INDEX
13. Februar Dresden |
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| Der Dresdner 13. Februar
wird nicht nur von den Neo-Nazis als quasi nationaler Feiertag
betrachtet. Das ist schon vor ein paar Jahren aufgefallen. Daher
hier ein paar gute Texte aus Leipzig, Bremen und Berlin.
Das Plakat wurde 1997 in Dresden geklebt und führte zu grossen
Abkratzaktionen durch Beamte. |
noch mehr Texte zum 13. Februar "aus
linksradikaler Sicht" bei
www.gruppe-sabotage.tk unter "Texte" |
Der
Artikel von Elsässer bietet einen systematischen Blick
auf die Widerlichkeiten des 13. Februar seit 1946 und äußert
sich detailliert dazu, wie sinnvoll die Bombardierung Dresdens war.
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Interview mit der anti-deutschen
Vorbereitungsgruppe zum 13. Februar 1995
Wenn sich in diesem Jahr die Bombardierung
Dresdens zum 50sten Male jährt, dann werdet ihr versuchen, dies
als kriegsnotwendig zu begründen. Die bürgerlichen Kritiker und
die aus den eigenen Reihen werden aber bei radikalen Zuspitzungen
wie "Do it again Bomber harris" vor allem moralisch empört reagieren...
In Dresden will niemand die Trauer eines dort wirklich privat
Trauernden stören. Zum anderen, es gibt in der Linken viele Leute,
die den Luftangriff auf Dresden als Kriegsverbrechen bezeichnen
und gleichsetzen mit denen der Deutschen z.B. auf Conventry und
dabei ganz offensichtlich außer acht lassen, daß z.B. der Angriff
auf Conventry dem Ziel diente alle "englischen Städte auszuradieren",
so wie es Hitler auch formuliert hat und insgesamt den Kriegszielen
der faschistischen deutschen Wehrmacht.
Der Luftangriff der Alliierten auf Dresden diente dem Ziel, den
deutschen Faschismus militärisch nieder zu ringen, denn das deutsche
Volk war offensichtlich nicht in der Lage noch willens diesen
zu beseitigen.
Dieses "Do it again..." ist natürlich nur eine Zuspitzung, dies
würde keiner fordern. Das verdeutlicht nur die inhaltlichen Positionen...
Eigentlich geht es bei Dresden nur darum, daß die Täter-Opfer-Relation,
deren geschichtlicher Antagonismus, wie ihn die Faschisten damals
gechaffen haben, im wahren Licht betrachtet wird. Die Bezeichnung,
auch deutsche Luftkriegsopfer seien Opfer des Faschismus, führt
zu einer Nivellierung dieses Täter-Opfer-Verhältnisses.
Liest man sich z.B. das "Tagebuch der Anne Frank" durch oder betrachtet
die Meinungen derer, die wirklich vom Faschismus verfolgt waren,
dann wird klar, wie jede Bombe der Alliierten von diesen begrüßt
wurde, weil sie zu ihrer Befreiung mit beigetragen hat. Ohne die
erbitterte Kriegführung der Alliierten hätte der deutsche Faschismus
überlebt, einfach deshalb, weil das deutsche Volk ihn getragen
hat.
Deshalb geht es nicht, die Opfer von Verfolgung, KZ, und dem Raubkrieg
mit den Opfern des sogenannten "Luftterrors" gleichzusetzen. Das
ist ein Gipfelpunkt des Geschichtsrevisionismus. Aber es ist doch
ziemlich zynisch, einfach nicht zu differenzieren und zu sagen,
sie haben alle die Bomben verdient. Ist das nicht eine absolute
Opfer-Täter-Nivellierung?
Bei der Kampagne in Dresden muß einfach
klargestellt werden, wo unser Ansatz liegt, daß dabei eine menschliche
Dimension in die zweite Reihe gerückt ist, kann man nicht leugnen,
das ist eine Tatsache, es gab dort Tausende von menschlichen Tragödien,
aber das ist nicht unser Ansatz. Sondern der Liegt darin, den
historischen Zusammenhang herzustellen und darauf zu verweisen,
wer die Verantwortung für den Bombenangriff auf Dresden trägt
und das ist explizit das deutsche Reich getragen vom deutschen
Volk, das im Mainstream den totalen Krieg eines Herrn Goebbels
bejaht und bejubelt hatte.
