| Am 06. April 1991
starb Jorge Gomondai.
Der mosambikanische Student Jorge Gomondai
wurde am 01. April 1991 in einer Dresdner Straßenbahn von
mehreren Naziskinheads angegriffen und geschlagen. Im Zuge dessen
stürzte er aus der Straßenbahn und erlitt schwere Kopfverletzungen.
An diesen starb er fünf Tage später, am 06. April 1991.
Jorge Gomondai wurde 28 Jahre alt.
Die drei am Mord Beteiligten erhielten über zwei Jahre später,
im Oktober 1993, Freiheitsstrafen zwischen eineinhalb und zweieinhalb
Jahren.
Seither findet Jahr für Jahr am Tatort,
dem Albertplatz, ein öffentliches Gedenken an Jorge Gomondai
statt. Und Jahr für Jahr werden es mehr, derer gedacht werden
muss.
Mindestens 99 Menschen wurden seit der Wiedervereinigung durch
rassistische Schläger ermordet. Darunter Flüchtlinge,
Obdachlose, Behinderte, Aussiedler, Nichtrechte.
Sie mussten sterben weil sie "anders" aussahen, "anders"
sprachen, "anders" dachten, "anders" lebten
- und nicht in das rassistische Weltbild des seit 1989 wieder
erstarkten großdeutschen Mobs passten.
Die diesjährige Gedenkveranstaltung,
welche traditionell vom Ausländerrat u.a. durchgeführt
wird, bot einige Besonderheiten. Denn diesmal kam man auf die
geistreiche Idee, Friedensdemo und Gedenken doch gleich miteinander
zu verbinden. Und so sollte dann während einer Demonstration
von der Dreikönigskirche bis zum Kulturpalast der Frieden
Thema sein und dann bis zum Gedenkstein am Albertplatz die Todesopfer
des rassistischen Mobs.
Es musste förmlich der Eindruck aufkommen,
als wollten hier Leute das Gedenken an Jorge Gomondai instrumentalisieren.
So wurden Verbindungen gezogen zwischen dem rassistisch motivierten
Mord an Jorge und dem Krieg gegen den Irak sowie das angebliche
Weltmachtstreben der USA. Es sei nötig, "Gewalt und
Rassismus gleichermassen zu ächten". Nur dass eben kein
Zusammenhang besteht, wenn rassistische Mörder, mit der (zumindest)
ideellen Unterstützung breiter Teile der Bevölkerung,
Menschen jagen und umbringen und auf der anderen Seite SoldatInnen
dafür Sorge tragen, dass der Antisemit Saddam Hussein in
die Wüste geschickt wird.
Aber diese Logik anzuerkennen kommt für die Dresdner "Friedensbewegung"
nicht in Frage.
Und so entblödete sich die Dresdner
Ausländerbeauftragte Schieferdecker-Adolph nicht, Krieg als
die "letzte und verachtenswerteste Stufe von Rassismus"
zu bezeichnen. Den Zusammenhang zwischen den Mördern von
Jorge Gomondai und den von ihr gemeinten USA blieb sie schuldig.
In jedem drittklassigen Lexikon ist nachzulesen, dass Rassismus
die Einteilung von Menschen in höher- und niederwertige Gruppen
bezeichnet. Genau das macht die deutsche Gesellschaft Tag für
Tag. Sie grenzen all jene aus, die nicht in ihr Weltbild passen,
sie diskriminieren und kriminalisieren sie und liefern so den
Background für die Nazischläger, welche dieses Denken
dann in die Tat umsetzen.
Und folgerichtig konnte dann ein selbsternannter
Kabarettist Breschke am Gedenkstein von Jorge Gomondai antiamerikanistische
Propaganda verbreiten, welche vor einer gewissen Verschwörungsparanoia
nur so strotzte. Er zeigte sich "sprachlos über die
unverschämte Profitgier" der Amerikaner im Irakkrieg.
Wäre er nur sprachlos geblieben.
Und der Geschäftsführer des Ausländerrates Nabil
Yacoub war sich nicht zu schade, am gleichen Ort, von einer "Kolonisierungspolitik"
Israels gegenüber palästinensischen Menschen zu sprechen.
Diesen Rednern gemein war eines: Darüber
dass sie in den USA meinen, neben profitgierigen, rassistischen
Kolonialisten alles Böse dieser Welt orten zu können,
bieten sie nicht nur offene Schnittmengen zu bekennenden Rechtsextremisten.
Sie lenken auch - gewollt oder nichtgewollt - ab von der Mitschuld
und Mitverantwortung der Deutschen Gesellschaft an rassistischer
und menschenfeindlicher Gewalt, deren extremen Auswüchse
die Morde, wie der an Jorge Gomondai, sind.
Nur gut, dass immerhin auch einige
Menschen da waren, denen das unverwässerte Gedenken an die
Opfer von Rassismus ein Anliegen war.
Ihre Transparente zeigten eine deutliche Sprache: Kein Vergeben!
Kein Vergessen!
|
Empfang
für die Friedensdemo am Kulturpalast: Kein
Frieden mit Nazis


Der Antifa-Block:


In der Friedensdemo:
 |