| - 20.
April 2006, Görlitz -
Scheiben in der ehemaligen Synagoge
eingeschlagen
siehe auch Presseberichterstattung der
Sächsischen Zeitung
27. April 2006
Pressemitteilung,
mit Bitte um freundliche Beachtung
Wir haben es satt - Antisemiten stoppen!
In Görlitz wurden in der Nacht zum
21. April neun Scheiben der ehemaligen Synagoge zerstört.
Die Polizei - wen wundert's - tappt im Dunkeln und
sucht Zeugen.
Angesichts der alltäglichen körperlichen Gewalt gegenüber
denen, die als nichtdeutsch oder anders aussehend und denkend
wahrgenommen werden, sind zerstörte Scheiben eine Lappalie.
Jedoch nicht, wenn sie in der Nacht des Hitlergeburtstags zerstört
werden und nicht wenn es sich um eine Synagoge handelt.
Wer die Scheiben einer Synagoge zerstört, hat nicht bloßen
Vandalismus zum Ziel.
Die Täter wollen ein Zeichen setzen. Ein Zeichen dafür,
dass Juden und Jüdinnen vertrieben werden sollen, dass sie
in einem Klima der stetigen
Angst und Bedrohung leben sollen und dass sie schlussendlich kein
Existenzrecht haben.
Die Synagoge zu Görlitz - die einzige in Sachsen die während
der Reichspogromnacht nicht zerstört wurde - ist den lokalen
Nazis schon lange
ein Dorn im Auge.
Immer wieder treten sie mit antisemitischen Hasstiraden in die
Öffentlichkeit und immer wieder ignoriert diese Öffentlichkeit
sie
weitestgehend.
Erst kürzlich wurde bekannt, dass mitten in der Görlitzer
Innenstadt ein Hakenkreuz in das Straßenpflaster von Unbekannten
eingesetzt wurde.
Während einer Gedenkveranstaltung am 9. November 2005 provozierten
Görlitzer Neonazis mit einem Transparent mit der Aufschrift
"Widerstand-Damals wie heute" und Fackeln.
Im Vorjahr störten 8 Neonazis eine Gedenkandacht mit "Sieg
Heil"-Rufen. Dem sich im Anschluss an die Andacht sich formierenden
Schweigemarsch
folgen die Neonazis und unterhalten sich dabei hörbar: "Bald
werden noch 6 Millionen sterben." Während der Schweigeminute
rufen sie "Jetzt geht die Party richtig los."
Im März 2003 skandieren Neonazis während eines Fussballspiels
zwischen dem NFV Gelb-Weiß Görlitz und Dynamo Dresden
antiamerikanische und
antisemitische Parolen.
Im Oktober und November 2002 werden in der Innenstadt Hakenkreuze
und Schriftzüge wie "Protokolle der Weisen von Zion.
Lest sie." gesprüht.
In den letzten Monaten konnten Görlitzer Neonazis mehrfach
ungestört Kundgebungen und Flugblattverteilaktionen durchführen.
So geschehen beispielsweise am 23.Februar 2006 (Mahnwache zum
Todestag von Horst Wessel), am 13. Februar 2006 (Kundgebung zur
Bombardierung Dresdens), am 17. August 2005 (Kudgebung am Todestag
von Rudolf Hess), am 7. Mai 2005 (Flugblattverteilung zur "Befreiungslüge").
Die genannten Beispiele sind nur die Spitze des Eisberges. Gestärkt
durch eine weitgehende Ignoranz seitens der zuständigen Behörden
und Teilen der Bevölkerung können Neonazis in Görlitz
oftmals ungestört agieren. Ein erster Schritt dagegen könnte
ein besserer Schutz der ehemaligen Synagoge sein.
Daher unterstützen wir als Antifaschistinnen und Antifaschisten
aus Dresden die Forderungen der Mitglieder der Jüdischen
Gemeinde
Görlitz/Zgorcelez.
Antifa Dresden
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Presseberichte:
Sächsische Zeitung, 25. April 2006
Görlitzer Jüdische Gemeinde
fordert Polizeischutz
Görlitz. Die Jüdische Gemeinde
von Görlitz hat die Stadt aufgefordert, die ehemalige Synagoge
besser zu bewachen. Entweder müsse ein Wächter eingestellt
oder das Gebäude durch die Polizei regelmäßig
kontrolliert werden, sagte Mira Gelehrter, Vorsitzende der Jüdischen
Gemeinde, gestern der SZ.
Gleichzeitig forderte sie Stadtverwaltung und Staatsanwaltschaft
auf, ihre Aufklärungsarbeit zu beschleunigen. Unbekannte
hatten in der Nacht zu Freitag Fensterscheiben eingeschlagen.
Der Förderkreis Görlitzer Synagoge hat indes erneut
vorgeschlagen, das ehemalige Gotteshaus für den Ethik- und
Religionsunterricht zu nutzen. Dabei sollen erfahrene Lehrer über
jüdische Kultur informieren. Die Jüdische Gemeinde Görlitz
besteht zurzeit aus acht Mitgliedern.
Sächsische Zeitung Sachsen
22.04.2006
Steinwürfe auf die Görlitzer
Synagoge
Sachschaden. Unbekannte haben in der Nacht
zum Freitag die Görlitzer Synagoge mit Steinen beworfen.
Dabei gingen neun Glasscheiben in vier Fenstern des ehemaligen
jüdischen Gotteshauses zu Bruch. Die Kriminalpolizei ermittelt,
hat bisher aber keine Erkenntnisse auf einen extremistischen Hintergrund.
Die Synagoge an der Görlitzer Otto-Müller-Straße
hatte 550 Plätze und wurde 1911 geweiht. Sie gehört
zu den wenigen jüdischen Gotteshäusern, die in der Pogromnacht
1938 unversehrt blieben. Nach 1945 wurde sie Lagerhaus und verfiel.
Eine 1991 begonnene Sanierung ist noch nicht abgeschlossen. (SZ/rs)
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