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November
2007:
Die Dresdner Anti-Antifa Akte -
Pressedoku
11. Oktober 07, TAZ - Mit Polizeifotos
Jagd auf Linke
8.Oktober 07, Spiegel online
- ANTI-ANTIFA-AKTE - Neonazis erhielten Polizeifotos politischer Gegner
8. Oktober 07, Sächsische
Zeitung - Rechtsextremisten nutzten Polizeifotos
8. Oktober 07, AP - Rechte in
Sachsen verfügten über Polizeifotos politischer Gegner
7. Februar 07, junge Welt -
Razzia trifft Aufklärer
6. Februar 07, [redok] - Anti-Antifa-akten
- und der Umgang damit
1. Februar 07, Sächsische
Zeitung - Dresdner Neonazis legen Dossiers über Gegner an
1. Februar 07, DNN - Dresdner
Neonazis spähen Personen aus - Gestohlene Daten gefunden
31. Januar 07, Sächsische
Zeitung - Razzia in linkem Ladenlokal
25. Januar 07, junge Welt- »Anti-Antifa«
mit staatlicher Hilfe?
25. Januar 07, [redok]- Staatsanwaltsakten
bei Neonazis?
11. Oktober 07, TAZ
Mit Polizeifotos Jagd auf Linke
In Dresden jagen Rechtsextreme ihre linken
Gegner - mit Fotos von der Polizei. Aber wie sind sie an die Bilder
aus Ermittlungsakten gekommen?
VON DANIEL SCHULZ
So nützt ein "Anti-Antifa-Fahndungsfoto"
jedenfalls wenig. Foto: dpa
Dresdener Rechtsextreme haben offenbar Ermittlungsakten
der Polizei dazu benutzt, ein Dossier über linke Gegner anzufertigen.
Das zeigt die Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion
im Sächsischen Landtag, die der taz vorliegt. Das Justizministerium
in Dresden bestätigte, dass Rechtsextreme offenbar im Besitz
von 37 Fotos der Kriminalpolizei und neun Polizeivideos waren.
Die Linken-Akte hatte der sächsische
Staatsschutz Anfang des Jahres bei einer Razzia im linksautonomen
Milieu beschlagnahmt. Wenige Monate zuvor will die Dresdener Gruppe
Antifascist Action Crew das Anti-Antifa-Dossier wiederum aus einer
Baracke entwendet haben, die einer rechtsextremen Kameradschaft
als Quartier dient. Das schrieben die Antifaschisten im Dezember
2006 zumindest auf der Internetseite Indymedia (s. Link) und belegten
ihre Aussage mit Fotos.
Als der Grünen-Abgeordnete Johannes Lichdi
vom kleinen Polizeiarchiv der Neonazis erfuhr, fragte er bei der
sächsischen Regierung nach. "Hierbei handelt es sich um
Kopien aus Ermittlungsakten", musste das CDU-geführte
Justizministerium zugeben. Ob die neben den Fotos vermerkten Angaben
zu Namen, Adressen, Geburtsort und Geburtsdatum ebenfalls aus Polizeiquellen
stammen, könne man allerdings nicht sagen.
Doch wie bekamen Neonazis die in die Hände?
"Es konnte nicht festgestellt werden, wie die Kopien aus den
Ermittlungsakten in die sogenannte Anti-Antifa-Akte gelangten",
schreibt das Justizministerium in seiner Antwort weiter. Dresdener
Linke vermuten aber, dass Bilder und Videos aus einem Ermittlungsverfahren
der Staatsanwaltschaft stammen, bei dem Anwälte von Rechtsextremen
Einsicht in die Akten hatten.
Grünen-Politiker Lichdi, der selbst Anwalt
ist, hält diesen Verdacht zumindestens für plausibel.
Es bestehe die Gefahr, dass Rechtsextremisten gezielt Strafanzeigen
gegen politische Gegner stellen würden, um durch Akteneinsicht
an Informationen über diese zu gelangen. "Hier stellt
sich die Frage, ob Anwälte der rechten Szene gezielt den Rechtsextremisten
zuarbeiten." Lichdi ist nicht der Erste, der einen solchen
Verdacht äußert. Immer wieder äußern Beteiligte
bei Rechtsextremismus-Prozessen die Befürchtung, dass die Anwälte
der Neonazis Persönliches aus den Akten weitergeben.
