Schon
vergessen?
Zur Nazi-Kundgebung am 7. Oktober
01 in Dresden
Unter dem Motto "Gegen
den imperialistischen Krieg" und "USA - Internationale
Völkermordzentrale" fand am Sonntag, den 7. Oktober
die sechste Neo-Nazi-Demonstration in diesem Jahr in Dresden
statt. Nur wenige Stunden nach Beginn der Bombardierung von
Afghanistan hatten sich ca. zwanzig Nazis vor dem allseits verhassten
Mc-Donalds breitgemacht. Mit dabei waren u.a. André Kuhn,
Sven Hagendorf und die Kamikaze-Crew.
Die imperialistische One-World wollen sie bekämpfen und
allen voran die, die Deutschland schon einmal in die Knie gezwungen
haben. Die antiamerikanische Hetze, die sie dort verbreiteten
unterschied sich wohl eher kaum von der zwei Stunden später
stattfindenden Demo "linker" KriegsgegnerInnen. Lediglich
bei ihrer Choreografie haben die Neo-Nazis wohl andere ästetische
Vorbilder gehabt. Das ist nicht sehr viel, aber man soll sich
ja auch über kleine Dinge freuen können. Während
es bei früheren Neo-Nazi-Demos in Dresden wenigstens Versuche
gab, die Verbreitung ihrer rassistischen und antisemitischen
Ausdünstungen zu stören, war diesmal einfach gar nichts.
Jetzt könnte man meinen, dass dies an der späten Stunde
läge, oder daran, dass die Kundgebung im Vorfeld nicht
bekannt war und die Info über die Kundgebung einfach zu
wenige erreichte. Eher wahrscheinlich ist aber, dass viele von
denen, die sonst auf irgendeine Weise ihre Abneigung gegen die
Neo-Nazis kundtun gerade dabeiwaren, selber gegen "Amerika"
zu demonstrieren. Außerdem war das Motto der Nazis eines
unter denen die "Linksdeutschen" gern selber demonstrieren
- nicht dagegen! "Gegen Nazis" ist der eine Teil der
Dresdner Friedensbewegung trotzdem irgendwie - getreu dem Motto:
Nur wo Nazi draufsteht, ist auch einer drin.
Zum deutschen
Antiimperialismus
Stellungnahme antideutscher Gruppen
aus NRW
Am 11. September haben islamistische
Selbstmordattentäter in Washington und New York voll besetzte
Passagierflugzeuge in das World Trade Center und das Pentagon
gelenkt. Ihre Ziele: Die Vernichtung von möglichst vielen US-BürgerInnen
und die Zerstörung von "Symbolen des US-Amerikanischen Raubtierkapitalismus".
Weltweit herrschte absolute
Fassungslosigkeit. So auch in Deutschland. Hier schienen die
nun folgenden Reaktionen widersprüchlich zu sein. Große Teile
der deutschen Bevölkerung und ihre politischen Exponenten reihten
sich zunächst reflexartig unter dem Motto "Wir sind alle Amerikaner"
in die Gruppe der Opfer ein. Während die offziellen Vertreter
deutschen Großmachtstrebens die Gelegenheit erkannten, als kontinental-europäische
'leading nation' die eigenen Handlungsspielräume nun weltweit
ebenso wie innenpolitisch zu erweitern, war für den Volksgenossen
von nebenan die Beschwörung der Gefahr allgegenwärtigen Terrors
und der eines Weltkrieges, ausgelöst durch eine mögliche US-Amerikanische
Reaktion, wie der "Kampf gegen die Atommafia" und den drohenden
"Strahlentod" der Wunsch nach dem permanentem Ausnahmezustand
und vollständiger gesellschaftlicher Mobilisierung gegen vermeintliche
äussere und innere Feinde. Dieser typisch deutsche Reflex hat
nichts mit Empathie oder einer realen Bedrohung zu tun, sondern
drückt den Wunsch aus, endlich einmal unschuldiges Opfer zu
sein und berechtigt zurückschlagen zu dürfen. Mittels der Identifizierung
mit den USA wird einerseits die Militarisierung Deutschlands
als mit den USA konkurrierende europäische Großmacht forciert,
die gerade über das Anbiedern im Afghanistan-Krieg erreicht
werden könnte, gleichzeitig wird über den Status als mögliches
Terroropfer der innere Sicherheitsdiskurs und das rassistische
Ressentiment gegen Nichtdeutsche bedient. Das Changieren zwischen
antisemitschem Antiamerikanismus und rassistischem Ressentiment
gegenüber Muslimen bietet Deutschland die Möglichkeit, aus der
Situation nach dem 11. September die äußere und innere Formierung
in bislang nicht vorstellbarem Maße zu forcieren.
