| Das
Nationale Bündnis in der Presse |
15. 04. 2004 Sächsische Zeitung Dresden Initiative
will Kandidatur der Rechten verbieten - Auf-Dresden veranstaltet
Kundgebung vor dem Rathaus |
15. 04. 2004 Sächsische Zeitung Unverfängliche
Parolen - Mit dem Nationalen Bündnis Dresden will in
Sachsen erstmals ein rechtsextremistisches Sammelbecken ins
Rathaus |
16. 03. 04 Sächsische Zeitung Dresden Rechtes Bündnis
nominiert 36 Kandidaten |
23. 03. 04 Sächsische Zeitung Dresden Stadtrat, Ortschaftsräte
und Europaparlament sind zu besetzen / Wählervereinigungen
hoffen auf Unterstützer |
18. 03. 04 Neues Deutschland Aufmarsch »Stoppt den
Synagogenbau!« - NPD betreibt Volksverhetzung, doch
Aufstand der Anständigen bleibt aus |
29. 01. 04, Lausitzer Rundschau Rechte machen Stimmung
gegen moderne Architektur - Gruppierung will mit Kampagne
ins Dresdner Stadtparlament |
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Sächsische Zeitung (Lokales Dresden ), 15.04.2004
Stadtratswahlen 13. Juni2004
Initiative will Kandidatur der Rechten verbieten
Auf-Dresden veranstaltet Kundgebung vor dem Rathaus
„Der Begriff Volksgemeinschaft verrät die wahren Ziele
des Nationalen Bündnisses, er knüpft direkt an das Dritte
Reich an“, sagte gestern Günter Slave, Sprecher des
Wahlbündnisses Auf-Dresden. „Wer die Wiedereinführung
dieser faschistischen Volksgemeinschaft fordert, offenbart seine
abgrundtiefe Menschenfeindlichkeit und hat seine demokratischen
Rechte verspielt.“ Daher soll der Dresdner Wahlausschuss
das rechte Bündnis nicht zur Kommunalwahl im Juni zulassen,
fordert Auf-Dresden. Aus diesem Anlass hat die Initiative eine
Kundgebung angemeldet: am 4. Mai ab 13 Uhr vor der Goldenen Pforte
des Rathauses – während drinnen gleichzeitig der Wahlausschuss
tagt.
Slave kritisierte auch das Verhalten der Stadtverwaltung gegenüber
Demonstrationen von Rechtsextremisten wie am 13./14. Februar oder
zum 1. Mai. „Die Stadt soll sie konsequent verbieten –
auch wenn Verwaltungsgerichte diese Entscheidungen später
kassieren.“
Bis Ende April ist die parteiunabhängige Initiative damit
beschäftigt, selbst die geforderten 247 Unterschriften für
ihre eigene Zulassung zur Kommunalwahl zu sammeln. Gestern stellte
Slave das Programm vor: „Wir thematisieren die Probleme
der kleinen Leute. Dresden ist nicht nur Kultur“, sagte
er. Die rund 40 Mitglieder von Auf-Dresden wollen in allen 13
Wahlkreisen mit eigenen Kandidaten antreten. (lex)
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Sächsische Zeitung (Seite3 ), 15.04.2004
Kommunalwahlen
Unverfängliche Parolen
Mit dem Nationalen Bündnis Dresden will in
Sachsen erstmals ein rechtsextremistisches Sammelbecken ins
Rathaus, der Verfassungsschutz befürchtet eine Signalwirkung
Thomas Schade
Dünne Faltblättchen in Himmelblau landen
dieser Tage in Hunderten Dresdner Briefkästen. Auf der
Titelseite locken Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt.
Hinten werben sechs gestandene Mannsbilder für sich, zum
Teil mit Schlips, aber alle mit patriotischen Absichten. So
soll es jedenfalls der Leser glauben.
„Wir stehen für Dresden“, lautet
die Parole. „Freiheitlich – sozial – patriotisch“
sei ihr Denken. Das „Ende von Filz und Korruption“
fordern sie unter anderem, oder auch „Arbeitsplätze
für Deutsche – Nein zur EU-Osterweiterung“,
„Schluss mit dem Privatisierungswahn“, „Wiederaufbau
der historischen Innenstadt“ und ein „Mahnmal für
die Opfer des alliierten Bombenterrors“. Parolen für
den Kommunalwahlkampf, bestens geeignet, um die Lufthoheit über
den Dresdner Stammtischen zu erobern.
