Jörg Friedrich, the
troublemaker, ist immer noch in Deutschland unterwegs, um sein hinlänglich
bekanntes Buch „Der Brand“ vorzustellen. Und die Dresdner
kamen in Scharen, um zu lauschen, was Jörg Friedrich so schön
formulieren kann mit seinem Detailwissen und dem Vokabular aus der
Shoa-Forschung: Dass die Alliierten, die das 3. Reich besiegten,
einen „Vernichtungskrieg“ gegen die Deutschen geführt
hätten.
Der „umstrittene“ Autor Friedrich war am 4. September
in Dresden ein schöner Garant für Troubel. Etwa 30 AntifaschistInnen
nahmen das freudige Ereignis zum Anlass, sich mal wieder zu amüsieren.
Aber wer hatte nur wieder diese Neonazis eingeladen? Anti-Antifa-Aktivist
Sven Hagendorf hatte eine Gruppe Jungneonazis um sich geschart um
die Veranstaltung zu besuchen und auch Ellie Dobberstein und andere
ältere Neonazis aus dem JLO-Spektrum hatten sich ebenso eingefunden.
Wie auch immer, schliesslich waren
alle im überfüllten Saal versammelt und es konnte losgehen.
Die ersten Worte der Eröffnungsrednerin gingen im tosenden
Applaus der begeisterten Meute unter. Doch diese Einigkeit war
schnell vorbei. Offensichtlich waren die Vorstellungen zum Ablauf
der Veranstaltung sehr unterschiedlich. Die zunehmend verzweifeltere
Rednerin war besorgt um die nicht enden wollenden Diskussionen
des Publikums. Ob denn Zwischenrufe jetzt schon angebracht sind,
ob denn tatsächlich Neonazis anwesend seien, ob die Luft
nicht viel zu trocken sei, ob es jetzt nicht erstmal ums Zuhören
ginge, ob die Bücher des Jörg Friedrich nicht zu teuer
seien? Immer mehr Leute aus dem Publikum mischten sich mit ihren
statements ein. Einige durften sogar Ansprachen vom Podium aus
halten, da die Moderation Unterstützung brauchte.
Eine Abstimmung musste her. So wurde denn gefragt, wer jetzt eigentlich
zuhören wolle? Bei den meisten ging der rechte Arm recht
einschlägig in die Höhe, aber letztlich meldeten sich
irgendwie alle. Einige verlangten der Demokratie wegen auch die
Gegenfrage und so hiess es ziemlich leise noch: „Und wer
möchte stören?“ Aber da waren die Publikumsdiskussionen
schon längst wieder in vollem Gange und Jörg Friedrich
übernahm den schwierigen Part, gegen die Zwischenrufe anzureden,
in dem er seine Lesung begann. Auch er scheiterte kläglich.
Dann der Auftritt der Polizei: Ein paar Leute wurden herausgeschleift,
auf dem Gang draussen liefen Auseinandersetzungen mit der gewalttätigen
Polizei, drinnen flogen Unmengen von Flugblättern, ein Union
Jack wurde gehisst und schliesslich platzten einige Stinkbomben
und alle schrieen sich nur noch an. („Sie wollen uns vergiften!“)
Jörg Friedrichs statement zur Störung lautete wie schon
einmal in Göttingen, als der Eingang zur Veranstaltung von
AntifaschistInnen blockiert war: hier seien „SA-Taktiken“
angewandt worden – nur hat das in Dresden kaum jemand gehört,
weil das Geschrei noch zu groß war.
Die Polizei machte den tobenden Saal dicht und liess niemanden
mehr hinein. Es wurde zunehmend ruhiger, nur breitete sich ein
unheimlicher Gestank aus. Wem das schon gereicht hatte für
den Abend, verliess den Saal.
Die anderen harrten aus. Die einen lachend, die anderen voller
Fanatismus sich nun endlich im Opfertum suhlen zu können.
Der Friedrich’schen Vortrag wurde gehalten. Recht langweilig,
von einigen „Perlen“ abgesehen:
"Die meisten Menschen in D-Land kämpften mit nackten
Körpern gegen die vollkommenste Waffengewalt die je in der
Geschichte aufgetaucht war."
"Der Masterbomber (Koordinierungsflieger) war der Regisseur
der Vernichtung".
"Die Menschen in den Kellern wurden erschlagen, verbrannt
und vergast."
Die aus dem Saal gegangenen AntifaschistInnen trieben sich nun
im Veranstaltungsgebäude und davor herum und machten allerlei
Unsinn. In Jörg Friedrichs Autolüftung wurden Stinkbömbchen
entleert, ebenso auf den Toiletten und schliesslich gab es Feueralarm.
Die anwesende Polizei kümmerte sich um den Alarm und gab
nach einer Weile über Funk durch: „Kein Feuer, nur
eine eingeschlagene Scheibe.“ Der durch den Polizei-Einsatz
angelockten Dresdner Morgenpost hingegen erklärte ein Polizist,
hier sei alles unter Kontrolle und der Alarm sei zu Testzwecken
