Sächsische
Zeitung vom 4. 9. 2004
Angst vor neuem Rechten-Treff
NPD-Aktivist betreibt wieder eine
einschlägige Kneipe / Anwohner fürchten Ärger,
wie beim "Thor" in Übigau
Von Alexander Schneider
"Die Omis haben Angst und trau'n sich nachts nicht mehr
auf die Straße", sagt die Verkäuferin eines
Ladens auf der Weimarischen Straße in Pieschen, gleich
hinterm Puschkin-Platz. "Das sind Nazis - zwar haben nicht
alle Glatzen, aber man erkennt sie an ihrem Gegröle",
sagt eine ältere Frau. "Und schau'n Sie nur: Jetzt
haben Linke hier die Häuser beschmiert." Sie zeigt
auf die Fassaden. In Abständen steht da in roter Farbe
"Nachbarn gegen Nazis". Die Linken haben penibel gearbeitet,
mit Schablone gesprüht. Der Schriftzug ist gut lesbar.
Am Tag nach der Sprühaktion verteilten junge Leute hier
Flugblätter und warnten vor einem neuen Nazi-Treff.
Der Stein des Anstoßes befindet sich hinter der Hausnummer
14. Er ist leicht zu finden, Farbbeutel wurden gegen das Gebäude
geworfen. Auch die offenbar vom politischen Gegner. Die Polizei
ermittelt wegen Sachbeschädigung. Im Kellergelass des Hauses
war einmal die Künstlerkneipe Dali, dann der Weimarische
Keller. Schließlich machte die Flut einer Suppenküche
den Garaus.
Viel Gegröle am Wochenende
Jetzt ist hier die neue Kneipe des NPD-Aktivisten Sven Hagendorf.
Zwar weist kein Schild auf das umstrittene Etablissement hin,
aber in der Szene muss es bereits bestens bekannt sein. "Mittwochs,
freitags und sonnabends ist richtig viel Betrieb", sagt
ein Nachbar. Leute stehen vor der Tür. Es werde oft bis
in die Puppen herumgelärmt. Und einschlägige Lieder
seien ebenfalls zu hören. Die Nachbarn sind gegen Nazis.
Aber für die Schmierereien haben sie auch nichts übrig.
Sie fürchten jetzt nicht nur Stress mit den Rechten. "Es
kann ja auch zu Auseinandersetzungen mit Linken kommen",
sagt eine Frau. So, wie es andernorts bereits passiert ist.
Gastwirt Hagendorf ist kein Unbekannter. Das Landesamt für
Verfassungsschutz bezeichnet ihn als Rechtsextremisten, der
in der NPD und im Nationalen Bündnis aktiv ist. Sein Lokal
wird beobachtet. Es diene der rechtsextremistischen Kameradschaftsszene
als Anlaufpunkt. Laut Ordnungsamt hat Hagendorf längst
eine Schank-Erlaubnis erhalten. "Seine politische Gesinnung
ist kein Grund, ihm die Konzession zu verwehren", sagt
Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU). Offenbar auch
nicht, dass Hagendorf einer der Mieter des Rechten-Treffs "Thor"
in Übigau war. Nachdem mehrere Initiativen gegen den braunen
Treff mobil gemacht hatten und es sogar zu Polizei-Einsätzen
kam, musste Hagendorf im April 2003 ausziehen. Der Vermieter
hatte den Jahresmietvertrag gekündigt.
Welche Laus er sich in den Pelz gesetzt hat, das wusste auch
der Eigentümer der Weimarischen Straße 14, ein Dresdner
Geschäftsmann, nicht. "Ich war gnadenlos blauäugig,
als ich das Inserat ,Suche Kellerkneipe' las", sagt er
zur SZ. Hagendorf sei ein nicht unsympathischer junger Mann,
der jedoch nicht seine wahre Gesinnung gezeigt habe. "Ich
fühle mich getäuscht", sagt der Eigentümer,
dem erst die Polizei die Augen geöffnet habe: "Die
Beamten sagten, ich solle mich darauf einrichten, dass es genauso
wie beim ,Thor' wird. Ich habe Herrn Hagendorf diese Woche gekündigt.
Leider läuft sein Vertrag bis Ende 2005." |