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Gegendemonstrantinnen blockieren eine Kreuzung
in der Innenstadt
Wenn Winter
ist im Erzgebirge, dann ist auch Winter, weiss
der einheimische Ostdeutsche nur zu gut. Ob nun
das, noch immer oder schon wieder?, verrußt
erscheinende Chemnitz bereits zum Erzgebirge zu
zählen ist, darüber mag man trefflich
streiten. Auf alle Fälle war dieser 8. Februar
im vormaligen Karl-Marx-Stadt ein Wintertag mit
Folgen.
Seit dem 7. Februar ist
im Chemnitzer Schlossbergmuseum die Ausstellung
"Verbrechen der Wehrmacht" zu sehen.
Und wo diese Ausstellung gezeigt wird, ist der
so genannte 'Nationale Widerstand' nicht weit,
um gegen diesen vermeintlichen 'Schandbilderzirkus'
mobil zu machen. CHRISTIAN
WORCH rief nach Chemnitz auf und
einige Fußvölkische versauten sich
den Samstag. Denn es war Winter.
Der Nazi-Marsch sollte ursprünglich
12 Uhr am Chemnitzer, so bezeichneten, Hauptbahnhof
beginnen. Da war WORCH allerdings noch auf der
Autobahn bei Frankenberg in Stauunbilden festgesetzt.
Die Kameratten vor Ort behalfen sich derweil mit
durchaus ausgiebigem Genuss alkoholischer Getränke
im Bahnhofsgebäude und verschlimmbesserten
ihr eh schon desolates Erscheinungsbild nicht
unwesentlich. In der Stadt Chemnitz demonstrierten
zu dieser Zeit mehr als 5.000 Menschen gegen den
zu erwartenden Nazi-Aufzug. Nicht unmaßgeblich
wurde die bürgerlich-zivilcouragierte Demonstration
im Schwerpunkt durch eine fast zeitgleiche Antifa-Demo
mehr als nur angereichert. Nach der Abschlusskundgebung
zog ein Großteil der Teilnehmer in Richtung
Bahnhof und blockierte die bis dahin mögliche
Nazi-Route auf der Kreuzung Bahnhofstraße/Carolastraße
vollständig. Teilweise wurde auch der zweitmögliche
Marschweg der Nazis an der Kreuzung Georgstraße/Straße
der Nationen besetzt.
Die Zeit ging dahin, die
Blockade stand, WORCH steckte weiter im Stau,
der braungraue Mercedes QLB-FB 12 lieferte aus
seinem Verpflegungsanhänger QLB-D 184 'Doitschländer
Würstchen' und Heißgetränke, und
es war Winter. Die Kameratten wurden zunehmend
trunkenunruhiger. Gegen 13.30 Uhr erfolgte, ähnlich
den Gepflogenheiten bei WORCH-Aufmärschen
in Leipzig, die freundliche Durchsage der Bahn,
Demonstrationsteilnehmer mögen sich doch
bitte 14.30 Uhr am Versammlungsort einfinden.
Angemeldet und genehmigt war der Nazi-Aufzug ursprünglich
von 12 bis 18 Uhr. Dann traf WORCH, roter VW HH
RJ 22 57, letztendlich doch noch ein.
Nach zweimaligem Verlesen
der üblichen Versammlungsbehördenauflagen,
garniert vom ebenfalls üblichen doitsch-pseudohumoristischen
Schreigeschwafel WORCHs, setzten sich die anwesenden
zirka 500 Jung- und Altnazis, dem Augenschein
nach durchwachsen hooliganlastig, letztendlich
gegen 15.15 Uhr hinter dem bekannten 'Anti-Anti-Wehrmachtsaustellung'-Fronttransparent
in Bewegung.
Im Demonstrationszug vertreten waren unter anderen
"BF-Dortmund", "Kameradschaft Saarlautern",
Kameraden aus dem Raum Frankfurt/Main und Sachsen-Anhalt,
"Kameradschaft Northeim", "Nationaler
Beobachter Halle" sowie einzeln bekannte
Regional-Nazi-Kader. SVEN
LIEBICH durfte wieder mal das Mikro
halten und ALEXANDER
KLEBER, Aktivist für den jährlichen
Nazi-Aufzug am 13. Februar in Dresden, klammerte
sich am Ende des Zuges an ein Transparent von
"Freie Kräfte Mitteldeutschland".
