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Neo-Nazis und rechter Terror
in sächsischen Knästen
Chemnitzer Morgenpost 22. April 2002
Rechter Terror in den Gefängnissen
DRESDEN. Prügelangriffe gegen Ausländer,
verbotene Nazi-Parolen, abgefackelte Asylbewerberheime - gegen
rechte Gewalttäter kannte die Justiz vor allem ein Mittel: Wegsperren.
Die Folge: Jetzt schwappt die braune Flut auch in Sachsens Gefängnisse.
Dort geht der Nazi-Terror offenbar weiter. Mit der Sicherheit
hinter Gittern in den ostdeutschen Jugendgefängnissen ist es nach
einem aktuellen Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" nicht
mehr weit her. Rund ein Drittel der Gefangenen, so schätzen Experten,
sind mittlerweile Jungnazis - und die machen Mitgefangenen aus
anderen Ländern und mit anderer Gesinnung das Leben zur Hölle.
Im Zeithainer Jugendknast etwa hat Anstaltsleiter Bernd Schiebel
(37) festgestellt, dass Ausländer nur noch in gesonderten "Ali-Zellen"
vor Übergriffen sicher sind.
Wer diesen Schutz nicht genießt, läuft laut "Spiegel"-Recherchen
Gefahr, erniedrigt und gequält zu werden. Gefangene werden gezwungen,
auf dem "Balkon" - dem Fensterbrett - zu übernachten. Oder sie
müssen die "Jukebox" machen: Nazis sperren ihre Opfer in einen
Schrank, wo sie auf Zuruf singen müssen.
Noch schlimmer ging es laut "Spiegel" Mädchen in der Jugend-Frauenabteilung
in Chemnitz. Dort drückten jungdeutsche Mädels auf den Armen einer
schmächtigen Insassin glühende Zigaretten aus. Ein anderes Opfer
wurde mit Fisch-brühe übergossen, um es zur "Aussätzigen" zu stempeln.
Die rechte Übermacht in den Gefängnissen ist offenbar schon so
groß, dass sich, so Gefängnis-Chef Schiebel, etwa Punks "von einem
Tag auf den anderen bunte Haare abrasieren, um ihre Ruhe zu haben".
up
Bericht vom Dezember 2001
Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden
Nazisymbole und Antisemitismus in der JVA nicht möglich???
Falsch...
Falsch die Überschrift müsste heißen : Nazisymbole
und Antisemitismus in der JVA erlaubt!!!
Worte wie "Kanackensau", "Judenschwein" und "Schwuchtel" sind,
wie Hakenkreuze und SS-Runen ein ganz normaler Zustand in der
JVA Dresden.
Als ich das erste Mal in meinen Zellentrakt kam, dachte ich, ich
bin in einem Film. Da lief ein Typ auf dem Gang mit freiem Oberkörper
und stellte seine Tätowierungen zur Schau. Diese sind ein eindeutiges
Bekenntnis zum Nationalsozialismus; Reichskriegsfahne, Hakenkreuzfahne
und A.H. "persönlich".
Dann war der Tag, wo ich Besuch bekam - was ich da erlebte, wollte
ich nicht wahrhaben - ich wurde mit anderen Häftlingen in einen
Raum gesperrt, der aussah wie ein Jugendklub in der Sächsischen
Schweiz. Hakenkreuze, SS-Runen und ausländerfeindliche Sprüche
die seit über einem Jahr an der Wand stehen.
Dies scheint ein Sport zu sein, da die Nazis die Jahreszahl und
ihre Namen hinterlassen. Es scheint mir so, als ob es ein stilles
Abkommen von Behörden und Nazis gibt, das lautet : Ihr lasst uns
in Ruhe und wir lassen euch in Ruhe! Eine entpolitisierende Arbeit
findet in der JVA nicht statt.
Ein Psychologe sprach in der ersten Woche mit mir und fragte mich,
ob ich politisch sei. Als ich seine Frage mit "Ja!" beantwortete,
fragte er mich wie und in welche Richtung. Ich sagte ihm, das
ich Hausbesetzer sei. Er sagte mir, dass politische Aktivitäten
verboten wären. (p.s. er wurde inzwischen entlassen, weil er nicht
tauglich war. Er ist bekennender Schwuler.)
Zu Weihnachten bekam ich von GenossInnen ein Paket. In diesem
Paket befand sich ein Brief welcher ein Spucki mit zerschlagenem
Hakenkreuz, ein Spucki mit einer Friedenstaube und ein Spucki
mit dem Spruch "Soldaten sind Mörder" enthielt . Dieser Brief
wurde mir nicht ausgehändigt mit der Begründung, er würde verfassungsfeindliche
Symbole enthalten. Nach einer heftigen Diskussion mit einer Beamten
und der Drohung einen Brief an meinen Anwalt und der PDS-Fraktion
im Landtag zu schreiben, wurde mir der Brief mit dem Spruch, ich
solle meinen Freunden sagen, sie sollen in Zukunft unterlassen
solche Sachen zu schicken, ausgehändigt. Dies hat mir klar gezeigt,
was in der JVA abgeht.
Da ich zur Zeit der Einzige hier bin, der klar sagt autonom zu
sein, wird meine Post gründlicher gelesen. Nazis dürfen aber weiter
ihren menschenverachtenden Scheiß machen. In der Zelle im Besucherraum
sind neue Sprüche mit Datum 15.12.01 zu sehen.
Für eine sofortige Untersuchung von Naziaktivitäten
in der JVA Dresden!
Mit antifaschistischem Gruß
Heinz
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