Aufruf
zur Kampagne "Der NPD den Boden entziehen"
Im August diesen Jahres titelte die Lokalpresse, die NPD habe
Interesse an einem Grundstück mit Tennishalle in Dresden-Pappritz.
Sie wolle dort ihren Bundeswahlkongress durchführen und das
Grundstück für weitere Veranstaltungen kaufen. Der Kongress
wurde verlegt und fand in Mehlteuer, gelegen zwischen Meißen
und Riesa, wenige Kilometer von Dresden entfernt, statt.
Das Kaufinteresse besteht noch immer. Ob die Tennishalle in Pappritz
als neuer Veranstaltungsort herhalten muss, wird sich zeigen,
auf jeden Fall ist Wachsamkeit geboten. Aus diesem Grund haben
sich verschiedene Gruppen, Initiativen, Einzelpersonen und AnwohnerInnen
zu der Kampagne „Keine Geschäfte mit Nazis - Der NPD
den Boden entziehen“ zusammengeschlossen.
Ziel ist es, sich dem Treiben einer Vereinigung organisierter
Alt- und Neonazis, welche die NPD ist, entgegenzustellen und ihnen
weder hier noch anderswo eine Basis und Anlaufpunkte für
das Verbreiten ihrer rassistischen und antisemitischen Hetze zu
bieten.
Nazi-Immobilien
Seit einiger Zeit sind in Nazi-Kreisen vermehrt Bestrebungen
zum Kauf von Immobilien und Grundstücken zu bemerken. Auch
die NPD ist momentan auf der Suche nach größeren Objekten,
in denen sich eine ganze Reihe von Veranstaltungen – von
einfachen Parteitreffen über Konzerte bis hin zu Großevents
mit tausenden TeilnehmerInnen - unkompliziert und preisgünstig
durchführen lassen.
Der verurteilte Ex-NPD-Chef und Nazi-Hardliner Günther Deckert
besitzt bereits zwei Häuser in Sachsen und Nazi-Anwalt Jürgen
Rieger (Anmelder des "Rudolf-Hess-Gedenkmarsches" in
Wunsiedel) ist Eigentümer mehrerer Immobilien in Thüringen,
unter anderem des "Schützenhauses" in Pößneck,
welches als Nachfolgelocation der Diskothek "Wodan"
in Mücka fungiert. Im "Wodan" fanden bis Anfang
dieses Jahres zahlreiche Nazi-Konzerte und im letzten Sommer das
"Deutsche Stimme Pressefest" mit über 5000 angereisten
Nazis statt.
Die NPD sucht derzeit speziell in "ihrer Hochburg" Sachsen
nach Gebäuden, in denen ein sogenanntes "Veranstaltungszentrum
für Mitteldeutschland" entstehen soll. Ausdrücklich
gewünscht wurde in diesem Zusammenhang die Nähe zur
Sächsischen Schweiz und gleichzeitig die Anbindung an eine
Stadt wie Dresden, wo die NPD im Stadtrat und mit Fraktionsstärke
im Landtag vertreten ist. Außerdem befinden sich seit kurzem
zwei Abgeordnetenbüros der Nazis und die sächsische
NPD-Zentrale auf der Lockwitzgrundstrasse.
Die Hintergründe derartiger Bestrebungen sind vielfältig.
Grundbesitz bedeutet Hypothek- und Kreditwürdigkeit, was
den finanziellen Handlungsspielraum der NPD nachhaltig erweitern
würde. Selbst wenn es den Nazis in der nächsten Legislaturperiode
nicht gelänge, weiterhin in den diversen Stadträten
und Landtagen vertreten zu sein, wäre eine finanzielle Absicherung
gegeben. Die aufwendige Suche nach geeigneten Räumen für
Großveranstaltungen entfiele.
Weiterhin würde ein Zentrum wie das, was die NPD in Sachsen
anstrebt, zum Anlauf- und Vernetzungspunkt der örtlichen
und überregionalen Nazi-Szene werden, und zur noch stärkeren
Verankerung und Verfestigung der Strukturen beitragen.
Es ist kein Zufall, dass die NPD sich bei der Suche nach Lokalitäten
nach eigenen Angaben besonders auf Sachsen bzw. wie es bei ihnen
heisst „den mitteldeutschen Raum“ konzentriert. Die
Spitzenergebnisse der Kommunal- und Landtagswahlen deuten auf
eine starke Verankerung und Akzeptanz in der Bevölkerung
hin.