Es gibt in Dresden allerdings noch eine andere
Spur: Der NPD-Abgeordnete Winfried Petzold hatte sich bei seinen
kleinen Anfragen immer wieder auf interne Papiere des Landeskriminalamtes
bezogen. Einige Abgeordnete des Landtages vermuten daher, dass die
Nationaldemokraten eine Quelle bei den Sicherheitsbehörden
haben.
up
08.Oktober 07, Spiegel online
ANTI-ANTIFA-AKTE
Neonazis erhielten Polizeifotos politischer
Gegner
Dass Neonazis persönliche Daten politischer
Gegner sammeln und unter Gleichgesinnten verbreiten, ist nicht neu.
Beunruhigend allerdings, dass ihnen in Sachsen auch Polizeiakten
über linke Aktivisten zugespielt wurden. Die Landesregierung
rätselt über das Leck.
Dresden/Hamburg - Es ist eine Datensammlung, die wie eine private
Fahndungsliste anmutet: Rund 150 Namen sind in der sogenannten "Anti-Antifa-Akte"
aufgeführt, Personen aus der linken Szene, Gewerkschafter,
Mitglieder linker Parteien, versehen mit Geburtsdaten, oft auch
mit Fotos. Sächsische Neonazis haben das Register ihrer vermeintlichen
politischen Gegner aus dem Dresdner Raum im vergangenen Jahr zusammengestellt.
Zum ersten Mal tauchte die ominöse Akte
Anfang 2007 auf. Sie war einer antifaschistischen Gruppe in der
sächsischen Landeshauptstadt zugesandt worden, diese hatte
sie öffentlich gemacht. Dass Neonazis persönliche Daten
von Bürgern sammeln, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus
engagieren, und diese zum Teil auch im Internet veröffentlichen,
ist an sich nicht neu. Doch in diesem Fall hatten die Autoren der
Liste hochbrisantes Material verarbeitet.
Das sächsische Justizministerium bestätigte
nun in der schriftlichen Antwort auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten
Johannes Lichdi, dass sich in der "Anti-Antifa-Akte" Material
aus polizeilichen Ermittlungsakten fand. Darunter seien erkennungsdienstliche
Fotos von 37 Personen und Videoprints aus Einsatzvideos der Polizei
von neun weiteren Personen, heißt es in dem von Justizminister
Geert Mackenroth (CDU) Papier. Die Bilder wurden demnach aus Ermittlungsakten
kopiert. Nicht bekannt sei, ob die auf der überwiegenden Zahl
der Aufnahmen vermerkten Namen, Geburtsdaten und -orte der Betroffenen
ebenfalls aus den Polizeiakten stammten.
Wie die Akten in die Hände der Rechtsextremisten
gelangt sind, darüber rätseln die Landesregierung und
die betroffenen Behörden. "Es konnte nicht festgestellt
werden, wie die Kopien aus den Ermittlungsakten in die sogenannte
'Anti-Antifa-Akte' gelangten", heißt es in der Reaktion
des Justizministeriums.
NPD-Informant im LKA?
Grünen-Politiker Lichdi bekräftigte
einen bereits früher geäußerten Verdacht: Rechtsextremisten
könnten gezielt Strafanzeigen gegen politische Gegner gestellt
haben, um dann durch Akteneinsicht an Informationen über diese
heranzukommen. Es stelle sich die Frage, ob Anwälte der rechten
Szene den Extremisten gezielt zuarbeiteten, so Lichdi.
Der Abgeordnete sprach von "skandalösen
Vorgängen", die Mackenroth künftig ausschließen
müsse. "Dass man sich im Justizministerium nicht erklären
kann, wie die Rechtsextremisten an Bilder, Namen und Geburtsdaten
gelangen konnten, offenbart eine Sicherheitslücke, die dringend
geschlossen werden muss."
Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, dass
auch die sächsische NPD-Fraktion über Informanten im Landeskriminalamt
(LKA) verfügt. Der NPD-Abgeordnete Winfried Petzold hatte sich
in Kleinen Anfragen zur Organisierten Kriminalität auf interne
Papiere des LKAs bezogen, die nur der Generalstaatsanwaltschaft,
das Innenministerium und das Polizeipräsidium in Chemnitz erhalten
hatten.
phw
up
08. Oktober 07 Sächsische Zeitung
Rechtsextremisten
nutzten Polizeifotos
Von Thomas Schade
Dresden. Rechtsextremisten haben zur Ausforschung
und Bekämpfung ihrer „politischen Gegner“ auch
Ermittlungsakten von Polizei und Staatsanwaltschaft verwendet.
Wie Justizminister Geert Mackenroth (CDU)
jetzt dem Landtag in seiner Antwort auf eine Abgeordnetenanfrage
bestätigte, haben sich in der sogenannten „Anti-Antifa-Akte“
erkennungsdienstliche Fotos der Kriminalpolizei von 37 Personen
sowie Videoprints der Polizei von neun Personen befunden. Unklar
sei, ob auch die personenbezogenen Angaben zu den Bildern aus Polizeiakten
stammen.
Es wird vermutet, dass die Unterlagen aus
einem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren stammen, in
dem Betroffene aus der rechten Szene Akteneinsicht verlangt hatten.
Die „Anti-Antifa-Akte“ war im Dezember 2006 aus einer
Dresdner Baracke gestohlen worden, die angeblich von Rechtsextremisten
der Gruppe „Freie Kräfte Dresden“ genutzt wird.
Im Internet hatte sich die Gruppe „antifascist action crew“
(antifaschistische Aktiongruppe) zu dem Einbruch bekannt.
Bei einer Razzia des Staatsschutzes Anfang
2007 fiel die Akte in die Hände der Behörden. Danach leitete
die Dresdner Staatsanwaltschaft Ermittlungen ein. Aus Rechtsgründen
habe man das Verfahren einstellen müssen, erklärte der
zuständige Oberstaatsanwalt Jürgen Schär. Der Einbruch
in die Baracke ist bis heute nicht aufgeklärt.
up
8. Oktober 07, AP - Montag,
Rechte in Sachsen verfügten über
Polizeifotos politischer Gegner
dresden (AP) Rechtsextremisten sind in Sachsen
Polizeifotos von Personen der linksautonomen Szene zugespielt worden.
Wie der Sprecher des sächsischen Justizministeriums, Martin
Marx, am Montag mitteilte, handelt es sich um erkennungsdienstliche
Fotos der Kriminalpolizei von 37 Personen. Außerdem seien
Rechtsextremisten im Besitz von Polizeivideos gewesen, auf denen
weitere neun Linksautonome zu sehen seien.
Die Fotos seien bei einer Hausdurchsuchung
in einer von Rechtsextremisten in dresden angelegten «Anti-Antifa-akte»
gefunden worden. Es sei bis jetzt nicht geklärt, wie sie in
die Hände der Rechtsextremisten gekommen seien, sagte der Ministeriumssprecher
der AP.
Ein Landtagsabgeordneter der Grünen,
Johannes Lichdi, erklärte, es bestehe der Verdacht, dass Rechtsextremisten
gezielt Strafanzeigen gegen politische Gegner stellten, um dann
durch akteneinsicht an Informationen über diese heranzukommen.
Es stelle sich die Frage, ob Anwälte der rechten Szene den
Extremisten gezielt zuarbeiteten.
Behördensprecher Marx wollte nicht sagen,
ob die auf den Fotos vermerkten Angaben wie Vor- und Familienname,
Geburtsdaten oder Geburtsorte ebenfalls aus Ermittlungsakten der
Polizei stammten. Er verwies auf die Antwort des Justizministeriums
auf eine Anfrage Lichdis, der nach der Dresdner «Anti-Antifa-akte»
gefragt hatte.
Lichdi verlangte, es müsse ausgeschlossen
werden, dass Nazis Ermittlungsakten dazu nutzen könnten, ihre
politischen Gegner zu bedrohen. «Dass man sich im Justizministerium
nicht erklären kann, wie die Rechtsextremisten an Bilder, Namen
und Geburtsdaten gelangen konnten, offenbart eine Sicherheitslücke,
die dringend geschlossen werden muss». Er forderte von Justizminister
Geert Mackenroth auf, derart skandalöse Vorgänge künftig
auszuschließen.
