| Am 18. Februar
1999 eröffnete das "Cafe Germania" auf der Waldschlösschen-straße
16. Dass es im Frühjahr schließen musste, ist weniger antifaschistischen
Gegenaktivitäten zu verdanken, als vielmehr dem Nichtbestehen einer
nationalen Szenekneipe unter den Voraussetzungen der freien Marktwirtschaft.
Bereits in der Nr. 33 der Jungen Freiheit des letzten Jahres1
war nachzulesen, dass Helmar Braun vor dem finanziellen Ruin steht. Geboten
werden sollte in dieser Kneipe "deutsche Musik in deutscher Atmosphäre
bei deutschen Produkten". Unter deutscher Kultur verstanden die Betreiber
Armbrüste, Morgensterne, Schwerter und Schilder an den Wänden.
Gestellt hatte diese germanische Ausstattung der Dresdner Militärladen
"Waffen-Stötzer". Schon zur Gründung der Kneipe gingen die beiden
Betreiber Helmar Braun und Rene Szabo davon aus, dass mit einer
Kneipe für nationales Publikum nicht das große Geld zu verdienen
sei. Aber auch wenn die Ausrichtung des Lokals schon einige BesucherInnen
von vornherein ausschließt, wäre der Deutsche von nebenan gern
als Gast gesehen worden. Dass dieses Konzept nicht greifen konnte, lag
zum Großteil an den Inhabern selbst. Es wirkt auf den normalrassistischen
Deutschen eher abschreckend, wenn schon vor der Tür eine Kneipenordnung
aushängt, auf der darauf hingewiesen wird, dass das "Tragen von Waffen"
unterbleiben müsste und "Parolen und Gesten, die eine behördliche
Schließung bewirken könnten" nicht erwünscht seien. Zusätzlich
wirkten die am Anfang, aufgrund von antifaschistischen Gegenaktivitäten
postierten TürsteherInnen nicht unbedingt einladend. Kurz und knapp,
man war also auf das nationale Skinheadpublikum angewiesen. Und dies konnte
sich nur mäßig für das Etablissement begeistern. Das lag
sicher weniger an dem ursprünglichen Konzept der Kneipe, als an deren
ungünstiger Lage. Für das Publikum fehlte der gewisse Reiz,
der sie animiert hätte, auch mitten in der Woche den doch oft weiten
Weg auf sich zu nehmen. Das Bier konnte man auch in der Kneipe nebenan
trinken und die nationale Musik zu Hause hören. Außerdem ist
das Rumhängen mit den immer gleichen Leuten auch nicht so prickelnd.
Das "Germania" verlor so nach der Anfangszeit seinen Reiz, da auch kaum
außerordentliche Veranstaltungen geboten wurden. Zur Eröffnung
kamen noch ungefähr einhundert Nazis. Aber das normale Laufpublikum
in der Zeit zwischen 19.00 und 1.00 übertraf selten dreißig
Gäste. Da mag die NPD mit ihrem dienstäglichen Aktivistentreffen
noch das größte Publikum gestellt haben. Daneben hielt auch
die DVU ihre Stammtische im Lokal ab. Die JLO füllte
die Kneipe am 22. November mit fünfzig Nazis zu einem "Ostpreußischen
Abend". Das zeigt, dass bei entsprechenden szenegerechten Angeboten die
Nazis auch den Anreiz sahen, die Kneipe zu besuchen. Da aber die Betreiber
selbst wenig anboten, kehrten gar im Anschluss von Demonstrationen oder
anderen größeren Ereignissen nur wenige Nazis ein. Am 20. April
diesen Jahres waren es gerade mal knapp fünfzig. So war die Schließung
im Mai vorhersehbar. Es bleibt nur noch anzufügen, dass der Wunschtraum
Brauns, "daß noch viele Liter Bier durch ihre Kehlen rinnen mögen"2,
zumindest im "Germania" vorerst zu Ende ist. Allerdings ist nicht
davon auszugehen, dass Braun sich jetzt wieder zur Ruhe setzt. Schon vor
der Eröffnung des Germanias plante er ursprünglich ein anderes
Objekt mit einem ganz anderem Konzept. Vielleicht steht auch eine Wiedereröffnung
ins Haus. Darauf sollte aber nicht gewartet werden.
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| Helmar Braun wurde 1991 erster Landesvositzender der Sächsischen Nationalen Liste. Er bewegte sich im Umfeld des Verbandes der sächsischen Wehrwölfe, des Nationalen Widerstandes und der Nationalen Offensive. Mitte der 90er wurde es nach außen hin ruhiger um ihn. 1997 tauchte er im Umfeld der NPD wieder auf und ist heute Mitglied der Partei und Interessent einiger Organisationen im Ausland. Braun bevorzugt die direkte Konfrontation mit vermeintlichen "GegnerInnen". Beim diesjährigen Elbhangfest war er an Übergriffen auf Jugendliche beteiligt. |
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| Hooligans,
die am 24.6. gemeinsam mit Nazis Antifas jagten. |
| 1 siehe "Unvergeßliche Hochzeitsnacht" Seite 5
2 Helmar Braun im Interview mit dem Skinheadfanzine "Der Foiersturm" Nr.6
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