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8.
11. 03: Antisemiten-Kundgebung gegen Libeskind-Entwurf für
das Heeresmuseum in Dresden verhindern
Ab 10 Uhr am Kulturpalast, Wilsdruffer
Strasse!
Kurzzeitig hiess es, die Kundgebung sei
abgesagt. Das war offenbar eine falsche Information. Ein Gespräch
der DNN mit dem Veranstalter brachte anderes an den Tag (
siehe Artikel weiter unten). Die Neo-Nazis nennen es "Infostand
mit Redner", was auf dasselbe hinausläuft. Am ursprünglich
geplanten Ort (Museum für Stadtgeschichte, Pirnaischer Platz)
befindet sich eine Baustelle, daher gibt es einen neuen Ort für
die Kundgebung: am Kulturpalast.
Um das mit der falschen Information ein wenig aufzuklären:
Die Stadt Dresden hatte behauptet, die Kundgebung sei zurückgezogen
und es sei keine Ersatzveranstaltung geplant.
Die Neo-Nazis dagegen mobilisieren nach wie vor auf websites von
NPD bis "Freien Kameradschaften" für den 8. November.

antifaschistische
gegen-acts
Treff ab 10 Uhr Kulturpalast, Wilsdruffer Strasse
die
facts der neo-nazis
Die Neo-Nazis wollen ihre Kundgebung um 11 Uhr beginnen. Es sollen
Reden gehalten werden von Heiner Kappel (Deutsche-Partei-Vorsitzender)
und Holger Apfel (NB-Vorsitzender). Danach, um 16 Uhr, soll noch
eine Neo-Nazi-„Saalveranstaltung“ stattfinden. |
| Aufruf
zu antifaschistischen Gegenaktivitäten
Kulturpalast, Wilsdruffer
Strasse
Samstag, 8. November
2003
Keine
Stimme für Antisemiten!
Neo-Nazi-Kundgebung
des „Nationalen Bündnis Dresden“ verhindern!
Für den Vortag des 9. Novembers (Jahrestag der Reichspogromnacht
1938) ruft das
„Nationale Bündnis Dresden“ (NB) zu einer
Kundgebung auf.
Der Anlass ist ein Entwurf des Architekten Libeskind für
die Modernisierung des Militärhistorischen Museum Dresden
zum „Leitmuseum“ der Bundeswehr. Das Motto des NB
ist: „Gegen das 'Libeskind-Projekt'“. Einer der üblichen
fahnenstrotzenden Infostände des NB ist angekündigt
und Reden sollen gehalten werden.
So plump der Anlass erscheint, so ungeheuerlich ist der antisemitische
Gehalt dieser Veranstaltung. Das „Nationale Bündnis“
(NB) welches auf diese Art und Weise Wahlkampf für die Kommunalwahl
im Juni 2004 betreiben will, macht die Art ihres Populismus damit
deutlich: Offene Hetze gegen Juden.
Zum Ersten:
Der 9. November 1938 steht für die Verschärfung des
Antisemitismus in Nazideutschland, die in der Shoa mündete.
Heute ist der 9. November ein Gedenktag an die Pogrome, bei denen
auch die Dresdner Synagoge von den Nazis durch Feuer zerstört
wurde. Bei der Weihe der Neuen Dresdner Synagoge am 9. November
2001 versuchten Neo-Nazis zum ersten Mal, an dieser Stelle zu
demonstrieren.
Zum Zweiten:
Der ursprünglich geplante Kundgebungsort des NB, der wegen
einer Baustelle nicht möglich war, lag in unmittelbarer Nähe
der Synagoge, dem Hass-Objekt der Neo-Nazis. Immer wieder gehen
hier Neo-Nazi-Demo-Routen vorbei oder sie versuchen Kundgebungen
dort anzumelden.
Das Programm des NB enthält einen eindeutigen Kommentar zur
Synagoge. Auch dafür bediente sich das NB eines populistischen
Anlasses: den Unmut Dresdner BürgerInnen über den geplanten
Abriss zweier Hochhäuser in der Nähe der Synagoge. So
heisst es im Programm des NB: "Im übrigen sagen wir
Nein zum Abriß intakter, Mieteinnahmen bringender Hochhäuser,
nur damit von der oberen Elbseite der Blick auf ein architektonisches
Monstrum freigegeben wird, das seit kurzem das Bild der historischen
Altstadt gravierend verschandelt." An dieser Stelle äußert
sich das NB zwar nicht offen, aber deutlich genug.
