| zwei Neo-Nazi-Angriffe in West-Sachsen
Anfang 2002
Polizei wirft Betroffenen vor, sich das ausgedacht zu haben
In der Nacht vom 07. zum 08. Februar
wurde in Plauen ein 29jähriger gegen 2 Uhr von 8 Neo-Nazis
unter anderem mit einer Eisenstange zusammengeschlagen, so
dass der Betroffene 12 Tage im Krankenhaus bleiben musste.
Die Plauener Polizei will nicht wegen einem Neo-Nazi-Übergriff
ermitteln, und schlug deshalb vor, das Ganze als Unfall zu
betrachten.
Am 28. 01. 2002 wurde ein 43jähriger iranischer Asylbewerber
in Antonsthal von zwei Rechtsextremisten angegriffen und u.a.
mit einem Messer verletzt. Die Polizei reagierte inzwischen
mit einer Vorladung des Betroffenen als Beschuldigter mit
dem "Verdacht des Vortäuschens einer Straftat".
Pressemitteilung von AMAL Sachsen
vom 22. Mai 2002
Polizei verharmlost
Überfall
In der Nacht vom 07. zum 08. Februar
2002 wurde in Plauen ein Mann Opfer eines offenbar rechtsextremistisch
motivierten Überfalls.
Wie aus der Freien Presse vom 21.02.2002 hervorgeht und wie
es der Betroffene uns gegenüber bestätigte, warfen ihm die
ermittelnden Beamten vor, "die Geschichte im Nachhinein erfunden
zu haben", "Die Polizei hält einen Sturz für ebenso wahrscheinlich"
(Freie Presse, 21.02.2001)
Dieses Verhalten der Polizei halten wir für verharmlosend
und skandalös. Eine Person, die so brutal von offensichtlich
rechtsextremen Tätern verletzt wurde, dass sie nur durch Glück
überlebte, muss anders von den Ermittlungsbehörden behandelt
werden. Selbstverständlich war der Angegriffene nach dem Überfall
eine Zeitlang verwirrt und wusste nicht, was vorgegangen war.
Dieses ist ein typische und völlig normale Reaktion auf so
einen gravierenden Einschnitt in das Leben eines Menschen.
Genauso selbstverständlich ist, dass dem Betroffenen erst
nach und nach Momente des Überfalls bewusst wurden. Es ist
eine ganz normale Schutzreaktion des Körpers, solche Erlebnisse
zu verdrängen. Medizinisch wird das als Traumatisierung bezeichnet.
Selbst eine zeitweilige Amnäsie (Gedächtnisverlust) tritt
häufig nach solchen Erlebnissen auf. Derartiges ist jedoch
nur durch ausgebildete Fachkräfte festzustellen.
Wir sind empört über den anmaßenden Umgang der Polizei damit,
weil es aus unserer Sicht im Sinne der Aufklärung dieser Straftat,
unerlässlich scheint, hier für einen ärztlichen Beistand,
auch ausgehend von der Polizei, zu sorgen. Dies stellt unserer
Meinung nach eine deutliche Kompetenzüberschreitung durch
die Polizei dar.
"Anstatt alles zu tun, dem Betroffenen zu helfen und zu unterstützen,
so dass eine glaubwürdige Aussage gemacht werden kann, wird
ihm unterstellt, gelogen zu haben." So Renate Riedel von AMAL
Sachsen. Damit wird im Grunde das Opfer zum Täter gestempelt.
Wir bieten der Polizei, falls gewünscht, ein gemeinsames Fachgespräch
zu Traumatisierung und deren Folgen an.
mailto: amal.dresden@ndk-wurzen.de
Pressemitteilung von AMAL Sachsen
vom 17. Mai 2002
Fragwürdige Ermittlungstaktik
der Polizei
im Zusammenhang mit offenbar rechtsextrem motivierten Übergriffen
Am 28. 01. 2002 wurde ein 43jähriger
iranischer Asylbewerber in Antonsthal von offenbar zwei Rechtsextremisten
angegriffen und u.a. mit einem Messer verletzt.
In diesem Fall, wie auch beim Neo-Nazi-Angriff in Plauen scheinen
die Ermittlungstaktiken der zuständigen Polizei mehr als fragwürdig.
