I don´t
like mondays but sometimes tuesdays erste
Einschätzung des Vorbereitungskreis
Ein Super-Mobilisierungserfolg, megaschlechtes Wetter, allerdings
kein Schnee, super motivierte Leute und das totale Chaos in der
Dresdner Innenstadt sorgten wohl für den absurdesten 13. Februar,
den die Stadt je gesehen hat.
Aber fangen wir am Anfang an.
[Heidefriedhof]
Um 9.30 Uhr trafen sich ca. 150 Antifaschist_innen, darunter auch
viele, die extra schon einen Tag eher angereist waren, um der alljährlichen
Kranzniederlegung das richtige Ambiente zu verleihen. Während
diverse Abgeordnete aller Fraktionen und Gruppen aus Stadtrat und
Landtag, sowie diverse Opferwütige mit todernster Miene ihre
Kränze niederlegten, feierten die Antifaschist_innen ausgelassen.
Hinter diversen schicken Transparenten wurden Spiele ("Mal den Opfermythos"
oder "Mein schönster Mythos") veranstaltet, Choreographien
gezeigt ("10 german bombers"), Gedichte über die NPD-(Noch-)Fraktion
vorgelesen und lecker warmer Tee getrunken. Dazu gab es tolle Musik
und kreative Sprüche, die gerufen wurden.
Dass sich einige Nazis, darunter natürlich auch wieder Ronny
Thomas und Sebastian Reiche, nicht entblöden, mit billiger
Vermummung und Discountkameras auf Anti-Antifa zu machen, trug eher
zur Erheiterung der Anwesenden bei, auch wenn die zuletzt bekannt
gewordene Anti-Antifa-Akte zeigt, dass dahinter bitterer Ernst steckt.
Nach gut 1,5 Stunden wurde wieder alles zusammengepackt und mit
der Beteuerung "Wir werden solange wiederkommen, wie die Scheiße
hier andauert. Also wohl bis nächstes Jahr!" wurde der Opfermob
sich selbst überlassen. Natürlich nicht, ohne noch ein
letztes Mal mit dem "Heult doch!"-Transpi zu winken.
[Antifademo]
Trotz des schlechten Wetters kamen um 16 Uhr an der Altmarktgalerie/Dr.-Külz-Ring
gut 1500 Antifaschist_innen zusammen, um gegen die Gedenkpolitik
der Stadt und den Naziaufmarsch zu demonstrieren.
Nachdem die Auftaktkundgebung beendet wurde, zog die Demo lautstark
durch die Innenstadt und machte die Bürger_innen auf ihre Anliegen
aufmerksam. Währenddessen wurden Redebeiträge gehalten
und eine gute Musikmischung zwischen linken Evergreens und netter
Popmusik gespielt. Als die Demonstration den Rathenauplatz erreichte,
wurde sie von der Anmelderin aufgelöst.
[Der Durchbruchsversuch]
Dies hinderte die Anwesenden allerdings nicht daran, entschlossen
weiter zu laufen und den Durchbruch auf die Naziroute zu wagen.
Verhindert wurde dies durch einen brutalen Polizeiknüppel-Einsatz,
bei dem Tonfas auf Köpfe und in Gesichter geschlagen wurden.
Gleich zu Beginn hat die Polizei damit ihr Vorhaben deutlich gemacht,
den Naziaufmarsch mit allen Mitteln durchprügeln zu wollen.
Die Polizei, die damit den ersten zivilcouragierten Blockadeversuch
des Tages vereitelte, hatte sich nun für den weiteren Verlauf
schlechte Karten verschafft und muss sich dann auch nicht
wundern, dass es ab jetzt teilweise auch etwas weniger ordentlich
zuging, um eine Blockade zu ermöglichen.
[Geh - Denken]
Kurz vor der Antifademo erreichte die "Geh Denken"-Demo den Rathenauplatz.
Verschiedene Personen hielten ausführliche Reden bis die Antifa-Demo
in Sichtweite war. Mit dem Näherkommen wurden dann allerdings
die Reden hektisch abgebrochen und Ralf Hron dirigierte die Teilnehmer_innen
in die innere Altstadt zur Demokratiemeile. Unklar bleibt, ob er
hier vor der eigenen Courage abgehauen ist oder was sonst der Grund
für die Flucht vor der Antifademo gewesen ist.
Mitleidserregend ist dagegen fast schon, dass wie bereits im vergangenen
Jahr versucht wird, Teilnehmer_innenzahlen an "Geh Denken"-Demo
und Demokratiemeile in nie erreichte Höhen zu reden und zu
schreiben. Die Sächische Zeitung unterstützte diese Linie
und berichtete von 5500 Teilnehmer_innen, die lediglich Ralf Hron
herbei halluzinierte. Die Dresdner Neueste Nachrichten hingegen
blieben bei realistischen Zahlen, die dann auf weniger als die Hälfte
beziffert wurden.
[Antifas auf der Gedenkmeile]
So hatten sich die Stadt und der Polizeichef das mit dem Stillen
Gedenken wohl nicht vorgestellt. Nach dem missglückten Durchbruchsversuch
aufs Terrassenufer am Rathenauplatz versuchte die Polizei, alle
Leute Richtung Frauenkirche - Demokratiemeile abzudrängen.
Was soweit auch erstmal gelang! Mit dem lustigen Ergebnis, dass
ca 1.500 Antifas lautstark einmal an der Frauenkirche vorbei zur
Demokratiemeile und zurück tobten. Effektiver hätte die
abendliche Gedenkstimmung nicht gestört werden können.
