Neo-Nazis,
die sich mit den Falschen anlegen kommen in den Knast?
Um es gleich vorweg zu sagen: Unser Mitleid
mit Ronny hält sich in Grenzen und es ist durchaus im Interesse
der Schwächung der Dresdner Neonazis, wenn mit ihm einer
ihrer Integrationsfiguren in den Knast geht. Auch ist es amüsant,
den "Kameraden", der sich bisweilen eloquent und scharfsinnig
zu geben versucht, als stammelnden, dummen Schlägernazi zurechtgestutzt
zu sehen. Ein wenig Schadenfreude sei uns gegönnt.
Kurz nach dem Start der Kampagne "Thor
muss weg" entschieden sich die Sicherheitsbehörden,
gegen das
Thor vorzugehen und
dort ein Konzert aufzulösen. Die Umstände seiner Vorläufigen
Festnahme anlässlich des Ereignisses wurden diesmal in einer
Serie Prozesse gegen den Häftling und Neonazi Ronny Thomas
verhandelt.
Von allen Versionen des "Tatherganges" gefällt
uns doch die des Angeklagten Schlägernazis am besten. Seiner
Wahrnehmung nach kamen der LKA-Beamte Lange, begleitet von zwei
weiteren Beamten auf ihn zu, um ihn nach seinem Namen zu Fragen
und als er diesen nannte unvermittelt ihm mit dem Ellenbogen ins
Gesicht schlug.
Uns gefällt diese Version deshalb so gut, weil sie den richtigen
Umgang mit Neonazis vormacht: nicht hinter Gesetzen verstecken
sondern handeln. Wer sich einige Zeit mit den Umtrieben des Herrn
Thomas auseinandergesetzt hat, der hat genügend Gründe,
diesen in seine Schranken zu weisen.
Ob diese Version stimmt, wissen wir nicht.
Wir wissen aber sicher, dass sich Herr Thomas mit dem Falschen
angelegt hat. Nicht nur mit seiner Rangelei mit dem Staatsschutz,
sondern vielleicht noch viel mehr mit seinen wüsten Drohungen
via Internet gegen die Staatsmacht, die an dem Punkt aktiv wird,
in dem ihr Ordnungsanspruch in Frage gestellt wird.
Der Prozess selbst ist nicht sonderlich aufregend. Routiniert
schildert Herr Lange seine Version der Ereignisse. Sie wird am
Ende die gültige sein und uns so noch ein wenig länger
das Auftauchen des Angeklagten bei allen möglichen Neonaziaktivitäten
oder auch das "nur mal mitdiskutieren wollen" auf allerlei
linken und liberalen Veranstaltungen ersparen. Grund zur Freude
also.
Über diese Ungerechtigkeit, dass nämlich
dem Angeklagten gar keine Möglichkeit bleibt, gegen eine
- über alle Zweifel erhabene - Polizeiaussage sich zu verteidigen,
soll dieser alleine in seiner Zelle lamentieren. Wir wollen lieber
daran Anstoß nehmen, dass den Kampf gegen Neo-Nazis nun
eine Institution übernimmt, die das ideologisch gar nicht
kann, sondern lediglich inhaltsleer eine die Ordnungsmacht in
Frage stellende Gruppierung verfolgt. Ein Skinheadkonzert muss
aufgelöst werden, weil es dazu einen Erlass gibt, Widerstand
gegen Vollstreckungsbeamte bringt das Fass zum überlaufen.
Nun können sich die Sicherheitsbehörden noch etwas profilieren
und die Medienöffentlichkeit das Problem in guten Händen
glauben. Eine Positionierung gegen auch nur eine ihrer politischen
Aussagen oder Aktionen findet dabei nicht statt, wird nicht verhandelt.
Dabei könnte auch Strafverfolgung deutlicher
gegen Neo-Nationalsozialismus Stellung beziehen. Ist es denn Herrn
Lange tatsächlich nicht bekannt, dass der Grund für
ein Einschreiten gegen Nazi-Konzerte nicht eine Verwaltungsvorschrift
sondern die "Gefahr" von menschenverachtenden Äußerungen
ist? Sind denn Ronny Thomas und anderen nicht zahlreiche strafbare
Transparente nachzuweisen? Haben er und seine "Thor"-Kameratten
nicht einige Übergriffe deshalb begangen, weil sie ihre Opfer
für "Volksschädlinge" hielten?
Das zu verhandeln, scheut sich die Justiz nicht zuletzt deshalb,
weil sie sich aus ihrer Position der Objektivität heraus
begeben müsste. Verweigert wird damit der strafrechtliche
Schutz der Objekte rechter Gewalt und Propaganda. Das Signal an
die NeoNazis ist klar: solange sie sich nicht mit den Falschen
anlegen, lässt man sie gewähren.
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02. 12. 2002, Dresdner Morgenpost
Blitzrazzia im Nazi-Klub
Zur Erklärung: Die Polizei versuchte
ein als private Feier getarntes Neonazi-Konzert mit zwei Bands
aufzustören, kam aber zu spät. Es war offenbar ein Konzert
der Sorte, bei der es zu Straftaten kommt, wie z. B. das Spielen
verbotener Songs oder Volksverhetzung von Bandmitglieder und vom
Publikum. Das Neonazi-Konzert hatte bereits stattgefunden.
Die Reaktion der Neonazis: es wurden öffentliche Drohungen
gegen die Polizei ausgestossen. Die "gesamte Situation in
Dresden" werde eskalieren, wenn man nicht miteinander auskäme.
Blaulicht-Razzia in Übigau: Ein Dutzend
Streifenwagen rückte gegen Mitternacht an der Kaditzer Flutrinne
an. Knapp 50 Beamte bezogen Stellung. Zivile Polizisten und Schutzhunde
hielten sich zunächst im Hintergrund. Dann wurde der inoffizielle
Neonazi-Treff "Thor" (Overbeckstraße) gestürmt.
Was die Beamten suchten, blieb zunächst
unklar. Hauptkommissar Lutz Milker (40) erklärte kurz: "Es
gab Hinweise, dass in dem Laden verbotene rechte Musik dröhnt."
Angeblich habe sich der Verdacht aber nicht bestätigt. Milker:
"Es handelte sich um eine private Feier. Nur zum Selbstschutz
waren so viel Beamte im Einsatz. Wir wussten ja schließlich
nicht, was uns erwartet." Ein Kneipengast pöbelte Polizisten
an, kam kurzzeitig in Gewahrsam.
Für das kommende Wochenende haben linke
Gruppierungen ein Torwandschießen vorm "Thor"
angekündigt. Doch die Stadt soll bereits Auflagen erteilt
haben, in denen unter anderem die Benutzung von Fußbällen
untersagt wurde.
Bildunterschrift: Nicht gerade freundlich
wurden die Beamten im "Thor" empfangen - ein Mann wurde
abgeführt.
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