| - 27. Oktober 2007 -
Für die Fahrt ins Blaue - Gegen den
Bundesparteitag der NPD
Aktuelle Info's auf:
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Am Wochenende vom 26. bis zum 28. Oktober 2007 will die NPD
(Nationaldemokratische Partei Deutschlands) ihren
Bundesparteitag mit ca. 600 Delegierten und Besuchern abhalten.
Der Veranstaltungsort wird bisher nicht öffentlich bekannt
gegeben, da die NPD zum einen lieber ungestört sein möchte
und zum anderen ist sie bis jetzt bei der Objektsuche recht
erfolglos.
Mehrere Anfragen in verschiedenen Städten wurden abgelehnt.
Dass die Partei ihren Bundesparteitag nicht öffentlich
bewirbt verwundert allerdings schon. Will sie sich doch eigentlich
als seriöse Partei mit Bürger_innen-Nähe etablieren.
Und um genau diese Nähe zu erreichen täuscht die NPD
ein Interesse an demokratischer Politik vor und kostet die Möglichkeiten,
die das Parteienrecht bietet, auch dem entsprechend voll aus.
Der 1964 in Hannover gegründeten Partei sitzt momentan
Udo Voigt vor. Neben ihrer Jugendorganisation, den Jungen Nationaldemokraten,
führt die NPD den Nationaldemokratischen Hochschulbund
sowie den Ring Nationaler Frauen. Die Mitgliederzahl liegt bei
ca. 7000. 1969 erzielte die Partei bei einer Bundestagswahl
mit 4,3 Prozent ihr bislang höchstes Wahlergebnis. Während
bisweilen Kontinuität und Professionalität im Parlament
nicht gerade zu den Stärken der Nazis gehörten, so
hat die Partei mit der Wahl in Landes- und Bezirksparlamente
in Sachsen, Mecklenburg Vorpommern und Berlin einen großen
Schritt getan. Mit 9,2 Prozent gelang der Einzug in den sächsischen
Landtag – in Mecklenburg Vorpommern mit 7, 4 Prozent.
Zwar ist es der NPD aufgrund des momentanen Abgrenzungskurses
aller anderen Parteien nicht möglich eigene Anträge
oder eigene politische Ziele mit parlamentarischen Mehrheiten
umzusetzen, doch besteht insofern eine Gefahr, dass die Inhalte
der Partei auf die politische Tagesordnung kommen und dass ein
Abstumpfen gegenüber politischen und anti-humanistischen
Tabubrüchen einsetzt.
Bisher haben es andere Parteien nur geschafft sich von der NPD
zu distanzieren, aber nicht von den Inhalten. Das große
Potenzial an rechten Einstellungen in der Bevölkerung ist
nicht nur für die NPD Anknüpfungspunkt, sondern auch
für alle anderen Parteien. Wir leben in einer Zeit in der
komplexe Probleme auf einfache Ursachen zurückgeführt
und einfache Lösungen angeboten werden, wo soziale Unsicherheit
und Perspektivlosigkeit Alltag geworden sind. In diesem Klima
nehmen vor allem Wohlstandschauvinismus und Sozialdarwinismus
zu. Kampagnen wie die "Kinder statt Inder" oder der
Ausbau des Überwachungsstaats fußen nicht auf dem
Wunsch nach Problemlösungen, sondern knüpfen an Einstellungen
in der Bevölkerung an. Die letzten beiden Bundestagswahlen
haben gezeigt, wie knapp Mehrheiten verteilt sind. Insofern
lohnt es sich um jede Wählerstimme zu kämpfen. Dabei
Inhalte als rechts zu reflektieren, würde nicht nur Zeit
und Selbstkritik kosten, sondern auch Wählerstimmen.
Das große Potential rechter Einstellungen in der Bevölkerung
stellt also hierbei eher eine Gefahr dar, weil das politische
System nicht langfristig denkt, sondern kurzfristig. Im Vordergrund
muss daher die Auseinandersetzung mit rechter Ideologie stehen.
Das heißt, sich mit Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus,
Chauvinismus und Sexismus auseinanderzusetzen, nicht nur wenn
offensichtliche Nazis in Erscheinung treten, sondern immer und
überall. Nur so kann der „Kampf um die Köpfe“
wirklich geführt werden. Und die Straße – die
ist noch nicht verloren, solang es Menschen gibt, die protestieren,
die sich einmischen und die nicht zulassen, dass die NPD Fuß
fassen und sich als „normale“ Partei etablieren
kann.
Im letzten Jahr konnte die NPD ihren Bundesparteitag in Berlin
ungestört abhalten. Die Berliner wie auch die bundesweite
Antifa- Szene hatte versagt - sei es weil die Prioritäten
falsch gesetzt wurden oder weil man schlicht und einfach keinen
Bock hatte. Aber: Der Bundesparteitag hat mehr Relevanz als
jeder regionale Naziaufmarsch. Die NPD beschließt dort
ihre Strategien und gewinnt Bündnispartner_innen.
Nicht zuletzt dient der Bundesparteitag auch und vor allem als
Versuch der Manifestation des "organisierten Willen"
als "Vierte Säule" der NPD. Sie will hier die
"Einigkeit der Bewegung" inszenieren. Selbstredend,
dass die NPD sich dabei als Speerspitze sieht. Dazu werden Redner
von anderen europäischen Neonazi-Vereinigungen auftreten
genauso wie Vertreter der ansonsten weitestgehend abgelehnten
"Freien Kräften" die vermeintliche Bündnisfähigkeit
demonstrieren werden.
Lassen wir sie dabei nicht
in Ruhe. Rücken wir den Nazis auf die Pelle. Stören
wir den NPD-Bundesparteitag!
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