|
Der heutige Abend in Dresden (13.2.99) erinnert
an düstere Zeiten. Republikaner, Junge Landsmannschaft Ostpreußen
(JLO), der Nationale Widerstand Oberes Elbtal, Burschenschaften,
DVU-Ortsverband Dresden und NPD-Kreisverband Sächsische Schweiz
- etwa 200 Nazis versammeln sich vor der Dresdner Frauenkirche.
Stiefelnazis und Stammtischrechte befestigen gemeinsam zahlreiche,
mit deutschnationalen Farben geschmückte Kränze an den
Bauzäunen und zünden Kerzen an. Fast keiner der Bürger,
die sonst zu den alljährlich stattfindenden Gottesdiensten,
den klassischen Konzerten und heute zum Trauerritual für
die Opfer des 13. Februar 1945 zur Frauenkirche eilen, stört
sich an den Nazis. Gemeinsam mit den Republikanern, Dorfkameradschaften
und NPD-Kadern mahnen sie der Opfer der britischen Bombenangriffe.
Auch als Flugblätter der JLO verteilt werden, regt sich keiner
der »Trauernden«. Jedes Jahr die gleichen Lügenblätter,
die von »250000 Toten«, »Völkermord aus
der Luft« oder »größter Vernichtungsschlag
aller Zeiten« künden.
Auf die Frage, was sie von diesem Auftritt halten, antworten die
meisten vorbeigehenden Bürger gleichgültig, verharmlosend,
ohnmächtig und manchmal zustimmend. Nur Wenige sprechen leise
von der braunen Masse, die sich bedrohend in die Normalität
einniste. Es sind zu viele, um sich gegen sie zu wehren. Die Polizei
ist mit wenigen Beamten vor Ort, wohl wissend, daß es keine
Auseinandersetzungen geben wird.
Seit dem medienwirksamen Auftritt der CDU-Größen zum
50. Jahrestag der »Trauerfeierlichkeiten«, unter ihnen
Bundespräsident Roman Herzog, werden es von Jahr zu Jahr
mehr Nazis, die den 13. Februar als »Gedenktag für
die Deutschen« entdecken und zum »offiziellen Gedenktag
für die Bundesrepublik« machen wollen, um in Dresden
»jener Millionen von Deutschen« zu gedenken, »für
die das Kriegsende keine Befreiung war«. Doch anstatt sich
von den braunen Horden und ihren hohlen Parolen zu distanzieren
und ihre Propaganda zu verhindern, verharmlosen die Bürger
und bilden eine Reihe mit den Rechten. Anstatt den Nazis die Kränze
zu zertreten und den 13. Februar als Mahnung für den Frieden
zu nutzen, verkommt das Trauern um Dresden zum Ritual, daß
immer mehr die Grenzen zwischen Opfern und Tätern verwischt.
»Das deutsche Volk war ahnungslos«, skandieren die
jungen Landsmannen und verteidigen schamlos den zweiten Weltkrieg:
»Besonders gering ist das Wissen um die historische Situation
und die vielen Gründe, die in einen Krieg führten, in
dem Millionen von Deutschen bis zum Äußersten gekämpft
haben«. Wenn diese Art der Darstellung des »13. Februar
1945« Mehrheiten findet, braucht sich niemand über
den Einzug der Rechtsextremen in die Parlamente zu wundern.
|