6. April 2007
- Dresden
"Lichtgrüße“
von der Weltverschwörung
Schon oft haben wir über Merkwürdigkeiten und Skurilitäten
berichtet, die sich vor der Dresdner Frauenkirche, gewöhnlich
mit einer Konnotation zum 13. Februar, abspielten.
Doch das, was es am 6. April, um das Lutherdenkmal herum zu sehen
gab, spottet jeder Beschreibung. AnhängerInnen anpolitisierter
Esoteriksekten gaben sich ein Stelldichein gemeinsam mit bekennenden
AntisemitInnen und Weltverschwörungstheorie-Freund_innen -
grob eingeschätzt ein Konglomerat aus "Reichsdeutschen"
und rechten EsoterikerInnen.
Die Stimmung der interessierten Beobachtenden schwankte zwischen
Bestürzung und Lachen.
Aufgerufen hatten diverse Gruppierungen und
WeltverschwörerInnen, wahlweise zu einem "Friedlichen
SEIN" am 6. April ab 12 Uhr an der Frauenkirche „in Widerstand
zu Bilderbergern und ILLUMINATEN!" (Portal "Gesundes Sachsen")
über Christoph
Kastius (laut Visitenkarte aus "1000 Groß-Berlin"
vom Portal "Wahrheit EU") genauso wie "Sonja Sonnenschein
und Ihr Arthur Adler von der Redaktion der Deutlichen-Lichtvollen-Reichhaltigen
- Internetdepesche" unter dem Motto "Zur Ausweitung des
schon lange überfälligen Durchbruchs des friedlichen Volksaufstandes
in Deutschland".
Diesen illustren Aufrufen und ihren Aufrufenden
folgten dann etwa 80 Personen, von jung bis alt, welche mit Schildern
und Flyern das Luther-Denkmal etwa eine Stunde umlagerten und später
beklebten.
Der Anlass war die Proklamation der „Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte“ durch die Anwesenden und
gleichzeitig die Bekanntgabe, dass die „Europäische Menschenrechtskonvention“
abgelehnt wird, welche seit dem 03. 11.1953 in der BRD gültig
ist.
Denn die BRD sei ein völkerrechtswidriger Staat und das Grundgesetz
stelle keine Verfassung, sondern vielmehr ein Besatzungsstatut dar.
Deshalb forderten die Demonstrierenden auch eine „Verfassung“
für Deutschland. Wobei es hier zu Unstimmigkeiten kam. Während
einige die Existenz Deutschlands nicht negierten, waren andere der
Meinung Deutschland existiere nicht, sondern der hiesige Boden währe
Gebiet des Deutschen Reiches.
Also ganz in der Doktrin der so genannten Reichsbürger- und
Reichsbewegung, welche derlei Thesen vertreten.
Wes Geistes Kind die Anwesenden waren, machte
ein älterer Herr deutlich, der die Anschläge auf das WTC
damit erklärte, dass das WTC asbestverseucht gewesen sei und
ein Abriss zu teuer. Deshalb wurde letzterer vom zuständigen
Senat (sic!) abgelehnt und ein anderer „Weg“ gefunden.
Trotzdem die Veranstaltung recht skuril
verlief, darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass unter
den ProtagonistInnen viele an Schnittstellen zur organisierten Neonaziszene
aktiv sind.
So hat der „Großberliner“ Kastius
über sein Portal Kontakte zu Heino
Jansen, dem wiederum die
von Neonazis genutzte Immobilie in Rosenthal-Bielatal gehört.
In Chemnitz bestehen ebenfalls Kontakte zwischen Anhängern
der „Chemtrails-Theorie“ und Neonazis.
Trotz allem handelte es sich bei den TeilnehmerInnen vorrangig um
realitätsverneinende AnhängerInnen der krudesten Verschwörungstheorien.
Ein Video über das "Reichsbürger" Spektakel
in Dresden findet sich unter
http://www.youtube.com
up
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" Reichsbüger" kleben
am Martin Luther Denkmal vor der Frauenkirche in Dresden ihre Flugblätter
an

Wer hätte das gedacht: in grauer
Jacke mit passendem Bart - der "Reichskanzler" persönlich.
So jedenfalls seine Vorstellung.
Andreas Franke - verspulter Esoteriker und Webseiten Betreiber
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