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26. Juli
01: Bild entschuldigt sich bei Sebnitz,
die Sebnitzer mosern daran herum
Wofür entschuldigt sich
Bild? Bild hatte längst wie gewünscht berichtet. z.b.
mit einer headline "wer glaubt noch frau kantelberg"
Bild und andere am 29. Nov. 00
Als hätten sie es nötig
gehabt: Die Sebnitz-Deutschen haben das basis-demokratisch Beschlossene
nun noch amtlich: die Staatsanwaltschaft zieht nach und erklärt
den Mord zum Nicht-Mord. Das veranlasst die Stadt Sebnitz dazu,
ihre Info-Seite "Fall Joseph" sachlich, nüchtern
und überaus vernünftig zu erneuern - damit auch klar
ist, wer hier die Zivilisierten sind. [a document from sebnitz.de
Erklärung der Stadt Sebnitz, Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft
vom 25. Juli 01]
Nun braucht die Presse nicht
mehr "Seidenblumen-Stadt" (statt vorher "Kunstblumenstadt")
schreiben, um einen positiven Eindruck zu verbreiten. Hier wird
sachlich und vernünftig berichtet. Oder anders ausgedrückt:
Selten wurde so lustlos gelogen. Die Thüringer Allgemeine
gibt noch ein kleine Chronologie dazu, Frankfurter Allgemeine
und Süddeutsche Zeitung finden ein paar mehr Worte als andere,
die nur die Tickermeldung abschreiben. Nach Kritik zu fragen wäre
sinnlos. Einziger Lichtblick: Die Vorort-Bürgerbefragung
der Sächsischen Zeitung. Die ist so krass, dass könnte
glatt auffallen.
Sächs. Zeitung vom 27. Juli
01
Und während der Sebnitzer
Bürgermeister noch die Bild für ihre Entschuldigung
lobt (im Gegensatz zu den Sebnitzer denen sie nicht genug war),
da schimpft er auch schon wieder: Die "Politik" habe
sich ja nicht entschuldigt. (
Bild vom 27. Juli 01)
Die Sebnitzer werden nie genug kriegen können, weder genug
Geld noch genug Entschuldigungen. Weiteres Highlight der Bild:
ein deutsch-deutsches Jugendcamp (ost-west) soll dem Schließen
"der deutschen Wunde" helfen. (
Bild vom 26. Juli 01)
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| Bild 26.07.2001
Der kleine Joseph starb bei einem Bade-Unfall
"Neonazis ertränkten Kind. Am helllichten
Tag im Schwimmbad. Keiner half. Und die ganze Stadt hat es totgeschwiegen."
So hieß die Schlagzeile von BILD am 23. November 2000. Nach Zeugenaussagen
war sich die deutsch-irakische Familie Kantelberg-Abdulla sicher,
das ihr sechsjähriger Sohn Joseph am 13. Juni 1997 nicht bei einem
Badeunfall ums Leben kam, sondern von Neonazis ermordet wurde.
Die Familie legte eine Vielzahl von eidesstattlichen Versicherungen
vor. Diesem beitrag, dem andere Zeitungen und TV-Anstalten tagelang
gleichgeartete Berichte folgen ließen, waren umfangreiche Recherchen
von BILD vorausgegangen. Zum einen bei Sachsens Behörden, die
auf Anweisung des Generalstaatsanwaltes bereits ab Anfang September
2000 ermittelten. Zum anderen vor Ort, unterstützt von einem Rechtsanwalt
und einer Justitiarin. Am 21./22. November wurden drei Sebnitzer
verhaftet, die der Staatsanwalt des Totschlags an Joseph verdächtigte.
Damit waren auch für BILD letzte Zweifel beseitigt. Der Bericht
erschien am 23. November. Nach den folgenden monatelangen Ermittlungen
wissen wir heute, dass die damals von der Familie Kantelberg-Abdulla
erhobenen Vorwürfe nicht haltbar sind. Ihre Zeugen waren manipuliert.
Die Beweislage der Staatsanwaltschaft brach schon nach wenigen
Tagen zusammen. Die drei Beschuldigten wurden freigelassen. Es
gilt heute als sicher, dass bei dem Tod des kleinen Joseph kein
Fremdverschulden vorlag. Deshalb bedauert BILD, dass durch die
Berichterstattung der Stadt Sebnitz und ihren Bürgern Unrecht
getan wurde und entschuldigt sich bei ihnen.
Bild 26.07.2001
Bild sagt Entschuldigung
Ermittlungen im Fall Sebnitz eingestellt
Dresden - Die Staatsanwaltschaft Dresden
hat die Ermittlungen zum Tod des 6-jährigen Joseph Abdullah eingestellt.