Im kleiner Gedruckten formulieren die Herren etwas
deutlicher: „Asylbetrüger und kriminelle Ausländer
sind schnellstens auszuweisen“, heißt es da. Oder:
„Die Zulassung ausländischer Imbisse, Blumen- und
Gemüsemärkte muss auf den Prüfstand.“ Außerdem
dürften „fremde Gotteshäuser und abstrakte Architektur“
das Bild der Kulturstadt „nicht ... verschandeln“.
Damit könnten durchaus die neue Synagoge oder Projekte
des jüdischen Architekten Daniel Libeskind in Dresden gemeint
sein, die den Herren offenbar ein Dorn im „volkstreuen“
Auge sind. Auf den ersten Blick sind die sechs solide wirkenden
Herren vom Nationalen Bündnis Dresden (NBD) politisch gar
nicht so leicht einzuordnen. Aber ihre politische Herkunft verrät:
Hier will ein Sammelbecken ins Rathaus, das alle drei rechten
Randparteien vertritt: NPD, Deutsche Volksunion (DVU) und die
Republikaner (Rep). Die NPD spielt dabei möglicherweise
die dominierende Rolle. Der sächsische Verfassungsschutz
bezeichnet das Nationale Bündnis derzeit als „rechtsextremistisches,
parteiübergreifendes Wahlbündnis“ und schreibt
ihm bereits „überregionale Bedeutung“ zu.
Der NPD-Bundesvize steht an der Vereinsspitze
Dabei fand jenes Treffen am 24. April 2003 in
einem Dresdner Gasthaus lediglich bei ein paar Antifas Beachtung.
Damals vor einem Jahr setzten sich Spitzenvertreter der drei
sächsischen Landesverbände von NPD, DVU und Republikanern
zusammen, um das Nationale Bündnis als Verein in die Welt
zu setzen. Mit Holger Apfel wurde der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende
an die Vereinsspitze gewählt. Dem 34-jährigen Verlagskaufmann,
der in Riesa die Geschäfte des Deutsche-Stimme-Verlages
führt, steht quasi die gesamte Logistik der NPD-Parteipresse
zur Verfügung. Seine Stellvertreter im NBD sind der Dresdner
Rep-Chef Frithjof Richter und der ehemalige Rep-Kreisvorsitzende
Wolfgang Schwarz. Auch alle anderen Vorstandsmitglieder des
Bündnisses sind aktive oder ehemalige Funktionäre
aus den drei rechtsextremistischen Parteien. Seit dem 20. Juni
2003 ist der Verein unter Nummer 4251 im Dresdner Vereinsregister
verzeichnet. Die Zahl seiner Mitglieder schätzt der Verfassungsschutz
mittlerweile auf „über 100“, der Kreis der
Unterstützer „dürfte jedoch um ein Vielfaches
höher liegen“, heißt es in einer jüngsten
Einschätzung des Amtes, die der SZ vorliegt.
Erklärtes Ziel des Vereins ist es, mit den
Kommunalwahlen im Juni ins Dresdner Rathaus einzuziehen und
darüber hinaus den „nationalen Schulterschluss“
zu proben, wie es im NPD-Blatt „Deutsche Stimme“
heißt. Bisher scheiterten ähnliche Versuche, eine
„nationale Opposition“ zu schaffen, am Gezänk
zwischen den Aktivisten von NPD, DVU und Reps. Der Dresdner
Versuch gilt deshalb bei den Verfassungsschützern als „Besonderheit“
in der rechtsextremistischen Parteienlandschaft.
Er funktioniert offenbar besser als erwartet,
da die rechte Szene im Dresdner Raum ohnehin stark vernetzt
ist und deshalb einen Nährboden bildet, auf dem die Grabenkämpfe
zwischen den Rechtsaußenparteien regional überwunden
werden können. Zwischen den hiesigen Aktivisten der verschiedenen
Parteien existiere „eine weitgehende politische Übereinstimmung“,
so der Verfassungsschutz. Hinzu komme Frust an der Basis wegen
der größtenteils ausbleibenden Wahlerfolge der Einzelparteien
und parteiinterner Querelen.
