Demonstration in Bernsdorf / Ostsachsen
am Sonntag, den 9. Dezember 01
(das war) GEGENGEWALT gegen Rassismus
gegen die deutsche gemeinschaft - freiheit für tung
Sächsische Zeitung
Hoyerswerda 07.12.2001
Ein Jahr danach
Jusos rufen zu friedlicher Demo in Bernsdorf auf
Kommentar:
Alles nicht so schlimm in D-Land, denn die Bernsdorferinnen könnten
am 9. Dez. 01 beweisen, dass sie gegen Rassismus sind, wenn sie
gegen Gewalt und Rassismus demonstrieren. Sagen die Jusos der
Region, die sich fast an der Demo beteiligt hätten, das Motto
dann aber in eigenem Sinne umformulieren konnten. Von Hilfe für
die Bernsdorferinnen ist auch die Rede. Dabei fühlen die
sich pudelwohl, wohingegen andere so sehr von ihnen bedroht wurden,
dass sie Hals über Kopf die Stadt verließen.
Dass Gegengewalt gegen Rassismus in Deutschland für viele
überlebenswichtig ist, wäre auch noch zu bemerken zum
Thema Gewalt.
Bernsdorf. Für den 9. Dezember hat die Antifa
für eine Demonstration unter dem Motto "Gegen Gewalt, gegen Rassismus,
gegen die deutsche Gemeinschaft" aufgerufen. "Dieser Aufruf lässt
jedoch in verbaler Form und in den Absichtsbekundungen sehr zu
wünschen übrig. Es ist wirklich schade, dass die Antifa dabei
über ihr Ziel hinaus geschossen ist und damit ein breites Bündnis
verhindert hat", so Stefan Schley, der stellvertretende Vorsitzende
der Jusos Lausitz. "Gewalt mit Aggression zu beantworten kann
nur kontraproduktiv sein und hilft weder dem Ziel noch den Bernsdorfern."
Die Jusos der Lausitz rufen daher alle Bürger Bernsdorfs und der
Region auf, am 9. Dezember auf die Straße zu gehen und friedlich
gegen Gewalt und Rassismus zu demonstrieren. "Bernsdorf ist kein
"rassistisches Nest", wie es die Antifa in ihrem Aufruf bezeichnet
und dies wird Bernsdorf beweisen", so Schley. "Es muss endlich
Schluss sein mit dieser Generalverurteilung. Es gilt endlich die
Ursachen sachlich und effektiv aufzudecken und zu unterbinden.
Dabei braucht nicht nur Bernsdorf alle Unterstützung, nein, eine
ganze Gesellschaft muss sich endlich dieser Herausforderung stellen."
(red)
up
Sächsische Zeitung (HOYERSWERDA)
Donnerstag, 6. Dezember 2001
Bernsdorf-Aktionen
nun sogar im Wochentakt?
Antirassistische Initiative Dresden marschiert am Sonntag / Weihnachtsmarkt
tabu
Von Ralf Grunert
Bernsdorf. Nicht nur für am kommenden Sonntag
stellt sich die Stadt Bernsdorf auf eine Demonstration ein, sondern
auch für den nachfolgenden Sonntag. Darüber zumindest informierte
Bürgermeister Eberhard Menzel am Dienstagabend in der Sitzung
des Technischen Ausschusses. "Es gibt Anzeichen dafür, dass rechte
Kreise an diesem Tag einen Aufmarsch planen", ließ er wissen.
Keineswegs eindeutig bestätigt wurde das gestern seitens der Polizeidirektion
Bautzen. Wie Pressesprecher Peter Bergmann erklärte, soll es sich
um keine Demonstration im eigentlichen Sinne handeln, sondern
um eine Kranzniederlegung im kleineren Rahmen. Das sei zumindest
der gegenwärtige Erkenntnisstand. Im Landratsamt Kamenz jedenfalls,
wo eine Demonstration laut Versammlungsgesetz vorher angezeigt
werden muss, gab es bis gestern noch keine derartige Anzeige.