© 2007 The Associated Press. Alle Rechte
Vorbehalten - All Rights Reserved
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07. Februar 07, junge Welt
/ Antifa / Seite 15
Razzia trifft
Aufklärer
Nach jW-Bericht über »Anti-Antifa«-akte
in Dresden kriminalisieren Ermittlungsbehörden die Betroffenen
Von Philipp Grünberg
Nach einer durch einen jW-Bericht ausgelösten
Polizeirazzia Ende Januar in den Räumlichkeiten des antifaschistischen
Dresdener Medienprojekts »a.l.i.a.s.« gibt es scharfe
Kritik an den Ermittlungsbehörden. jW hatte am 25. Januar von
einer neuen Neonazistrategie berichtet: Informationen über
politische Gegner seien mutmaßlich mit anwaltlicher Hilfe
durch »Einsichtnahme in staatsanwaltliche Ermittlungsakten«
in die militante rechtsextreme Szene gelangt, so das Medienprojekt.
Als Beweis hatte es Mitte Januar eine »Anti-Antifa«-akte
von Neonazis präsentiert, die Daten von über 150 Personen,
darunter Namen, Wohnadressen und teilweise Fotos der Ausspionierten
enthielt und die das Medienprojekt von Unbekannten zugespielt bekommen
haben soll. a.l.i.a.s. vermutet, daß Neonazis aus dem Umfeld
der »Freien Kräfte Sachsen« gezielt Antifaschisten,
aber auch Gewerkschafter und linke Politiker denunziert haben, um
die Staatsanwaltschaft zu Ermittlungen zu bewegen. Neben den Medien
wurden auch die etwa 150 Betroffenen der rechten Datensammler vom
a.l.i.a.s. informiert.
Wenige Tage nach dem Bericht in der jW, am
Nachmittag des 29. Januars, drangen Beamte des Staatsschutzes in
die Räumlichkeiten des a.l.i.a.s. in der Böhmischen Straße
im Stadtteil Neustadt ein. Hintergrund ist eine Anzeige des in einschlägigen
Neonazigruppen aktiven Tilo L., der vorgab, ihm sei die akte gestohlen
worden. Tilo L. unterhält in der Oskar-Röder-Straße
Räumlichkeiten, die nach a.l.i.a.s.-Informationen von Neonazis
genutzt werden und aus denen die Liste entwendet worden sein soll.
Obwohl der Inhaber des a.l.i.a.s.-Büros
den Behörden freiwillig die Herausgabe der akten anbot, wüteten
die Beamten in den Räumlichkeiten und zerstörten das Schließsystem.
In einer Pressemitteilung von a.l.i.a.s. wird der Polizeieinsatz
auch deshalb scharf kritisiert, weil es sich bei der Razzia »im
juristischen Sinne um eine Durchsuchung bei Dritten, nicht um eine
Durchsuchung bei Beschuldigten« handele. Weiter heißt
es in der Erklärung: »Wir gehen nun davon aus, daß
der Tatendrang der Ermittlungsbehörden sich gegen diejenigen
richten wird, welche für die Zusammenstellung der Anti-Antifa-Daten
verantwortlich zeichnen.«
up
6. Februar 07, [redok] -
Anti-Antifa-akten - und der Umgang damit
dresden. Schon wiederholt in der bundesdeutschen
Geschichte haben Rechtsextremisten zu missliebigen Personen Dossiers
angelegt. Veröffentlichungen über eine neuerlich publik
gewordene Datensammlung rufen die Staatsanwaltschaft auf den Plan
- und die aus neofaschistischen Dunstkreisen heraus agierenden Datensammler
selbst.
Bereits zu Beginn der 1990er Jahre veröffentlichten
Aktivisten der sich so betitelnden Anti-Antifa in der damaligen
Szene-Publikation "Einblick" zusammengetragene Daten über
antifaschistisch engagierte Personen aus dem gesamten Bundesgebiet.
Weiterhin oder mittlerweile neu tätige Anti-Antifa-Strukturen
informieren nach ihrer Selbstdarstellung unter anderem "über
linksextremistische Bestrebungen und antifaschistische Gewalt".