Sachsens Verfassungsschützer nehmen deshalb
die Entwicklung durchaus ernst. Sollte der rechtsextremistische
Wahlverein im Juni ins Dresdner Rathaus einziehen, „so
zeichnet sich bereits jetzt eine Signalwirkung ab“, heißt
es in der Behörde. So sorgte die „überregionale
Bekanntheit“ des NBD nach Ansicht des Verfassungsschutzes
dafür, das in diesem Jahr deutlich mehr Teilnehmer als
sonst beim alljährlichen „Trauermarsch der Rechtsextremisten
am 14. Februar“ gezählt wurden.
Gelegenheit zur Agitation für rechte Aktivisten
Die Reaktion der Bundesvorstände von NPD,
Rep und DVU ist deutlich gespalten. Während NPD-Chef Udo
Voigt von einem „wegweisenden Projekt“ spricht,
stehen die Spitzen der Republikaner und der DVU dem Dresdner
Verein ablehnend gegenüber. Der Republikaner-Bundesvorstand
fasste sogar einen Abgrenzungsbeschluss und leitete gegen den
NBD-Aktivisten Frithjof Richter ein Ausschlussverfahren ein,
bestätigt die Rep-Landesvorsitzende Kerstin Lorenz.
Mit insgesamt 36 Kandidaten bläst der Verein
seit März zum Sturm auf das Dresdner Rathaus. Darunter
befinden sich nach Einschätzung des Verfassungsschutzes
„zahlreiche bekannte Funktionäre und Aktivisten der
rechtsextremistischen Szene“. Neben Mitgliedern der drei
Parteien sind auch Vertreter der vom Staatsschutz ebenfalls
beobachteten Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) und
einer der ehemaligen Betreiber des Dresdner Skinhead-Treffpunktes
„Thor“ auf der Kandidatenliste.
Vom Verfassungsschutz wird bestätigt, dass
sich der Verein bemühe, „eindeutige extremistische
Aussagen in seinen Publikationen zu vermeiden“. Vielmehr
wolle sich der NBD als glaubwürdige Alternative präsentieren,
und mit Themen wie „Globalisierung“ oder „Multikulti“
das Potenzial der Nicht- und Protestwähler erreichen. Bei
internen und öffentlichen Veranstaltungen biete er jedoch
Aktivisten der rechtsextremistischen Szene „Gelegenheit
zur Selbstdarstellung und Agitation“. Nächster Termin
dafür wird der 15. Mai sein. Da hat das Nationale Bündnis
den NPD-Chef Voigt als Redner und den rechtsextremistischen
Liedermacher Frank Rennicke als Sänger eingeladen.
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Sächsische
Zeitung (Lokales Dresden), 16.03.2004
Kommunalwahl
Rechtes Bündnis nominiert 36 Kandidaten
Das Nationale Bündnis Dresden, ein parteiübergreifender
Verein, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hat jetzt 36
Kandidaten für die Dresdner Stadtratswahl am 13. Juni nominiert.
Neben 19 parteilosen Dresdnern wollen sich neun NPD-Mitglieder
und je drei Angehörige von DVU, DP (Deutsche Partei) und
Republikanern zur Wahl stellen. Wie das Bündnis mitteilte,
werden der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel
für den Wahlkreis 13, der stellvertretende Landesvorsitzende
der Republikaner, Harry Bahr, im Wahlkreis 1 und der stellvertretende
Landesvorsitzende der DP, Günter Stange, im Wahlkreis 11
antreten. Der vierte Stellvertreter im Bunde, Alexander Kleber
vom Landesvorsitz der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen,
wird im Wahlkreis 8 antreten. (lex)
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Sächsische
Zeitung (Lokales Dresden ), 23.03.2004
Politik
Stadtratswahlen 13. Juni 2004
Superwahljahr in Sachsen
Tausend Wahlhelfer gesucht
Stadtrat, Ortschaftsräte und Europaparlament sind zu besetzen
/ Wählervereinigungen hoffen auf Unterstützer
392 000 Dresdner haben am 13. Juni die Qual der Wahl. Sie bestimmen
den neuen Stadtrat und die Kandidaten für das Europa-Parlament.
In den eingemeindeten Gebieten wählen sie Ortschaftsräte.