Was nichts zu bedeuten habe, wie Eberhard Menzel schon tags zuvor
erklärt hatte. "Es reicht zu, wenn eine Demonstration 48 Stunden
vorher angemeldet wird." Beunruhigt sind im Hinblick auf einen
eventuellen Aufmarsch rechter Kreise am 16. Dezember auch die
Bewohner des Bernsdorfer Ortsteils Großgrabe, wie die Ortsvorsteherin
zur Sprache brachte. Danach werde gemunkelt, das Großgrabe ein
Treffpunkt für den Aufmarsch in Bernsdorf werden soll.
Während es über das Stattfinden von Rechten-Demo oder Kranzniederlegung
bislang noch keine verbindlichen Erkenntnisse gibt, ist die Marschroute
für die am kommenden Sonntag von 13 bis 16 Uhr stattfindende Demonstration
der antirassistischen Initiative Dresden, die etwa 300 Teilnehmer
vorwiegend aus Sachsen erwartet, mittlerweile abgesteckt. Ab 12
Uhr, so sei es nach Auskunft von Eberhard Menzel vorgesehen, werden
sich die Demonstranten im Bereich der Kreuzung an der Elf-Tankstelle
sammeln. Der Demonstrations-Zug soll sich unter Polizeibegleitung
um 13 Uhr auf der B 97 in Bewegung setzen und erst einmal bis
in den Bereich des Aldi-Marktes führen, wo die Veranstalter eine
erste Kundgebung planen. Eine weitere Kundgebung wird im weiteren
Verlauf des Marsches, der durch das Stadtgebiet führen und unter
anderem auch den Fritz-Kube-Ring tangieren soll, stattfinden.
An den Ausgangspunkt zurückgekehrt ist die Auflösung des Demonstrationszuges
vorgesehen. Für etwa eine Stunde, so wird geschätzt, kommt es
am Sonntag zur Sperrung der B 97 in der Ortslage Bernsdorf. Der
Weihnachtsmarkt selbst, an dessem Rande es ja bekanntlich vor
einem Jahr zu den tödlichen Messerstichen gekommen war, die nun
Anlass für die Demo sind, ist für die Teilnehmer des Marsches
tabu.
Allerdings gibt man sich in Bernsdorf keinen Illusionen hin, am
Sonntag-Nachmittag noch einen regulären Weihnachtsmarkt stattfinden
lassen zu können.
Nach Auskunft von Eberhard Menzel sei daher auch mit den Händlern
im Ort abgesprochen worden, den Samstag als eigentlichen Weihnachtsmarkttag
zu gestalten. Denn dass die Bürger auf diesen trotz der diesjährigen
Umstände nicht verzichten wollen, spiegelt sich in den zahlreichen
Spenden und Sponsorengeldern wider, die es in bislang noch nie
erlebtem Umfang gab, wie das Stadtoberhaupt erklärte. Einstellen
können sich die Bernsdorfer in jedem Fall auf jede Menge Polizeipräsenz.
Und das übers gesamte Wochenende, denn zu einem solchen Einsatz
gehöre nach Auskunft von Peter Bergmann immer auch eine Voraufsicht
und eine Nachaufsicht. Heißt im Klartext: Schon am Samstag werden
Beamte das Geschehen in der Stadt im Auge behalten, ebenso am
Sonntag nach Abschluss der Demonstration. Und selbstverständlich
wird es auch Kontrollen auf den Zufahrtsstraßen geben. Ein Szenario,
das sich angesichts der eingangs erwähnten Erkenntnisse durchaus
eine Woche später wiederholen könnte.
up
Sächsische Zeitung (Sachsen), 5. 11.
2001
Linke und
Rechte rüsten zum Aufmarsch
Von Thomas Mielke
Kommentar:
Wird in einem rassistischen Kacknest eine antirassistische Demo
angekündigt, denken die Rassistinnen an Krawalle.
Ansonsten ist interessant, dass sich der Journalist mit den Inhalten
der Demo beschäftigt, auch Original-Zitate verwendet und
dabei ein Zitat so wiedergibt, dass der Inhalt völlig verdreht
wird:
Zitat SächsZ: "Nicht diejenigen, die Rassismus ausüben,
seien das Problem, sondern diejenigen, die sich dagegen wehren.
Diese Ansicht will die Initiative am 9. Dezember in Bernsdorf
vertreten."
Richtig wäre: Gegen diese Ansicht will die Initiative
in Bernsdorf demonstrieren. Und diese "Ansicht" haben
WIR uns schließlich nicht ausgedacht!