Nach Einschätzung der Berliner Agentur für soziale Perspektiven
(ASP) dient dabei die Bezeichnung "Anti-Antifa" auch als
identitätsstiftende Sammelbezeichnung für militante und
pseudomilitante rechtsextremistische Gruppen. Als weiteres Ziel
von Anti-Antifa-Aktivitäten wird darüber hinaus die versuchte
Einschüchterung politischer Gegner gesehen.
In seiner aktuellen Ausgabe berichtete das
Antifaschistische Infoblatt (AIB) über "Einblicke in die
Arbeitsweise der 'Anti-Antifa' in dresden". Fast zeitgleich
teilte am 22. Januar das Dresdner Medien-Projekt a.l.i.a.s. mit,
durch sächsische und speziell Dresdner rechtsextremistische
Kreise seien augenscheinlich umfangreiche und detaillierte Daten-Sammlungen
über Personen angelegt worden, die sich couragiert gegen Rechtsextremismus
engagieren. Die Bandbreite der Anti-Antifa-aktenlage reiche von
Antifaschisten, Gewerkschaftsmitgliedern, Mitarbeitern einer Schülerzeitschrift
und linken Politikern bis hin zu Professoren und einfach zivilgesellschaftlich
engagierten Menschen.
Als besonders pikant erscheint in diesem Zusammenhang,
dass ein nicht unwesentlicher Teil der dem a.l.i.a.s. anonym zugänglich
gemachten und von Szene-Kennern als authentisch eingestuften Anti-Antifa-akten
"offensichtlich aus der Einsichtnahme in staatsanwaltschaftliche
Ermittlungsakten erlangt" wurde. Zu dem Verdacht einer aktenweitergabe
an Rechtsextremisten sagte der Leiter der Staatsschutzabteilung
bei der Staatsanwaltschaft dresden, Oberstaatsanwalt Jürgen
Schär, Vorschrift der Strafprozessordnung sei es, "dass
Privatpersonen keinen Zugang zu Ermittlungsakten haben, wenn denn
nicht über ihren Anwalt".
Nachdem Berichte in der Tageszeitung junge
welt und bei redok zu den Anti-Antifa-akten mit Dossiers über
mehr als 100 Personen erschienen waren, durchsuchten Beamte des
Dezernates Staatsschutz am 29. Januar die Räume des a.l.i.a.s.
in dresden. Dabei händigten - entgegen teilweise anderslautenden
Berichterstattungen - Mitarbeiter des a.l.i.a.s. der Staatsanwaltschaft
die gesuchten Unterlagen freiwillig aus. Als "prikär"
bezeichneten es Vertreter des Dresdner Medien-Projektes, "dass
die Anzeige, welche zur Einleitung des Ermittlungsverfahrens führte,
von einem langjährig bekannten Neonazi, just aus dem Spektrum
der Freien Kräfte dresden, gestellt wurde. Tilo K. ist Mieter
des Objekts auf der Oskar-Röder-Straße, was von Neonazis
genutzt wird und in welchem die Unterlagen entwendet worden sein
sollen". Gleichzeitig betonten Vertreter des a.l.i.a.s. nochmals,
dass "das Vorgehen der Szene, mittels Anzeigen an Daten politischer
Gegner zu gelangen, in dresden nichts neues" darstelle. So
enthalte "nicht zuletzt die 'Anti-Antifa-akte' eine Vielzahl
von Informationen, die nur aus solchen Ermittlungsverfahren stammen
können".
Das AIB erklärte im Zusammenhang mit
der staatsanwaltlichen Durchsuchung des a.l.i.a.s.: "Das Redaktionsgeheimnis
und der Informantenschutz zählen zu den elementaren Voraussetzungen
einer freien Presse, an ihnen darf nicht gerüttelt werden".
Dabei bezieht sich das AIB direkt auf das so genannte SPIEGEL-Urteil,
wonach Durchsuchungen unzulässig seien, wenn sie vor allem
dazu dienten, einen mutmaßlichen Informanten aufzuspüren.