Es steht endgültig fest, dass der Junge Opfer eines Badeunfalls
geworden ist. Die Familie hatte den Tod des Jungen im Schwimmbad
von Sebnitz als Tat von Rechtsradikalen dargestellt. Nachdem die
Justizbehörden am 22. November 2000 Haftbefehle gegen drei Verdächtige
ausgestellt hatte, berichtete BILD einen Tag später über die Ereignisse
von Sebnitz und auch über den Verdacht, dass die Bürger der Stadt
den Fall totgeschwiegen hätten. Da dies nach den ausführlichen
Ermittlungen nicht der Fall war, entschuldigt sich BILD bei den
Bürgern von Sebnitz.
Bild 26.07.2001
Entschuldigung Sebnitz!
von Sven Gösmann
Ein kleiner Junge ertrinkt am helllichten
Tag im Schwimmbad. Seine Familie klagt daraufhin Rechtsradikale
an, sie hätten ihren Sohn ermordet. Die Staatsanwaltschaft verhaftet
drei Tatverdächtige. So ein Fall kann und darf Journalisten, zu
deren Grundsätzen der Kampf gegen die Wiederkehr der braunen Schläger
gehört, nicht kalt lassen. Sie recherchieren mit Sorgfalt bei
Polizei, Justiz, Angehörigen, Zeugen. Schließlich schreiben sie,
was Polizei und Staatsanwaltschaft bis dahin herausgefunden haben:
Rechtsradikale sollen den Jungen ertränkt haben, die Tat soll
totgeschwiegen worden sein. Fast alle deutschen Zeitungen so in
rund 500 Artikeln über den Fall des kleinen Joseph aus Sebnitz,
TV- und Radiostationen bringen ausführliche Berichte - auch BILD.
Erst später wird offenbar, was die sächsische Justiz gestern endgültig
bestätigte: Der kleine Joseph wurde Opfer eines Badeunfalls. Im
Gegensatz zu vielen anderen Medien hat BILD sich für seine Berichterstattung
und deren negative Folgen für die Bürger von Sebnitz entschuldigt.
Doch bei dieser Entschuldigung belässt es BILD nicht - anders
als andere in Medien, Politik und Justiz, von denen noch kein
bedauerndes Wort an die Sebnitzer zu hören war. BILD wird den
Sebnitzern aktiv helfen, etwa im Kampf gegen die schlimme Arbeitslosigkeit
in ihrer Region und beim Bau eines Kinderspielplatzes. Und BILD
wird journalistisch aktiv ein deutsch-deutsches Jugendcamp unterstützen,
das junge Leute aus Ost und West zusammenführen soll. All das
bringt den kleinen Joseph nicht seinen verzweifelten Eltern zurück.
Es könnte jedoch helfen, eine deutsche Wunde zu schließen. Jetzt
sollten endlich alle, auch andere Medien, den Sebnitzern die Hand
reichen.
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| Frankfurter Allgemeine Zeitung 26.07.2001
Ermittlungen im Fall Joseph eingestellt
Kind aus Sebnitz starb den "Badetod" / Kein Fremdverschulden
pca. DRESDEN, 25. Juli. Die Staatsanwaltschaft
Dresden hat das Ermittlungsverfahren im Fall Joseph A. eingestellt.
Sie schließt nunmehr aus, daß Joseph durch Verschulden Dritter
ums Leben gekommen ist. Der Tod des Kindes deutsch-irakischer
Eltern im Jahre 1997 in einem Freibad der ostsächsischen Stadt
Sebnitz hatte im vergangenen Herbst großes Aufsehen erregt, weil
der Verdacht aufgekommen war, Joseph A. sei das Opfer eines rassistisch
motivierten Mordes geworden. Die Dresdner Staatsanwaltschaft hatte
nach Hinweisen der Eltern und auf Grund eines Gutachtens des Kriminologischen
Forschungsinstitutes in Hannover sowie eines rechtsmedizinischen
Gutachtens der Universität Gießen ihre Ermittlungen wieder aufgenommen,
die bereits 1997 eingestellt worden waren. Ende November 2000
hatte sie drei junge Leute verhaften lassen. Wenige Tage später
wurden die Verdächtigen aber wieder freigelassen, die Verfahren
gegen sie wurden eingestellt. Die Berichterstattung einzelner
Zeitungen und Sender in dem Fall, die zu Beschimpfungen der Stadt
Sebnitz und Ostdeutschlands insgesamt geführt hatten, war später
kritisiert worden. Die sächsische Staatsregierung versucht seither,
durch finanzielle und politische Förderung das Ansehen von Sebnitz
wiederherzustellen. Zuletzt hatte Justizminister Kolbe (CDU) eine
Kunstblume aus der für die Herstellung dieses Produkts bekannte
Stadt entgegengenommen. In dem zweiten Ermittlungsverfahren hatte
die Dresdner Staatsanwaltschaft mehr als 250 Zeugen vernommen.
Keiner der Zeugen habe, so teilt die Anklagebehörde nunmehr mit
"Beobachtungen gemacht, die auf strafrechtlich relevantes Verhalten
schließen lassen". Den Angaben rechtsmedizinischer Gutachten zufolge
starb der damals sechs Jahre alte Joseph den sogenannten "Badetod".