Kurz nach dem Überfall in Plauen, warfen die Beamten dem Betroffenen
vor, "die Geschichte im Nachhinein erfunden zu haben" ( Freie
Presse). Ein Sturz sei ebenso wahrscheinlich. Obwohl der Betroffene
bei der Polizei zwei Täter identifizierte, liegen bis heute
keine weiteren Ermittlungsergebnisse vor.
Im zweiten Fall in Antonsthal wurden einem Mann aus dem Iran
schwere Schnittverletzungen am Kopf und Arm zugefügt. Während
den Zeugenvernehmungen bei der Polizei wurde ihm mehrfach
vorgeworfen, sich die Dinge nur ausgedacht zu haben. Inzwischen
erhielt er sogar eine Vorladung als Beschuldigter mit dem
"Verdacht des Vortäuschens einer Straftat".
Kurz nach den Übergriffen hat AMAL begonnen die beiden Betroffenen
zu beraten und zu unterstützen. "Aus unserer Sicht sind Zweifel
an den Schilderungen der Betroffenen, in beiden Fällen völlig
unbegründet und aus der Luft gegriffen. Hier wird versucht,
aus Opfern Täter zu machen.", so AMAL.
mailto: amal.dresden@ndk-wurzen.de
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Freie Presse-20-02-2002
Plauen: Fragezeichen
nach vermeintlichem Überfall
Junger Plauener sieht sich als Opfer rechtsradikaler Täter
- Polizei ermittelt -Information auf Sparflamme - Weiterer
Einsatz in Chrieschwitz
Kommentar: Auch der Freien
Presse scheint die "Aufklärungstaktik" der
Polizei am Herzen zu liegen - sie spricht lieber von einem
"vermeintlichen Überfall".
Der junge Plauener, der in der
Nacht zum 8. Februar nach eigenen Angaben überfallen worden
sein soll ("Freie Presse" berichtete), konnte am Dienstag
das Krankenhaus verlassen. Die Kripo setzt indes ihre Ermittlungen
fort und hat den Fall noch nicht der Staatsanwaltschaft übergeben.
Das 29-jährige Opfer hatte einen Tag nach dem Überfall die
Polizei selbst über den Vorfall informiert. Erst am Montag
darauf fanden die Beamten den Weg ins Krankenhaus und zweifelten
anschließend offenbar am Wahrheitsgehalt der Schilderungen.
Vor allem, dass er nicht sofort ins Krankenhaus und zur Polizei
gekommen sei, spräche gegen einen Überfall und damit gegen
seine Glaubwürdigkeit. Die Beamten warfen ihm vor, die Geschichte
im Nachhinein erfunden zu haben, sagte der junge Plauener
in einem Gespräch mit "Freie Presse". Die Polizei hält einen
Sturz für ebenso wahrscheinlich. Anders der Gerichtsmediziner.
Dieser soll angesichts der Wunden zu der Feststellung gekommen
sein, dass die Verletzungen von Schlägen mit einer Metallstange
stammen, die Rippenprellung von Fußtritten.
Bis Mittwoch gibt die Polizei lediglich die Auskunft, der
Fall sei aufgenommen und würde bearbeitet. Mit seiner Berufsschulklasse
hatte der junge Plauener am Abend des 7. Februar im Malzhaus
Bergfest gefeiert. Als er sich gegen 1.15 Uhr auf den Heimweg
begab, sollte er nicht weit kommen. An der Kreuzung Böhler-/
Hofwiesenstraße hielt ein Fahrzeug, dem vier mit Bomberjacken
bekleidete Männer entstiegen sein sollen. Nach der Ankündigung
"Jetzt haben wir dich!" begannen sie nach Aussagen des Opfers
sofort mit äußerster Brutalität auf ihn einzuprügeln. Gekannt
habe er die Täter nicht. "Kurze Zeit später hielt ein zweites
Auto. Weitere vier Bombenjackenträger stiegen aus. Acht Männer
schlugen abwechselnd auf mich ein. Dazu benutzten sie nicht
nur ihre Fäuste, sondern auch eine Metallstange. Sie zielten
immer wieder auf den Kopf ", berichtet der Überfallene.
