Die Dresdner Burschenschaft Cheruscia
hatte sich am 9. Dezember 2004 wiedermal einen Referenten geladen,
der aus seinen antisemitischen und nazistischen Sichtweisen keinen
Hehl macht. Der ex- Brigadegeneral des Kommandos Spezialkräfte
(KSK) Reinhard Günzel hielt im Burschenschaftshaus auf der
Eisenstuckstraße 50 einen Vortrag mit dem Titel „Das
Ethos des Offizierskorps am Beispiel der Affäre Hohmann/Günzel“.
Günzel wurde am 4. November 03 gefeuert, nachdem er einen
Unterstützerbrief für Martin Hohmanns antisemitische
Reden am 3. Oktober 2003 verfasst hatte. Bis dahin konnte er in
der deutschen Bundeswehr eine hochrangige Position innehaben,
obwohl er schon 1995 auffiel, weil er von seiner "Truppe"
Disziplin "wie bei der Waffen-SS" forderte.
Nachdem er seinen Posten eingebüsst hat, reist Günzel
mit einem Vortrag durch die Lande indem er über den "Ethos
des Offiziers" klagt, und dabei vor allem über die seiner
Meinung nach mangelnde "kameradschaftliche Sympathie",
die ihm nach Dienstende zuteil wurde.
Wie schon zu seiner Veranstaltung am 24. November 04 in Göttingen,
wo 300 Antifaschistinnen gegen ihn demonstrierten war Günzel
auch in Dresden nicht davor gefeiht.
Die "Antifa Hochschul-Gruppe" hatte gegen die Veranstaltung
der Cheruscia aufgerufen.
70 Antifaschistinnen hatten sich einfunden und blockierten den
Weg zum Veranstaltungsort. Günzel versuchte, gemeinsam mit
5 Burschenschaftlern, sich an der Blockade vorbei zu schmuggeln.
Dies gelang ihm und seinen Mitstreitern nicht ganz ohne Blessuren.
In einer extra jammrigen Pressmitteilung schreiben die Veranstalter
der Cheruscia hinterher: " Dabei wurde General Günzel
von ca. 15 Personen tätlich attackiert und am linken Auge
verletzt. Seine Brille ging dabei verloren. Weiters prasselten
auf die Gäste von General Günzel Eier nieder. Erst durch
das beherzte Eingreifen der Polizei konnten die Störer von
weiteren Straftaten abgehalten werden." (Fehler im Original)
Presse:
Jungle World, 15. Dezember 2004:
Rechts, zwo, drei, vier
Sächsische Zeitung, 11. Denzember 2004:
Reinhard Günzel
Antifa Hochschulgruppe
Dresden, den 9. Dezember 2004
Presse-Erklärung
Gelungener antifaschistischer
Studentenprotest
Die Antifa Hochschulgruppe der TU Dresden initiierte am 9. 12.
2004 um 19 Uhr eine Gegenveranstaltung zu dem geplanten Vortrag
von Ex-General Reinhard Günzel bei der Burschenschaft Cheruskia.
Thema war Günzels Unterstützung für die antisemitische
Rede Martin Hohmanns am 3. Oktober 2003.
Susanne Lange von der Hochschulgruppe sagte "Wir freuen
uns, dass sich so viele KommilitonInnen unserem Protest gegen
den Ex-General Günzel angeschlossen haben, einem Mann, der
offen mit Neonazis verkehrt. Auch in Zukunft wird sich die Antifa
Hochschulgruppe solchen oder ähnlichen Veranstaltungen entgegenstellen."
Zur angegebenen Uhrzeit fanden sich ca. 70 Personen vor der Buchhandlung
der TU Dresden ein. Teilnehmerinnen erfuhren, dass Günzel
mit Burschenschaftlern in einem nahe gelegenen Lokal zu Abend
ass.
Die Versammlung zog mit einem Transparent der Antifa Hochschulgruppe
vor das Lokal und machte lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam.
Über Megafon wurde ein Redebeitrag zu Günzel, der Burschenschaft
Cheruskia und deren braunem Betreiben verlesen.
Passanten wurden durch Flyer und Parolen über die gerade
stattfindende Blockade Günzels informiert. Es kam daraufhin
zu spontaner Unterstützung.
Eine sich nähernde Gruppe von ca. 10 Neonazis wurde zum
Verlassen des Schauplatzes angehalten und leistete ohne Widerspruch
Folge.
Als Günzel und Gefolgschaft schliesslich durch den Hinterausgang
das Lokal verliess, kam es zu Eierwürfen auf diese Gruppe.