Bei diesem komme es, "aufgrund verschiedener Reaktionen durch
den bloßen Kontakt mit kaltem Wasser zu Herzrhythmusstörungen
beziehungsweise zum tödlichen Herzstillstand." Der Herzstillstand
sei bei Joseph A. durch dessen Herzerkrankung begünstigt gewesen.
Auch sämtliche Zeugen, die zunächst gegenüber den Eltern des Kindes
und später gegenüber den Ermittlungsbehörden Angaben gemacht hätten,
die auf ein Gewaltverbrechen hindeuteten, hätten ihre früheren
Aussagen nicht aufrechterhalten. Sie gäben nunmehr an, von den
Eltern des Kindes zu den Aussagen gedrängt worden zu sein. Teilweise
gestünden sie, an dem betreffenden Tag im Juni 1997 gar nicht
in dem Freibad gewesen zu sein, in dem Joseph starb. Gegen die
Eltern des Kindes ermittelt die Dresdner Staatsanwaltschaft wegen
des Verdachts der Anstiftung zur Falschaussage. Die Dresdner Staatsanwaltschaft
schließt nach ihren Ermittlungen aus, daß dem Kind Giftstoffe
oder Medikamente eingeflößt worden sind. Weder das Medikament
Ritalin noch dessen Abbauprodukte seien nachgewiesen worden. Das
im Körper des Kindes festgestellte Lidocain sei im Rahmen der
Wiederbelebungsversuche durch den Rettungssanitäter verabreicht
worden.
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| Süddeutsche Zeitung Donnerstag, 26.7.2001
Sechsjähriger Junge starb an Herzstillstand
Joseph wurde nicht getötet
Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen im Fall Sebnitz ein
- das Verfahren gegen die Mutter dauert noch an
Von Annette Ramelsberger
Es ist vermutlich der am besten untersuchte
Todesfall des Landes. 250 Zeugen haben die Staatsanwälte vernommen,
drei medizinische Gutachten gefordert, dazu DNA-Tests. Der Tod
des sechs Jahre alten Joseph Kantelberg-Abdulla aus dem sächsischen
Städtchen Sebnitz wurde erforscht wie fast kein anderer. Nun steht
endgültig fest: Es war kein Mord, es war ein Badeunfall, ein Herzstillstand
durch die Berührung mit kaltem Wasser. Die Staatsanwaltschaft
hat ihre Ermittlungen am Mittwoch endgültig eingestellt. Was im
November 2000 als Aufsehen erregender Mordfall durch angebliche
Neonazis hochkochte, endet nun nicht als Kriminalfall, sondern
als psychologisches Lehrstück über die aufgeregte Gesellschaft.
"Wir können diesen Fall schließen", erklärte Staatsanwalt Klaus
Rövekamp. "Es gibt keine objektiven Anhaltspunkte mehr für ein
Fremdverschulden am Tod Josephs." Es ist alles ausgeräumt, was
je behauptet worden ist: Das Kind wurde nicht mit Elektroschocks
gequält, es wurde ihm kein Gift eingeflößt, es wurde nicht ertränkt.
Und Neonazis spielten bei seinem Tod im Sommer 1997 ebenfalls
keine Rolle. All das hatte die Mutter, die Apothekerin Renate
Kantelberg, im vergangenen Herbst behauptet - unterstützt durch
mehrere Zeugenaussagen, die den Tod des kleinen Joseph in grausigen
Einzelheiten schilderten. So eindringlich, so genau, dass viele
nicht an dieser Schilderung zweifelten. Offenbar auch die Dresdner
Staatsanwaltschaft nicht, die drei junge Leute aus Sebnitz wegen
Mordverdachts festnehmen ließ. Als die Haftbefehle bekannt wurden,
untermauerten sie den Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen noch.
Daraufhin machten sich Medienleute von überall her nach Sebnitz
auf, um von dem vermeintlichen grausamen Mord zu berichten. Eine
ganze Stadt habe dem Tod ihres Sohnes tatenlos zugesehen, klagte
die Mutter an. Mitten im Schwimmbad der Stadt sei er vor den Augen
Hunderter Badegäste von einer Horde Neonazis umgebracht worden.
Aus dem unbekannten Städtchen Sebnitz wurde über Nacht die Stadt
der braunen Horden. Die Staatsanwaltschaft macht in ihrer Einstellungsverfügung
all diese Vorwürfe zunichte. Einige Zeugen seien nicht einmal
im Schwimmbad gewesen, erklärt die Staatsanwaltschaft. Alle hätten
ihre Aussagen zurückgezogen und angegeben, sie seien von den Eltern
des Kindes dazu gedrängt worden. Und auch der Vorwurf gegen die
Gerichtsmediziner, sie hätten womöglich das falsche Herz seziert,
erwies sich als gegenstandslos. Per DNA-Analyse wurde ermittelt,
dass das richtige Gewebe untersucht worden war. Schon lange wird
gegen die Mutter wegen Anstiftung zur Falschaussage ermittelt.