Und das ist eine historische Tatsache die jetzt verdreht werden
soll, in dem alle Taten des Krieges auf eine Stufe gestellt werden
sollen. Man kann es auch sozusagen menschlich ausdrücken. Wenn
man so weit geht, zu sagen, auch die Toten von Dresden waren Opfer,
dann muß ich mir überlegen, auf der Seite welcher Opfer ich stehen
möchte. Auf der Seite der Opfer des Faschismus oder der eines
sogenannten alliierten "Luftterrors". Und in der Regel waren die
Leute in Dresden eben solche, die in irgend einer Uniform des
NS-Staates steckten...
Es war notwendig, den deutschen Faschismus von außen militärisch
niederzuringen und da war jede Bombe notwendig und in diesem Zusammenhang
sollte man die fortschrittliche Rolle einer Anti-Hitler-Koalition
und auch eines Bomber-Harris offensiv verteidigen...
Weiterhin ist zu sagen, was Dresden betrifft, es war ein wichtiger
Verkehrsknotenpunkt in Richtung Osten, sowohl für KZ-Häftlinge
als auch für Wehrmachts- und SS-Verbände oder auch für Zwangsarbeiterströme
für's Reich und deshalb war die Bombardierung Dresdens wirklich
richtig.
Hinzu kommt der psychologische Aspekt: Wenn sich ein Volk als
Herrenrasse fühlt und dann mitbekommt, daß die eigene Stadt innerhalb
einer Nacht vernichtet wird, der fühlt sich nicht mehr als Herrenrasse.
Der Angriff auf Dresden hat auch unter diesem Gesichtspunkt das
Kriegsende beschleunigt, da er einigen Menschen ihren Größenwahn
nahm.
Was ist an konkreten Aktivitäten bereits
geplant bzw. in Vorbereitung?
Erstmal möchte ich darauf hinweisen, daß
es im Infoladen dazu einen Ordner gibt, der über dieses Thema,
die anstehenden Aktionen, die geschichtlichen Hintergründe, z.B.
90/92 - "Nie wieder Deutschland", "Etwas besseres als die Nation",
informiert.
Zum zweiten gibt es natürlich einige Aktionsplanungen etwas zu
unternehmen, z.B. am 12. Februar in Dresden, wenn dort die offiziellen
Feierlichkeiten, die der Relativierung der deutschen Geschichte
dienen, abgehalten werden. Außerdem zum 8. Mai 1945, der sich
zum 50sten mal jährt und inhaltlich unter dem Motto stehen wird
"Ab heute fangen wir wieder mit der deutschen Normalität an!".
Dagegen werden Aktionen vorbereitet, daran beteiligen sich z.B.
der Arbeitskreis Kassiber (Berlin), der früher Gefangenenarbeit
gemacht hat und jetzt bei der Initiierung einer anti-nationalen
Strömung beteiligt ist, die junge Welt vor allem mit Jürgen Elsässer
in Berlin und in Hamburg die Zeitschriften 17°C und bahamas und
in Leipzig gibt es eine Vorbereitungsgruppe, die über das Offene
Antifaschistische Plenum erreichbar ist.
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Dokumentation
Nie wieder Deutschland, sonst Dresden!
Vor 56 Jahren wurde Dresden durch mehrere
Bombenangriffe der Alliierten in Schutt und Asche gelegt. Unter
der Leitung von Sir Arthur Harris flogen Staffeln der britischen
Royal Air Force, gemeinsam mit Fliegern der amerikanischen Luftwaffe,
drei Angriffe auf die Stadt. Den Bombardements fielen in Dresden
weit mehr als 20.000 Menschen zum Opfer. Fast täglich wurden zu
dieser Zeit Luftangriffe gegen deutsche Städte geflogen; die Ausmaße
der Zerstörung waren mal höher, mal geringer.
Die Angriffe endeten dann, wie bekannt, am 8.Mai 1945 mit der
Zerschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands.Damit endete
für Millionen Verfolgte des Naziregimes der Terror, dem sie jahrelang
ausgesetzt waren. Unzählige andere dagegen waren Unzähligen Deutschen
zuvor, an den Fronten und in Vernichtungslagern, zum Opfer gefallen.
Unzählige Deutsche begreifen sich seitdem als Opfer alliierter
Bomben und Besatzungen, als Opfer von Vertreibungen und Verschwörungen.
