen
als "braune Stadt" verunglimpft. Politiker aus der Region
ließ das bislang offenbar kalt. Erst jetzt gibt es zwei
Wortmeldungen. Der Fraktionschef der PDS im Pirnaer Stadtrat,
Tilo Kloß, verurteilte die Botschaft des Schildes aufs
Schärfste. Schockiert äußerte sich auch der Bundestagsabgeordnete
Klaus Brähmig (CDU).
Den Chef des Tourismusverbands Sächsische Schweiz schmerzt
das Schild doppelt. Einerseits wegen seines intoleranten
Inhalts. Andererseits wegen des negativen Effekts für
das Ansehen der Region. "Was wir beim Marketing mit einer
sechsstelligen Summe aufbauen, wird jetzt mit ein paar
Buchstaben kaputt gemacht", ärgert sich Brähmig.
Dagegen gibt der Chef des Tourismusvereins Pirna, Steffen
Kandalofsky, allein der Sächsischen Zeitung die Schuld.
In einem Leserbrief erhebt er indirekt Nestbeschmutzer-Vorwürfe
gegen die Pirnaer Redakteure. "War es die Absicht der
Lokalredaktion, `dem Image der Stadt Pirna sowie dem Tourismus
der Region´ nachhaltigen Schaden zuzufügen?", schreibt
er.
Dazu erreichte
uns folgende Gegendarstellung
From: "Steffen
Kandalofsky" <SteffenKandalofsky@web.de>
Sent: Wed, 12 Mar 2003
Subject: Vorgänge um die Drogerie Sonneneck in Pirna
Sehr geehrte Damen
und Herren,
wie ich erst kürzlich feststellen musste, taucht
mein Name und Aussagen zu meiner Person in Ihrer Seite
im Internet im Zusammenhang mit Äußerungen
zur rechten Szene und zur "Ausländerfeindlichkeit"
in Pirna auf.
Hierzu verwahre ich mich ausdrücklich. Ich habe mich
mehrfach kritisch zu den Vorgängen um die Drogerie
Sonneneck geäußert. Auch habe ich mich klar
und unmißverständlich gegenüber der SZ
zum Problem "Ausländerfeindlichkeit" geäußert.
Ich stelle hier nochmals klar, dass ich die Handlungsweise
der Drogerieinhaberin keinesfalls billige.
Der Begriff der "Nestbeschmutzung" ist eine
Erfindung des Lokalredakteuers Herrn Hilbert, die dazu
dient mich persönlich zu diskreditieren. In betreffenden
Brief an die SZ, dem ein Beschluß des Vorstandes
des Fremdenverkehrsvereins zu Grunde lag, geht es auch
nicht um das Schild, sondern um den Verkauf der Rechte
an den Fotos zur Drogerie Sonneneck an die Zeitschrift
Spiegel. Dies verschweigt Herr Hilbert, um mich in ein
falsches Licht zu bringen.
Die meine Person betreffenden Aussagen wurden offensichtlich
ohne Überprüfung der Zusammenhänge und
Inhalte durch Ihre Redaktion von der SZ einfach abgeschrieben
(bzw. übernommen) und ins Internet gestellt, obwohl
ich mich hierzu mehrfach in Gegendarstellungen geäußert
habe.
Ich fordere Sie hiermit auf, die mich betreffenden Aussagen
unverzüglich aus Ihren Seiten zu entfernen.
Für die Entfernung der betreffenden Äußerungen
merke ich mir eine Frist von 7 Tagen vor. Sollten Sie
dem nicht nachkommen, werde ich rechtliche Schritte gegen
Sie einleiten.
Mit freundlichen Grüßen
Kandalofsky
11/03/03
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Sächsische Zeitung
Pirna 10.01.2002
Schild muss
peinliche Einmaligkeit bleiben
Leser entsetzt über Ausländerfeindlichkeit
Der Beitrag "Kein
Rundgang ohne deutschen Pass" (SZ, 9. Januar, S. 7),
erregt die Gemüter nicht nur in Pirna. Empörung, Kopfschütteln,
Wut hat das Schild in einer Pirnaer Drogerie ausgelöst.
Ausländer werden aufgefordert, am Eingang zu warten.
Sie dürfen im Laden von Rosemarie Herber nur in Begleitung
des Personals einkaufen. Erst auf Druck der SZ verschwand
der Stein des Anstoßes. S. Fröbel aus Dresden schreibt:
Ich habe die letzten vier Jahre in Korea gearbeitet,
ohne jedoch die dortigen Zeichen lesen zu können!
Was macht denn ein Ausländer, der in ihren Laden kommt
und kein Wort Deutsch versteht? Der tappt doch voll
in die aufgestellte Falle. Kristin Seffer aus Cunnersdorf
schickte folgende Zeilen: Ich halte mich gerade im
Ausland auf und bin rein zufällig auf diesen Artikel
gestoßen. Ich war absolut schockiert. Das ist eindeutig
eine Verletzung der Menschenrechte. Diese Frau sollte
deswegen angezeigt werden.
Bernd Wenzel, Schulleiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums
Pirna, meint: Wer Offenheit und Toleranz aus Angst
und Engstirnigkeit in Repressionen erstickt, schadet
nur sich selbst. Eigentlich bin ich sehr froh, mit
welcher Offenheit und mit welchem Engagement gerade
in Pirna die Türen besonders zu unserem Nachbarland
Tschechien geöffnet werden. Man stelle sich vor, in
großen Kaufhäusern gestalten wir getrennte Eingänge
für Einheimische und Ausländer, in Verkehrsmitteln
teilen wir auf, wer wo zu sitzen hat. Wer bei solchen
Überlegungen nicht erschrickt, sollte auch einmal
darüber nachdenken, dass es kein Verdienst ist, in
einem der reichsten Länder der Erde zu leben. Vielleicht
hilft uns ein wenig Vernunft, dass ein solches Schild
eine peinliche Einmaligkeit bleibt und dass die Stadt
Pirna weiterhin für Offenheit und Toleranz steht.
Volker Eichmann aus Dresden schreibt dazu: Es ist
ja wirklich peinlich für die Stadt Pirna, dass es
erst eines Anrufs der SZ bedarf, um so etwas Peinliches
wie dieses diskriminiernde und ausländerfeindliche
Schild zu beseitigen. Als Deutscher würde mir so ein
Schild in London, Paris oder auch Decin übel aufstoßen,
und ich würde mich zurecht beleidigt fühlen.
Warum braucht die Stadt Pirna erst einen Anruf der
SZ? Will man dort immer noch nicht merken, dass Stillhalten
und Nichtstun keinesfalls gegen Vorurteile, Rassismus
und Fremdenhass helfen? Gegen Klischees einer Neonazihochburg
(siehe Fernsehserie "Lindenstraße") hilft Schweigen
und das Tolerieren solchen Schwachsinns nicht!
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