Dass auch dieses Jahr wieder die antisemitische Politsekte "AGFG"
auf der "Demokratiemeile" vertreten war, sagt viel über das
Dresdner Demokratieverständnis aus, ebenso wie der Fakt, dass
diverse bürgerliche Initiativen versuchten, die anwesenden
Antifaschist_innen mit kostenlosem Essen und "Gesprächen" einzulullen,
anstatt die Naziroute zu blockieren.
[Nazis Blockieren]
Nach dem Besuch der Demokratiemeile - die Helfer_innen mussten sogar
die Kerzen für den Slogan "Diese Stadt hat Nazis satt" selbst
anzünden, da es nicht genug couragierte Bürger_innen gab
- gings dann richtig los.
Nach und nach gelang es immer mehr Leuten, über den Pirnaischen
Platz nach Johannstadt zu gelangen und dort dann direkt auf die
Route zu kommen. Leider nutze die Polizei die abendliche Dunkelheit
und die Nichtanwesenheit der Presse aus, um ab und zu ziemlich derb
gegen Leute vorzugehen. So wurde der erste Versuch einer Sitzblockade
ziemlich böse geräumt. Was natürlich nicht verhinderte,
dass das ganze erneut versucht wurde. So gab es dann schließlich
mehrere Blockaden, welche sich im Laufe der Zeit zu einer großen
vereinigten. Währenddessen war es irgendwann nicht mehr möglich,
mit dem Auto durch Johannstadt zu fahren, allerlei fand sich auf
den Straßen - Bauzäune, Straßenschilder, Fahrradständer,...
Wichtige Utensilien um den allzu brutalen Polizist_innen das Durchkommen
zu den Sitzblockaden zu erschweren.
Allerdings, es wäre auch zu schön, um wahr zu sein, liefen
die Nazis dann doch tatsächlich 20:30 Uhr los - sie sollten
eine verkürzte Route gehen.
Ein weiterer Versuch einer Blockade auf der Steinstrasse wurde von
der Polizei geräumt und so zog der Naziaufmarsch gegen 22 Uhr
an der Synagoge vorbei und bog in die Steinstrasse ein. Tja und
irgendwie wurde es dann immer später. Gegen 23:30 Uhr standen
sie vorm Rathaus und sangen das Lied vom Kameraden und gegen 00:30Uhr
wurde die Nazidemo dann am Zwingerteich mit allerdings nur noch
500 Teilnehmer_innen aufgelöst.
[Polizei]
Anderthalb- bis zweieinhalb tausend Beamt_innen wollte die Polizei
einsetzen, wie sie vorher verlautbaren ließ. Mit Verstärkung
waren es dann schließlich 2800. So weit, so gut, aber warum
braucht die Polizei eigentlich noch Verstärkung, wenn schon
2500 Polizist_innen Dresden verstopfen?
Besonders Antifademos und Sitzblockaden sind der Einsatzleitung
ein Gräuel. Unmissverständlich war klargemacht worden,
dass mensch gegen Störer_innen "rechtmäßiger Aufzüge"
(also der Nazidemonstration) vorgehen werde, dass deren Behinderung
in einer Sitzblockade eine Straftat darstellen könne. Es ist
aber keine, weil es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit handelt.
Trotz teilweise unverhältnismäßig brutal auftretender
Polizist_innen und der Fokussierung ihrer Kräfte auf Antifademo
und Blockaden, konnte die Blockade nicht verhindert werden.
Ob die in der Stadt frei umherschweifenden Nazigruppen ebenfalls
dem Unvermögen der Polizei, sie zu kontrollieren, geschuldet
sind, oder vielmehr ihrer Einschätzung, still gedenkende Nazis
würden keine Gefahr für das stille Gedenken darstellen,
mag dahingestellt bleiben.
Die abschließende Einschätzung des Polizeipräsidenten
Dieter Hanitsch scheint auch nicht gerade eine der realistischsten,
so prägte doch seiner Meinung nach "das Stille Gedenken den
13. Februar" (SächZ.14.02.07). Ist wohl alles eine Frage der
Wahrnehmung und dann repräsentieren vollgepanzerte Polizist_innen
überall, eine lautstarke Antifademo, eine auch nicht gerade
leise Bürger_innendemo, dazu Böller und Strassenbarrikaden
sowie ein Naziaufmarsch, der bis nachts halb eins mit gruseligster
Musik und Propagandareden stattfand, halt ein ruhiges Gedenken. |

Blockade mit Front-Transpa der Antifa-Demo

Blick von Blockade in Richtung der
Nazis

Poldi ist wieder da!

Schräglage des Lautiwagens wegen
plötzlicher starker Nachfrage der zu verschenkenden Buttons
- unten rechts zu sehen

Massive Polizeipräsenz an der Neuen Synagoge . Verhindert
werden sollte damit nicht das Vorbeilaufen der Nazis, sondern
das gelangen von Antifaschist_innen auf die Naziroute.

Naziaufmarsch - 2000 Polizisten damit dieses Transparent ungehindert
durch Dresden laufen sollte.

Mythen-Mal-Contest:
The winner - In der Mitte eine Darstellung des Mythos, dass mensch
in der Nacht der Bombardierung auf den Elbwiesen eine nackte Frau
auf einem Löwen habe reiten sehen. Das merkwürdige nur:
es gab zu dieser Zeit in Dresden keine Löwen; weder im Zoo
noch im Zirkus Sarassani.
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