| November 2005
Nazi-Angriffe auf
linkes Hausprojekt in Dresden-Pieschen
Mit bisher unbekannter Vehemenz griffen Nazihooligans in den
letzten beiden November-Wochenenden ein linkes Hausprojekt in
Dresden-Pieschen an. Zustände wie diese gab es in Dresden
zuletzt Anfang der 90iger Jahre, als sich in der Neustadt besetzte
Häuser und Kneipen gegen Nazis verteidigen mussten. Mit dem
Unterschied, dass jetzt auch die Polizei einschritt, um das Haus
zu schützen.
Das Pieschner Wohn- und Kulturprojekt ist in den vergangenen Jahren
des öfteren Ziel einzelner Steinwürfe seitens der organisierten
Naziszene der "Freien Kräfte Dresden" gewesen,
aber auch Angriffsfläche von Nazis aus Pieschen.
Sonntag, 27. November 2005
Dresden: 3. Neonaziangriff auf ein
Wohn- und Kulturprojekt in der Robert-Matzke-Strasse geplant.
Pressemitteilung
Nachdem schon in den Nächten zum 20. und 25. November jeweils
zwischen 15-20 Neonazis das Wohnprojekt Robert-Matzke-Strasse
16 angegriffen hatten, wurden die BewohnerInnen am Sonnabend vor
einem geplanten Überfall mit Molotow-Cocktails gewarnt.
Im Kontakt mit dem zuständigen Polizeirevier Pieschen erfuhren
die BewohnerInnen des Wohnprojekts im Laufe des Nachmittags, dass
in den Kreisen der Hooligans für die kommende Nacht der 3.
Überfall innerhalb einer Woche geplant wurde. Diesmal sollten
nicht nur Zaunslatten zum Einsatz kommen, sondern auch Molotow-Cocktails.
Die Bereitschaftspolizei war daraufhin ab dem späteren Abend
mit mehreren Fahrzeugen vor Ort.
Mehrere Personen, die sich einzeln und in Gruppen bis zu 30 Personen
im Umkreis der Robert-Matzke-Strasse aufhielten und dabei laute
Beschimpfungen und Drohungen riefen, wurden von den Beamten kontrolliert.
Die Hooligans kündigten an, in nächster Zeit wiederzukommen.
Mike Tannagel, ein Sprecher des Wohnprojekts zu den Vorfällen:
"Die Anwesenheit der Polizei hat weitere Sachbeschädigungen
in dieser Nacht verhindert. Es ist jedoch dringend notwendig,
dass die Polizei gegen die Angreifer der letzten Woche ermittelt.
Da es sich um Hooligans aus dem organisierten Neonazi-Spektrum
zu handeln scheint, müssen wir mit weiteren Überfällen
rechnen. Wir fordern die Polizei auf, schnellstmögliche und
umfassende Ermittlungen durchzuführen, um eine Zunahme der
Gewalt zu verhindern." Mike Tannagel kritisiert zudem vermehrte
Äusserungen der Beamten vor Ort: "Es kann nicht sein,
dass uns als BewohnerInnen gesagt wird, ein alternatives Projekt
müsse damit rechnen angegriffen zu werden. Dann tut es Not,
das gesellschaftliche Klima genauer unter die Lupe zu nehmen."
Erst in der letzten Woche veröffentlichten Dresdner Neonazis
aus dem Umfeld des Kaders Ronny Thomas einen Text auf einer einschlägigen
Homepage, worin sie militante Aktionen gegen von Linken und Nichtrechten
genutzte Einrichtungen einfordern und begrüssten. Daher liegt
es laut Tannagel auf der Hand, "die Täter in den Reihen
der so genannten Freien Kräfte Dresden, dem Zusammenschluss
lokaler militanter Neonazis, zu suchen."
Samstag, 26. November 2005
Dresden: Wiederholter Neonaziangriff
auf ein Wohn- und Kulturprojekt in der Robert-Matzke-Straße.
Pressemitteilung
In der Nacht zum 25. November gegen 0:30 Uhr morgens griff eine
Gruppe von etwa 15-20 Neonazis den"Klub RM 16" auf der
Robert-Matzke-Straße 16 und das darin befindliche Wohnprojekt
an.
Die Angreifer waren vermummt und mit Holzlatten und Steinen bewaffnet.
Mit den Holzlatten zerstörten sie die Scheiben mehrerer vor
dem Haus geparkter Autos, einige Holzlatten und die mitgebrachten
Steine warfen sie gegen das Haus, und randalierten im Hof des
Hauses. Dabei entstand glücklicherweise nur ein geringer
Schaden. Außerdem schrieen sie "Judenschweine"
und andere Parolen.
Schon eine Woche zuvor, in der Nacht vom 19. zum 20. November
griffen in den frühen Morgenstunden etwa 10 rechte Hooligans
mit Zaunslatten das Haus an und riefen dabei auch Parolen wie
"Juden" und dergleichen.
In beiden Fällen war die Polizei zeitnah vor Ort und konnte
teilweise die Personalien von Tatverdächtigen feststellen.
Im heutigen Fall ermittelt die Polizei nunmehr wegen des Verdachts
auf schweren Landfriedensbruch. Dazu sagt Mike Tannagel, ein Sprecher
des Wohnprojektes. "Mit Interesse werden wir die Tätigkeiten
der zuständigen Behörden verfolgen. Keinesfalls sind
wir gewillt hinzunehmen, dass wie viel zu oft geschehen, Ermittlungen
gegen organisierte Neonaziangriffe im Sande verlaufen."
Zu den Angriffen sagt Mike Tannagel: "Wir gehen davon aus,
dass es sich bei beiden Angriffen um die selben Tätergruppen
handelt. Obwohl der Angriff letzte Woche offenbar noch eher "unorganisiert"
verlief, handelte es sich beim heutigen Angriff unserer Einschätzung
nach um ein organisiertes Vorgehen. Dafür spricht nicht zuletzt
das planvolle und organisierte bis routinierte Vorgehen der Angreifer."
Erst in der letzten Woche veröffentlichten Dresdner Neonazis
aus dem Umfeld des Kaders Ronny Thomas einen Text auf einer einschlägigen
Homepage, worin sie militante Aktionen gegen von Linken und Nichtrechten
genutzte Einrichtungen einfordern und begrüßen.
Daher liegt es auf der Hand laut Tannagel, "die Täter
in den Reihen der so genannten Freien Kräfte Dresden, dem
Zusammenschluss lokaler militanter Neonazis, zu suchen."
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