Zum Dritten:
Der Entwurf für ein modernisiertes Heeresmuseum in Dresden
zeigt einen Keil, der das Gebäude durchfährt. Das bisherige
Museum, welches eher einer Kriegs-Devotionalien-Sammlung gleicht,
soll damit auch inhaltlich modernisiert werden.
In ihren Bemerkungen zu diesem Entwurf macht das NB eine klar
antisemitische „Analyse“: Der Architekt Libeskind,
ausdrücklich als Jude genannt, wird in einen Gegensatz zur
"heimatlichen" und quasi natürlich „gewachsenen"
traditionellen Dresdner Architektur gestellt, indem er mit antisemitischen
Stereotypen charakterisiert wird - als kosmopolitischer „Weltenbummler“
mit „Symphatie zu den kalten geschichts- und gesichtlosen
US-Kapitalistenmetropolen“.
Bei diesem latent antisemitischen Weltbild bleibt es nicht, das
NB hetzt offen in Anknüpfung an die nationalsozialistische
Ideologie des eliminatorischen Antisemitismus: Libeskind’s
Entwurf sei „Heimatzerstörung“, „Kulturbarbarei“,
„implantierter Fremdkörper“ und „antideutsche
Geschichtsauffassung“. (alle Zitate aus dem NB-Flugblatt
„Rettet Dresdens Baudenkmäler – Stoppt das 'Libeskind-Projekt'")
Mit diesem Gebräu aus antisemitischer Hetze, schlecht verdeckt
vom Pseudo-Interesse an Architektur, will das „Nationale
Bündnis“ auf die Strasse gehen. Auch mit dem bekannten
Dresdner Neo-Nazi-Demo-Klientel ist zu rechnen.
Das Ziel des NB, die Dresdner Bevölkerung zu erreichen, ist
einerseits mit dem Andockpunkt „Architektur“ gegeben
und andererseits durch die gemeinsamen antijüdischen Ressentiments
bis hin zu überzeugtem Antisemitismus.
Doch der geplante Wahlkampf wird nach hinten losgehen, wenn wir
das NB blockieren!
Wir wollen die Kundgebung wenn möglich verhindern und rufen
alle auf, sich den Neo-Nazis entgegenzustellen! Richtet Euch auf
längere Verweildauer ein, bringt neben Krachinstrumenten
und Transparenten auch Sportgeräte, Isomatten und Heissgetränke
mit!
Wir treffen uns ab 10 Uhr vor Ort!
weiterführende Links
Fotos von
Neo-Nazis an der Synagoge 1. Mai 2003
Auf dem Heimweg von der Neo-Nazi-Demo versuchen Neo-Nazis
an der Synagoge eine Kundgebung anzumelden
Fotos vom Zusammenstoß mit GegendemonstrantInnen an
der Synagoge |
9. November
2001: Neo-Nazis störten Weihe der Synagoge
zwei Texte zum 9. 11. 01 |
up
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Dresdner
Neueste Nachrichten (DNN)
01. 11. 2003
Libeskind-Bau
wird Kinderkaufhaus
Die Woba-Holding bekennt sich zu ihren Plänen, auf der Hauptstraße
ein Gebäude nach den Entwürfen von Daniel Libeskind
(kleines Bild) zu bauen.
Wie DNN aus Kreisen der Woba erfuhr, gibt es ein neues Konzept,
wonach der Libeskind-Bau - hier im Modell zu sehen - ein Kinderkaufhaus
werden soll.
Die Woba will jetzt mit den Plänen an die Öffentlichkeit
gehen, um ein Zeichen gegen rechtsextremistische Attacken auf
Libeskind zu setzen.
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up |
Dresdner Neueste Nachrichten (DNN)
29. Oktober 2003
Rechte wollen Libeskind-Bau stoppen
Die Wortwahl ist nicht neu. Da ist die Rede von "Kulturbarbarei",
von "Heimatzerstörung" und "Umerziehungsstätte".
Das Ziel der Attacke ist neu, beziehungsweise noch gar nicht gebaut.
"Rettet Dresdens Baudenkmäler! Stoppt das Libeskind-Projekt
am Heeresmuseum in Dresden!" steht in fetten Lettern auf
dem Flugblatt, das das "Nationale-Bündnis-Dresden"
in einer Stückzahl von 50.000 verteilt hat. Libeskind wird
darin als "jüdischer Weltenwandler" und "Architektur-Desperado"
bezeichnet. Daniel Libeskind, der in New York den Wettbewerb für
die Bebauung von Ground Zero gewann, bekam im August den Zuschlag
für den Umbau des Militärhistorischen Museums in Dresden.