Nach einem abschließenden Redebeitrag entschloss sich die
Hochschulgruppe die Aktion zu beenden.
up
Günzel-shocking
in Dresden
von Antifa Hochschulgruppe - 10.12.2004
Günzel war heute als Referent der Burschenschaft Cheruskia
in Dresden. Das ist ihm nicht gut bekommen. Die Antifa Hochschulgruppe
der TU Dresden hatte zum Protest aufgerufen und der traf Günzel
dann doch ziemlich direkt.
Gegen 19 Uhr trafen sich ca. 70 AntifaschistInnen vor der Buchhandlung
der TU Dresden, um gegen den Vortrag von Reinhard Günzel
in eigener Sache - „Ethos des Offizierkorps am Beispiel
der Affäre Hohmann/Günzel“ - zu protestieren.
Schnell wurde Günzel in einer Gaststätte in der Umgebung
ausgemacht und der Eingang dieser blockiert. "Günzel,
Hohmann und Hans-Peter - Keine Opfer, sondern Täter!"
und "Bundeswehr und Burschenschaft - gehören schleunigst
abgeschafft" wurde gerufen.
Die zwischenzeitlich vorbeischauenden Neonazis suchten das Weite.
Günzel und die Burschenschaftler entschieden sich nach dem
Essen lieber für den Hinterausgang. Mannhaft wollte die Truppe
über einen Umweg zum Burschenschaftlerhaus der Cheruskia
gelangen, ohne sich der Hilfe der Polizei zu bedienen.
Das jedoch ging schief, sie gerieten in einen Eierbeschuss und
mussten sich als "Tätervolk" u.ä. beschimpfen
lassen.
Erst spät gab die Polizei ihren Posten gegenüber dem
Eingang der Gaststätte auf und nahm sich der Burschi-Bande
an. Da wirkten sie allerdings schon sehr verzweifelt und die Strasse
hallte noch vom "Schwarz war die Nacht, Rot war der Schnee
- Von allen Seiten die Rote Armee".
up
Ex-General Güntel
hält Vortrag in Dresden
von hans primas - 09.12.2004
Der wegen der Hohmannaffäre unehrenhaft entlassene Brigadegeneral
Reinhard Günzel hielt heute abend in Dresden bei der Burschenschaft
Cheruskia vor einem willigen und unkritischen Publikum einen Vortrag
mit dem Titel "Ethos des Offizierkorps am Beispiel der Affäre
Hohmann/Günzel". Im Vorfeld gab es eine lustige Antifa
aktion dazu.
Am Donnerstag den 9.12.2004 fand im Haus der Burschenschaft Cheruscia
ein von dieser organisisierter Vortrag von Brigadegeneral a.D.
Günzel statt. Es waren ca. 60 Leute anwesend, die meisten
so um die zwanzig ca. ein Viertel um die 60.
Nach dem Günzel den Raum betreten hatte und von einem Kameraden
angekündigt worden war, standen ungefähr 70% der Hörer
auf und applaudierten. Dann begann die Rede.
Als einleitende Worte erzählte er dass er sich freue mal
wieder in Sachsen zu sein, diese Freude aber etwas getrübt
worden war, durch eine Gruppe „Gutmenschen“, die auch
dafür gesorgt hatten, dass er sich hier eine neue Brille
leihen müsse. (Von dieser Art waren viele seiner Bemerkungen:
Es werden keine Aussagen formuliert, sondern Andeutungen gemacht,
die dann der Hörer weiterspinnen kann) Dazu verwunderte es
ihn weiter, dass es immer wenn er irgendwo einen Vortrag hält
ein großes Polizeiaufgebot gäbe, so viel also von der
freien Meinungsäußerung gehalten werde. Nachdem er
die Hohmann/Günzel –Sache aus seiner Sicht erläutert
hatte (sein Brief unter der Verletzung des Briefgeheimnisses geöffnet,
Struck ihn viel zu schnell gefeuert, Hohmann habe im Konjunktiv
geredet, weder Juden noch Deutsche seien Tätervolk (Applaus)...)
verfiel er in Selbstmitleid, keiner seiner Kameraden rede mehr
mit ihm und er habe eben das Pech als einer des Gegnerischen Lagers
geoutet worden zu sein.
Zur Wehrmacht bedauerte, dass als ihre einzige Heldentat der 20.