Ein Jahr nach dem Tod eines Jugendlichen
geht in Bernsdorf die Angst vor neuen Vorfällen um
Linke und rechte Gruppierungen rüsten zum
Gedenken an die tödlichen Messerstiche vor einem Jahr auf dem
Bernsdorfer Weihnachtsmarkt. Die Befürchtungen wachsen, dass die
Kleinstadt im Landkreis Kamenz am kommenden Sonntag zum Schauplatz
von Krawallen wird. "Der Weihnachtsmarkt steht in diesem Jahr
unter keinem guten Stern", befürchtet Bürgermeister Eberhard Menzel
(parteilos). Das Bernsdorfer Stadtoberhaupt und die Einwohner
der kleinen Stadt zwischen Hoyerswerda und Kamenz haben Angst,
dass am 9. Dezember statt Glühweinduft Brandgeruch durch Bernsdorf
weht und dass das Fest der Liebe von einem Haufen sich prügelnder
Chaoten aus der linken und rechten Szene zerstört wird. Denn am
kommenden Sonntag jährt sich der tödliche Angriff eines Bernsdorfers
vietnamesischer Abstammung auf einen rechtsorientierten Jugendlichen
zum ersten Mal.
Der Bernsdorfer Matthias F. war am 9. Dezember 2000 mit zwei Freunden
auf den Weihnachtsmarkt der Stadt gegangen. Angetrunken sollen
sie Tung und seine Eltern angepöbelt haben. Solange, bis dem damals
15-Jährigen der Geduldsfaden reißt, er nach Hause sprintet, zwei
Küchenmesser holt und auf zwei der drei Männer einsticht. Matthias
F. erliegt den Verletzungen.
Tung sitzt seit dem Vorfall in Haft. Noch rund drei Jahre wird
er hinter Gittern verbringen müssen. Das Landgericht Bautzen hat
ihn wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu insgesamt vier Jahren
Jugendhaft verurteilt. Im Oktober lehnte der Bundesgerichtshof
in Leipzig seine Revision ab. Die linksorientierte Antirassistische
Initiative aus Dresden will das Urteil nicht verstehen. "Obwohl
das Gericht die Tat als Reaktion auf die rassistische Bedrohung
akzeptierte und dies formal als strafmildernd anerkannte, schlug
sich das nicht auf das Strafmaß nieder", heißt es in einer von
der Initiative verbreiteten Erklärung.
Der Weihnachtsmarkt wird nicht geschlossen
Nicht diejenigen, die Rassismus ausüben,
seien das Problem, sondern diejenigen, die sich dagegen wehren.
Diese Ansicht will die Initiative am 9. Dezember in Bernsdorf
vertreten. Das Landratsamt Kamenz hat die angemeldete Demonstration
trotz Bernsdorfer Bedenken bereits erlaubt. Menzels Einspruch
in Kamenz hat nicht dem Ziel der Initiative gegolten, auf Rassismus
hinzuweisen. Er hat Angst, dass die politische Gegenseite mobil
macht. "In diesem Zusammenhang werden Aktionen von Rechtsextremisten
stattfinden", hat das Landesamt für Verfassungsschutz Menzels
Befürchtungen bestätigt.
Doch Bangemachen gilt nicht. Die Bernsdorfer sehen der drohenden
Gefahr ins Auge. Sie werden den Weihnachtsmarkt nicht vorsorglich
schließen. Die verstärkte Präsenz der Sicherheitskräfte und Auflagen
für die Demonstration sollen das Schlimmste verhindern. Und vielleicht
haben sie dann doch noch ein "friedliches und schönes Weihnachtsfest",
wie Bürgermeister Menzel hofft.
up
Lausitzer Rundschau 23.11.01
Auflagen für Demo in Bernsdorf
Bürgermeister traf Initiatoren des Projektes
Kommentar:
Es handelt sich hier um den ersten Artikel der Lokalpresse, indem
das, was Tung tat, direkt als Gegenwehr gegen Nazis bezeichnet
wird. In sonstigen Veröffentlichungen und statements gelten
die Nazis als "liebe Jungs" und Tung wird rassistisch
konstruiert, als quasi "fanatischer Ausländer".
Das Verhalten des Bürgermeisters sieht aus wie Strategie
zur Abwehr von Gefahr der Heimat. Halt Abwehr durch Integration.