Gelang es zunächst, den Wunsch
Opfer zu sein, durch die Identifizierung mit den Amerikanern
zu befriedigen, verloren diese ihre Unschuld mit der Ankündigung
militärischer Gegenmaßnahmen. Den Amerikanern wird die Rolle
der Täter zugewiesen und die deutsche Solidarität findet zu
den (durch die "weltweite Vorherrschaft" der USA) unterdrückten
Völkern zurück. So wird der in Deutschland immer schon latent
vorhandene Anti-Amerikanismus zentrales Motiv des deutschen
Selbstgesprächs. Die Forderung an die USA nach besonnenem Handeln
meint nicht weniger als die Verkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses.
Den angegriffenen USA wird vorgehalten, einen Krieg beginnen
zu wollen, der ihnen selbst spätestens mit dem Massaker in New
York erklärt wurde. Damit ist nun auch die gesamte Bevölkerung
dort angekommen, wo die deutschen Antiimperialisten aller politischen
Lager von Anfang an standen. Diese hatten sich nie in die Vorstellung
verirrt, daß Amerikaner Opfer sein könnten. Es schienen Junge
Welt und Horst Mahler, Friedensbewegung und NPD um die widerlichsten
Versatzstücke antiimperialistischer Geistesverwirrung zu wetteifern.
In Antifa-Kreisen kursierte zu einer Zeit, als noch nach Überlebenden
in den Ruinen des WTC gesucht wurde, ein Flugblatt mit der Schlußparole
"Gegen die Kriegshetze von Politik und Medien! Schluß mit der
US- und Nato-Kriegspolitik!". Wohl ahnend, daß der eine oder
die andere sich dieses widerliche Pamphlet genauer durchlesen
und beanstanden könnte, wurde es nur "dokumentiert", damit jenen
auch bestimmt keine(r) nachweisen konnte, daß sich als Antifa-Gruppe
sehr bequem auch Positionen vertreten lassen, die von einem
NPD-Landesvorstand stammen könnten. So lautet es denn auch im
Flugblatt: "Den USA und der Nato geht es um die weltweite Vorherrschaft
- militärisch, politisch und wirtschaftlich. Ein Vergeltungsschlag
soll dies nur zementieren. Für die große Mehrheit der Weltbevölkerung
bedeutet diese Vorherrschaft ein Leben in Elend und hunderttausendfach
den Tod durch Hunger und Krankheit - das wird durch die Herrschenden
bewusst in Kauf genommen. Dieses Elend ist die Ursache für Anschläge
wie in den USA. Ohne weltweite Gerechtigkeit gibt es keinen
Frieden." Soll man den Multiplikatoren dieser Zeilen freundlicherweise
zugestehen, daßsie nicht wissen, was da geschrieben steht? Die
Ursache für das offen bekundete Verständnis für die Mordtaten
ist so einfach wie katastrophal: Selbstmordattentäter wie ihre
Apologeten folgen derselben antiimperialistischen Logik! Der
Kapitalismus wird halluziniert als ein Interessengegensatz zwischen
den "Herrschenden" und den "Ausgebeuteten". Das Leid der "unterdrückten
Völker" wird in ihrem Wahn nur durch das Handeln einer genau
bestimmbaren Personengruppe, seien es "die USA", die "imperialistischen
Staaten", die "Bonzen", die "internationale Hochfinanz" oder
ganz aktuell die "Wall Street", hervorgerufen. Die Ursache des
Elends, das die kapitalistische Vergesellschaftung stetig produziert,
wird personalisiert. Dieser Mechanismus ist Kern antisemitischen
Wahns. Die durch die Zurichtung zur "lebendigen Ware" im Zustand
permanenter Konkurrenz erzeugte und von allen erahnte Gefahr
der vollständigen sozialen Überflüssigkeit, mithin die eigene
prekäre Situation, verlangt nach der Beseitigung ihrer Ursache.
Anstatt aber gegen die ursächliche repressive Vergleichung als
Warensubjekte, ihre Instanzen Staat und Kapital vorzugehen,
ist das Ziel der Antisemiten die Gleichheit der Elenden. Der
Gleichheit der in ihrem Subjektstatus bedrohten, auf die Funktion
als Warenbesitzer reduzierten Individuen, setzen sie die Gleichheit
der Volksgenossen, die im Schutzraum Volk die ultimative Sicherheit
vor der Prekärwerdung suchen, aber nie finden können, entgegen.