Sie werden nicht müde, darüber beleidigt zu sein, aus Tschechien
und Polen - als die Faschisten, die sie waren - unsanft zurück
nach Hause vertrieben worden zu sein. Ebenso wenig werden sie
aufhören, darüber zu klagen, kein normales Volk sein zu dürfen,
und auf die Schuldigen beständig mit dem Finger weisen: Sie werden
"den Juden Auschwitz nie verzeihen". Vor der Auseinandersetzung
mit der eigenen Schuld scheuen sich die Deutschen wie vor den
Ansprüchen der Zwangsarbeiter, denen sie nachsagen, sie wollten
Deutschland bloß ausnehmen. Um Opfer sein zu dürfen, brauchen
sie Mythen, Geschichten, die Zusammenhänge vergessen machen. Dresden
ist nur einer davon.
Dresden bedeutet den Deutschen Leid. So
können sie ihren Opfern zugestehen, gelitten zu haben, jedoch
nicht ohne den Hinweis, daß es einem selbst ja auch sehr schlecht
ergangen sei. Und weil dann alle irgendwie Opfer sind, gibt es
auch keine Täter mehr, erst recht keine Schuld und Verantwortung.
Von menschlichem Leid unter Absehung der konkreten historischen
und gesellschaftlichen Umstände zu sprechen, halten wir für falsch.
So etwa ist es nicht möglich, das Leid, welches Kosovoalbanern
durch das serbische Militär zugefügt wurde, mit dem Leid der Gefangenen
von Auschwitz zu vergleichen, wie es in der öffentlichen Debatte
um den Jugoslawienkrieg hier gemacht wurde. Dies würde der Singularität
der jeweiligen gesellschaftlichen Ereignisse nicht gerecht werden.
Die Irrationalität des Vernichtungswillens und die unglaubliche
Rationalität seiner Verwirklichung in den Vernichtungslagern etwa
sind Besonderheiten der Shoah. Der Antisemitismus trat nicht als
Wirkung von Betäubungsmitteln in Erscheinung, die der deutschen
Bevölkerung von ihrer politischen Führung verabreicht wurden.
Genauso wenig war er die Ideologie einer Minderheit. Antisemitismus
gehörte und gehört zum Deutschsein. Antisemitismus wirkt für das
Deutschsein konstitutiv, vollzieht sich dessen Konstitution doch
durch die Aufrichtung des Judentums als genaues Gegenprinzip dazu.
Die nationalsozialistische Ideologie versieht den Juden mit allem,
was als nicht-deutsch gilt, sie macht ihn zum Anti-Deutschen.
Hätte man denn darauf warten sollen, daß
die gleichen Deutschen, die erst nicht bei Juden kaufen wollten,
später ihre Läden plünderten, sie selbst zu guter Letzt denunzierten,
verfolgten und in Vernichtungslager steckten, der Barbarei in
ihrem Land ein Ende setzen? Es war nicht oberstes Ziel der Alliierten,
aber sie haben der Barbarei ein Ende bereitet. Dies ist als wichtigste
Wirkung ihres militärischen Sieges zu verstehen. Die Bombardierung
Dresdens ist als Schritt dazu zu betrachten. Wir empfinden keine
Freude der Toten von Dresden wegen, aber um sie zu trauern, empfinden
wir als Hohn gegenüber den Opfern der Nazis.
Am 14. Februar 2001 wollten wir in Bremen
eine Veranstaltung unter dem Motto "Dresden Night. 56 Years of
Dresden Bombraid." stattfinden lassen. Bereits im Vorfeld wurden
wir für unser Vorhaben stark kritisiert. Der Trägerverein des
zakk hatte die Dresden Night jedoch kurzfristig wieder aus dem
Programm genommen. Wir hoffen, hiermit unseren Standpunkt deutlich
gemacht zu haben. Wir haben uns entschieden, diese Party zu veranstalten,
um in dem herrschenden Gedenkdiskurs zu intervenieren.
Auch in diesem Jahr werden alle Täter wieder Opfer sein dürfen.
In der Semperoper wird ein Gedenkkonzert stattfinden, und die
NPD, die auf ihrer Homepage von "alliiertem Holocaust" schreibt,
plant einen Trauermarsch durch Dresden, mit schwarzen Fahnen und
Kerzen.
Nie wieder Deutschland, sonst Dresden!
Twisting by the pool/Bremer Krätze im
Februar 2001
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Die Dresden-Lügen
Es ist angerichtet: Zum 50. Jahrestag der Bombardierung werden
die Dresdner Musikfestspiele unter dem Titel "Apokalypse" stattfinden.
