| Dresden, den 16.
Dezember 2003
Zur Strategie
des und gegen das Nationale Bündnis Dresden
Ziel des sogenannten Nationalen Bündnis Dresden (NBD) ist
eindeutig der Einzug in den Stadtrat zur Wahl 2004. Die Wahrscheinlichkeit,
dass sie in den Stadtrat einziehen werden, ist schwer abzuschätzen.
Zu beachten ist, dass es keine 5%-Hürde gibt und schon ein
Wahlergebnis von deutlich unter 5% kann zum Einzug von einem oder
zwei Stadträten ausreichen. Egal ob sie nun mit einem oder
zehn Abgeordneten in den Stadtrat einziehen, es ist nicht zu erwarten,
dass sie maßgeblichen Einfluß auf die Stadtpolitik
nehmen oder auch nur einen kleinen Teil ihres Wahlprogramms umsetzen
werden. Selbst wenn sie sich nicht zerstreiten (wovon auszugehen
ist), glänzen rechte Abgeordnete in der Regel durch eine
ausgeprägte Unfähigkeit. Realpolitik ist doch etwas
anderes als Szenearbeit und in der Regel ist nach einer Legislaturperiode
Schluß, da das Bündnis oder die Fraktion zerfallen
und die Wähler ernüchtert sind.
Es gibt aber einen Punkt, der zu einem nachhaltigen Problem werden
kann. Sollte es das NBD tatsächlich schaffen, einen Stadtrat
zu stellen, sind Ämter und Behörden ihm gegenüber
auskunftspflichtig. Selbst wenn es keine rechtliche Grundlagen
für Auskünfte gibt, wird vorauseilender Gehorsam seitens
der Ämter und Angestellten den Zugriff auf bisher verwehrte
Daten und Informationen sicher stellen. Die Weitergabe der Informationen
an militante Nazikreise ist dann nur noch eine Frage der Zeit.
Betroffen davon sind letztlich alle Ämter und Behörden,
die direkt und indirekt der Stadtverwaltung unterstellt sind,
wie zum Beispiel Pass- und Meldebehörde, Zulassungsstelle,
Ordnungsamt, Jugendamt und viele mehr. In Zukunft ist entsprechend
noch mehr Vorsicht im Umgang mit Behörden geboten.
Viel wichtiger als sich über mögliche Folgen eines
Einzugs des NBD in den Dresdener Stadtrat Gedanken zu machen,
ist darüber nachzudenken, wie es gar nicht erst soweit kommt.
Nicht nur, dass sie mit einem Scheitern keinen Abgeordneten stellen,
das Bündnis selbst wird in diesem Fall zerbrechen und nach
gegenseitigen Schuldzuweisungen wird es auf lange Zeit keine derartige
Koalition geben.
Über alles ist das NBD darum bemüht, sich als bürgerlich
und politische Alternative zu präsentieren, auch wenn sie
auf der anderen Seite mit stadtbekannten merhfach verurteilten
Nazis öffentlich auftreten. Und genau hier ergeben sich zwei
Ansatzpunkte. Zum einen muss das NBD bei jeder sich bietender
Gelegenheit als das öffentlich bezeichnet werden, was sie
sind, nämlich Nazis und auch auf die Persönlichkeiten,
die hinter dem NBD stehen, muss eingegangen werden.
Bei den bisherigen
Montagsdemos und der Presseberichterstattung in SZ und DNN
hat das auch ganz gut geklappt. Das NBD ist in der Richtung sehr
stark vorbelastet und wird sich bis zur Wahl auch nicht davon
erholen. Das wird viele potentielle Wähler abschrecken, aber
auf der anderen Seite auch neue Wähler erschließen.
Aber dieser Wähleranteil wird kaum zu einer nennenswerten
Stimmenzahl reichen, der NBD braucht “normale” Bürger.
Diese Bürger gilt es zu verschrecken. Das klappt am besten
über das, was das NBD am wenigsten darzustellen versucht:
Sie sind eine Chaotentruppe, wo sie auftreten herrscht Unordnung
und nur die Polizei kann dafür sorgen, dass es nicht noch
schlimmer wird. Das zu erreichen ist relativ einfach, man muss
nur in größerer Anzahl bei den Veranstaltungen des
NBD auftauchen und für Trouble zu sorgen. Die Polizei wird
die Veranstaltung abschirmen und alles, was der Bürger mitbekommt,
sind sehr viel Polizei und wir.
Polizei wirkt immer bedrohlich und ein Haufen Antifas noch viel
mehr. Aber genau das ist dann das Bild, was die Bürger von
den Veranstaltung haben werden. Es muss nur konsequent bei jeder
öffentlichen Veranstaltung des NBD durchgezogen werden. Dem
NBD bleiben drei Alternativen. Sie können öffentliche
Veranstaltungen bleiben lassen, was dazu führt, dass sie
nur noch ihre eigenen Leute erreichen, aber nicht die, die sie
für ihre Wahl bräuchten. Sie können mit den Veranstaltungen
weitermachen und erreichen damit ebenfalls das Gegenteil.
Der einzige Ausweg wäre eine verstärkte Werbung mit
Flugblättern und Plakaten. Aber das kostet Geld und wird
letztlich auch nur dazu führen, dass der Bürger das
Flugblatt sieht, denkt “Ah, das sind doch diese Nazis, weshalb
es immer Stau gibt, weil wegen denen die Polizei die Straße
sperren muss.” und wird seiner spießbürgerlichen
Intuition gehorchen, dass diese Leute nicht die sind, von denen
er sich vertreten lassen möchte. Das ganze würde natürlich
mit einer richtigen Pressekampagne noch besser funktionieren.
Also laßt uns ordentlich
Rabatz machen und versauen wir dem "NB" die Wahl!
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