Sie suchen ihr Glück in der Verfolgung derer, die sie als Zersetzer
des Volkskörpers halluzinieren. Dieser Wahn läßt für die "Lösung"
ihrer Probleme in letzter Konsequenz nur den einen Schluß zu:
Die Schuldigen müssen vernichtet werden. Dieses Motiv ist Movens
aller Antiimperialisten, so auch der Antiglobalisierungsbewegung,
der endlich wahr gewordenen Querfront, die im Namen des Volkes
das "internationale Finanzkapital" mindestens auf das Gemeinwohl
verpflichten will und jetzt mit dem Rest der Antiimperialisten
in der Friedensbewegung fusioniert. Die deutsche Bewegungslinke,
die hier ihre Chance auf ein Betätigungsfeld wittert, ist nicht
in der Lage, die Identität der folgende Äußerungen ihrer Erzfeinde,
der Nazis, mit den von ihnen verbreiteten, zu bemerken: "Der
NPD-Landesvorstand bedauert die zahlreichen Opfer dieser kriegerischen
Auseinandersetzung in den USA.. Kein Bedauern jedoch allerdings
haben wir für die amerikanischen Drahtzieher der US-imperialistischen
Unterdrückung in aller Welt" (Stellungnahme des NPD-Landesvorstandes
Schleswig-Holstein) So wie die Nazis kaum bemüht sind, ihre
eigentliche Schlagrichtung zu verheimlichen wenn sie über den
"One-Worldimperialismus" der USA und ihrer Hintermänner
in der internationalen Hochfinanz" reden, so gehen auch die
Autoren des linken Antikriegsflugblattes denkbar offen zu Werke
wenn sie schon in der vierten Zeile über die "blutige Besatzungspolitik"
Israels schwadronieren. Hier tritt zu Tage, was Antiimperialismus
aller politischer Lager schon immer bedeutete: Antisemitismus,
nach 1945 zumeist als Antizionismus formuliert. Das wahrhaft
künstliche Gebilde Israel und dessen Schutzmacht USA, die mit
ihrem Entwurf der vollendeten bürgerlichen Gesellschaft Stachel
im Fleisch aller per se regressiv gesinnten Volksgenossen weltweit
sind, sind das letztendliche Ziel aller antisemitischer Vernichtungswünsche.
Wer diesen Zusammenhang nicht reflektiert und nichts Besseres
zu wissen scheint, als die USA anzugreifen, ist nicht in der
Lage, den Antisemitismus als dialektische Wendung bürgerlicher
Vergesellschaftung zu kritisieren und Emanzipation auch nur
zu denken. Eine Linke, die vom "Selbstbestimmungsrecht der Völker"
faselt, dem Kampf gegen den "US-Imperialismus" etwas abgewinnen
kann und sich damit unfähig erweist, den Antisemitismus zu erkennen
und zu bekämpfen, hat ihre historische Berechtigung verloren.
Antideutsche Gruppe
Wuppertal, Antifa Duisburg, Antifa Mülheim/Essen-West, Antipostfa
Recklinghausen, Antifaschistische Aktion Dortmund
Gegengewalt
gegen die rassistische Gemeinschaft
Demonstration in Bernsdorf am
9. 12. Dezember 01 unter dem Motto "Das war Gegengewalt
gegen Rassismus"
vorläufiger Aufruf
Der 9.12. ist in Bernsdorf
kein unbekanntes Datum. Am 9. 12. 2000 hatte sich Tung bei einer
rassistischen Attacke gegen Neonazis gewehrt. Einer der Neonazis,
Matthias Förster erlag seinen Verletzungen. Tung sitzt derzeit
immer noch in Haft, eine Revision wurde kürzlich abgelehnt.
Wir wollen am 9.12 in Bernsdorf
nicht vordergründig gegen die eventuell stattfindende Neonazidemo
demonstrieren, sondern hauptsächlich gegen die dort ansässige
Bevölkerung. Bernsdorf steht hier beispielhaft für das ungestörte
Ausleben deutscher Normalität. So ist es nicht verwunderlich,
dass der Bernsdorfer Bürgermeister E. Menzel (PDS) den letztjährigen
Trauermarsch mit 300 Neonazis "anführte" (er lief vorneweg).
Derselbe Bürgermeister, der unlängst auf einer Veranstaltung
zur Aufklärung über Rechtsextremismus ein von einem Journalisten
als "wandelnde Reichskriegsflagge" beschriebenen Bernsdorfer
väterlich in den Arm nahm und als seinen besten Mann in der
freiwilligen Feuerwehr vorstellte. Im März diesen Jahres versuchten
zehn Bernsdorfer Neonazis einen Angolaner aus einem fahrenden
Zug zu stoßen, was nur durch einen Freund von ihm verhindert
wurde. Niemand störte sich an den sich damit brüstenden Neonazis,
selbst die als "nichtrechts" geltenden Jungendlichen fanden
dies nicht als erwähnenswertes Ereignis in Bernsdorf.
Wir setzen wenig Hoffnung
auf den guten Willen der BernsdorferInnen, nicht rassistisch
sein zu wollen, wenn ihnen nur jemand sagen würde, was denn
Rassismus sei. Die BernsdorferInnen wissen gut genug um den
rassistischen Normalzustand in ihrem Nest und es geht den meisten
ganz gut dabei. - Zu gut. Wir wollen das ändern!
Es gibt nichts schlimmeres
für ein kleines braunes Nest,
als als ein kleines braunes Nest in die Schlagzeilen zu geraten.
(morgenthau travels)
siehe auch:
Bernsdorf, ein gewöhnliches
Kacknest und die Folgen
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