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Neo-Nazis DD

August 2005

NPD beabsichtigt Tennishalle in Dresden-Pappritz zu kaufen

Der für den 10. September in der Tennishalle geplante "Bundeswahlkongress" der NPD wird nicht dort stattfinden, sondern wahrscheinlich in Mehlteuer bei Riesa. Dort fand bereits 2002 ein "Hochwasserbenefiz" der NPD statt. Schleusungspunkt der Nazis am 10. September ist 9.30 Uhr beim DS-Verlag in Riesa.


Presse:
- 5. August 2005, Dresnder Neuste Nachrichten (DNN) - "NPD scharf auf Grundstück neben Milbradts Haus"
- 27. August 2005, Sächsische Zeitung Dresden - "NPD verzichtet für Wahlkongress auf Tennishalle"

Sesshaft in Sachsen - NPD beim Häuslekauf

"Das Objekt hat durch die nahe Sächsische Schweiz eine ideale Lage", äußert sich NPD-Landespressesprecher Matthias Paul und bezieht sich mit dieser Aussage auf eine Tennishalle in Dresden-Pappritz. Deren Kauf strebt die sächsische NPD derzeit an, um dort ein sogenanntes "mitteldeutsches Veranstaltungszentrum" aufzubauen. Holger Szymanski (Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion) spricht von "Versammlungen, Parteiveranstaltungen und Konzerte[n].", als er sich über die Nutzungspläne äußert.
Was die NPD mit 10 Hektar Wald und Feld sowie einer Halle, die geschätzte 1500 Personen fassen kann, anstellen könnte, ist nicht schwer zu erraten. Wenn dieses Objekt den Besitzer wechseln sollte, hätten die Nazis einen Veranstaltungsort für Events aller Größenordnungen vom Kreisverbandstreffen bis hin zum Pressefest jederzeit abrufbar in der Tasche, die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten in der tiefsten sächsischen Provinz würde sich erübrigen.

Die Quasi-Auftaktveranstaltung in Pappritz sollte der Bundeswahlkongress der NPD am 10. September mit bis zu tausend TeilnehmerInnen werden. Mit ausführlichen baulichen Verordnungen, die die NPD so schnell nicht erfüllen kann, hat die Stadt jedoch den Kongress in Pappritz verunmöglicht, so dass er nach Riesa ausweicht. Es ist wohl realistisch, davon auszugehen, dass demnächst viele solcherart Events in der Halle stattfinden würden. Die einzige Reaktion der Stadt auf das drohende "mitteldeutsche Veranstaltungszentrum" ist eine lange Auflagenliste aufgrund bau- und nutzungsrechtlicher Bedenken und die Androhung von Bußgeldstrafen beim Verstoß gegen ebendiese.
Bezeichnenderweise geht das Problembewusstsein der Stadt nicht viel weiter als bis zum Bebauungsrecht. Als "besonders pikant" bezeichnet die Lokalpresse die Tatsache, dass sich das zukünftige Nazi-Propaganda-Zentrum neben dem Wohnsitz von Georg Milbradt befindet.

Die überregionale Bedeutung eines solchen Zentrums..
- das zum Anlaufpunkt nicht nur für NPDlerInnen, sondern auch für das Dunstkreis- und SympathisantInnenspektrum und nicht zuletzt den sogenannten "Freien Kameradschaften", avanchieren würde;
- das Raum für Nazikonzerte, Redner_innen-Veranstaltungen, volksfestartige Events wie dem Deutsche Stimme Pressefest und die damit einhergehende rassistsche, antisemitische, geschichtsrevisionistische und sexistische Hetze bieten würde;
- das, wie Szymanski verlauten ließ, "ein weiterer Schritt [ist], um Sachsen als bundesweites Zentrum der NPD zu etablieren."
.. scheint bürgerlicherseits entweder verkannt, ignoriert oder für normal gehalten zu werden.

Der Noch-Besitzer der Tennishalle, der Kaufmann Wolfgang Jürgens, verkaufte bereits in Bayern, genauer gesagt in Grafenwöhr (Landkreis Neustadt an der Waldnaab), eine Tennishalle an die NPD. Dort jedoch machte die Stadt - wohl aus Angst vor Imageschäden - von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. Eine derartige Reaktion ist von der Stadt Dresden wohl nicht zu erwarten, am Image der Region als bundesweite Nazihochburg ist nicht mehr sonderlich viel zu schädigen.

Möglicherweise fühlen sich die AnwohnerInnen in Pappritz gestört von der Perspektive regelmäßig stattfindender Großevents zu denen mehrere Tausend Nazis aus dem gesamten Bundesgebiet anreisen und ihnen die Vorgärten zuparken werden, als Beispiel sei das "Deutsche Stimme Pressefest" erwähnt, allerdings wird dabei die Störung des ruhigen Dorflebens in den Mittelpunkt gestellt, und eben nicht die Tatsache sich zusammenrottender Nazis.