Im Programmheft schreibt der Intendant Michael Hampe: "1995 jährt
sich zum fünfzigsten Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges und
die Zerstörung Dresdens, jenes apokalyptische Ereignis, das wie
kein zweites zum Symbol des Untergangs, des Grauens und des Leidens
wurde, das jener Krieg über die Menschheit brachte."
Zur musikalischen Untermalung haben die Veranstalter keinen Aufwand
gescheut: Neben Arnold Schönbergs "Ein Uberlebender aus Warschau"
werden auch Richard Strauss' 1938 in München uraufgeführte Oper
"Friedenstag" und Richard Wagners "Lohengrin" präsentiert. Die
Deutschen sind ein Kulturvolk, und gäbe es einen schöneren Ort
als "Elbflorenz", um es zu beweisen? Am 13., 14. und 15. Februar
1945 warfen 2.435 britische und amerikanische Flugzeuge 7.070,3
Tonnen Bomben aller Art auf die Stadt.
Der Dresden-Mythos rankt sich im wesentlichen um zwei Lügen:
Erstens wird das Ausmaß der Zerstörung und die Zahl der Opfer
übertrieben, um die Singularität des Ereignisses zu suggerieren.
Zweitens wird der Angriff als militärisch sinnlos, mithin als
reiner Terror gegen die Zivilbevölkerung dargestellt, wie ihn
auch die Nazis praktizierten.
Von links wird gelegentlich noch eine dritte Lüge hinzugefügt:
Die Zerstörung Dresdens sei ein bewußtes Kalkül der Westalliierten
gewesen, um den Vormarsch der Roten Armee zu behindern und die
künftige sowjetische Besatzungszone zu schwächen.
1. Lüge
Das Privileg, Dresden expressis verbis mit Hiroshima und Nagasaki
auf eine Stufe gestellt zu haben, gebührt zwei westlichen Autoren.
Axel Rodenberg, dessen Buch "Der Tod von Dresden" aus dem Jahre
1951 in der BRD die meisten Auflagen erlebte (und 1995 im Frühjahrsprogramm
von Ullstein neu auftaucht) und das Geschichtsbild entscheidend
prägte, verbreitete die Zahl von 350.000 bis 400.000 Opfern. David
Irving gibt in "Der Untergang Dresdens" (Erstauflage 1964) 135.000
an.
In der DDR beschied man sich in der Regel mit 35.000 Toten, steigerte
sich aber, wenn die Propagandaaufgaben des Kalten Krieges dies
notwendig machten. Spitzenleistung war die Rede des stellvertretenden
Vorsitzenden des Ministerrates der DDR, Hans Loch, der im Jahre
1955 die Westalliierten des Mordes an 300.000 Dresdnern anklagte.
Weitgehend unbekannt ist, daß Irving sich in einem Leserbrief
an die Londoner "Times" vom 7. Juli 1966 selbst korrigierte. Der
Nachrichtenagentur AP war das nur eine kurze Meldung wert, Irvings
Buch aber war mittlerweile schon um die halbe Welt gegangen. Die
Verbreitung der Selbstkritik Irvings wurde allerdings auch durch
ihn selbst erschwert: Im Zuge seiner rechtsradikalen Entwicklung
kehrte er in den 80er Jahren wieder zu den höheren Opferzahlen
zurück. Ausgangspunkt für Irvings Selbstkritik aus dem Jahre 1966
war ein neu aufgetauchtes Dokument, das als einziges amtliches
Schriftstück der damaligen Zeit exakte Zahlen angibt; alle anderen
Primär- oder Sekundärquellen berufen sich auf nicht belegte Augenzeugenberichte
oder Vermutungen. In der "Schlußmeldung über die vier Luftangriffe
auf den LS-Ort Dresden am 13., 14. und 15. Februar 1945 des Höheren
SS- und Polizeiführers Elbe" heißt es unter Punkt E: "Personen-
schäden. Bis 10.3.1945 festgestellt: 18.375 Gefallene, 2.212 Schwerverwundete,
13.718 Leichtverwundete... Die Gesamtzahl der Gefallenen einschl.
Ausländer wird auf Grund der bisherigen Erfahrungen und Feststellungen
bei der Bergung nunmehr auf etwa 25.000 geschätzt."