Darüber hinaus verweist das AIB auf die Cicero-Affäre
und die Bedeutung des Informantenschutzes für die Pressefreiheit.
So sei schließlich das Zeugnisverweigerungsrecht "nicht
umsonst im Jahr 2002 zugunsten der Journalisten erweitert worden".
Mittlerweile hat sich auch die so genannte
"Freie Offensive Sachsen" unter der Online-Führung
des militanten Nazi-Kaders Ronny Thomas zu Wort gemeldet - und angekündigt:
"Sollten also nationale Aktivisten dazu übergehen, einen
Selbstschutz zu organisieren, indem man Daten von Protagonisten
der antifaschistischen Szene sammelt, so ist dieser Akt nur eine
Antwort auf die jahrelangen Umtriebe der selbigen". Die zuständige
Staatsanwaltschaft ermittelt derweil unter anderem zur Herkunft
der den Anti-Antifa-Dossiers zugrunde liegenden Strafakten.
Quelle: www.redok.de/content/view/556/36/
up
01. Februar 07, Sächsische
Zeitung
Dresdner Neonazis legen Dossiers über
Gegner an
Dresden. Rechtsextremisten spähen ihre
politischen Gegner gezielt aus. Bei der Razzia in einem linken Medienprojekt
in Dresden hat die Staatsanwaltschaft Dossiers über mehr als
100 Menschen gefunden, darunter Dokumente aus Strafakten. Das Material
wurde im November 2006 aus einem Dresdner Nazi-Treff gestohlen.
Die Ermittlungen dauern an. (lex)
up
01. Februar 07, DNN
Dresdner Neonazis spähen Personen
aus - Gestohlene Daten gefunden
Dresden. Dresdner Neonazis haben Personen
aus dem linken Spektrum und Politiker ausgespäht. Entsprechendes
Material war im November aus einem Treff der rechten Szene in der
Stadt bei einem Einbruch gestohlen worden, sagte Oberstaatsanwalt
Jürgen Schär am Mittwoch der dpa. Darunter seien auch
Dokumente aus Strafakten gewesen. „Solche akten werden nur
Rechtsanwälten zur Verfügung gestellt“, sagte Schär.
Bei der Durchsuchung der Räume eines linken Medienprojektes
der Stadt am Montag waren den Angaben zufolge Teile der entwendeten
Daten gefunden worden.
„Wir werden weiter zum Einbruch ermitteln,
aber auch zum Ausspähen der Daten“, kündigte Schär
an. Es sei eine Ernst zu nehmende Sache, „weil wir wissen,
dass Rechtsextreme beginnen, Leute aufzuklären“. Aus
den Ermittlungen zur verbotenen rechtsextremen Vereinigung „Skinheads
Sächsische Schweiz“ sei bekannt, das dem Erheben solcher
Daten und Informationen Straftaten folgen, sagte Schär.
dpa
up
31. Januar 07, Sächsische
Zeitung
Razzia in linkem Ladenlokal
Die Polizei hat am Montagnachmittag Diebesgut
in einem Ladenlokal der linken Szene auf der Böhmischen Straße,
Neustadt, beschlagnahmt. Die Beute stammt laut Staatsanwaltschaft
Dresden aus einem Einbruch in eine einschlägig bekannte Baracke
der rechtsextremen Szene auf der Oskar-Röder-Straße,
Nähe Haltepunkt Reick, vom November. Mit der Razzia, an der
14 Polizisten beteiligt waren, habe man auf einen Zeitungsartikel
der „Jungen Welt“ reagiert. Darin wurden Hinweise auf
die sogenannte Anti-Antifa-Arbeit Dresdner Rechtsextremisten und
den Einbruch in den braunen Treff geschildert. Beschlagnahmt wurden
unter anderem Dossiers über mehr als 100 Antifa-Angehörige
und Computer-Festplatten. (lex)
up
25. Januar 07, junge Welt / Inland / Seite
5
»Anti-Antifa« mit staatlicher
Hilfe?
dresdens Neonazis nutzen offenbar
Informationen der Justiz zur Einschüchterung ihrer Gegner
Von Markus Bernhardt
Wie die antifaschistische Dresdner Gruppe
»a.l.i.a.s.« am Dienstag mitteilte, ist Dresdner Antifaschisten
kürzlich eine Liste mit Namen, persönlichen Daten und
Fotos aus den Beständen der örtlichen neofaschistischen
»Anti-Antifa« zugespielt worden. Über 150 Personen,
vorwiegend aus dresden stammende Antifaschisten, Gewerkschafter
und Mitglieder linker Parteien, finden sich auf der Liste wieder.
