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Am Dresdner Hauptbahnhof werden
pünktlich zum 62. Jahrestag der Bombardierung Dresdens im 2.
Weltkrieg die Erinnerungen freigelegt. Im Rahmen der
Sanierungsarbeiten am Südausgang wurden Dinge sichtbar, die im
„weltoffenen Dresden“ sehr gern verschwiegen werden. Vor
noch nicht einmal 17 Jahren wurde der Holocaustleugner und
Geschichtsrevisionist David Irving im Dresdner Kulturpalast hofiert.
Eingeladen dazu hatte die sogenannte „Deutsch- Europäische
Gemeinschaft der Verfolgten Totalitärer Systeme“ und
anwesend waren Hunderte Dresdner BürgerInnen im ausverkauften
Kulturpalast. Hinter der einladenden „Gemeinschaft der
Verfolgten Totalitärer Systeme“ steckte der bundesweit
bekannte Neonazi und verurteilte Holocaustleugner Bela Ewald Althans.
Auf den Werbeplakaten, welche im
Dresdner Hauptbahnhof auf Grund von Sanierungsarbeiten wieder
sichtbar wurden heißt es: „Ausflug in die geschichtliche
Wahrheit. David Irving, der in der Welt am meisten gelesene
Historiker Grossbritaniens spricht in Dresden, Leipzig und Gera über
seine neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und über
die seit 1945 vielfach entstellt dargestellte Zeitgeschichte. Irving
trat vor dreissig Jahren mit seinem Buch „Die Zerstörung
Dresdens“ ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Seine
Bücher werden in allen Kontinenten von den namhaftesten Verlagen
veröffentlicht. David Irving wurde in dreissig Jahren nicht ein
einziges mal widerlegt.“
Die methodischen Ungereimtheiten von
Irvings geschichtswissenschaftlicher Forschung finden ihren Höhepunkt
in einer Null. Diese hatte der Neonazi an die Totenzahlen des
Bombenangriffs auf Dresden angehängt und die Zahlen damit
verzehnfacht. Seine „Untersuchungen“ stützen sich
dabei auf den sogenannten „Tagesbefehl 47“ mit welchem
das Propagandaministerium des nationalsozialistischen Deutschland die
deutschen Opferzahlen in die Höhe treiben wollte. Bereits lange
vor seinem Auftritt in Dresden war diese Geschichtsfälschung
Irvings öffentlich entlarvt worden. In Österreich wurde
Irving bereits vor seinem Auftritt in Dresden, am 08. November 1989
wegen Wiederbetätigung im Sinne des Nationalsozialismus
verurteilt.
Wenn es allerdings darum geht den
deutschen Opfern zu gedenken, nimmt man es in Dresden üblicherweise
nicht so genau. Die Dresdner BürgerInnen im Kulturpalast
spendeten standing- ovations. In der damaligen Tageszeitung „Die
Union“ (heute: Dresdner Neueste Nachrichten) schrieb Christine
Wosnitza einen Artikel, in welchem Irving regelrecht heroisiert
wurde. Sie schreibt über den „weltbekannten Autor“:
„Irvings Dokumentation wirkte wie ein Fanal. Um so
unverständlicher ist es heute, daß dieses ehrliche Buch,
das so rückhaltlos mit dem Bombenkrieg gegen die
Zivilbevölkerung abrechnet, in der DDR bisher verpönt war.
Der Grund dafür - so David Irving - lag vor allem bei der Angabe
der Totenzahl. (...) Doch nun scheint auch hier die Wende gekommen zu
sein.“
In den neunziger Jahren wurde Irving
auch in anderen Ländern auf Grund seiner Shoa- Leugnung
rechtskräftig verurteilt. Er hat Einreiseverbote u.a. in
Österreich, der Bundesrepublik, Australien, Italien, Kanada und
Südafrika. Im November 2005 wurde er aufgrund eines gegen ihn
ausgestellten Haftbefehls in Österreich festgenommen und am 20.
Februar 2006 zu drei Jahren Haft verurteilt, von denen er 13 Monate
absaß. Nach seiner Abschiebung nach London gab Irving der
neonazistischen deutschen National- Zeitung ein Interview, in welchem
er feststellte: „Allerdings habe ich während der Haft an
meiner Himmler-Biographie und an meiner Autobiographie geschrieben –
4.000 Seiten, mit der Hand versteht sich. Und diese beiden großen
Werke werde ich in den kommenden Monaten vollenden.“
Inzwischen bestätigte der Dresdner
Stadtrat, dass die städtische Historikerkommission ein drittes
Jahr zum Thema Totenzahlen recherchieren soll. Die DresdnerInnen
werden sich aber mit 25.000-35.000 Toten zufrieden geben müssen.
Dem Dresdner Gemüt ist dies scheinbar zu hart, und so genießen
die Passanten im Hauptbahnhof noch einige Monate lang die Erinnerung
an die "guten alten Zeiten".
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