Nach seinem Entwurf soll das alte Museumsgebäude durch einen
gläsernen Keil aufgebrochen werden.
"Die Zeit ist reif, in Dresden ein Bündnis aller nationalen
Deutschen zu initiieren", war im Frühjahr die Gründung
des rechten Dresdner Bündnisses auf deren Internetseite kommentiert
worden. "Bemerkenswert ist die Entwicklung in Dresden, wo
für die Kommunalwahl 2004 die NPD, die DVU und die Republikaner
ein ,Nationales Bündnis' gebildet haben. Das könnte
auch in anderen Orten Schule machen. Die einst zersplitterten
rechten Parteien versuchen, vereint und konzentriert in die Kommunalparlamente
einzuziehen", hatte im Mai in einem DNN-Interview Verfassungsschutz-Präsident
Rainer Stock gesagt. Jetzt rüsten die Rechten gegen die Moderne
in Dresden - und hoffen so, das der Tradition verhaftete Klientel
der Dresdner für sich zu gewinnen. "Dresden kann doch
stolz sein auf die alte Architektur, so wie auf unsere Frauenkirche",
sagt Frithjof Richter, stellvertretender Vorsitzende des Bündnisses
und Kreisvorsitzender der Republikaner.
In dem Flugblatt liest sich das noch etwas anders. Da ist von
einer "völlig fremden Architektursprache" Daniel
Libeskinds die Rede, einem "Schlag in dasGesicht großer
deutscher Architekten". Und, es geht nicht nur um die Hülle
des Militärmuseums. "Diesem architektonischen Traditionsbruch
wird auch ein Traditionsbruch in der inhaltlichen Vermittlung
der Militärgeschichte folgen. Schuldkomplex schürende
Trauerarbeit und psychologisierende 68er-Pädagogik werden
dabei Pate stehen", heißt es.
Das Nationale-Bündnis-Dresden hatte zu dem Thema eine Kundgebung
am 8. November vor dem Landhaus auf der Wilsdruffer Straße
geplant. Ort und Zeit nicht zufällig gewählt, der Platz
nahe der Synagoge, der Tag, einen Tag vor dem 65. Jahrestag der
so genannten "Reichskristallnacht". Das Presseamt der
Stadtverwaltung teilt auf DNN-Anfrage mit, dass der Antrag für
diese Kundgebung zurückgezogen worden sei. "Das ist
aus Sicherheitsgründen geschehen, weil an der Stelle auf
der Wilsdruffer eine Baustelle ist", sagt Richter.
Einen Info-Stand will das Bündnis trotzdem am 8. November
aufstellen, allerdings an einem anderen Platz. Die gleiche Kampagne,
gegen den Libeskind-Bau. Zum Thema sprechen wird dort Heiner Kappel,
Vorsitzender der Deutschen Partei. Kappel ist ehemaliges FDP-Mitglied.
"Unter allen Republikanern, die ich persönlich kennen
gelernt habe, fand ich absolut niemanden, den ich nicht für
ehrenwert halte", hatte er einmal gesagt. Jetzt also wird
er über moderne Architektur in Dresden sprechen. Auch wenn
es um mehr geht, auch darum, dass Libeskind jüdisch ist.
"Die Veranstaltung wird von der Stadt genehmigt werden",
ist sich Richter sicher.
Am liebsten wäre es ihm, wenn nichts darüber geschrieben
würde. Wegen der Linken, die doch zu Gewalt neigen. "Und
Ordnung und Ruhe in einer Stadt, das ist doch am wichtigsten",
sagt er.
Heidrun Hannusch
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Frankfurter
Rundschau Feuilleton
15. 08. 2003
Libeskind in Dresden
Von Bernhard Honnigfort
Im Hof Panzer und Geschütze, unter einer Hallendecke ein
alter Doppeldecker der Roten Armee. Schaufensterpuppen, eingekleidet
in königlich-sächsische Uniformen, Diaramen mit historischen
Schlachtordnungen, Gewehre und Schwerter, alles hochglanzpoliert.
