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no tears
for krauts!
eine Eröffnung des Gedenkens
am 13. Februar 1995
Findig hatten wir uns die Liste aller offiziellen Deutscher-Opferkult-Feierlichkeiten
um den 13. Februar herum besorgt und mit Bedacht die politischste
von allen herausgesucht; eine Feierlichkeit mit überwiegend
"privatem Trauercharakter" wollten wir nicht mitbegehen,
erstens da wir persönlich dort nichts zu trauern hatten,
und zweitens, weil wir persönliche Trauer Einzelner nicht
stören wollten. So verfielen wir auf die Teilnahme an der
zentralen Gedenkstunde im Kulturpalast, auf der auch Roman Herzog
sprechen sollte; also kein Flächenbombardement, sondern gezielte
chirurgische Schläge.
Gekleidet in schlichter Eleganz mit Trauernote, brachen wir von
Leipzig aus auf und erkundeten am Ort des geplanten Geschehens
die Lage; da wir unbedingt in den Festsaal reinkommen wollten,
beschlossen wir uns aufzuteilen. Eine Kleingruppe mit Transparent
- der Rest unseres rechts umfangreichen Kommandos nur mit Flugblättern,
alles gut unter den Trauerklamotten verborgen. Ziel unserer Störaktion
war es, erstens pressemäßig Aufsehen zu erregen, zweitens
darzustellen, wie alleine man an solchen Tagen mit solchen Flugblättern
stehen kann ("... Nationalists and pacifists can march some
way together in Germany. Pacifists create martyr's cause an draw
conclusion about the way Germany should now behave..." -
Die London Times vom 14. Februar 1995 bringt's auf den Punkt),
und drittens natürlich die offiziellen Veranstalter zu verärgern;
die Konfrontation mit der Bevölkerung wurde nicht konsequent
gesucht, aus gesundheitlichen Gründen.
Über die tätige Mithilfe findiger Redakteure einer
linken Tageszeitung gelang es der Transpi-Kleingruppe, bis in
den Festsaal zu gelangen udn sich dort auf den oberen Rängen
gut zu positionieren. Der Rest vom Rest hatte keine Karten - es
waren Karten verlangt - und brach schließlich 10 Sekundenvor
Schließung der massiven wunderschön ziselierten Bronzetüren
durch in das Foyer des Kulturpalastes, in dem sich noch allerlei
Presse aufhielt. In diesem Zusammenhang ein dickes Dankeschön
an die Zivibullen: Wenn Ihr nicht ganz so dämlich oder taub
oder blind oder desinteressiert (oder nur auf ABM?) gewesen wärt,
wir hätten es wohl kaum geschafft. Die ins Foyer durchgebrochenen
begannen sofort, unter lauten "Nie wieder Deutschland"-Rufen,
mitgebrachte Flugblätter "umherzuwerfen" (Dresdner
Neueste Nachrichten, 14. Februar); dies war das Signal für
die Transpi-Gruppe, oben im Festsaal (tolle Akustik hat der Kulturpalast)
das Transpi mit der Aufschrift "No tears for krauts - Deutsche
Täter sind keine Opfer!" zu entrollen, vor einer beeindruckenden
Zahl von Kameras. Oben wie unten gings uns dann gleichermaßen
an den Kragen, doch schafften es viele im allgemeinen Tumult zu
entkommen. Die Gedenkstunde der Landeshauptstadt Dresden war somit
würdig eröffnet.
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