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Die alte Mühle in Rosenthal-Bielatal |
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links die Auslage des "Crimestore" in Pirna, rechts die "Getränkebox", beide betrieben vom Vorsitzenden
der JN-Pirna
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Die ehemalige SED-Kreisleitung jetzt im Besitz des
NPD-KV Vorsitzenden
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Neues vom Nazi-Immoblien-Markt
ART Dresden
Rosenthal-Bielatal. Seit einigen Monaten bauen Nazis in der Sächsischen Schweiz an einem Gebäude in Rosenthal-Bielatal. Die kleine Gemeinde Rosenthal-Bielatal liegt im Süden des Landkreises und hat nicht einmal ganz 2000 EinwohnerInnen. Die alte Mühle des Ortes, die vor 1990 als Ferienlager genutzt wurde, war lange Zeit in Besitz eines bekannten Altnazis aus Niedersachsen.
Heino Janßen aus Zetel in Norddeutschland betitelt sich selbst als "Rechtsberater, Rechtsagent, Rechtsbeistand". In dieser Funktion unterzeichnete er diverse "Verfassungsbeschwerden"", welche teilweise auf die krudesten antisemitischen Verschwörungstheorien Rückgriff nehmen. So behauptet Janßen bspw. unter der Überschrift "Ist die BRD ein Schurkenstaat übelster Art? - Ist Lug, Betrug, Hochverrat u. Mord an Personen u. Volk, die BRD Rechtsgrundlage?" die in der BRD gängige Rechtspraxis sei "nur als satanisch und teuflisch" zu bewerten und das "Volk der Deutschen [solle, Anm. art] für immer ausgelöscht werden". In einem weiteren Schreiben leugnet Janßen offen den Holocaust und bezeichnet die industrielle Massenvernichtung an den Jüdinnen und Juden als "Lüge". Er schreibt: "Dresden, das Bombeninferno, die Brandnacht des Schreckens, wo kamen ummehr, wie Juden von 1933 bis 1945, ist das vergessen? Dr. Litojowski, der jüdische Historiker hat sie mit 350-500 Tausend bemessen, wer da sagt 25.000 oder 6.000.000, wessen Lüge da kundgetan zum Besten?"
Nun stellte Janßen das Gebäude der lokalen Naziszene zur Verfügung. Seitdem bauen hier die ehemaligen Mitglieder der "Skinheads Sächsische Schweiz" (SSS) an einem Jugendclub - oder wie manche vermuten an einem Schulungszentrum. Auskunft über das Anliegen gab Thomas Rackow (Ex-SSS-Member) der Sächsischen Zeitung für einen Artikel, der am 19. Januar 2007 erschien. Rackow selbst wurde nach der offiziellen Auflösung der "SSS" Geschäftsführer der Jungen Nationaldemokraten (JN) in Pirna. Im Artikel beteuerte Rackow, dass kein Schulungszentrum entstehen soll - lediglich ein Jugendtreff.
Doch selbst die Naziszene scheint zu vermuten, dass dies kein Mensch so recht glauben mag. Und so erscheint kurz nach dem SZ-Artikel ein Bürgerbrief des NPD-Blattes "Blickpunkt Sächsische Schweiz". Darin wird den BürgerInnen der Gemeinde versichert, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchen. Davon könnten sie sich beim bald stattfindenenden "Tag der offenen Mühle" selbst überzeugen.
Unterzeichnet wurde diese Einladung von Martin Schaffrath - wie Thomas Rackow auch kein unbekannter. Schaffrath, der noch vor einigen Jahren im Schatten von Mirko Hesse stand, ist nun gerade erst zum neuen Vorsitzenden der JN-Pirna gewählt wurden. Außerdem unterhält er zwei Läden in Pirna und einen Online-Versandhandel. Im "Crimestore" auf der Breiten Strasse bietet Schaffrath Klamotten an, die bei Nazis beliebt sind und in seiner "Getränkebox" auf dem Pirnaer Markt gibt es passend zum billigen Outfit billiges Bier. Am 21.12.2006 gab es in einigen Räumen eine Razzia, da die Polizei gegen ihn, im Zusammenhang mit Fussballrandalen, ermittelt.
Doch nicht nur Rackow und Schaffrath sind mit dem Ausbau der alten Mühle beschäftigt. Stattdessen arbeitet ein Großteil der lokalen Nazisszene am Gebäude in Rosenthal-Bielatal. Und nicht nur die "Alten" der ehemaligen SSS sind am Ausbau beteiligt, auch die "jungen" Nazis der Region sind involviert.
Auffällig ist, dass die Inbesitznahme des Objektes durch Nazis nahezu unbemerkt geschah. Im Gegensatz zu den bisherigen laut geäußerten Kaufabsichten wie beispielsweise in Delmenhorst durch den Nazianwalt Jürgen Rieger blieben die Verhandlungen hier im Verborgenen. Das lässt vermuten, dass dort wo ernsthafte Übernahmeabsichten bestehen, alles getan wird, um die Öffentlichkeit außen vor zu lassen, während offensichtlich angekündigtes Kaufinteresse eher den Charakter einer Ablenkungs- oder Publicity-Maßnahme haben.
Kamenz. Sei Januar 2006 ist der 43jährige Mario Ertel aus Kamenz Vorsitzender des neu gegründeten NPD-KV-Kamenz/Hoyerswerda. Der Handwerkermeister betreibt in Kamenz die "Tomsens Pizzeria" ("Italienische und Deutsche Küche") sowie eine Autolackiererei. Ende 2006 kaufte Ertel in der Kamenzer Innenstadt einen Gebäudekomplex auf der Oststraße, in welchem ehemals die SED-Kreisleitung untergebracht war. Ihm zufolge soll hier eine Bar und "gutbürgerliches Cafe" entstehen. Die Räumlichkeiten geben jedoch aufgrund ihrer Größe noch viele andere Verwendbarkeitsoptionen her. Dass sie auch politisch genutzt werden könnten, verneinte Ertel gegenüber der Sächsischen Zeitung am 30. Januar 2007.
Lokale AntifaschistInnen berichten dagegen, dass er schon Kaufinteresse an einem unmittelbaren Nachbarhaus angemeldet habe, welches bisher von Punks genutzt wird.
Borna. In Borna versucht der Verein Gedächtnisstätte e.V., der sich vorwiegend aus dem Umfeld der Revisionisten und Holocaustleugner des Collegium Humanum speist, unter Mithilfe des ehemaligen Generalstaatsanwalts Alexander von Stahl, eine Gedenkstätte der Vertreibung zu errichten.
Noschkowitz. Das Schloß Noschkowitz bei Waldheim besitzt seit mehreren Jahren der Österreisch Neonazi und Holocaustleugner Raimund Bachmann. Der ehemalige Landesschatzmeister der NDP, der österreichischen Schwesterpartei der NPD, stellt seither regelmäßig - nach Information von Fachleuten - seine Räume für Treffen von Alt- und Neonazis bspw. der Heimattreuen Jugend oder der Artgemeinschaft zur Verfügung.
Annaberg. Im Erzgebirge besitzt der ehemalige NPD-Bundesvorsitzende Günter Deckert nach wie vor ein Haus in Annaberg und einen ehemaligen Gasthof in Gränitz.
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