In einer fast ausgeräumten Halle: der Brandtaucher, ein U-Boot
von 1850, muskelgetrieben. Alles das und noch viel mehr Kriegerisches
ist zu sehen im Militärhistorischen Museum Dresden. Auch
Kuriosa, manchmal komisch wie die Auszeichnung des DDR-Verteidigungsministers
Armeegeneral Heinz Hoffmann als "Ehrenobstbauer", manchmal
skurril wie die Bilder von Soldaten der Weimarer Republik, die
in Panzern aus Pappe Krieg übten und Abrüstungsbestimmungen
des Versailler Vertrages austricksten. Eine gigantische Militaria-Sammlung,
beeindruckend, bizarr, wohlsortiert - aber ein Museum ohne Aussage.
Das soll sich ändern. Das Museum war einst ein Arsenal,
gebaut zwischen 1873 und 1876 in der Albertstadt, einer der größten
Militärstädte in Europa, am Nordrand Dresdens. Zu DDR-Zeiten
seit 1972 Armeemuseum, übernahm es die Bundeswehr nach der
Wiedervereinigung. Zwar hatte das Verteidigungsministerium das
Dresdner Haus in Nachbarschaft der Offizierschule des Heeres schon
vor neun Jahren zum "Leitmuseum" der Bundeswehr erkoren.
Aber ohne größere Folgen; der nötige Umbau ließ
auf sich warten.
Jetzt soll es tatsächlich das neue Leitmuseum der Bundeswehr
werden. Verteidigungsminister Peter Struck war am Donnerstag in
Dresden, um mit dem Star-Architekten Daniel Libeskind und mit
Barbara Holzer vom Büro HG Merz die Pläne vorzustellen.
Man könnte sagen: ein Blitz wird in das alte Dresdner Militärmuseum
fahren. In das Gebäude, dessen Grundform dem Großbuchstaben
E ähnelt, rammt er einen Keil aus Glas, Beton und Stahl,
ein gewaltiges Victoryzeichen, welches das alte Museum aufspießt
und über die Elbe in die Dresdner Innenstadt weist, dorthin,
wo alliierte Bomber gegen Ende des Zweiten Weltkrieges ihr verheerendes
Zerstörungswerk anrichteten.
Auch inhaltlich wird das Museum umgekrempelt. Es wird zwar auch
weiterhin Militärgeschichte seit 1350 geben, weiterhin die
Waffen, Uniformen und Orden deutscher Armeen vom Mittelalter bis
zur Bundeswehr der Gegenwart, vereinigt aus Bundeswehr-West und
NVA. Weiterhin einen Shop, wo Besucher militärgeschichtliche
Bücher und Zinnsoldaten, Panzermodelle der NVA und Bastelsets
für Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs kaufen können.
Und auch in Zukunft soll auf Freiflächen um das Museum herum
das sperrige Handwerkszeug des Krieges zu sehen sein: große
Panzer und Haubitzen, Kanonen, Flugabwehrraketen, Hubschrauber
und Düsenjäger.
Doch der ins Militärische eingedrungene Keil soll den Menschen
in den Mittelpunkt heben und die Perspektiven zurechtrücken.
Weg von der Devotionalienschau, vom Ordensglanz und nüchterner
Waffenkälte, hin zum Opfer und Täter, zum Menschen,
wie er Krieg erlebt und oft genug darin umkommt. "Es geht
um anthropologische Grundfragen", beschreibt Barbara Holzer
das, was der Keil einmal auf mehreren Etagen enthalten soll. Verschiedene
Themenparcours sind in Planung: Warum gibt es Hoffnung? Disziplin
und Ordnung, Kriegsspielzeug, Was ist Angst?
Bis es allerdings soweit ist und bis Besucher oben im Keil nach
stundenlangem Gang durch das 12 000 Quadratmeter große Museum
bei einer Tasse Kaffee und mit Blick auf die Dresdner Altstadt
das Gesehene verdauen können, gehen noch fünf Jahre
ins Land. Im Sommer 2004 will das Bundesverteidigungsministerium
mit dem 35 Millionen Euro teuren Umbau beginnen.
Als er am Donnerstag die Pläne vorstellte, erklärte
Struck, Libeskind sei sich treu geblieben, indem er mal wieder
einen Aufsehen erregenden Entwurf präsentiert habe. Und dass
kein attraktiverer Standort als Dresden denkbar sei, sagte er
natürlich auch. Dann steuerte der Verteidigungsminister gleich
noch etwas zum neuen Militärmuseum bei. Er übergab dem
Museum einen Karton Feldpostbriefe, die er bei einem Besuch in
Dänemark erhalten hatte, Briefe von Wehrmachtssoldaten, geschrieben
gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, aber nie beim Adressaten angekommen.
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