Im Dezember 1993 wurden vom Stadtarchiv Dresden bisher unerschlossene
Akten aufgefunden, die diese Angaben bestätigen. Es handelt sich
hierbei um die Bestattungslisten der städtischen Friedhöfe, die
- deutsche Gründlichkeit - auch nach dem Chaos der Februartage
penibel geführt wurden. Demnach wurden auf den beiden Hauptfriedhöfen
bis zum 12.Juli 1945 insgesamt 21.271 Leichen registriert.
Der Dresdner Stadtarchivar Friedrich Reichert schreibt weiter:
"Für die Zahl der Bestattungen auf anderen Friedhöfen liegen lückenhafte
Belege vor. Die Zahl dürfte kaum 2.000 überschritten haben...
Bahauptungen, daß unter den Trümmern noch zehntausende Tote lägen,
erwiesen sich als nicht richtig... Es ergibt sich somit die Gesamtzahl
von rund 25.000 Opfern der Luftangriffe auf Dresden zwischen dem
13. Februar und dem 17. April."
Die Dresdner Stadtverwaltung hat im Dezember 1994 dem Autor gegenüber
erklärt, sie werde diese Zahlen nicht in der Öffentlichkeitsarbeit
verwenden. Verständlich. Zu krass wird die Geschichtslüge vom
einzigartigen Schicksal Dresdens dementiert, die die Basis für
die ganzen Staatsfeierlichkeiten ist.
Mit der ermittelten Opferzahl liegt Dresden gleichauf mit Hamburg.
In einer Aufstellung des Anteils der durch Bomben zerstörten Wohnungen
nimmt Dresden mit 60 Prozent lediglich den 22. Platz ein (davor
liegen z.B. Düren mit 99,2, Bocholt mit 89, Köln mit 70 Prozent).
Addiert man die Gesamttonnage der während des 2. Weltkriegs abgeworfenen
Bombenlast, liegt Dresden (7.000) weit hinter Köln (44.700), Essen
(37.900), München (27.000) und Leipzig (11.600 Tonnen).
Blickt man über Deutschland hinaus, wird die Ungeheuerlichkeit
des Dresden-Mythos erst richtig klar: In Dresden kamen 25.000
Tote auf 630.000 Einwohner, in Leningrad 700.000 auf 2 Millionen.
Keinen Eingang in die Bilanz der Geschichtsfälscher findet das
Schicksal der Dresdner Juden: Am Morgen des 13. Februar kam der
Befehl, die letzten 70 von ihnen zu deportieren. Wer von ihnen
die Nacht überlebte, konnte im allgemeinen Chaos der Gestapo entkommen.
Anders gesagt: Was den Deutschen als "Apokalypse" erscheint, brachte
einem Teil der Juden die Rettung vor der Apokalypse.
2. Lüge
Die Einzigartigkeit Dresdens besteht lediglich darin, daß die
Stadt erst in den letzten Kriegsmonaten zum Ziel der alliierten
Angriffe geworden ist und von der Bevölkerung deswegen bereits
als "Luftschutzkeller des Reiches" bezeichnet worden war. Die
totale Zerstörung dieser Illusionen innerhalb von 48 Stunden mußte
natürlich als Schock wirken. Götz Bergander bilanziert im quellenreichsten
bürgerlichen Standardwerk "Dresden im Luftkrieg" (Erstauflage
1977), "daß die von Dresden ausgelöste Schockwelle den noch vorhandenen
Widerstandswillen fortschwemmte, weil jetzt befürchtet wurde,
eine solche Katastrophe könne sich täglich wiederholen...
Zwar glaubten die meisten Deutschen nicht mehr an den Sieg, aber
sie konnten sich trotzdem die bedingungslose Kapitulation nicht
vorstellen. Der Schock von Dresden trug wesentlich zu einer Sinneswandlung
bei. Sie äußerte sich damals in den Worten: Besser ein Ende mit
Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Der Schrecken ohne Ende
- das war für die meisten Deutschen der Bombenkrieg."
Dieser Meinungsumschwung illustriert einen der Haupterfolge des
Oberbefehlshabers des englischen Bomberkommandos, Sir Arthur T.
Harris. Harris glaubte an die Bedeutung der Bombardements für
die Demoralisierung der Bevölkerung. Inspiriert war er durch die
Erkenntnis, daß es in Nazi-Deutschland keine nennenswerten Widersprüche
zwischen Führern und Geführten gab - von individuellen Ausnahmen
abgesehen. "Der widerwillig loyale Deutsche des Kriegsbeginns...wurde
zum befehlsgemäß loyalen Exekutor des NS-Rasse- und Vernichtungskrieges",
heißt es diesbezüglich in einem Aufsatz des Militärgeschichtlichen
Forschungsamtes Freiburg.