Was sie zu den Anschuldigungen getrieben hat, bleibt bis heute
im Dunkeln. Sie selbst scheint ihre Sicht der Dinge immer noch
für wahr zu halten. Auch gegen die Zeugen, die drei junge Leute
beschuldigten, wird noch ermittelt, erklärt Staatsanwalt Rövekamp.
Der Oberbürgermeister von Sebnitz, Mike Ruckh, sagte, nichts könne
den Jungen wieder zum Leben erwecken. Er hoffe darauf, dass Frau
Kantelberg den Befund akzeptiere, "auch wenn es schmerzlich ist".
Die Familie lebt noch immer in Sebnitz, ihre Apotheke aber ist
seit einiger Zeit geschlossen. Die Stadt selbst, die wochenlang
unter den Beschuldigungen gelitten hat, hat sich beruhigt. Der
Anwalt der Familie Kantelberg, Matthias Sawitzky, behält sich
weitere Schritte vor. Für ihn bleiben trotz der Einstellung noch
Fragen offen. Die Familie, so sagt er, sei seelisch stark angeschlagen.
Sie plane, bald aus Sebnitz wegzuziehen. Immerhin konnte die NPD
bei den sächsischen Kommunalwahlen im Juni keinen besonderen Erfolg
in Sebnitz landen - trotz heftigen Wahlkampfs durch den Bundesgeschäftsführer
Ulrich Eigenfeld, der als Kandidat in Sebnitz angetreten war.
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| Sächsische Zeitung Donnerstag, 26. Juli
2001
Todesfall Joseph: Fein dosiert zu den Akten gelegt
Von Thomas Schade
Der Tod des kleinen Joseph Abdulla-Kantelberg
am 13. Juni 1997 im Bad von Sebnitz - an jenem tragischen Freitag
vor vier Jahren erschütterte er viele Einwohner der Stadt. Am
23. November 2000 rüttelte er die ganze Republik auf, weil die
"Bild" behauptete: "Neonazis ertränkten Kind" und eine ganze Stadt
habe weggeschaut. Tatsächlich waren zwei junge Männer und eine
junge Frau verhaftet worden. Die Dresdner Staatsanwaltschaft hatte
einen dringenden Mordverdacht erkannt. Die Blumenstadt kam an
den Pranger - zu Unrecht, wie sich schon vier Tage später deutlich
abzeichnete. In kurzer Zeit hatte die Dresdner Mordkommission
ermittelt: Zwei der Beschuldigten waren nicht im Bad als Joseph
starb. Seither legt die Dresdner Staatsanwaltschaft den Fall offenbar
in homöopathischen Dosen zu den Akten. Es begann am 14. Dezember
2000 mit der Einstellung der Verfahren gegen die Verhafteten.
230 Zeugen waren damals schon vernommen. Andere Beschuldigte gab
es nicht. Dafür, so scheint es, könnte Renate Kantelberg die drei
Belastungszeugen zu einer falschen Aussage gedrängt haben. Der
Verdacht führte zu neuen Ermittlungen, nun gegen Josephs Mutter
und die Zeugen. Im Februar beklagte der Bund Deutscher Kriminalbeamter
öffentlich den zögerlichen Gang der Dinge. Er wartet bis heute
auf eine Rehabilitierung der Polizei. Gestern nun teilte die Staatsanwaltschaft
den Abschluss im Todesfall Joseph mit. Offensichtlich schon seit
vergangenen Freitag ruht der Fall. Das offizielle Ergebnis: Ein
Herzstillstand durch den Kontakt mit dem kalten Badewasser führte
zum Tod des Jungen. Eine Herzerkrankung begünstigte das Unglück
wahrscheinlich. Eine Straftat wurde auch nach Vernehmung weiterer
30 Zeugen nicht festgestellt. Der Entscheidung folgte gestern
geteiltes Echo: Für Sebnitz sei ein "weiterer Punkt der Normalisierung
erreicht", sagte Rathaussprecherin Sabine Schubert. "Bild" kündigte
für heute eine Entschuldigung an. Schon vor Wochen hatte das Blatt
zugesagt, in Sebnitz einen Spielplatz zu errichten. Auch ein Werbefilm
für die Stadt soll entstehen, quasi als Wiedergutmachung. Kantelbergs
erfuhren die Entscheidung auch erst gestern von ihrem Anwalt Matthias
Sawitzky. Die Familie habe damit gerechnet, sagt er. Ob sie die
Entscheidung akzeptieren könne, müsse man abwarten. Für ihn ist
sie "auf den ersten Blick nicht ausreichend plausibel". Unverständlich
für Sawitzky: Warum wurde das Verfahren gegen seine Mandantin
nicht sofort mit eingestellt. Auch die Akten dieses Verfahrens
liegen seit Wochen zur Entscheidung vor.
