| 17. August 02
Hochwasser-Pegel kurz hinter
Höchst-Stand,
Polizei stürmt Dresdner neo-nazi-location "Thor"
kommentierter Bericht eines Neo-Nazis
Gegen
14.00 Uhr am besagten Tage waren zwei Kameraden und ich gerade
dabei den Grill für unser verspätetes Mittagsmahl vorzubereiten,
stimmt, den ganzen Tag taten die Neo-Nazis nichts anderes als
wahlweise grillen, saufen und Rettungskräfte des THW anpöbeln,
siehe auch Foto.
Dabei war angekündigt, dass die Neo-Nazis aus'm Osten nicht
zum grossen Hess-Gedenkmarsch in Wunsiedel fahren können,
weil sie den Kampf an der "Heimat-Schutz-Front" unterstützen...
Doch dann wurde alles anders. Noch jetzt
zittern dem armen Berichtschreiber die Finger vor Empörung:
Ich ging noch mal hinein (ins Thor!) um einiges zu holen
und in der nächsten Sekunde kam schon ein Beamter auf mich zu,
packte mich am Arm, zog mich Richtung Tür und schrie dabei: „Alle
raus hier!". Ich fragte was das soll und bekam prompt die Antwort
in Form von ein paar Knüppelschlägen und der Aufforderung mich
hinzulegen.
Doch
es sollte noch dicker kommen. Was geschah währenddessen mit
der heissgeliebten neo-nazi-location?
Wie sich später herausstellte, spielten sich derweil im Haus
unglaubliche Szenen ab. Mehrere Polizisten durchsuchten die Räumlichkeiten,
rissen Kisten auf, entfalteten Transparente, durchwühlten CD´s
und Papierkram, brachen eine Tür auf und stahlen eine Taschenlampe
vom Typ „Maglite".
Das finden auch wir unglaublich, wir fordern: Freiheit
für die Nazi-maglite!
Man sagte mir, wir hätten am Vortag Polizeiarbeit
behindert und es bestünde „Gefahr in Verzug", deshalb läge auch
kein Durchsuchungsbefehl vor. Ich schweifte in Gedanken zum Freitag
und erinnerte mich, daß wir der Polizei kostenfrei Kaffee anboten,
welche diesen ablehnten.
Jaja, das hatten wir schon, natürlich wurde nicht nur Bier,
sondern auch dieser welcher Kaffee getrunken in der gemütlichen
Faulenzer-Runde am "Thor". Das Benehmen der Neo-Nazis
wurde dabei so rüpelig, dass das THW sich weigerte dem "Thor"
zu helfen.
Nix mehr mit gemütlichem Hoch-Wasser-Tourismus
am "Thor": Jetzt gehts durchs Elbe-Wasser zum Gefangenen-Transporter!
Dabei erteilte die Polizei eine für die Neo-Nazis sehr wichtige
Lektion zum Thema marschieren:
Wir marschierten los, erst mal durch hüfthohes Wasser, weil
die Kreuzung überflutet war. Marschieren kommt von Marsch, und
so sah das dann auch aus. Die ganzen Bullen in dreier Reihe und
wir mittendrin.
Es glich fast einer früheren Demonstration
des Nationalen Widerstandes, wo es noch nicht verboten war in
Blöcken zu marschieren.
So schön wars also, wenn nicht ein Polizist gesagt hätte:
„Stell dir doch mal vor was die Leute, die das sehen, jetzt von
euch denken!? Die denken ihr seid Plünderer. Haha!".
Und so liefen wir durch fast den ganzen
Stadtteil, über die Flutrinnenbrücke bis zu „unseren" motorisierten
Gummibooten. Man muß sich dabei vorstellen, daß Dresden-Übigau
zu der Zeit wie eine Insel war. Auf der einen Seite die Elbe und
auf der anderen die Flutrinne. Durch das Hochwasser fast von der
Außenwelt abgeschnitten.
Wenn's auch mit dem Ausdruck hapert, die Info stimmt, siehe Hoch-Wasser-Witz-Seite
1!
Nach ein paar lauschigen Stunden in der
Schießgasse:
Keine Anzeige, kein Platzverweis. Wir dachten uns unseren Teil,
zurück zum „Thor", Schäden festhalten.
Genau, schön festhalten, die Schäden.
Noch Tage später akute Verwirrung bei
den Neo-Nazis:
Fünf Tage später, am Donnerstag, kam die Revierleiterin mit
zwei Beamten „Verstärkung" zum Klub und bedankte sich, daß wir
uns so ruhig verhalten hätten. Hä? Was soll das?
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