Für Dresden, das den reichsweit höchsten Anteil von NSDAP-Mitgliedern
an der Bevölkerung hatte, galt dies umso mehr. Zudem konnte sich
Harris auf ein naheliegendes Beispiel berufen: In Italien hatte
das "moral bombing" nachweisbar dazu beigetragen, "daß große Gruppen
der italienischen Arbeiterschaft im März 1943 offen gegen das
faschistische Regime auftraten," weil dieses "im Hagel der Bomben
nicht nur als korrupt, sondern auch als machtlos und unfähig"
dastand (so das Standardwerk "Bombenkrieg gegen Deutschland" des
DDR-Historikers Olaf Groehler).
Man kann Harris nicht zum Vorwurf machen, daß die Deutschen sich
nicht einmal im Bombenhagel von ihrem Führer trennen wollten.
Obwohl die Demoralisierung der Heimatfront schon für sich genommen
ein Faktor der Kriegführung ist, soll die Bedeutung der Städtebombardierung
auch im engeren militärischen Sinn geklärt werden.
Zunächst ein Uberblick: Als Harris 1942 das Kommando über die
britischen Bomberverbände übernahm, sah er sich mit einer dramatischen
Lage konfrontiert. Nach der Wannseekonferenz im Januar 1942 trat
die Judenvernichtung in ihr industrielles Stadium. An der deutsch-sowjetischen
Front stießen die Heeresgruppen A und B scheinbar unaufhaltsam
Richtung Wolga und Kaukasus vor. In Nordafrika rüsteten sich Rommels
Verbände zum Durchbruch ins Nildelta.
Harris faßte in einer Denkschrift die Konsequenzen aus dieser
Situation zusammen: "Das Bomber Command führt die einzigen offensiven
Kampfhandlungen durch, die gegen Deutschland unternommen werden.
Alle anderen Kriegsanstrengungen sind defensiver Natur und können
niemals mehr erreichen, als unsere Existenz im Angesicht des Gegners
zu erhalten. Das Bomber Command gibt uns die Möglichkeit, Rußland
rechtzeitig zu unterstützen."
Es sei "die einzige Möglichkeit, Deutschland so weit physisch
zu schwächen und nervlich zu erschöpfen, daß eine Invasion aussichtsreich
erscheinen könnte."
Die deutsche Kriegswirtschaft erlitt wichtige Schäden: 1943 wird
die V2-Produktion durch Angriffe auf Peenemünde erheblich verzögert,
1944 die deutsche Benzin- und Flughenzinproduktion so schwer geschädigt,
daß Militäroperationen erheblich behindert sind, im gleichen Jahr
tritt durch die schweren Zerstörungen am Verkehrsnetz eine transportbedingte
Kohleknappheit ein, 1945 wird der Schienenverkehr durch die Bombardierung
von Rangierbahnhöfen teilweise lahmgelegt.
"Dresden ging in Schutt und Asche, zwei Jahre nachdem der Ausgang
des Zweiten Weltkrieges in Stalingrad entschieden worden war",
polemisierte Ulrike Meinhof. Sie vergaß, daß die mörderischen
Angriffe der V-Waffen auf London bis März 1945 weitergingen. Sie
ignorierte, daß die Arbeit der Nazis an der Atombombe bis in die
letzten Kriegstage weiterging - für Harris ein wesentliches Motiv
-, und daß die Stadt von erheblicher militärischer Bedeutung war.
So wird Dresden im Operationsbericht des Informationsbüros der
UdSSR als "wichtiger Stützpunkt faschistischer Verteidigung in
Sachsen", vom Sowjetische Oberkommando als "mächtiger Verteidigungsknoten
der Faschisten in Sachsen" bezeichnet.
Der britische Militärhistoriker Joseph W. Angell geht davon aus,
daß der Bombenangriff auf Dresden als direkte Unterstützung für
die heranrückende Rote Armee gedacht war. Zur gleichen Zeit, schreibt
er, habe Marschall Konjew mit seinen Armeen ungefähr 110 Kilometer
ostwärts der Stadt gestanden, in einer für deutsche Gegenangriffe
höchst verwundbaren vorgeschobenen Position - vorausgesetzt, die
Deutschen könnten Verstärkung durch Dresden bringen; dies sollten
die Bombardements verhindern.
