| ,,Hier war
doch nur Kultur" ; ,, Menschen und Kultur, sonst nichts weiter.
Eine Bombardierung war folglich sinnlos...".
Gleichgültig
wie oft man solche Zitate alt eingesessener DresdnerInnen hören
mag, die zweifelsohne bezeugen, die Stadt Dresden hätte zur
Zeit der britischen Bombenangriffe in der Nacht vom 13/14. Februar
1945 lediglich eine kulturelle, flüchtlingsbewahrende Funktion
gehabt, sollten wir "als freidenkende Menschen und Bürger"
diese Aussagen als auch ihre Hintergründe näher beleuchten
und hinterfragen. Ich möchte in dieser kurzen Kolumne nicht
näher auf die Zahl der Opfer, welche in den letzten Jahren,
obwohl faktisch richtig nachgewiesen, zur genüge verfälscht
und letztlich doch zugegebener Maßen zum Gunsten der Wahrheit
korrigiert werden musste (siehe SZ) eingehen. Des weiteren möchte
ich ebenso den seit einiger Zeit gut wiederlegten Mythos rund
um die Nacht des 13./14. Februars (Stichwort ,,Tieffliegerangriffe")
außen vor lassen, da dieser zur Genüge diskutiert und
richtiggestellt wurde. Diese Kolumne soll sich einzig und allein
der militärischen Bedeutung Dresdens widmen, welche zwar
oft korrigiert wurde, aber dennoch nichtvollständig wahr
ist.
Zu erst muss
mensch die Lage des Zweiten Weltkrieges um die Zeit der britischen
Bomberangriffe auf Dresden kennen. Zu Beginn des Jahres 1945 setzten
die Alliierten zur Entscheidungsschlacht im Kampf gegen Deutschland
an. Die Westalliierten hatten bereits im November 1944 den Rhein
erreicht, die Rote Armee war bis Ende Januar auf der geografischen
Breite Berlins an die Oder vorgedrungen und kurz davor, Schlesien
zu erobern. Andere deutsche Städte unterlagen in dieser Zeit
bereits der strategischen Zerstörung britischer Bomberverbände.
In diesem Moment des Kräftesammelns nutzten die alliierten
Truppen ihre Luftüberlegenheit zu Luftangriffen, um die Entscheidungsschlacht
am Boden, den Einmarsch in die "Festung Deutschland",
vorzubereiten. Nach den Angaben im Dresdner Jahrbuch von 1942
war die Stadt "einer der ersten Industriestandorte des Reiches".
Bis 1944 war die Mehrzahl der Betriebe fast vollständig auf
Rüstung umgestellt. Die Bedeutung Dresdens für die nationalsozialistische
Rüstungsindustrie steh somit außer Frage.
Doch nun
zum eigentlichen strategischen Knackpunkt: Dresden war im Februar
1945 die letzte intakte Garnisonsstadt im Rücken der Ostfront.
Dies ist ein Fakt, welcher sich nicht wegdiskutieren - oder gar
retuschieren lässt. Die Nationalsozialisten wollten die Elbe
von Hamburg bis Prag zur letzten deutschen Verteidigungslinie
gegen den Vormarsch der Roten Armee machen. Die flussnahen Städte
sollten zu "Festungen" ausgebaut und vom "Volkssturm"
verteidigt werden. Die Achse ,, Prag - Dresden - Berlin"
spielte hierfür auch eine wichtige Rolle. Bereits am 1. Dezember
1944 befahl Generaloberst Heinz Guderian die Errichtung des Verteidigungsbereiches
,,Dresden-Riesa". Dieser Befehl wurde vorerst geheimgehalten
und erst im April 1945 veröffentlicht. Rund um die Stadt
sollten Panzersperren, Panzergräben, Schützengräben,
Artilleriestellungen und Minenfelder angelegt werden. Die Behörden
in der Stadt wurden dem Befehl des Korpsstab unterstellt. Für
die Elblinie wurde der Befehl ausgegeben: "Halten
bis zum letzten!".
Nach den ersten
Luftangriffen häuften sich seit Januar 1945 die Ersatzanfragen
von den Fronten. Mehrere wurden abgelehnt, u.a. die Anfrage des
Kommandeurs der vor der Stadt kämpfenden 4. Panzerarmee.
So behielt die Garnison Dresden bis zum Mai eine beachtliche Truppenstärke,
die vor allem aus der Division 404, der Waffen-SS, Luftwaffe,
schlecht ausgerüsteter Flakersatzabteilung und der Marine
(in Tharandt und Ottendorf-Okrilla) bestand. Von einer reinen
zivilen Bevölkerung kann und darf also nicht die Rede sein...
Eine Stadt welche
zur Festung ummobilisiert werden sollte, unter Leitung von Militärkorps,
um der Roten Armee verheerende Verluste zuzuführen und gemeinsam
mit Riesa die letzte Bastion gegen den herannahenden Feind aus
dem Osten zu bilden, als militärisch und strategisch unwichtige,
gar bedeutungslose Stadt darzustellen ist nicht nur vermessen,
es ist ein Teil des Dresdner Geschichtsrevisionismus und eine
der großen Mythen der Stadt Dresden, welche bis heute nur
ungenügend im Blickpunkt stand. Ich hoffe und wünsche
mir, dass diese Kolumne dazu beiträgt, die faktische Wahrheit
in den Vordergrund zu Rücken und dabei hilft, den Kontext
rund um die alliierten Bombenangriffe im Gedächtnis zu behalten.
Quellen:
Statistisches Handbuch von Deutschland 1928-1944; München im
Jahr 1949 (strategisch - und faktisch gute Darstellung der militärischen
Lage Deutschland um die Zeit des Zweiten Weltkrieges.)
Dresden im Luftkrieg (Vorgeschichte, Bombadierung, Folgen) von Götz
Bergander; Flechsig Verlag, Auflage 2 ; ISBN 3881892397
Die kollektive Unschuld. Wie der Dresden-Schwindel zum nationalen
Opfermythos wurde; von Gunnar Schubert; Konkret texte 42;
im Jahr 2006 ; ISBN 3930786478
Geschichte der Stadt Dresden - Band 3 ,,Von der Reichsgründung
bis zur Gegenwart" 1871-2006; Karlheinz Blatschke; Dresden
2006
Zeitungsartikel ,,Fakten gegen Legenden. Frederick Taylor über
die Bombardierung Dresdens im Februar 1945" aus der Zeitschrift
,,analyse & kritk" Auflage 93 vom 18.3.2005
Analyse der USAF
https://www.airforcehistory.hq.af.mil/PopTopics/dresden.htm
(auf Englisch, mit Begründung und Zitat der Forderung
der UdSSR, Bombardements einzusetzen um ein Entstehen einer innerdeutschen
Frontline zu verhindern.)
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