Juli gefeiert, werde aber der Ruhm ihrer sonstigen Tugenden wie
der Mut, die Opferbereitschaft und Tapferkeit der deutschen Soldaten
geschmälert wurden. Er beanstandete an der heutigen Bundeswehr
und den „Kaderschmieden für den Führernachwuchs“
dass der
“Chorgeist“ geringer sei als im Zentralrat der Juden,
wo Paul Spiegel dem Friedmann sogar „richtige Verbrechen“
verziehen habe.
Jetzt wo Deutschland einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat
wolle, da wäre es falsch die Bundeswehr zu verkleinern, da
ein Land mit einer kleinen Armee aussenpolitisch an Bedeutung
verliere.
Alle Fernsehsender seien linksunterwandert (Einruf: Das ist alles
Dummbrot (meint: nicht linksunterwandert sonder dummbrotunterwandert))
Die Junge Freiheit sei eine mutige frische Zeitung.
Er sagte auch seinen Satz: „Dass im Namen dieses Krebsgeschwüres
'Political Correctness' Geschichte gefälscht und Recht gebeugt
wird...“
Am Ende der Fragerunde wurde er gebeten ein Paar Beispiele für
Geschichtsfälschung zu nennen, worauf er auf einen Professor
... verwies welcher als er den Vergleich zwischen Nationalsozialismus
und Kommunismus gewagt und außerdem die alleinige Schuld
Deutschlands am 1. Weltkrieg in Frage gestellt hatte, deswegen
arge Probleme bekommen hatte. Auf die wiederholte Bitte Beispiele
für Geschichtsfälschung zu nennen, wurde es im Raume
laut, jemand meldete sich und wollte auch diese Frage beantwortet
bekommen. Leute fingen an die verschiedensten Namen von Orten
und Personen zu nennen mit denen ich nichts anfangen konnte. Und
die Veranstaltung wurde durch einen lauten Ruf „Siiiiiiiiiiiiillentium“
beendet. Man beugte sich der Autorität und 80% standen auf
und applaudierten.
Ich wurde dann noch von Leuten bedrängt, die mir dann die
ganzen Geschichtsfälschungen aufzählten, aber das Interessante
finde ich, dass Günzel selbst kein einziges Beispiel dafür
nennen wollte...
Aber der Vollständigkeit halber hier noch eine kurze Liste:
Es waren ja gar nicht 6 mio Juden; in Auschwitz wurde z.B. die
Plakette mit den 4 dort getöteten Juden 1970 entfernt und
durch eine mit 1.7 mio ersetzt, später durch eine mit 600.000
toten Menschen (was auch immer das bedeuten soll).
Polen hat angefangen mit den Aggressionen.
Der Jüdische Weltkongress habe am 27. März 1933 Deutschland
den Krieg erklärt.
Es gibt in DD eine Gruppe Geschichtsinteressierter Menschen, bei
denen man DIE Wahrheit erfahren könne: Am rechten Torhaus
vom Militärmuseum (Olbrichtplatz) seien dazu Informationen
zu bekommen.
Oft fielen Namen, von Personen oder Begebenheiten mit denen ich
nichts anfangen konnte:
Entlassener General: von Marwitz, der in Ungnade gefallen worden
war; ein gewisser Wutzleben, dem die Hosenträger zu Demütigung
durchgeschnitten wurden (betretenes Schweigen); Jena/Auerstedt??
Ich finde schade, dass nach der Blockade des Ausgangs der Gaststätte
keiner der Antifas gekommen ist, um sich auch den Vortrag anzuhören,
und ein Paar anständige Kritikpunkte hervorzubringen. Das
hätte die Sache interessanter gemacht: es waren bis auf ca.
5 (nach meinem Eindruck) nur Leute da die das toll fanden was
der Mann von sich gab. Es war also ein Heimspiel und eine Bestätigung
für ihn.
up
Jungle World, 15. Dezember 2004
Rechts, zwo, drei, vier
Immer offener zeigt der ehemalige
KSK-Kommandeur Reinhard Günzel seine rechtsextreme Gesinnung.
In der Generalität sind solche Überzeugungen weit verbreitet.
von jörg kronauer
Die NPD ist beeindruckt. »Erstaunlich kompromiss- und schonungslos«,
berichtet der Göttinger Kreisverband der Partei, habe General
a.D. Reinhard Günzel »mit dem noch bestehenden BRD-System«
abgerechnet. »Rund 90, größtenteils geladene
Gäste« seien anwesend gewesen, als der zwangspensionierte
Soldat Ende November vor den Göttinger Burschenschaften Holzminda
und Hannovera referierte, heißt es in dem Bericht der NPD
über die Veranstaltung. Dass Günzel dabei »ganz
und gar auf irgendwelche ›Distanzierungen‹ verzichtete«,
hält der Autor für höchst »erfreulich«.