Ob dieses Ziel vorrangig angestrebt wurde, ist innerhalb der Fachliteratur
umstritten - dagegen spricht, daß der Rangierbahnhof nicht dauerhaft
zerstört wurde. Andererseits wurden "enorme Auswirkungen auf die
Rüstungsproduktion" (Stadtarchivar Friedrich Reichert) erzielt.
Im größten Rüstungsbetrieb, der Firma Zeiß Ikon, waren vor dem
Angriff 10.837 Arbeiter tätig, danach nur noch etwa ein Viertel(2.508).
3. Lüge
Zum 10. Jahrestag erklärte der DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl
die Bombardierung Dresdens wie folgt: "Dieses unsinnige Verbrechen
diente ebenso wie die Zerstörung von Brücken, Talsperren und anderen
lebenswichtigen Einrichtungen durch die SS dem Zweck, eine Trümmerzone
zu schaffen, die den siegreichen Sowjetarmeen das weitere Vordringen
unmöglich machen sollte."
1969 hieß es am 13. Februar im Neuen Deutschland: "An diesem Tag
gedenken die Dresdner der vielen unschuldigen Opfer, die sterben
mußten, weil einige Politiker und Generale die untaugliche Idee
hatten, den Vormarsch des Sozialismus mit Bomben und Tränen aufzuhalten."
Dieser Vorwurf läßt sich durch eine simple Frage entkräften: Wenn
hinter den Bombenangriffen auf Dresden antisowjetische Motive
gesteckt haben, was lag dann den Attacken gegen Hamburg, Essen
und Köln zugrunde?
Fakt ist jedenfalls: Das Gebiet von Deutschland, das schließlich
von den Westalliiierten besetzt werden sollte, ist insgesamt weitaus
länger und schwerer angegriffen worden als Ostdeutschland. Ähnlich
demagogisch ist eine 1969 vom Neuen Deutschland zitierte Äußerung
von Marschall Shukow zu Dresden: "Eine solche Barbarei hätte die
sowjetische Armee nie zustande gebracht."
Dieser Vorwurf folgt dem Propagandainteresse der Sowjetunion nach
1945; vorher sah es anders aus. Überliefert ist ein reger Briefwechsel
zwischen Winston Churchill und Josef Stalin; Churchill erstattete
detailliert Bericht über die Erfolge der Städtebombardements,
legte oft sogar Luftaufnahmen und Dias bei.
So erhielt Stalin am 12. Januar 1944 von Churchill eine Geheimbotschaft
mit dem launigen Text: "Teilen Sie mir bitte rechtzeitig mit,
wann wir aufhören sollen, Berlin zu zerstören, damit genügend
Unterkünfte für die Sowjetarmee stehen bleiben." Stalin antwortete
todernst: "Unsere Armeen haben in der letzten Zeit wirklich Erfolge
erzielt, aber bis nach Berlin ist es für uns noch sehr weit...
Folglich brauchen Sie die Bombardierung Berlins nicht abzuschwächen,
sondern sollten Sie möglichst mit allen Mitteln verstärken."
Der Angriff auf Dresden wurde den Sowjets durch die US-Militärmission
in Moskau vorab mitgeteilt; sie erhoben keine Einwände. Der in
Moskau lebende KPD-Führungskader Anton Ackermann äußerte sich
im Februar 1945, in Kenntnis der schweren Luftangriffe und eventuell
auch in Kenntnis des Angriffes auf Dresden, anerkennend darüber,
wie "die amerikanischen und englischen Luftflotten täglich stärker
auf das rückwärtige Gebiet jener deutschen Armeen wirken, die
der Roten Armee gegenüberstehen und dieser somit vom Westen her
helfen."
Diese Ausrichtung wurde nach dem Krieg zunächst beibehalten. So
fanden am 13.2.1946 über 20 Gedenkveranstaltungen statt, für die
zwischen Stadtadministration und Sowjets die folgende Linie abgestimmt
wurde: "Es soll alles vermieden werden, was den 13. Februar als
Trauertag erscheinen läßt. Die Meinung des (sowjetischen) Majors
geht dahin, wenn der 13. Februar eine falsche Note bekommt, sich
sehr leicht Tendenzen gegen die Alliierten äußern könnten; das
müßte unter allen Umständen vermieden werden."