Die Gemeinden und Städte in Sachsen ignorieren die fortschreitende
Organisierung der Nazis seit Jahren und sind nicht einmal durch
einen Bombenanschlag wie letztes Jahr in Wurzen zu beeindrucken
und auch nicht durch anhaltende schwere Naziübergriffe.
Das Gelände in Pappritz, an dem die sächsische NPD zuletzt
Kaufinteresse bekundete, ein 10 Hektar großes Grundstück
-bebaut mit einer Tennishalle - würde Platz bieten für
Veranstaltungen mit mehreren tausend Nazis. Dadurch erweitert
sich auch das mobilisierbare Spektrum erheblich. Da trifft dasStiefelnazi
aus der hintersten Provinz auf die Ideologin aus der Großstadt,
es ergeben sich Möglichkeiten zu Informationsaustausch, ideologischer
Schulung und zum Ausbau der Vernetzung.
Der gegenwärtige Eigentümer der Pappritzer Tennishalle,
Wolfgang Jürgens, ist ein weiteres Paradebeispiel für
nicht vorhandenes Problembewusstsein. Bereits im bayerischen Grafenwöhr
verkaufte er eine Tennishalle an die NPD, dort schritt jedoch
die Stadt ein und machte von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch.
Jürgens freute sich über den guten Deal, er scheint
sich nicht darum zu scheren, dass er RassistInnen, AntisemitInnen
und RevisionistInnen eine Plattform darbietet, die es ihnen ermöglicht,
ihre menschenverachtenden Ideologien zu propagieren.
Konglomerat von militanten RassistInnen
und AntisemitInnen
Auch wenn die NPD sich redlich bemüht, ihr Image der erwiggestrigen
Altnazi-Vereinigung durch ein Bild junger, bürgernaher IdealistInnen
zu ersetzen, bleiben die Inhalte ihres Wahlprogramms stets dieselben,
die schon zum NPD-Verbotsverfahren und - unvorsichtiger formuliert
oder gar praktisch umgesetzt - zu Verurteilungen und Gefängnisstrafen
ihrer Mitglieder und SympathisantInnen führten.
Auch hält sie mit ihrer Integration der sogenannten Freien
Kräfte in die Parteipolitik nicht hinter dem Berg, so traten
2004 mehrere einschlägig bekannte militante Neonazikader
in die NPD ein. Thorsten Heise wurde sogar in den Bundesvorstand
gewählt.
Die NPD steht nach wie vor für eine rassistische Ausländer-
und Abschiebepolitik, die sich auch in ihrem neusten Wahlprogramm
nahezu unverhohlen niederschlägt.
Da ist die Rede von einer Rückführungsabgabe, mit der
Unternehmen, die Ausländer beschäftigen, besteuert werden
sollen, um die staatliche Abschiebung zu finanzieren, von Grundbesitzverbot
für Nicht-Deutsche, der Ausgliederung aus dem Sozial- und
Rentenversicherungssystems und natürlich den dauerhaft beschworenen
"kriminellen Ausländern".
Andernorts knüpft die NPD fast nahtlos an den Nationalsozialismus
an, wenn sie sich z.B. für die Abschaffung der §§
130 u. 86a StGB (Volksverhetzung, Verwendung verfassungsfeindlicher
Symbole) einsetzt.
Tief blicken lässt sie auch, wenn sie von der Globalisierung
als der „neuen Weltordnung der US-Ostküste“ spricht.
Das ist nichts anderes als eine Wahnvorstellung vom „internationalen
Finanzjudentum“ mit angeblichem Sitz an der amerikanischen
Ostküste, die sich unter AntisemitInnen in der ganzen Welt
verbreitet hat.
Im Endeffekt beziehen sich alle „Visionen“, die die
NPD aufbieten kann, und die unter anderem auch in jedem Punkt
ihres Wahlprogramms auftauchen, auf die Idee der sogenannten „Volksgemeinschaft“.
Dies bedeutet eine abgeschottete Gesellschaft, ohne jegliche Kontraste
und Unterschiede, unter einem Führer, und in Bezug auf Deutschland
im Konkreten Arisierung und Germanisierung.
Was eben diese Ideologie impliziert, zeigt die Geschichte Deutschlands,
die industrielle Massenvernichtung all jener, die nicht als Teil
der sogenannten „Volksgemeinschaft“ betrachtet wurden.
Deshalb ist es wichtig sich gemeinsam offensiv
gegen Neonazis zu engagieren.
Keine Geschäfte mit Nazis - Der NPD
den Boden entziehen! |