Ein Jahr zuvor beim Nazi-Trauermarsch am Tag der Beerdigung des
toten Nazis lief er an der Spitze der Demonstration (um deeskalierend
zu wirken zwischen den Nazis und der stark präsenten Polizei).
Bernsdorf. Ein erstes direktes Zusammentreffen
gab es in dieser Woche zwischen Vertretern der Antirassistischen
Initiative Dresden und dem Bernsdorfer Bürgermeister Eberhard
Menzel. "Nach dem Gespräch bin ich zumindest davon überzeugt:
Diese Gruppe will nicht Krawalle anzetteln, sondern in ehrlicher
und friedlicher Absicht gegen Rassismus und fremdenfeindliche
Gewalt demonstrieren" , sagte Menzel. Die Antirassistische Initiative
hat beim Landratsamt Kamenz für den 9. Dezember eine Demonstration
angemeldet just zum Weihnachtsmarkt der Stadt.
An jenem Tag vor genau einem Jahr wehrte sich ein vietnamesischer
Junge gegen Angriffe rechtsradikaler Jugendlicher mit tödlichen
Messerstichen. Die Stadt Bernsdorf hätte diese Demo aus Angst
vor politischen Krawallen gern verhindert. Doch das Landratsamt
wird die Demonstration genehmigen, allerdings sollen Auflagen
an die Initiatoren erteilt werden. So darf die Demo die Bundesstraße
nicht verlassen und muss im Zeitraum zwischen 12 und 14 Uhr abgeschlossen
sein. cw
up
Sächsische Zeitung (HOYERSWERDA),
01.11.01
Ein Jahr danach
Linke Gruppierung meldet Demonstration an
Bürgermeister will friedliches Weihnachtsfest Bernsdorf.
Ein Jahr nachdem in Bernsdorf ein damals
15-jähriger Vietnamese einen offensichtlich rechtsorientierten
Jugendlichen durch Messerstiche getötet hat, formieren sich rechte
und linke Gruppierungen zum Gedenken an den Vorfall. "Die antifaschistische
Initiative aus Dresden hat für den 9. Dezember eine Demonstration
angemeldet", sagte Gabriele Wehmeier, Pressesprecherin des Kamenzer
Landratsamtes, am Dienstag auf TAGEBLATT-Anfrage.
Das Amt prüfe zurzeit Auflagen, unter denen die Demonstration
genehmigt werden könne. Die Anforderung von zusätzlichen Polizeikräften
schloss sie vorerst aus. "Ich hoffe nicht, dass es im Dezember
in Bernsdorf heiß hergeht", sagte sie. Weitere Anmeldungen auf
Demonstrationen liegen im Landratsamt nicht vor. Unbestätigten
Informationen des TAGEBLATTES zufolge will aber eine überregionale
rechte Gruppierung ebenfalls am 9. Dezember in Bernsdorf aufmarschieren.
"Ich weiß davon nichts", sagte Eberhard Menzel, Bürgermeister
der Stadt. Ebenso hätte er keine Hinweise darauf, dass die rechtsorientierten
Jugendlichen der Stadt eine Demonstration planen.
Der Bürgermeister hofft, dass niemand im Dezember durch Bernsdorf
marschiert. "Ich bin gegen eine Demonstration", sagte das Stadtoberhaupt.
Er wolle, dass Weihnachten ein Fest des Friedens und der Familie
werde. Deshalb fährt er demnächst nach Kamenz, um mit dem Landratsamt
über das Verbot von Demonstrationen am 9. Dezember zu verhandeln.
Außerdem wird das Thema wahrscheinlich während eines Podiumsgesprächs
in der kommenden Woche mit Jugendlichen der Stadt auf der Tagesordnung
stehen.
Der damals 15-jährige Bernsdorfer vietnamesischer Abstammung hatte
am 9. Dezember 2000 zwei Jugendliche der Stadt mit Küchenmessern
niedergestochen, nachdem sie und ein weiterer Gefährte ihn und
seine Eltern auf dem Weihnachtsmarkt beschimpft hatten. Einer
der jungen rechtsorientierten Männer erlag seinen Verletzungen.
Der Vietnamese wurde vom Gericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge
zu vier Jahren Haft verurteilt und sitzt im Gefängnis. (tm)
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