Reinhard Günzel kann sich offene Worte leisten. Am 4. November
2003 wurde der Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK)
fristlos entlassen, weil er dem Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann
(CDU) eine Solidaritätsadresse hatte zukommen lassen. »Eine
ausgezeichnete Ansprache«, hieß es in Günzels
Schreiben über die antisemitische Rede Hohmanns, die dieser
am 3.Oktober 2003 gehalten hatte. »Mutig weiterhin Kurs
halten«, empfahl der Soldat dem Politiker.
Das kostete Günzel den Job, befreite ihn aber zugleich vom
Zwang zu politischer Rücksichtnahme. Seitdem erlebt die Öffentlichkeit
einmal mehr, was in den oberen Etagen der Bundeswehr durchaus
verbreitet ist: extrem rechte Gesinnung.
Nachzulesen sind entsprechende Aussagen etwa in der Rede, die
Günzel im Mai vor dem Institut für Staatspolitik, das
der Wochenzeitung Junge Freiheit nahe steht, gehalten hat. Das
Thema des Abends lautete: »Meinungsfreiheit und Tabu«.
Der General beklagte dort die »vielen Tabus, die uns verbieten,
historische Wahrheiten auszusprechen«: den »Zwang,
der ›Singularität des Holocaust‹ unsere Reverenz
zu erweisen«, wie die »Verpflichtung, die im Nürnberger
Prozess von den Siegermächten getroffenen Feststellungen
auf alle Zeiten anzuerkennen«. Alles »Denkverbote«,
ereiferte sich Günzel und beklagte das »geistige Todesurteil
für jede freie Gesellschaft«.
Hochrangige Militärs äußern nach ihrem Abschied
von der Armee oft derlei Ansichten. Ein Vorbild sei für ihn
der Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof, früher einmal
höchster Offizier in Niedersachsen, sagte Günzel der
taz. Schultze-Rhonhof veröffentlichte im vorigen Jahr ein
Buch mit dem Titel: »1939 – der Krieg, der viele Väter
hatte«. »Das Ergebnis der Untersuchung ist, dass der
Zweite Weltkrieg zwar von Hitler begonnen, jedoch von Staatsmännern
aus England, Frankreich und Amerika ›angezettelt‹
worden ist.« So hieß es damals in einer Rezension
in einer Zeitschrift des in Nordrhein-Westfalen stark rechts orientierten
Bundes der Selbstständigen.
Diesen Revisionismus teilen auch andere ehemalige Bundeswehroffiziere.
»Erich Ludendorff und seine Zeit« heißt ein
Buch, das Generalleutnant a.D. Franz Uhle-Wettler bei der extrem
rechten Verlagsgemeinschaft Berg veröffentlichte. Der programmatische
Untertitel der Biographie, die den Mann porträtiert, der
1923 gemeinsam mit Adolf Hitler einen Putschversuch unternahm,
lautet: »Eine Neubewertung«. Brigadegeneral a.D. Reinhard
Uhle-Wettler publizierte im Verlag Hohenrain »Die Überwindung
der Canossa-Republik«. Vielsagend heißt es in der
Verlagsankündigung: »Der Autor rührt an weithin
verschwiegenen Tatsachen und bricht lange aufrechterhaltene Tabus.«
Das wichtigste der vermeintlichen Tabus betrifft den revisionistischen
Generälen zufolge die Wehrmacht. »Eine Tradition wird
immer begründet im Gefecht, sozusagen auf dem Schlachtfeld«,
sagte Günzel im Sommer der österreichischen Zeitschrift
Aula, die rechten Burschenschaften nahe steht. Wolle man die Bundeswehr
»von den großen preußischen Traditionen«
abschneiden, meinte er, sei man »mit Sicherheit auf der
ganzen Linie zum Scheitern verurteilt«. Das Konstrukt einer
»sauberen Wehrmacht« setze sich in der Bundeswehr
immer durch, warnte Detlev Bald, der bis 1996 am Sozialwissenschaftlichen
Institut der Bundeswehr tätig war, bereits im Jahr 1998.
Es verbinde sich mit einem neuen Soldatenideal, einem »Kämpferbild«.
Der rechte Flügel der Generalität treibt die Entwicklung
seit 1990 in der Bundeswehr voran. Denn seitdem ist klar: Die
deutsche Armee wird für Auslandseinsätze fit gemacht.