Der Marschweg über die Carolastraße
war für die Nazis völlig versperrt,
die Antifa-Blockade Georgstraße/Straße
der Nationen von der Polizei kreuzungsfrei knapp
zur Seite abgedrängt. Die teilweise völlige
Planlosigkeit der Polizei zeigte hier an dem gar
netten Auftritt eines Antifas, der sich, von der
Polizei wohl lange Zeit für einen eigenen
Zivil-Kollegen gehalten, dem anrückenden
Nazi-Mob mitten im Kreuzungsbereich gut inszeniert
entgegen stellen konnte. Ein verspätet anreisender
Trupp von zirka 50 Nazis wurde im Kreuzungsbereich
ohne jegliche Vorkontrollen durch die Polizei
in den Nazi-Haufen
geschleust.
Was
dann folgte, haben selbst aufmerksame Beobachterinnen
und Berichterstatterinnen bei Nazi-Demonstrationen
so lange nicht erlebt: Nach Überqueren der
Kreuzung wurde der Nazi-Aufmarsch aus dem angrenzenden
Park, Dank der längeren Wartezeit wohl vorbereitet,
fast vollständig mit Schnee-, Eis- und anderen
Wurfgeschossen zudeckt. Ein regelrechter Hagelsturm
wirbelte langanhaltend auf die völlig irritierten
Doitschmarschierer hernieder, mehr als mehrere
Dutzend wirkungsvolle Treffer, Zick-Zack laufende
Nazis, Auflösungserscheinungen im Frontbereich
des Nazipulks, und der Himmel wollte nicht heller
werden.
Wahrlich keine froidvolle Viertelstunde für
die ungebetenen Gäste, dafür um so deutlichsichtbar
wirksamer. Deprimierte Stalingrad-Anbeter-Gesichter
in der Nazi-Runde. WORCH entglitt später
bei seiner Abschlussrede vorm Bahnhof gar verräterisch
nachwirkend die Formulierung, man habe hier "unter
dem Hagel der Geschosse" gestanden, sich
aber trotzdem besonnen verhalten.
Kurz danach monierte die
Versammlungsbehörde das, nach ihrer Auffassung
als strafbare Handlung bewertete, Intonieren der
Parole "Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht"
und stoppte den teilweise noch immer unter massivem
Bewurf stehenden Nazimarsch. WORCH vergewaltigte
daraufhin fast das Mikrofon und gab der Versammlungsbehörde
"exakt vier Minuten" Bedenkzeit, ihre
Entscheidung zu revidieren. Ansonsten, drohte
WORCH, werde er den Aufmarsch an Ort und Stelle
für beendet erklären und, die nach seinen
Worten "500 bis 700 Kameraden", in die
Stadt entlassen. Bei "Störtebeker-Netz"
schreibt WORCH mittlerweile dahingehend von einer
'Sieben-Minuten-Reaktion' der Stadt und betreibt
im Nachgang auch noch kleinere Zahlenklamaukspielchen:
"(...) Eine Schätzung auf 800 bis 850
(...) erscheint mir ein wenig unseriös. (...)"
Der augenscheinlich und sowieso völlig überforderte
Vertreter der städtischen Versammlungsbehörde
genehmigte letztendlich zuvorkommend zeitnah eine
Weiterführung der Demonstration sowie die
Verwendung der vorher als kritisch erachteten
Losung. Aber da war ja noch die lautstarke und
wurfkräftige Antifa-Begleitung.
An der Ecke Georgstraße/Mühlenstraße
schlug den Nazis erneut Widerstand entgegen. Mittlerweile
hatte sich die Polizei ein wenig besser in ihre
bisher peilungslose Lage gefunden und ging hier,
sowie folgend, teilweise massiv und in der Wahl
ihrer Mittel völlig überzogen gegen
Antifaschistinnen vor.
Unverständlicherweise bedankte sich nach
Passieren der Kreuzung Georgstraße/Mühlenstraße
der Sprecher des bürgerlichen Bündnisses
gegen den Nazi-Aufmarsch für das Erscheinen
und erklärte damit wohl aus seiner Warte
den zivilcouragierten Widerstand ab 15.50 Uhr
für beendet. Aber es war ja auch noch Winter
in Chemnitz.