Bettina Klemm
Die Wahlkampfzeit hat in Dresden begonnen. Im Zimmer 14/15 im
Rathaus, Dr.-Külz-Ring 19, bitten bisher die Wählervereinigungen
Auf-Dresden, Bürgerliste und Nationales
Bündnis um Unterstützung. Sie benötigen
je Wahlkreis 19 Zustimmungen, 247 für das gesamte Stadtgebiet.
„Wer eine Unterschrift leisten möchte, muss sich vor
Ort mit einem Personaldokument ausweisen“, sagt Ordnungsbürgermeister
und Stadtwahlleiter Detlef Sittel. Alle Parteien und Wählervereinigungen
müssen bis zum 29. April, 18 Uhr ihre Wahlvorschläge
eingereicht haben.
WAHLWERBUNG
Erste Wahlplakate hängen in der Stadt. Wer bis zum 7. Mai
werben will, benötigt dazu eine Erlaubnis. Außerdem
unterliegt er Beschränkungen. So dürfen nur Stell- und
Hängeschilder angebracht werden. Sie müssen auf Veranstaltungen
hinweisen, die innerhalb der nächsten zehn Tage stattfinden.
Einschränkungen gibt es auch wegen der Verkehrssicherheit.
Zum großen Windhundrennen um die besten Werbeplätze
dürften die Parteien in der Nacht zum Muttertag antreten.
„Ab 8. Mai, null Uhr beginnt die Vorwahlzeit. Dann entfallen
die meisten Beschränkungen für die Wahlplakate“,
kündigt Sittel an. Eigentlich hält Dresden vier Wochen
Ausnahmezeit für das Zuplakatieren der Stadt für ausreichend.
Das Innenministerium empfiehlt jedoch ein bis zwei Monate für
die Vorwahlzeit, also mindestens 31 Tage. Da die meisten Wahlhelfer
ehrenamtlich tätig sind, beginnt die Vorwahlzeit am Wochenende,
am 36. Tag vor den Wahlen.
Die bereits im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählervereinigungen
haben sich zu einem fairen Wahlkampf entschlossen. Das beinhaltet
beispielsweise, dass Werbung anderer Parteien weder entfernt noch
beschädigt wird. Werden Plakate trotz großzügiger
Regelungen zum Beispiel an Kreuzungen und Verkehrszeichen, auf
Brücken oder um Dienstgebäude, Kirchen und Friedhöfe
angebracht, müssen diese entfernt werden.
Geschieht das nicht, übernimmt dies die Stadt und schickt
den Verursachern die Rechnung. Eine Wählervereinigung machte
1999 diese Erfahrung.
WAHLGEBIET
Dresden wurde für die Stadtratswahl in 13 Wahlkreise aufgeteilt.
366 Wahlbezirke werden gebildet. Für die Briefwahl richtet
die Stadt 77 Bezirke ein.
WAHLHELFER
Am 13. Juni benötigt Dresden 3 500 ehrenamtliche Wahlhelfer.
Mehr als tausend werden noch gesucht. Die Wahlhelfer müssen
mindestens 18 Jahre alt sein. Sie erhalten ein Erfrischungsgeld
von 30 bis 60 Euro.
WAHLERGEBNIS
Wegen der Europawahl steht noch nicht fest, ob die Wahllokale
wie üblich um 18 oder erst um 21 Uhr schließen. „Sollte
letzteres der Fall sein, können die Stimmen für den
Stadtrat erst am Montag ausgezählt werden“, sagt Sittel.
www.dresden.de/wahlen, zur EU-Wahl unter www.bundeswahlleiter.de
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Neues Deutschland,
18. 03. 2004
Gescheitertes NPD-Verbotsurteil
Ein Jahr später: Aufmarsch »Stoppt den Synagogenbau!«
NPD betreibt Volksverhetzung, doch Aufstand der Anständigen
bleibt aus
Von Claus Dümde
Die rechtsextreme NPD tritt ein Jahr nach dem Scheitern des Verbotsprozesses
gegen sie aggressiver denn je auf. In Bochum rief sie am vorigen
Wochenende zum Aufmarsch unter dem antisemitischen Motto »Stoppt
den Synagogenbau – 4 Millionen fürs Volk«.
