Bildzeitung,
11. Oktober 2005 
Dresdner Morgenpost, 11. Oktober 2005
Demonstranten geprügelt?
NPD-Politiker vor Gericht
Der NPD-Politiker Sven H. (34) liebt das martialische Auftreten.
Es gibt Bilder von ihm, da steht er schon mal mit Feuerwaffe im
Hosenbund da. Der gelernte Maurer, der im Jahr 2002 als NPD- Direktkandidat
für die Bundestagswahl scheiterte, hat es offenbar nicht
nur bei Posen gelassen. Wegen vorsätzlicher Körperverletzung
steht der Politiker seit gestern vor Gericht.
Im September 2004 soll Sven H. auf einer Montagsdemo auf der Wilsdruffer
Straße handgreiflich geworden sein. Die Vorwürfe: Weil
ihn Demonstrant Thomas K. angeblich anpöbelte, schlug er
ihn mit seiner Transparent-Stange derart heftig ins Gesicht, dass
dieser Prellungen erlitt. Zwei Monate später, wieder an einem
Montag, setzte Sven H. sein Fäuste auf dem Postplatz ein.
Die Demonstranten Karsten E. und Jan K. erlitten Schädelprellungen.
Daniel W. wurde von Sven H. sogar krankenhausreif geschlagen.
Jetzt wurde das Verfahren gegen ihn vor dem Amtsgericht Dresden
eröffnet. Gestern wollte Sven H. keine Aussage zu den Vorwürfen
machen. Der Prozess wird diesen Freitag fotgesetzt.
Sächsische Zeitung, 11. Oktober 2005
Kein Rechtentreff – dafür
Zoff und neuer Prozess
Von Alexander Schneider
Für Sven H. läuft es zurzeit nicht wirklich gut. Der
34-jährige gelernte Maurer war früher Vorsitzender der
Dresdner NPD, 2002 sogar Dresdner Bundestagskandidat und seit
einigen Jahren Gastwirt. Er wurde zum einen kürzlich am Neustädter
Bahnhof von mehreren Linken tätlich angegriffen. Zum anderen
hat er reichlich Ärger mit Polizei und Justiz. Vor einer
Woche scheiterte er dabei, erneut einen Rechtentreff zu etablieren.Am
vergangenen Dienstag musste H. seine Keller-Gaststätte auf
der Weimarischen Straße in Pieschen räumen. Nicht allein,
dass sich Nachbarn über nächtlichen Lärm beschwerten
oder die linke Szene Aktionen gegen den Treff durchführte.
Erst im August beschlagnahmte die Polizei dort bei einer Razzia
mehr als 100 CDs mit rechtsextremistischen und verfassungsfeindlichen
Inhalten. Nach wie vor wird gegen H. und Komplizen, die der rechten
Kameradschaftsszene zugerechnet werden, ermittelt.
„Als ich von der Razzia in der SZ las, habe ich dem Mieter
fristlos gekündigt“, sagte gestern der Eigentümer
des Hauses, ein Dresdner Geschäftsmann. Er hatte H.s Vertrag
bereits im vergangenen Jahr gekündigt. Doch fristgemäß
hätte H. erst im Dezember gehen müssen. 2003 war Sven
H. bereits mit dem Rechtentreff „Thor“ in Übigau
gescheitert. Auch dort musste er ausziehen, weil es Ärger
gab – Auseinandersetzungen mit Linken und sogar mit der
Polizei.
Schlägerei am Bahnhof
Seit gestern muss sich der einschlägig vorbestrafte H. am
Amtsgericht Dresden wegen Körperverletzung in vier Fällen
verantworten. Laut Anklage schlug er im Herbst 2004 bei und nach
Montagsdemonstrationen andere Teilnehmer, die aus der linken Szene
stammten. So soll er vor dem Kulturpalast einen Demonstranten
mit dem Holzstab eines Transparents im Gesicht verletzt haben.
Ein anderer wurde am Postplatz verprügelt und wurde vier
Tage stationär behandelt.
H. äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Erst für
Freitag sind Zeugen geladen. Richter Joachim Hlavka wird dann
erneut mit reichlich Publikum aus der rechten und linken Szene
zu rechnen haben. Eine schmerzhafte Begegnung mit der linken Szene
hatte H. am Sonnabend vor einer Woche am Neustädter Bahnhof.
Wie die Polizei erst gestern bestätigte, wurde H. dort von
einer größeren Gruppe angegriffen, geschlagen und flüchtete
in den Buchladen, wo er von der Bundespolizei beschützt wurde.
Die Polizei ermittelt auch hier – nun gegen die Linken.
Auch wenn nicht immer klar ist, wer Opfer und wer Täter ist:
Gegenseitige Angriffe extremistischer Gruppen in Dresden nehmen
zu. Erst im August hatte die Polizei abends 50 Rechte gestoppt,
die das AZ Conni überfallen wollten.
Dresdner Neueste Nachrichten, 11. Oktober
2005
NPD-Aktivist als Schläger vor
Gericht
Seit gestern muss sich der NPD-Aktivist
Sven H. wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Dresden
verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 34-jährigen
Rechtsextremen vor, zwei Mal im vergangenen Jahr im Umfeld von
Montagsdemonstrationen auf antifaschistische Demonstranten eingeprügelt
zu haben.
H., der 2002 als Bundestagsdirektkandidat für die NPD in
Dresden antreten wollte und 2004 für das Nationale Bündnis
bei der Stadtratswahl kandidierte, soll am 20. September 2004
einen jungen Mann mit der Holzlatte eines Transparents auf dem
Altmarkt misshandelt haben. Das Opfer habe Prellungen im Gesicht
erlitten, heißt es in der Anklage.
Am 1. November 2004 soll der Angeklagte nach einer Montagsdemonstration
am Postplatz gegen 20.30 Uhr zwei junge Männer mit Faustschlägen
traktiert haben. Kurze Zeit später habe er einen weiteren
jungen Mann krankenhausreif geprügelt, ergaben die Ermittlungen
der Staatsanwaltschaft.
Sven H. äußerte sich nicht zu den gegen ihn erhobenen
Vorwürfen. Ein Polizeivideo konnte keine neuen Erkenntnisse
liefern. Zu sehen waren zwar antifaschistische Demonstranten,
die gegen die Teilnahme von Rechtsextremisten an den Montagsdemonstrationen
protestierten. Eine der H. vorgeworfenen Straftaten war auf dem
Video nicht zu sehen. Die Verhandlung wird am Freitag fortgesetzt.
Dann sollen unter anderem die Opfer als Zeugen aussagen.
Thomas Hartwig
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