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| Der Spiegel 26. Juli 2001
"Bild"-Zeitung entschuldigt sich
Die Ermittlungen zum Tod des kleinen Joseph
aus dem sächsischen Sebnitz, der im Juni 1997 in einem Schwimmbad
ums Leben kam, sind eingestellt. Die "Bild"-Zeitung entschuldigt
sich in ihrer heutigen Ausgabe für die Berichterstattung in dem
Fall. DPA Diana mit einem Bild von ihrem gestorbenen Bruder Joseph
und sich selbst Dresden - Die Staatsanwaltschaft Dresden legt
das Ermittlungsverfahren zu den Akten. Der Fall hatte im vorigen
Jahr erhebliches Aufsehen erregt und die Stadt in die Negativschlagzeilen
gebracht. Die Eltern des Kindes hatten nicht an einen Badeunfall
glauben wollen und das Geschehen als Tat Rechtsradikaler dargestellt.
Die Ermittlungen gegen die Mutter des Kindes sind nach Aussagen
eines Sprechers der Staatsanwaltschaft aber noch nicht abgeschlossen.
Sie steht im Verdacht, Zeugen zur Falschaussage angestiftet zu
haben. Die Familie war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Ihr Anwalt will prüfen, ob gegen die Einstellung der Ermittlungen
beim Generalstaatsanwalt Sachsens Einspruch erhoben wird. "Auf
Grund der umfangreichen Ermittlungen kann ausgeschlossen werden,
dass der Tod des Kindes durch Verschulden Dritter verursacht wurde.
Vielmehr steht nach den rechtsmedizinischen Gutachten fest, dass
von einem Badetod auszugehen ist", heißt es in der Erklärung der
Staatsanwaltschaft. Der Herzstillstand sei bei Joseph durch eine
Herzerkrankung begünstigt worden. Josephs Eltern hatten einen
Herzfehler ihres Kindes bestritten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft
wurden mehr als 250 Zeugen vernommen. Keiner von ihnen habe Beobachtungen
gemacht, die auf strafrechtlich relevantes Verhalten schließen
lassen. Auch Zeugen, die zunächst Angaben mit Hinweisen auf ein
Gewaltverbrechen lieferten, hätten ihre Aussagen nicht aufrechterhalten.
Nach Medienberichten von dem angeblichen Mord, bei dem Hunderte
Badegäste weggeschaut haben sollen, sah sich Sebnitz einer negativen
Kampagne ausgesetzt. Am Mittwoch reagierte die Stadt erleichtert:
"Der Vorwurf, Neonazis hätten im Sebnitzer Schwimmbad ein Kind
ertränkt, hat sich als haltlos erwiesen." Die "Bild"-Zeitung entschuldigt
sich heute wegen ihrer Berichterstattung über den Fall. Mit der
Schlagzeile "Neonazis ertränken Kind" hatte das Blatt am 23. November
vergangenen Jahres als erstes Medium groß über den Tod des Jungen
berichtet. Der Deutsche Presserat hatte "Bild", die "Berliner
Morgenpost" und die "Tageszeitung" wegen der Berichterstattung
über den Fall gerügt.
up |
| [26.07.2001] Titanic Satiremagazin
TITANIC sagt Entschuldigung!
"Bild" macht es vor und entschuldigt sich
bei den Bürgern von Sebnitz für die Berichterstattung im Fall
des sechsjährigen Joseph Abdulla - TITANIC macht es nach und entschuldigt
sich bei (in alphabet. Reihenfolge) der ARD, Volker Beck, Fidel
Castro, der Deutschen Bahn AG, Verona Feldbusch und Alice Schwarzer,
Greser und Lenz, Peter Hahne, Stefan Jahn, Carsten Jancker, Ursula
Karven, Hannelore Kohl, Heiner Lauterbach, Timothy McVeigh, Angela
Merkel, Slobodan Milosevic, Martin Niemöller, Karl Otto Schallaböck,
Petra Schürmann, Heinz Sielmann, Hella von Sinnen, Edmund Stoiber,
Benjamin Stuckrad-Barre, Guido Westerwelle und vielen, vielen
Prominenten aus Funk und Fernsehen mehr! Wofür? Das entnehmen
Sie bitte der neuen TITANIC - ab morgen an Ihrem Kiosk!
up |
| Taz 26.7.01
Verfahren im Fall Joseph eingestellt
DRESDEN rtr/ap Die Staatsanwaltschaft Dresden
hat das Verfahren im Fall des ertrunkenen Joseph aus Sebnitz eingestellt.