Selbst wenn die NPD -aus welchen Gründen auch immer- die Tennishalle in Pappritz nicht kaufen sollte, wird sich das Interesse der Nazis an einem parteieigenen Veranstaltungsort wohl nur lokal verschieben, die Intention wird dieselbe bleiben: Räume für Veranstaltungen und Ideologieschulungen, die unabhängig von VermieterInnen-Imageängsten und antifaschistischen Protesten jederzeit nutzbar sind.

Gegen ein NPD-Zentrum in Pappritz!
Keine Geschäfte mit Neonazis!


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Presseartikel:

5. August 2005, Dresnder Neuste Nachrichten (DNN)

NPD scharf auf Grundstück neben Milbradts Haus

Dresden. Die sächsische NPD will in Dresden ein Veranstaltungszentrum für Mitteldeutschland einrichten. Das sagte NPD-Landessprecher Matthias Paul gestern den DNN. Die Partei habe diese Woche einen Mietvertrag für eine Tennishalle in dem Dresdner Stadtteil Pappritz unterzeichnet, wo im September der Bundeswahlkongress von NPD und DVU stattfinden solle, so Paul.

Es sei geplant, die Halle samt dem zehn Hektar großen Waldstück sowie zugehörigem Blockhaus und Stallungen zu kaufen. "Das Objekt hat durch die nahe Sächsische Schweiz eine ideale Lage", sagte Paul. Besonders pikant: Das Gelände befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Eigenheim von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU).

Laut Paul könnten dort Konzerte und Parteiveranstaltungen stattfinden, man denke auch an die Einrichtung einer Gaststätte. Der Sprecher der sächsischen NPD-Fraktion, Holger Szymanski, ergänzte: "Das ist ein weiterer Schritt, um Sachsen als bundesweites Zentrum der NPD zu etablieren."

Noch-Eigentümer der Tennishalle ist der Unternehmer Wolfgang Jürgens, der mit dem Areal eigentlich etwas ganz anderes vorhatte: Ein Fünf-Sterne-Hotel mit Schwimmbad, Fitness-Studio, eigener Konditorei und Restaurant wollte er bauen, doch das Regierungspräsidium Dresden signalisierte ihm, dass sein Plan nicht genemigungsfähig sei.

Der Stadt Dresden liege derzeit weder zu einem Verkauf der Tennishalle noch zu einer Anmietung für politische Veranstaltungen ein Antrag vor, sagte Andreas Wurff, Leiter des Stadtplanungsamtes, auf DNN-Anfrage. Jürgens könne die Halle nur als Sporthalle verkaufen. Ansonsten müsse er eine Nutzungsänderung beantragen. Auch die Vermietung zu politischen Zwecken sei nicht erlaubt. "Das ist eine Sporthalle und keine Veranstaltungsstätte", so Wurff. Jürgens und der NPD drohten bei Zuwiderhandlung empfindliche Geldbußen durch das Ordnungsamt der Stadt.

Jürgens ist das schnuppe. Er ist sauer, weil die Stadtplaner den Bau seiner Hotelanlage vereitelt haben: "Ich verkau-fe jetzt an die NPD", betont er. Eine Nutzungsänderung brauche er nicht zu beantragen, da der Bundeswahlkongress von NPD und DVU eine Sportveranstaltung sei: "Die spielen zuerst Tischtennis und Badminton, für Kinder wird ein Spielkarussell aufgebaut. Danach wird noch ein wenig über Politik geredet."

Jürgens muss wissen, wovon er spricht. Denn im April dieses Jahres hat er schon einmal eine Tennishalle an die NPD verkauft - im bayerischen Grafenwöhr. Um zu verhindern, dass die NPD dort ein nationales Ausbildungszentrum etabliert, hat die Stadt Grafenwöhr die Halle mittlerweile zurückgekauft: Für eine stattliche Summe von 545000 Euro. "Das ist prima gelaufen, da in Bayern", sagte Jürgens.

Ellen Großhans / Ralf Redemund

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Samstag, 27. August 2005, Sächsische Zeitung Dresden

NPD verzichtet für Wahlkongress auf Tennishalle

Die NPD verzichtet darauf, ihren Bundeswahlkongress am 10. September wie geplant in der Tennishalle in Dresden-Pappritz zu veranstalten. Die dafür von der Stadt geforderten Maßnahmen ließen sich nicht in der kurzen Frist realisieren, sagte Wahlkampfleiter Peter Marx gestern der SZ. Die Auflagen zum Brandschutz waren zuvor bei einem Ortstermin besprochen worden. Die Versammlung solle nun an einem Ausweichort in Sachsen stattfinden, den Marx allerdings gestern noch nicht nennen wollte.

Langfristig ist die Pappritzer Halle nach Marx’ Worten trotzdem für die NPD interessant. Sie sei weiter an einem Kauf des Anwesens interessiert. Voraussetzung sei allerdings, dass die Partei den Bau als Versammlungsort nutzen kann. Hier müsse vor allem die Frage geklärt werden, ob das mit den Behörden machbar sei. (SZ/öse

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