Auf den Veranstaltungen wurden Resolutionen verfaHt, in denen
die Zerstörung der Stadt als "die traurige Bilanz des hitleristischen
Rauhkrieges" bezeichnet wurde. Kritik an Großbritannien und den
USA gab es nicht.
Der kommissarische Bürgermeister Weidauer gab in seiner Rede die
Zahl der Opfer des Angriffes korrekt mit 25.000 an. 1947 und 1948
fanden keine Gedenkveranstaltungen statt. Im Laufe des Jahres
1948 vertiefte sich die Spaltung der früheren Alliierten (Berlin-Blockade),
was zu einer radikalen Änderung der Propagandalinie führte. So
fand die Sächsische Zeitung am 12.2.1949 in der Zerstörung Dresdens
"zugleich eine Anklage gegen die anglo-amerikanische Kriegsführung...
Die grauenhafte Vernichtung Dresdens war durch keinerlei strategische
Überlegungen zu rechtfertigen." 1950, kurz nach Gründung der NATO,
gab es in der ganzen DDR Dresden-Gedächtniskundgebungen.
Das Dresdner Vorbereitungskomitee schrieb: "Die Nationale Front
des demokratischen Deutschlands kämpft gegen die Zerstörer Dresdens,
die Kriegstreiber von heute." Der sächsische Ministerpräsident
Seydewitz rief aus, "daß dieselben Kräfte, die damals Dresden
sinnlos zerstörten, heute schon wieder von neuem zum Vökermord
aufrufen."
1951, der Korea-Krieg war ausgebrochen, schrieb die Tägliche Rundschau:
"Der Feuerschein der blutigen Stadt Dresden, der am Ende des Zweiten
Weltkrieges den Himmel weithin sichtbar rötete, ließ die räuberische
Fratze des amerikanischen Imperialismus, des ärgsten Feindes der
Menschheit, heraufleuchten."
Ein Jahr später verhalf DDR-Volkskammerpräsident Dieckmann gar
der Goebbelschen Wortschöpfung von den "anglo-amerikanischen Luftgangstern"
zu neuer Reputation. Damit hatte die SED den Gipfel der Demagogie
erreicht.
In der Folge klang die anti-amerikanische und anti-englische Hetze
ab, wurde ersetzt durch Kritik an den "Bonner Ultras" (60er Jahre)
oder durch allgemeinplätzlerische Friedensappelle (80er Jahre).
Es blieb der westdeutschen Linken vorbehalten, die Geschmacklosigkeiten
der frühen DDR-Propaganda fortzuführen und mit westlichem Geschichtsrevisionismus
zu verbinden.
Ulrike Meinhof bezog sich 1965 in einem Aufsatz für die "konkret"
positiv auf David Irving, schlug auf dessen gefälschte Opferzahlen
lässig noch einmal die Hälfte drauf ("über 200.000") und kam dann
zu folgendem atemberaubenden Schluß: "Als die deutsche Bevölkerung
die Wahrheit über Auschwitz erfuhr, erfuhr die englische Öffentlichkeit
die Wahrheit über Dresden. (...) In Dresden ist der Anti-HitlerKrieg
zu dem entartet, was man zu bekämpfen vorgab und wohl auch bekämpft
hatte: Zu Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung
gibt. Wenn es eines Beweises bedürfte, daß es den gerechten Krieg
nicht gibt Dresden wäre der Beweis."
Diese Äußerungen, der entstehenden Neuen Linken in die Wiege gelegt,
konzentrieren alle Geburtsfehler dieser Linken: die nivellierende
Einreihung von Auschwitz in die Schrecken des Krieges; die fehlende
Unterscheidung von Nationalsozialismus und gewöhnlichem Faschismus;
die Gleichsetzung von Nazi-Deutschland und den Feindstaaten; die
Verwechslung von Antifaschismus mit Pazifismus, von Pazifismus
mit Appeasement.
Wem zum 13. Februar und zum 8. Mai statt des naheliegenden "Nie
wieder Deutschland" nur ein "Nie wieder Krieg" einfällt, in dem
sich auch der Haß auf die Armeen der Anti-Hitler-Koalition gut
aufgehoben sieht, stand 1965 rechts von Konrad Adenauer und steht
1995 rechts von Roman Herzog.
Eine neue Linke kann sich nur im Bruch mit diesen Traditionen
konstituieren.
aus: J.Elsässer, Wenn das der Führer
hätten erleben dürfen. 29. Glückwünsche zum deutsche Sieg über
die Alliierten.
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