von der Polizei ausgelöst worden.
Im Saal liess man sich aber durch nichts mehr stören. Egal
unter welchen Bedingungen, die brisante Veranstaltung musste weitergehen.
Auch die Diskussion fand noch statt, an der sich auch KritikerInnen
beteiligten.
Ja, so war das. Und die Neonazis hatten überhaupt nichts
von sich hören lassen, sie haben sich teils anfangs schon
verpisst.
Das Flugblatt zur Veranstaltung:
4. September 2003 – Jörg Friedrich in Dresden
Deutsche
Täter sind keine Opfer!
„Die Deutschen werden wohl nicht eher
Ruhe geben, bis sie den Krieg doch noch gewonnen haben.“
Vorbemerkung
Angesichts der Jörg Friedrich’schen
Verdrehungsversuche wollen wir hier noch einmal festhalten: Es
waren die Deutschen, die im Nationalsozialismus die Shoa verübten,
es waren die Deutschen, die versuchten mit industriellen Massenmord
das europäische Judentum zu vernichten! Es waren die Deutschen,
die einen Vernichtungskrieg mit eben jenem Ziel begannen und die
dem „totalen Krieg“ (Göbbels) zustimmten. Deutsche
Zivilisten waren es, die Munition für den Vernichtungskrieg
drehten, die von ZwangsarbeiterInnen profitierten (welche bis
heute nicht alle entschädigt sind) und so weiter und so fort!
Schliesslich waren es deutsche Zivilisten, die, als der Krieg
nicht mehr zu gewinnen war, im Volkssturm gegen die Alliierten
vorgingen!
Von der Volksgemeinschaft zur Opfergemeinschaft
Jörg Friedrich und der Erfolg seines
Buches „Der Brand“ profitieren vom deutschen Umdeutungsdiskurs,
der mehr will als nur einen Schlussstrich unter der Geschichte
des NS. Mit ähnlicher Emphase wie seinerzeit Walser bei seiner
Paulskirchenrede 1998 oder Günther Grass mit seinem Buch
"Im Krebsgang" unterstützt Friedrich die geschichtsrevisionistische
Täter-Opfer-Verdrehung der Deutschen.
Projektion der Deutschen Verbrechen
Als Kenner und Mitgestalter der Shoa-Forschung
leugnet Jörg Friedrich nicht die deutschen Verbrechen, sondern
projiziert sie auf die alliierten Bombenangriffe, indem er sie
mit dem Vokabular der Shoa beschreibt. Beispiele: Er nennt die
Keller der brennenden Häuser "Krematorien" und
er nennt die Bombenangriffe ohne erklärenden Kontext "Zivilisationsbruch".
Delegitimierung der Alliierten Kriegsführung
Gerade die Deutschen, die die Letzten wären,
sich darüber zu beschweren, dass jemand ihrem grausamen Treiben
ein Ende setzte, maßen sich an, die Kriegsführung der
Alliierten im 2. Weltkrieg solcherart zu diffamieren, wie es Jörg
Friedrich und vielmehr noch seine Leser tun.
Diese Art und Weise der Geschichtsfälschung
ist in Dresden bekannt als "Gedenken an den 13. Februar 1945".
Jörg Friedrich outet sich als Sprachrohr des deutschen Mobs,
der keine Unterschiede kennt zwischen bürgerlichen Wohnzimmerfaschisten,
"trauernden Dresdnern" und organisierten Neonazis.
Jörg Friedrich Veranstaltung in
Dresden
Angekündigt wurde die Veranstaltung
in einem langen üblen Artikel im „Feuilleton“
der Dresdner Neuesten Nachrichten am 3. September 2003. Der Autor
Christian Ruf formuliert Friedrichs Thesen noch unverblümter
und noch deutlicher. Gleich zu Beginn des Artikels wird die deutsche
und die alliierte Kriegsführung gleichgesetzt.
Veranstaltungsort ist der „Otto Beisheim
Saal“ an der Technischen Universität Dresden. Beisheim
war in der Waffen-SS und ist heute einer der 100 reichsten Deutschen.
Als Gönner auftritt der TU erhielt er die Ehre, Namenspatron
des Festsaals der Wirtschafts-Wissenschaftlichen Fakultät
an der TU Dresden zu werden. Dieser Saal war auch während
der NS-Zeit Gefängniskapelle des benachbarten Knastes.
Dies alles sind Gründe über Gründe,
die Veranstaltung zu verhindern!
Zum Schluss sei gesagt: Die meisten Gegner
des NS freuten sich über die Bomben als Zeichen der Befreier.
„Lieber eine Bombe auf dem Kopf als
Auschwitz!“
No Amnesty for Germany! No Tears for
Krauts! |

Verstärkung für die Veranstaltungsleitung und Zivilcourage
gegen Zwischenrufe.

Zivilcourage II 
Die Abstimmung - der rechte Arm der Deutschen...

... unglaublich. Gelernt ist gelernt, oder was?
Flugi-Abwurf.

Im Publikum. Ganz links die Stirn von Neo-Nazi-Kader Sven Hagendorf.

Jörg Friedrich am Rednerpult. |