Nach umfangreichen Ermittlungen könne ausgeschlossen werden, dass
der damals Sechsjährige 1997 durch Fremdverschulden in der Badeanstalt
von Sebnitz ums Leben gekommen sei, teilte die Behörde gestern
mit. Vielmehr sei von einem Badetod auszugehen, hieß es. Auch
ein rechtsmedizinisches Gutachten, das die Staatsanwaltschaft
im November in Auftrag gegeben hatte, ergab keine Anhaltspunkte
für einen gewaltsamen Tod. Die Eltern des Jungen hatten jedoch
vermutet, das Kind sei vor den Augen zahlreicher Badegäste von
Neonazis ertränkt worden. Sebnitz war daraufhin international
in die Schlagzeilen geraten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt
weiterhin gegen Josephs Eltern wegen des Verdachts der Anstiftung
zur Falschaussage. taz Nr. 6506 vom 26.7.2001, Seite 7, 30 Zeilen
up |
| Bild 27.07.2001
Bürgermeister von Sebnitz lobt BILD-Entschuldigung
Ein Lob für BILD aus der sächsischen Kleinstadt
Sebnitz! Weil sich BILD als einzige Tageszeitung für die unzutreffende
Berichterstattung über den vermeintlichen Mord an dem 6-jährigen
Joseph entschuldigt hatte, gab es anerkennende Worte von Oberbürgermeister
Mike Ruckh. Der Rathauschef zu BILD: "Die Entschuldigung der BILD-Zeitung
für die Berichterstattung über den Tod des kleinen Joseph ist
bei den Bürgern von Sebnitz sehr gut angekommen." Enttäuscht ist
der Oberbürgermeister, dass keine andere Zeitung oder Sender Worte
des Bedauerns für ihre Berichte fanden. Verbittert ist man in
Sebnitz auch darüber, dass es keine Entschuldigung von Seiten
der Politik gab. Niedersachsens Justizminister Professor Christian
Pfeiffer, der mit einem Gutachten die Hysterie um den Todesfall
mit ausgelöst hatte, habe sich "kein einziges Mal" in Sebnitz
blicken lassen. Ruckh zu BILD: "Da kam gar nichts!"
up |
| Sächsische Zeitung, 27. Juli 01
"Das ist wohl das Mindeste"
von Jörg Marschner
Die Sebnitzer verstehen es meisterhaft,
ihre Genugtuung mit Kritik zu verbinden. Sie kommentierten die
gestern 4,5 Millionen Mal verbreitete Zeile "Bild sagt Entschuldigung"
nicht etwa mit "wunderbar", "prima" oder "hervorragend".
Nein, sie mosern ein wenig. "Wurde ja auch Zeit", sagt
ein etwas dicklicher Rentner im Presseshop. "Höchste
Zeit", verbessert ihn eine ebenfalls ältere Dame. Katharina
ist an die vierzig Jahre jünger und genießt mit ihren
Freundinnen und Freunden auf dem Markt den Sommer. "Das ist
wohl das Mindeste", meint sie zur Entschuldigung. Die Bild-Schlagzeile
vom 23. November vorigen Jahres hatten Sebnitz tief getroffen:
"Neonazis ertränken Kind. Am hellichten Tag im Schwimmbad.
Keiner half. Und eine ganze Stadt hat es totgeschwiegen."
Vor allem dieser letzte Satz ließ damals den Zorn hochkochen.
"Das war fies und erniedrigend", sagt Nicole. So empfinden
es die meisten Sebnitzer als Balsam für ihre Seele, dass
das Massenblatt nun öffentlich sein Bedauern bekundet, "dass
durch die Berichterstattung der Stadt Sebnitz und ihren Bürgern
Unrecht getan wurde".
Gerüchte schwirren durch die Stadt
Auch die freundliche Verkäuferin im Presseshop gleich gegenüber
dem Sebnitzer Rathaus, die wie immer an die 100 Bild-Zeitungen
verkauft, hat im Laufe des Tages manche Enttäuschung gespürt.
Dem einen stand die Entschuldigung zu weit unten, gerade mal knapp
über der Mitte. "Die hätte hoch gehört",
sagten viele. Anderen war sofort aufgefallen, dass der Schriftgrad
der Entschuldigung gerade mal halb so groß ist wie der der
November-Schlagzeile. "Na ja, besser als nichts", meint
dagegen eine elegante Blonde, die Wert auf die Feststellung legt,
dass sie Bild sonst nicht kauft.
"Nun sollte sich endlich auch die Familie Kantelberg entschuldigen",
sagt die Blonde, "die haben doch alles angeschoben".