Unbekannte hatten die Daten offensichtlich
bereits im vergangenen Jahr in einer Baracke in dresden-Reick aufgetrieben,
die seit 2005 von Neonazis unter anderem für Bandproben und
Kampfsporttraining genutzt wird. Außerdem sollen dort regelmäßige
Treffen des »Nationalen Jugendbündnisses« (NJB)
und der sogenannten »Freien Kräfte dresden« stattfinden,
aus deren Umfeld wahrscheinlich auch die Liste stammt.
»Die Erfahrung zeigt, daß das
Sammeln sogenannter ›Anti-Antifa‹-Daten oftmals nur
der erste Schritt ist, um dann durch Bedrohung, Denunziation und
sogar mit massiver körperlicher Gewalt aktiv gegen Personen
vorzugehen, die sich öffentlich gegen rechte Meinungen und
Aktivitäten engagieren«, sagte Anna Reichelt, Sprecherin
von a.l.i.a.s., am Mittwoch gegenüber jW. Sie erinnerte an
Kirill Jermak, den Berliner Bezirksverordneten der Linkspartei.PDS,
der kürzlich von Neonazis erkannt und zusammengeschlagen worden
war.
dresdens Antifaschisten gehen unterdessen
davon aus, daß die Neonazis ihre Informationen »aus
der Einsichtnahme in staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten«
erlangt haben. Dabei hätten die Rechten gezielt Verfahren gegen
mißliebige Personen angestrengt, um diese der Strafverfolgung
auszusetzen und als vermeintlich Betroffene Informationen über
ihre politischen Gegner zu erlangen. Die kriminalisierten Antifaschisten
hatten die Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld darüber informiert,
daß die Befürchtung besteht, die Daten aus den Ermittlungsakten
könnten zu »Anti-Antifa«-Zwecken verwendet werden.
Sie stießen jedoch auf taube Ohren. So wurden Kopien von Bildmappen
der Behörde, die ausschließlich Fotos linker Aktivisten
mit deren Namen beinhalteten, in der »Anti-Antifa«-akte
der Neonazis wiedergefunden.
Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische
Politik der sächsischen Landtagsfraktion der Linkspartei.PDS,
forderte am Mittwoch eine »fundierte Gefahrenprognose für
die betroffenen Antifaschisten durch das sächsische Innenministerium«.
Gegenüber jW kündigte sie an, sich für eine detaillierte
Aufklärung der gegen die Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe
stark zu machen.
Der Leiter der Staatsschutzabteilung bei der
Staatsanwaltschaft dresden, Oberstaatsanwalt Jürgen Scheer,
versicherte gegenüber jW, man werde den Vorwürfen nachgehen.
»Vorschrift der Strafprozeßordnung ist, daß Privatpersonen
keinen Zugang zu Ermittlungsakten haben, wenn denn nicht über
ihren Anwalt«, sagte er. Schließlich würde die
Staatsanwaltschaft weder Beschuldigten noch Opfern ihre Ermittlungsakten
zur Verfügung stellen.
* Am Samstag, dem 27.Januar, findet ab 11
Uhr im AJZ Chemnitz der »3. Antifaschistische Ratschlag Sachsen«
statt, auf dem auch über die gerade bekanntgewordene »Anti-Antifa«-Liste
diskutiert werden soll. Im Eröffnungsvortrag der Psychologin
Christiane Kaindl von der Zeitschrift Das Argument geht es um »Antikapitalismus
und Globalisierungskritik von rechts– Erfolgskonzepte für
die extreme Rechte?«
www.jungewelt.de/2007/01-25/026.php
up
25. Januar 07, [redok]
Staatsanwaltsakten bei Neonazis?
dresden. Neonazis in der sächsischen
Landeshauptstadt haben offenbar eine Datensammlung über politische
Gegner angelegt, die Dossiers von über 150 Personen enthalten
soll. Die "Anti-Antifa-akte" soll auch Material aus staatsanwaltlichen
Ermittlungsakten enthalten. Die Staatsanwaltschaft dresden will
den Vorwurf aufklären.
