15. 02. 1990, "Die Union" (eine damalige Dresdner
Tageszeitung)
"Dresden hat mir das Leben verdorben"
Der englische Autor David Irving sprach über seine Forschungen
Ein Engländer kämpft für die Ehre Deutschlands
- so wird David Irving, weltbekannter Autor des Buches "Die
Zerstörung Dresdens" (sic!) auf einem Plakat vorgestellt.
Bei einem solchen Slogan ist es wohl verständlich, daß
er mehr Anteil an der Öffnung der deutsch-deutschen Grenzen
nimmt, als es in seinem Heimatland üblich ist. Ja, er
hält dieses Ereignis, wie er anläßlich einer
Pressekonferenz am 13. Februar unterstrich, sogar für
den größten deutschen Sieg im Jahrhundert.
Vor allem aber ist es doch die Stadt Dresden, der er sich
auf deutschem Boden am meisten verbunden fühlt. Das Buch,
das er über ihr grauenvolles Schicksal im Zweiten Weltkrieg
schrieb, erschien 1963 zum ersten Mal und ist seitdem als
Bestseller durch die ganze Welt gegangen. Wie kam David Irving
dazu, die Zerstörung Dresden szu seinem Thema zu machen?
Als Stahlarbeiter lernte der heutige Historiker im Ruhrgebiet
einen Dresdner kennen, der mit ihm im gleichen Wohnheim untergebracht
war und ihm viel über das Leid der verwüsteten Stadt
erzählte. Er war zutiefst darüber geschockt. War
er doch wie die meisten Engländer vorher der Ansicht
gewesen, daß die Air force nur Industrieziele angegriffen
hätte. Geschockt gewsen sein soll übrigens auch
Masterbomber Maurice Smith, al ihm später Walter Hahns
Fotografien von der zertrümmerten Stadt vorgelegt wurden.
Irvings Dokumentation wirkte wie ein Fanal. Um so unverständicher
ist es heute, daß dieses ehrliche Buch, das so rückhaltlos
mit dem Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung abrechnet,
in der DDR bisher verpönt war. Der Grund dafür -
so David Irving - lag vor allem bei der Angabe der Totenzahl.
Denn während er nach seinen Forschungen schlußfolgert,
daß es mit Sicherheit mindestens 100 000 Menschen waren,
die am 13. und 14. Februar ihr Leben verloren, verharrte man
in der DDR weiterhin auf 35 000. Diese Zahl stützt sich
jedoch auf einen Bericht vom 10. März 1945, einen Zeitpunkt
also, zu dem in Dresden noch immer chaotische Zustände
herrschten. Ressentiments haben hierbei zugrunde gelegen,
meint Irving. Seiner Ansicht wollte man es damals den Alliierten
nicht zugestehen, daß sie in der Lage waren, einen "Donnerschlag"
mit solch verheerenden Auswirkungen durchzuführen.
Doch nun scheint auch hier die Wende gekommen zu sein. Irvings
Buch "Die Zerstörung Dresdens" ist für
eine Lizenzausgabe in der DDR vorgesehen. Zunächst aber
wurde der Autor selbst sehr herzlich zu einem Vortrag im Dresdner
Kulturpalast begrüßt. Was passierte und warum es
passierte - danach hat Irving zu Beginn der sechziger Jahre
gründlich recherchiert. Was er an Details zur Dresdner
Tragödie erfuhr, geht auch 45 Jahre nach dem grauenvollen
Geschehen noch unter die Haut. Churchill selbst war es, der
den Luftkrieg über den deutschen Städten entfesselte,
so führte der Redner u.a. aus. Churchill wollte seiner
Ansicht nach damit einer im Lande aufgekommenen Friedensströmung
entgegewirken und nicht zuletzt den USA imponieren. Er schreckte
dabei auch nicht vor Falschmeldungen zurück, und authentisch
ist seine Anfrage im Januar 1945, was wohl getan werden könnte,
um auch die aus Schlesien kommenden Flüchtlinge zu "braten".
Der englische Premier - so David Irving - war ein Verbrecher
wie Hitler und Stalin.
"Dresden hat mir das Leben verdorben" - dies war
ein anderer Gedanke, den der Referent in den Raum stellte.
Nachdem er sich einmal mit der Stadt befaßt hatte, die
keinesfalls aus humanistischen Gründen anfänglich
von Bomben verschont geblieben war, sondern nur ihrer geographischen
Lage wegen, ließ ihn auch das Thema Bombenkrieg nicht
mehr los. Er verfolgte die ganze historische Kette dieser
barbarischen Kriegsführung. "Die Zertörung
Dresdens" wurde sein meistgelesenes Buch. Unterdessen
hat er mit dem gleichen Mut aber auch noch über zwanzig
weitere politische Werke geschrieben. Zur Zeit befaßt
er sich - darum auch sein gegenwärtiger Aufenthalt in
Potsdam mit Studien im Zentralen Staatsarchiv - mit Biographien
über Churchill, Hitler und Goebbels. Die Einnahmen vom
Vortrag und dem Buchverkauf, die am 13. Februar im Kulturpalast
stattfanden, hat er als Spende für den Wiederaufbau des
Dresdner Schlosses zur Verfügung gestellt. Seit 1961
- damals betrieb er Nachforschungen für sein Dresdenbuch
und hatte u.a. auch ein Gespräch mit Oberbürgermeister
Weidauer - ist er nicht wieder in Dresden gewesen. Seinen
Worten zufolge ist er begeistert über die unterdessen
wiederaufgebaute Stadt. Die Ruine der Frauenkirche sollte
jedoch seiner Meinung nach eine Ruine bleibe, weil es kein
geeigneteres Mahnmal geben könnte, nicht, was eine eindruckvollere
Warnung vor dem Wahnsinn des Krieges wäre.
Christine Wosnitza