| April 2008:
Rassistische Brandanschläge in Cossebaude bei Dresden und
anderen sächsischen Orten
Deutsche Zustände 2008
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Eine Bilanz der letzten Wochen in
Sachsen
In der Nacht zum 27. April wurde eine Schaufensterscheibe eines
türkischen Restaurants in Cossebaude bei Dresden durch einen
Steinwurf zerstört. Solche Angriffe auf Gaststätten,
Läden und Imbisse von Migrant_innen bzw. vermeintliche Migrant_innen
oder linke Projekte sind keine Seltenheit und tauchen oft nicht
einmal in den Medien oder Statistiken auf.
In das Restaurant in Cossebaude wurde jedoch schon in der Nacht
zum 17. April ein Brandsatz geworfen. Wer meint, dass rassistische
Brandanschläge ein Problem der 90er waren, hat in letzter
Zeit keine Zeitung gelesen. In den letzten 2 Wochen kam es in
Sachsen zu 6 Brandanschlägen. Es entstand erheblicher Sachschaden
und es war teilweise großes Glück das keine Menschen
verletzt wurden.
So wurde am auch am 07. April in Reichenbach im Vogtland eine
Pizzeria mit Molotowcocktails angegriffen. In der Nacht zum 17.
April wurde, neben dem Brandanschlag in Cossebaude, erst ein türkischer
Imbiss in Großschweidnitz, Kreis Löbau-Zittau und kurz
danach ein chinesischer Imbiss in Löbau angezündet und
mit dem Schriftzug "Kauft nur bei Deutschen" versehen.
Am vergangenen Wochenende, haben in der Nacht zum Sonntag, 20.
April Nazis der „Freien Kräfte Leipzig“ und Nazis
aus dem Lok Leipzig Umfeld das Vereinslokal des Roten Stern Leipzig
in Connewitz mit einem Brandsatz und Pflastersteinen angegriffen.
Der Anschlag erfolgte nach Zeugenaussagen aus einem Auto heraus.
In der gleichen Nacht wurde auch eine Flasche mit brennbarer Flüssigkeit
auf ein anderes Projekt in der Südvorstadt von Leipzig geworfen,
verfehlte das Objekt aber knapp.
Während die Polizei in Cossebaude noch rätselt was wohl
der Grund für die Anschläge gewesen sein könnte,
und die Polizei in Leipzig kein Problem von rechts sehen kann,
wurden in Löbau 4 einschlägig bekannte Neonazis festgenommen,
wovon 3 in Untersuchungshaft sitzen.
Die Brandanschläge sind nur die Spitze des Ausdrucks vom
rassistischen und antisemitischen Mainstream. Täglich werden
linke Jugendliche und Migrant_innen angepöblet oder körperlich
angegriffen. Die in den ländlichen Regionen offensichtlich
herrschende rechte Hegemonie macht auch vor Städten wie Leipzig,
Chemnitz und Dresden nicht halt. Laut einer aktuellen Studie zu
Jugendgewalt "ist fast jeder dritte Schüler der Meinung,
es gebe in Deutschland zu viele Ausländer. Jeder fünfte
Schüler sei islam-feindlich eingestellt. Jeder 13. Jugendliche
räume ein, eine Straftat mit rechtem Hintergrund begangen
zu haben - beispielsweise Hakenkreuz-Schmierereien oder Angriffe
auf das Eigentum von Ausländern."
Auf kommunal politischer Ebene wird, im Falle eines Presseechos,
nach einem rassistischen Übergriff immer wieder beteuert
keine rechte Hochburg oder ein braunes Nest zu sein. Gleichzeitig
wird sich betroffen distanziert und antifaschistischer Protest
mit neonazistischem Terror gleichgesetzt. So wird Gewalt von Neonazis
verharmlost und antifaschistischer Protest kriminalisiert. Die
selbst ernannte Mitte der Gesellschaft grenzt sich vom extremistischen
Rand ab und gibt dem rassistischen Klima im gleichen Atemzug neue
Legitimation. Beispielsweise wenn Lafontain NPD-Rhetorik propagiert
oder die CDU mit noch nationalistischen Thesen die Wähler_innen
vom rechten Rand zurückgewinnen will.
Oder auch ein Martin Hohmann, ehemaliger Bundestagsabgeordneter
der CDU, mit seinen antisemitischer Äußerungen. Er
wurde unlängst Ehrenmitglied der sächsischen Wählerinitiative
"Arbeit, Familie, Vaterland". Diese Wählerinitiative
wurde dem ebenso rechtslastigen ehemaligen CDU Bundestagsabgeordneten
Henry Nietzsche im Februar diesen Jahres gegründet und soll
zur Kommunalwahl im Juni 2008 im Kreis Bautzen und Meißen
antreten. Nitzsche selbst bewirbt sich um das Amt des Bautzener
Landrats.
Wir dürfen uns von diesen gesellschaftlichen Zuständen
nicht einschüchtern lassen. So kam es in Löbau zu einer
kurzfristig mobilisierten Demonstration von ca. 100 Antifaschist_innen
nach dem am Donnerstag die Brandanschläge bekannt wurden.
Solidarität mit den Betroffenen
von neonazistischer Gewalt!
Antifaschistischen Widerstand organisieren und deutsche Zustände
angreifen!
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