Diese Aktion gegen den Wiederaufbau der Synagoge, die am 9. November
1938 von Nazis bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde, konnte
verhindert werden. Das Verbot durch die Stadt wurde vom Oberverwaltungsgericht
(OVG) Münster und letztlich auch vom Bundesverfassungsgericht
bestätigt. Das Versammlungsmotto, so heißt es in der
Begründung des OVG, grenze die in Deutschland lebenden Mitbürger
jüdischen Glaubens in böswilliger und verächtlich
machender Weise als nicht zum »Volk« gehörend
aus der staatlichen Gemeinschaft aus. Es verletze dadurch deren
Menschenwürde. Und die Karlsruher Richter sahen geplante
Volksverhetzung.
Vollendet war sie massenhaft auch in den Verbotsanträgen
gegen die NPD dokumentiert. Dass viele der Volksverhetzer als
V-Leute des Verfassungsschutzes vom Staat besoldet wurden, war
jedoch in den Augen einer entscheidenden Minderheit von Richtern
ein »nicht behebbares Verfahrenshindernis«. Und so
leugnet oder verharmlost die NPD ein Jahr nach Abbruch des Verbotsverfahrens
weiterhin die Verbrechen der Nazis, hetzt gegen Ausländer
und Juden, nicht nur im Ruhrgebiet: In Dresden macht ein von NPD-Bundesvize
Holger Apfel angeführtes »Nationales
Bündnis« zur Kommunalwahl u.a. dagegen
Stimmung, dass der jüdische Architekt Daniel Libeskind dem
Auftrag zur Umgestaltung des Militärmuseums erhielt. Und
im bayerischen Selben plant die NPD am 3. April eine Großveranstaltung.
Angekündigt ist neben Parteichef Udo Vogt der »nationale«
Liedermacher Michael Müller, zu dessen Repertoire Hetzsongs
wie »Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß
erst an« gehören. Die Stadtverwaltung hat trotzdem
der NPD die Festhalle zur Verfügung gestellt.
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Gesetzentwurf der PDS-Fraktion:
Antifaschistische Klausel ins Grundgesetz
Die PDS-Bundestagsfraktion brachte am 22. Januar 2001 einen Gesetzentwurf
ein, der vorsah, Artikel 26, Absatz 1 Grundgesetz durch eine »Antifaschistische
Klausel« zu ergänzen:
»Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen
werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören,
insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten,
oder nationalsozialistisches Gedankengut wieder zu beleben, sind
verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.«
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Vielleicht stoppt Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber
noch das NPD-Spektakel. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat ihn dazu
aufgefordert. Dass es solcher Appelle überhaupt bedarf, zeigt,
wie es um den vor Jahren beschworenen »Aufstand der Anständigen«
steht. Im März 2001 hatten SPD, Grüne, FDP und PDS im
Bundestag eine lange Entschließung »Gegen Rechtsextremismus,
Fremdenfeindlichkeit und Gewalt« verabschiedet. Drei Jahre
später sind zahlreiche darin aufgelistete Vorhaben, zum Beispiel
eine nationale Beobachtungsstelle Rechtsextremismus, noch immer
Wunschtraum, anderen, vor allem Projekten antifaschistischer,
demokratischer Jugendarbeit, werden immer öfter drastisch
die Mittel gekürzt.
Symptomatisch auch der Umgang der etablierten Parteien mit der
Initiative der PDS-Bundestagsfraktion, ins Grundgesetz eine »Antifaschistische
Klausel« einzufügen (siehe Riegel). Keine andere Fraktion
unterstützte den PDS-Gesetzentwurf . Obwohl er unabhängig
von Verboten der NPD sowie anderer rechtsextremer Parteien und
Organisationen eine solide Grundlage böte, auch strafrechtlich
gegen Neonazi-Umtriebe vorzugehen.