Am Zöllnerplatz zelebrierten
die Nazis unter völliger Abwesenheit der
ihrer Meinung nach aufzurüttelnden Volksmassen
eine Zwischenkundgebung, die WORCH mit "aus
der Mitte der Gesellschaft, für die Mitte
der Gesellschaft" einleitete. Die Polizei
erteilte derweil im weiten Umfeld vorsorglich
und großzügig Platzverweise für
alle und alles, was nicht nach Nazi ausschaute.
Wie schon in Leipzig durfte auch in Chemnitz Kameradin
IVONNE
aus Thüringen sprechen und ihre zartbesaitete
braune Seele nach außen baumeln lassen.
Irgendwie fühle sie sich wie ein Vorreiter,
für irgendwas, erklärte sie den Nazis
im Rund.
Beeindruckend. GERD
ITTNER aus Nürnberg, sichtlich
von einer Erkältung geschwächt und für
seinen selbstlosen persönlichen Einsatz von
WORCH mehrmals belobigt, palaverte über die
"antideutsche Mafia", die USA, Israel,
den Irak, und wenn er so weiter gemacht hätte,
bestimmt auch noch über Aldi. Kamerad GERD,
seine Erkältung bald vergessend, plärrte
selbstherrlich vom Krieg, der Deutschland damals
aufgezwungen worden wäre und der seitens
der Wehrmacht und der Waffen-SS niemals ein Angriffskrieg
gewesen sei. Und natürlich stehe das deutsche
Volk zu seinen Helden von Wehrmacht und Waffen-SS.
Nur waren eben nicht sehr viele da, um dort mit
ihm stehend zu frieren.
Dann
ging es zurück zum Bahnhofsvorplatz, vorbei
an der noch immer teilblockierten und lautstark
besetzten Kreuzung Straße der Nationen/Georgstraße.
Allerdings beliebte es der Polizei bei Anrücken
des Nazimarschs unvermittelt den Antifa-Lautsprecherwagen
zu bedrängen, um dort unter Anwesenheit zweier
PDS-Landtagsabgeordneter die Kabel zu kappen!
Auch die Kreuzung unmittelbar am Bahnhofsvorplatz
war mittlerweile wieder von Antifas besetzt, von
der Polizei massiv in Richtung Nazipulk abgeschirmt.
Am Bahnhof angekommen zogen es etliche Nazis vor,
ins Bahnhofsinnere beziehungsweise an den doitschnationalen
Würstchenstand zu desertieren, statt ergriffen
WORCHs verquaster Sicht der Dinge zu lauschen.
"... Reichstreue!", begann dieser dann
markig, "Ihr seid die neue Wehrmacht!"
Auf einmal war Ruhe war um WORCH. Keine Hand rührte
sich, kein Beifall. Weil sein Ansinnen scheinbar
niemand so recht verstanden oder gar begriffen
hatte, versuchte WORCH, es den noch anwesenden
Fußvölkischen zu erklären. Und
dann wurde, später, auch geklatscht. WORCH
plauderte noch ein wenig über seine scheinbar
schlaflosen Nächte und seine Sorgen um das
zu befürchtende Verschwinden des deutschen
Volkes aus der Weltgeschichte, so quasi das von
im unterstellte Endziel all seiner Gegner, also
fast aller. Natürlich durfte auch die Großwetterlage
in seinen Heldenausführungen nicht fehlen,
als der Russe angriff und es bei minus 40 Grad
schneite, damals vor Stalingrad. Und weil es damals
so kalt war und es ja sowieso dauernd schneit,
vor allem bei minus 40 Grad Celsius, versuchte
WORCH seiner ergriffenen Gemeinde gleich noch
ein paar "Anti-Anti-Wehrmachtsaustellungstour"-Leibchen
zum Preis einer freiwilligen Spende von 10 Euro
zu verticken. Mit der gebrüllten Aufforderung,
"als neue deutsche Wehrmacht für das
Reich!, für das Reich!, für das Reich!,
für das Reich! einzutreten", war WORCH
dann irgendwann nach 17 Uhr irgendwie am Ende.
Und es war noch immer Winter in Chemnitz.
9. Februar 2003
AntifaRechercheTeam (ART)
Dresden
KEEP YOUR EYES OPEN!
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in Chemnitz: Der Dumme von hinterm Tresen im "Thor"
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