Mit dieser Meinung steht die Frau nicht allein. Über die
deutsch-irakische Familie schwirren die Gerüchte nur so durch
die Stadt. Noch am Montag waren sich viele sicher, dass die Kantelbergs
schon weg sind aus Sebnitz. "Aber Montagnacht waren sie wieder
da", sagt die Blonde. Sie wohnt gegenüber der Apotheke
und hat alles genau beobachtet. Das Auto hat auch noch ein Pirnaer
Kennzeichen, sagt sie. Nun sollen die Kantelbergs aber schon wieder
weg sein. Bei einem Onkel in Halle, sagen die einen. Nein, in
Hessen, sagen andere. Andere wollen wissen, dass Tochter Diana
auf keinen Fall wieder ins Goethegymnasium gehen wird. Je eher
Kantelbergs gehen, umso besser, sagen viele. Die würden das
wahrscheinlich lieber heute als morgen tun. Aber weder für
die seit langem geschlossene Apotheke noch für das sanierte
und gut vermietete Wohnhaus - in beide Objekte haben sie viel
Geld gesteckt - fand sich bisher ein Käufer.
up |
| 28.7.2001 Thüringer Allgemeine
Fall Joseph: Staatsanwaltschaft schließt Mord aus
Die Staatsanwaltschaft Dresden hat die erneuten
Ermittlungen im Fall des kleinen Joseph aus Sebnitz eingestellt.
Es könne ausgeschlossen werden, dass der Junge durch fremdes Verschulden
zu Tode gekommen sei, teilte die Behörde gestern mit. Nach der
Auswertung mehrerer rechtsmedizinischer Gutachten stehe fest,
dass das Kind 1997 einen so genannten Badetod erlitt. Joseph war
1997 im Freibad von Sebnitz ums Leben gekommen. Ermittlungen der
Eltern führten zu dem Verdacht, der Sechsjährige sei unter den
Augen zahlreicher Badegäste von Neonazis ertränkt worden. TA dokumentiert
die wichtigsten Ereignisse: 13. Juni 1997: Joseph, Kind einer
deutsch-irakischen Apothekerfamilie in Sebnitz, kommt im Freibad
beim Baden ums Leben. 17. Juni 1997: Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
- Obduktion ergibt keine Fremdeinwirkung. Oktober 1997: Josephs
Familie erstattet unter Berufung auf eine Zeugin Anzeige "wegen
eines Tötungsdelikts". Mai 1998: Staatsanwaltschaft Dresden stellt
Ermittlungen ein - Josephs Mutter findet 30 Zeugen mit eidesstattlichen
Aussagen. November 1999: Josephs Mutter lässt ihren Sohn auf eigene
Kosten exhumieren und bestellt neues forensisches Gutachten. Januar
2000: Rechtsmediziner Günter Weiler (Gießen) fordert nach Fund
von Amphetamin-Spuren neue Ermittlungen. Mai 2000: Josephs Mutter
übergibt der Dresdner "Bild"-Zeitung die Akten. Juli 2000: Innenministerium
erhält neues Gutachten des Kriminologischen Instituts Hannover
- Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen wieder auf. 21./22. November:
Haftbefehle gegen drei Tatverdächtige und Festnahmen. 23. November:
"Bild" titelt: "Neonazis ertränkten Kind". 24. November: Sachsens
Regierungschef Biedenkopf (CDU) besucht den aus dem Irak stammenden
Vater - Josephs Mutter erhält massive Morddrohungen. 25. November:
Bundesanwalt prüft Übernahme des Falles. 27. November: Haftbefehle
gegen Verdächtige aufgehoben - in Berlin empfängt Kanzler Schröder
als SPD-Chef Josephs Mutter. 28. November: Ermittler vermuten
Herzmuskelentzündung bei Joseph - Verdacht der Zeugen-Manipulation
durch Familie. 23. Januar 2001: Drittes Gutachten geht von tragischem
Badeunfall aus. 24. Januar: Staatsanwaltschaft: Joseph ertrank
nicht sondern wurde Opfer des Badetods. 29. Januar: Familie und
Berater zweifeln weiter an Version. 20. Februar: Biedenkopf sagt
Sebnitz zehn Millionen Mark zu, damit die Stadt ihr Ansehen wieder
aufwerten kann. 25. Juli: Die Staatsanwaltschaft Dresden stellt
das Ermittlungsverfahren im "Fall Joseph" ein. Ermittlungen gegen
die Mutter gehen weiter. Dpa
up |
| www.netzeitung.de 25. Jul 18:32
"Bild"-Zeitung entschuldigt sich bei Sebnitz
Die Ermittlungen sind beendet und haben keine Hinweise auf eine
Gewalttat im "Fall Joseph" geliefert. Zeit für "Bild", sich bei
der Stadt Sebnitz zu entschuldigen. Der Fall Joseph Sebnitz-Ermittlungen
eingestellt
HAMBURG/LEIPZIG. Sie tut es doch! Lange
hat es gedauert und angekündigt hat die "Bild" es schon vor längerem.
Am Donnerstag will sich die "Bild"-Zeitung wegen ihrer Berichterstattung
über den "Fall Joseph" bei Sebnitz entschuldigen. "Das hatten
wir versprochen, und das wird "Bild" morgen auch tun", zitiert
die Nachrichtenagentur dpa "Bild"-Sprecher Tobias Fröhlich. Bereits
im Mai hatte es Gespräche zwischen "Bild" und der sächsischen
Kleinstadt gegeben, bei denen das Boulevard-Blatt eine öffentliche
Entschuldigung zugesagt hatte. Zur Voraussetzung hatte "Bild"
lediglich gemacht, dass die Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis
komme, dass der kleine Joseph nicht Opfer einer Gewalttat wurde.