»Wir haben eine sich bestärkt fühlende NPD und
neonazistische Szene«, konstatiert die PDS-Bundestagsabgeordnete
Petra Pau. Sie kennt die Situation recht gut. Monat für Monat
erfragt sie von der Bundesregierung die aktuellen Zahlen über
rechtsextreme Straftaten. Trotz hoher Dunkelziffern und »Nachmeldungen«,
die 2003 bis zu 45 Prozent betrugen, zieht sie auf der monatlichen
Statistik das Fazit: »Rechtsextreme Straftaten bleiben seit
Jahren auf hohem Niveau, täglich wird mindestens eine Gewalttat
ausgewiesen.« Petra Pau sieht im Rechtsextremismus »ein
gesellschaftliches Problem« und schlussfolgert: »Er
muss weiterhin durch die Gesellschaft geächtet und zurückgedrängt
werden.«
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Lausitzer Rundschau,
29.01.2004
Rechte machen Stimmung gegen moderne Architektur
Gruppierung will mit Kampagne ins Dresdner Stadtparlament
Moderne Architektur ist in Dresden ein etwas heikles Thema. In
Elbflorenz, das durch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
viel von seinem einstigen Glanz eingebüßte, haben etliche
Bewohner den Verlust architektonischer Schönheiten bis heute
nicht völlig verwunden. Diesen wunden Punkt versucht seit
einiger Zeit das rechtsgerichtete „Nationale Bündnis
Dresden“ für die anstehenden Kommunalwahlen am 13.
Juni auszuschlachten.
Als Zielscheibe hat sich das Bündnis zwei Bauvorhaben herausgepickt:
den Neubau des Militärhistorischen Museums und ein avantgardistisches
Kinderzentrum, beides Entwürfe des Stararchitekten Daniel
Libeskind, nach dessen Plänen bereits das Jüdische Museum
in Berlin erbaut wurde und der auch den Zuschlag für einen
Neubau an der Stelle des am 11. September 2001 zerstörten
New Yorker World Trade Centers erhielt.
Mit Flugblattkampagnen versucht die rechte Gruppierung –
ein Zusammenschluss aus Mitgliedern von Republikanern, DVU, NPD,
und der Deutschen Partei – Stimmung gegen die geplanten
Libeskind-Bauten zu machen. Im Dresdner Stadtgebiet ließ
sie bislang nach eigenen Angaben 100 000 Flyer verteilen, auf
denen die viel beachteten Entwürfe des renommierten polnisch-stämmigen
Architekten als „Kulturbarbarei“ bezeichnet werden.
Der vorgesehene Museumsbau stehe nicht im Einklang mit „allem
traditionell Schönen“ und führe bei den Dresdnern
zu „Identitätsverlust“ und „Entwurzelung“,
ist das Bündnis überzeugt. Ein ähnliches Flugblatt
ist unterdessen gegen das Kinderzentrum geplant, das in der Nähe
des berühmten „Goldenen Reiters“ entstehen soll,
dem Reiterstandbild Augusts des Starken.
Dem sächsischen Verfassungsschutz ist das Nationale Bündnis
durchaus bekannt. Ziel der in der Gruppierung organisierten Rechtsextremisten
sei es, die nationalen Kräfte im Raum Dresden zu bündeln
und durch so genannte Tabuthemen Protestwähler anzusprechen.
Die Zahl der Mitglieder hat sich nach Angaben der Verfassungsschützer
seit der Gründung im April 2003 von knapp 20 auf mehr als
100 verfünffacht.
Dennoch sieht die Expertin für Kommunalpolitik an der Technischen
Universität Dresden (TU), Sabine Friedl, eher geringe Chancen
für einen Erfolg des Bündnisses in der Politik der Elbestadt.
Zwar würden architektonische und städtebauliche Fragen
in Dresden leidenschaftlich diskutiert. Sie glaube aber nicht,
dass sich die Dresdner von einer rechten Kampagne gegen Libeskind-Bauten
übertölpeln lassen werden.
Unklar ist bislang indes, ob das rechte Bündnis in Dresden
überhaupt zur Wahl antritt, denn neue Parteien und Wählervereinigungen,
die bislang weder im Sächsischen Landtag noch im Dresdner
Stadtrat vertreten sind, benötigen 247 Unterstützerunterschriften,
um flächendeckend an den Start gehen zu dürfen.
Den Sprung ins Stadtparlament hat in Dresden seit der Wende keine
rechte Partei geschafft. Die NPD hatte es bei den Kommunalwahlen
1999 in fünf von zwölf Dresdner Wahlkreisen versucht
– doch mit 0,85 Prozent Wählerzustimmung allerdings
erfolglos.
Von Alessandro Peduto
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