Bereits Ende November 2006 hatten Antifa-Aktivisten
in dresden-Reick einen Neonazi-Treffpunkt unter die Lupe genommen.
Im Zuge dieser Aktion war offenbar eine "Anti-Antifa-akte"
gefunden worden, die persönliche Daten und Fotos von über
150 Personen vor allem aus dem Raum dresden enthielt.
In der Liste sind laut der Dresdner Gruppe
a.l.i.a.s. unter anderem aktive Antifaschisten, Gewerkschafter,
Mitarbeiter einer Jugendzeitung und linke Parteifunktionäre
enthalten. "Ihre Informationen haben die Nazis offensichtlich
aus der Einsichtnahme in staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten
erlangt", so der Vorwurf der Gruppe in einer Pressemitteilung
am Montag.
In der "Anti-Antifa"-akte seien
Kopien von Bildmappen der Behörde gefunden worden, die ausschließlich
linke Personen unter Nennung des Namens beinhalteten. Um an Daten
und Bilder zu kommen, hätten die Neonazis eine Strafanzeigen-Strategie
angewendet: gezielt seien Verfahren gegen missliebige Personen angestrengt
worden, um dann als "Betroffene" per akteneinsicht aus
den Ermittlungsakten Informationen über politische Gegner zu
bekommen.
Einige der von Neonazis Angezeigten hätten
der Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld ihre Befürchtung
mitgeteilt, dass ihre Daten zu "Anti-Antifa"-Zwecken verwendet
werden könnten. Die Strafverfolgungsbehörde sieht sich
selbst nicht als akten-Boten für Neonazis, denn ihre Ermittlungsakten
würden weder Beschuldigten noch Opfern einer Straftat zur Verfügung
gestellt.
Dennoch will die Staatsanwaltschaft den Vorwürfen
nachgehen. Wie die Ermittlungs-Daten möglicherweise zu den
Neonazis gerieten, klang aber bereits in einer Stellungnahme an.
Oberstaatsanwalt Jürgen Schär, Leiter der Staatsschutzabteilung
bei der Staatsanwaltschaft dresden, zur Tageszeitung junge Welt:
"Vorschrift der Strafprozessordnung ist, dass Privatpersonen
keinen Zugang zu Ermittlungsakten haben, wenn denn nicht über
ihren Anwalt".
Bei dem Neonazi-Treffpunkt in dresden-Reick
soll es sich um eine Baracke handeln, die bereits seit 2005 einschlägig
genutzt wird. Mehrere Räume seien dort unter anderem für
Bandproben und Kampfsporttrainings eingerichtet. In dem Gebäude
soll sich das "Nationale Jugendbündnis" (NJB) regelmäßig
treffen; vor allem werde es von den "Freien Kräften dresden"
genutzt, so die a.l.i.a.s.-Mitteilung.
Beobachter vor Ort wissen schon seit längerer
Zeit von den "Anti-Antifa"-Aktivitäten der braunen
Szene. Die jetzt aufgetauchte "Anti-Antifa-akte" sei da
die "öffentlich gewordene Spitze von Ermittlungsumtrieben
von Nazis weit in den persönlichen Bereich antifaschistisch-couragierter
Leute hinein", sagte der Dresdner Carlo Hagen gegenüber
redok. Er beschäftigt sich seit Jahren journalistisch mit der
rechtsextremistischen Szene in Sachsen und kennt die treibenden
Kräfte bei den braunen Spähern: "Als führende
Anti-Antifa-Aktivisten agierten und agieren da unter anderem Sven
Hagendorf und Ronny Thomas, der auch für den Internet-Auftritt
der 'Freien Kräfte Sachsen' verantwortlich zeichnet. Mittlerweile
versucht sich im Raum dresden mit beispielsweise Maik Müller
auch schon die nächste Generation von Anti-Antifa-Aktivisten
entsprechend zu profilieren."
Quelle:
www.redok.de/content/view/545/36/
up
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