Dabei sollen die Täter gerufen haben: "Wir wissen bescheid,
du Zeckenschwein." Diese Worte deutet das Opfer als Hinweis,
dass die Täter von seiner antifaschistischen Einstellung wüssten,
er also nicht Zufallsopfer sei. Offenbar ein weiterer Schlag
mit der Metallstange ließ ihn später das Bewusstsein verlieren.
Wie der junge Mann nach Hause gekommen ist, daran erinnert
er sich nicht mehr. Den ganzen Freitagmorgen habe er sich
unter Schmerzen in seinem Bett gequält, bis ihn ein Freund
fand und ins Krankenhaus begleitete.
Recherchen der "Freien Presse" ergaben, dass die Polizei am
Unglücksabend in Chrieschwitz vor einem Billardcafé eine Schlägerei
vereiteln musste. Die Streitstifter, die sich gegen 1 Uhr
von dort entfernten, sollen nach Aussagen von Zeugen zumindest
äußerlich der rechten Szene zuzuordnen sein. Die Polizei schweigt
dazu. Einen Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und dem späteren
Überfall scheint nicht ausgeschlossen.
Freie Presse-20-02-2002
Plauen: Vorgehen
der Polizei löst Protest aus
Ermittlungen zu Überfall auf einen 29-jährigen Plauener halten
an - Vereine sehen eine Verharmlosung
Mit Unverständnis reagiert der
Verein "amal Sachsen - Hilfe für Betroffene rechter Gewalt"
auf das Vorgehen der Polizei nach einem offenbar rechtsextremistisch
motivierten Überfall auf einen 29-jährigen Plauener in der
Nacht zum 8. Februar. "Anstatt alles zu tun, dem Betroffenen
zu helfen und zu unterstützen, so dass eine glaubwürdige Aussage
gemacht werden kann, wird ihm unterstellt, gelogen zu haben",
meint Renate Riedel von amal Sachsen. Sie bezieht sich dabei
auf eine Aussage der Polizei, die als Grund für die Verletzungen
des Opfers einen Sturz ebenso für wahrscheinlich hält. "Dieses
Verhalten der Polizei halten wir für verharmlosend und skandalös",
so Riedel am Freitag in einer Pressemitteilung.
Eine Person, die so brutal von offensichtlich rechtsextremen
Tätern verletzt wurde, dass sie nur durch Glück überlebte,
müsse anders von den Ermittlungsbehörden behandelt werden,
erklärte amal Sachsen. Der Verein "Eine Welt" unterstrich
seinerseits, dass es auch in Plauen rechtsextreme Strukturen
gibt und gab. Steffi Dölz, seit drei Jahren bei der mobilen
Jugendarbeit zuständig für den Stadtteil Chrieschwitz, bezeichnet
die Art des Überfalls vom 8. Februar als typisch für die rechte
Szene.
Zahlenmäßig immer in der Überzahl gegenüber den Opfern bewaffnet
aufzutreten und Aussprüche wie "Zeckenschwein" seien ihr nichts
Neues im Zusammenhang mit rechtsextremen Jugendlichen. Sowohl
die Sprecherin der "Initiative für Demokratie und Toleranz",
Sabine Zimmermann, als auch amal Sachsen sehen die Ursache
für die besondere Arroganz, mit der Rechtsradikale in Westsachsen
auftreten, unter anderem in der Gleichgültigkeit der Bevölkerung.
Derweil setzt die Kriminalpolizei ihre Ermittlungen fort,
wie Oberstaatsanwalt Holger Illing von der Staatsanwaltschaft
Zwickau am Freitag mitteilte. Wann die Ermittlungen abgeschlossen
werden, könne man derzeit noch nicht abschätzen, da es unter
anderem schwierig sei, die Täter ausfindig zu machen, so Illing.
Bis zum Abschluss der Untersuchungen werde man keine Ermittlungsergebnisse
bekanntgeben. Das Opfer selbst muss sich nach einem 12-tägigen
Klinikaufenthalt noch weitere Wochen in ärztliche Behandlung
begeben
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