Todesursache: Herzversagen Am Mittwoch nun, gab die Staatsanwaltschaft
bekannt, dass Joseph an Herzversagen gestorben sei. Bereits im
Februar hatte der Deutsche Presserat die drei Tageszeitungen "Bild",
"Berliner Morgenpost" und "tageszeitung" für ihre Berichterstattung
über den Fall Sebnitz gerügt. Insbesondere die Überschriften von
Artikeln stießen dem Deutschen Presserat übel auf. Diese hätten
jeden Zweifel am Tathergang ausgeschlossen und somit nahe gelegt,
dass der Junge einem Anschlag von Neo-Nazis zum Opfer gefallen
wäre.
up |
| Lausitzer Rundschau Samstag, 28. Juli
2001
Ermittlungen im Fall Joseph sind eingestellt
Mord ausgeschlossen/Regierung und Stadtverwaltung erleichtert
Der Tod des sechsjährigen Joseph aus Sebnitz
scheint endgültig geklärt. Die Dresdner Staatsanwaltschaft stellte
nach rund neun Monaten die Ermittlungen ein. Nach der Auswertung
mehrerer rechtsmedizinischer Gutachten stehe fest, dass das Kind
1997 einen so genannten Badetod erlitt. Es werde ausgeschlossen,
dass der Tod des Jungen durch Dritte verschuldet wurde. von susann
fischer Ebenso sei ausgeschlossen, dass dem Kind Giftsstoffe oder
Medikamente eingeflößt wurden. Die Staatsregierung und die Stadtverwaltung
Sebnitz reagierten mit Erleichterung auf die Nachricht. Die Anwälte
der Familie des Jungen allerdings sehen weiterhin einige ungeklärte
Fragen. Rechtsanwalt Matthias Sawitzky sagte, er prüfe eine Beschwerde
gegen die Einstellung des Verfahrens. Zunächst jedoch müsse er
sich mit der Familie beraten. Der Fall Joseph hatte im November
für Aufsehen gesorgt. Damals waren die Eltern von Joseph mit der
Behauptung an die Öffentlichkeit gegangen, ihr Sohn sei im Sebnitzer
Schwimmbad von Rechtsradikalen ermordet worden (die RUNDSCHAU
berichtete). Das deutsch-irakische Ehepaar Kantelberg-Abdulla
hatte dafür auch Zeugen angeführt. Die Staatsanwaltschaft verweist
dagegen darauf, dass die Vernehmung von mehr als 250 Zeugen keine
Hinweise auf ein "strafrechtlich relevantes Verfahren" ergeben
habe. Ausschlaggebend für den Tod des kleinen Joseph sei vielmehr
der Kontakt des Jungen mit kaltem Wasser gewesen. Dieser habe
bei dem Kind einen tödlichen Herzstillstand ausgelöst, der noch
durch eine Herzerkrankung Josephs beeinflusst worden sei. Die
Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, dass Zeugen, die zuerst
die Theorie der Eltern bestätigt hatten, die Angaben zu einem
Gewaltverbrechen nicht aufrecht erhalten hätten. Die Betreffenden
gäben nun an, von der Familie zu solchen Äußerungen gedrängt worden
zu sein. Einige räumten der Behörde zufolge ein, sich am 13. Juni
1997 gar nicht in dem Bad aufgehalten zu haben. Auch der Theorie,
dass Joseph Gift verabreicht worden sei, widerspricht die Anklagebehörde.
In dessen Körper sei mit Lidocain lediglich ein Mittel festgestellt
worden, dass ein Sanitäter bei Wiederbelebungsversuchen eingeflößt
habe. Der stellvertretende Regierungssprecher Hartmut Häckel sagte,
"wir sind froh, dass der juristische Teil des in mehrfacher Hinsicht
tragischen Falles abgeschlossen ist." Allerdings sei die Debatte
um die Konsequenzen noch nicht beendet. Häckel betonte: "Die Folgen
werden uns alle noch länger beschäftigen." Die Stadtverwaltung
Sebnitz sieht in der Einstellung des Ermittlungsverfahrens einen
Schritt zur weiteren Normalisierung. Die Mutmaßungen zum tragischen
Tod des Jungen seien nun ausgeräumt. Oberbürgermeister Mike Ruckh
(CDU) sagte, in dem staatlich anerkannten Erholungsort müsse jetzt
die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre fortgesetzt werden. Dabei
erhält die 10000-Einwohner-Stadt Unterstützung vom Freistaat.
Die Staatsregierung hatte zu Beginn des Jahres finanzielle Hilfen
zum Imageaufwertung und zur Verbesserung der Infrastruktur zugesagt.
Die Familie Kantelberg-Abdulla hatte nach den Schlagzeilen im
vergangenen Jahr angekündigt, den Ort verlassen zu wollen.
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