»Heute muss der Soldat wieder kämpfen können«,
beschrieb Günzel kürzlich im Fernsehmagazin »Report«
die Konsequenzen. Der »Staatsbürger in Uniform«
ist offenkundig obsolet. »Wir brauchen den archaischen Kämpfer«,
meint Heeresinspekteur Hans-Otto Budde. Nach Informationen von
»Report« hält er nach wie vor Kontakt zu Günzel.
Der Bedarf an »archaischen Kämpfern« wirkt sich
vor allem auf die Ausbildung der Soldaten aus. »Kämpfen
können und kämpfen wollen«, lautete bereits im
Jahr 1991 ein entsprechender Ausbildungsslogan in der Bundeswehr,
berichtet Bald. Mitte der neunziger Jahre hieß es in einer
internen Schrift zum »Bild des Offiziers«, in der
Bundeswehr gälten andere Werte als in der Gesellschaft. »Günzel
ist das ideale Vorbild dieses Kämpfertyps«, sagte Bald
der Jungle World, die gegenwärtigen Ausbildungsmethoden begünstigten
eine »ganz eindeutig rechtslastige Motivationsstruktur«.
Die jüngst bekannt gewordenen Fälle von Folter bestätigen
dies. Sie sind durchweg Maßnahmen nachempfunden, mit denen
in der Kaserne in Hammelburg Soldaten auf Auslandseinsätze
vorbereitet wurden. Bereits die Skandale der neunziger Jahre standen
in diesem Zusammenhang. In Hammelburg inszenierten Soldaten, die
auf einen Balkan-Einsatz vorbereitet wurden, Folterszenen. Auch
in der Kaserne im sächsischen Schneeberg, in der ebenfalls
Soldaten für Auslandseinsätze trainiert wurden, kam
es zu rechtsextremen »Vorfällen«.
»Ich erwarte von meiner Truppe Disziplin wie bei den Spartanern,
den Römern oder bei der Waffen-SS«, sagte Günzel
1995 während einer Übung. Als Kommandeur einer in die
Skandale verwickelten Einheit wurde er 1997 strafversetzt. Wenige
Jahre später wurde er zum Kommandanten der KSK befördert,
die bereits seit 1996 im Ausland eingesetzt wird. »Günzel
ist der Repräsentant der Mehrheit der Generalität der
Bundeswehr«, sagte Bald in »Report«.
up
Sächsische Zeitung, 11. Denzember 2004
Reinhard Günzel
Als der entlassene General Reinhard Günzel am Donnerstagabend
vor der Dresdner Burschenschaft Cheruscia referierte, war die
Presse nicht erwünscht. Günzel, der inzwischen offen
in rechten Kreisen verkehrt, war bis vor gut einem Jahr Chef des
Kommandos Spezialkräfte (KSK). Dann wurde er aus der Bundeswehr
entlassen. Fristlos und unehrenhaft. Er hatte den damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten
Martin Hohmann in einem Dankesbrief für dessen antisemitische
Rede gelobt. Hohmann selbst flog aus Fraktion und Partei.
„Das Ethos des Offizierskorps am Beispiel der Affäre
Hohmann/Günzel“ war der Dresdner Vortrag des Ex-Generals
betitelt. Zum gleichen Thema hatte er im Mai auf einer Tagung
der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und des Instituts
für Staatspolitik gesprochen. Beide rechnet der Verfassungsschutz
der neuen Rechten zu.
Die Einmaligkeit des Holocaust und die Feststellungen der Nürnberger
Prozesse anzuerkennen, bezeichnete er dort als einen „Zwang“,
der „eine Beleidigung für jeden aufgeklärten Menschen“
sei. Im Namen des „Krebsgeschwürs Political Correctness“
werde Geschichte gefälscht und Recht gebeugt. Auch Cheruscia
geriet schon früher in die Schlagzeilen. Der sächsische
CDU-Abgeordnete Henry Nitzsche sagte im Oktober 2003, dass „in
unseren auf Pump finanzierten Sozialsystemen der letzte Ali aus
der letzten Moschee“ Zuflucht nehmen könne –
bei einem Vortrag im Haus der schlagenden Studentenverbindung.
(sch)
up
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"Burschis anfechten - Vaterland versenken" - Transpi
der Antifa Hochschulgruppe vor der Gaststätte in der Günzel
speiste

Günzel & Burschis beim Essen

Günzel (links) sieht etwas lädiert aus
Günzel
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