| 27. Januar 2006,
Jahrestag der Befreiung von Auschwitz
Jom haShoah -
Shoa-Gedenktag
Heute, 20:00 Uhr in Dresden: Lesung im 7. Stock (Pirnaischer
Platz, Wilsdruffer Str. 3)
Die Rote Armee befreite am 27.1.1945 das Konzentrations- und
Vernichtungslager Auschwitz. Seit der Inbetriebnahme der ersten
Gaskammer vor mehr als zweieinhalb Jahren waren dort mindestens
zwei Millionen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle,
politische Häftlinge, Strafgefangene und viele Zehntausende
Kriegsgefangene aus ganz Europa ermordet worden.
Seit zehn Jahren ist der 27. Januar offizieller deutscher Tag
des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus. Während
dieser Tag alle Opfer des NS einbezieht, will diese Veranstaltung
das historische Ereignis in den Fokus nehmen, welches für
die Datumssetzung gewählt wurde.
Es werden Auszüge aus autobiographischen Berichten von Befreiungen
aus Auschwitz und anderen Lagern gelesen, darunter Texte von Primo
Levi, Halina Birenbaum, Anita Lasker-Wallfisch u.a.
Darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob eine Befreiung
aus Auschwitz einer Befreiung von Auschwitz gleichkommt.
Die Veranstaltung beginnt pünktlich um 20 Uhr.
Links:
Gedenkwebsite von Hagalil, mit Audio
Aktion 11.000 Kinder
Auf dem deutschen Schienennetz nach Auschwitz: 11.000 Kinder
Konzernspitze der Bahn AG: Unversöhnlich
Bahn-Manager Hartmut Mehdorn gegen Gedenkveranstaltung am 27.
Januar um 17.30 Uhr im Stuttgarter Hauptbahnhof
„NS-Opfer entschädigen. NS-Täter
bestrafen.“
Bericht von Veranstaltung in Berlin
Während in Dresden alljährlich
die deutsche Opferinszenierung ihren Höhepunkt erreicht,
geraten die Opfer Nazideutschlands immer mehr aus dem Blickfeld.
Um dem etwas entgegen zusetzen, haben sich mehrere Personen und
Initiativen zusammen getan und die Kampagne „NS-Opfer entschädigen.
NS-Täter bestrafen.“
www.ns-opfer-entschaedigen.org ins Leben gerufen.
Diese hat zum Ziel die andere Seite des Gedenkens bzw. des Verdrängens
in der BRD in der Öffentlichkeit stärker zu beleuchten.
In diesem Rahmen fand gestern in Berlin
im Audimax der HU eine Podiumsdiskussion statt. Geladen waren
der Zeitzeuge Karl Stenzel (KZ-Überlebender und Mitarbeiter
in der Gedenkstätte Sachsenhausen), der Völkerrechtsexperte
Prof. Norman Paech Mitglied des Bundestages für die Linkspartei,
der Rechtsanwalt Martin Klingner der die Opfer des Massakers von
Distomo (Griechenland) vertritt, die Rechtsanwältin Gabriele
Heinecke Vertreterin der Opfer von Sant Anna (Italien). Moderiert
wurde die Veranstaltung von Lars Rensmann.
Im Vordergrund stand die Rolle die zweifelhafte
Rolle der Justiz in der BRD. In vielen Beispielen wurde gezeigt,
wie von Seiten der BRD kaum Bemühen da war, NS-Täter
ausfindig zu machen oder gar zu bestrafen. Lange Zeit wurden die
Massaker der Wehrmacht in Italien und Griechenland und rechtskräftige
Urteile in den jeweiligen Ländern ignoriert. Viele Verfahren
wurden obendrein mit der Begründung eingestellt, dass die
Massaker eine angemessene Reaktion auf die "Unrecht"-Aktionen
der Partisanen gewesen war.
Die Besatzung und der Terror gegen Zivilisten
gelten somit als völlig rechtmäßig, während
der Widerstand dagegen von der Justiz immer noch als krimmineller
Akt dargestellt wird. Besser lassen sich die Kontinuitäten
der NS-Rechtsprechung im bundesdeutschen Justizwesen kaum zeigen.
Selbstverständlich wurden dann auch bis heute keinerlei Entschädigungszahlen
an die Opfer geleistet, geschweige denn die Täter bestraft.
Während von sowjetischen Militärtribunalen Kriegsverbrecher,
als heimkehrende „Kriegsgefangene“ mit Blumen und
Startguthaben von 5000,00 DM empfangen wurden.
Seit der rot-grünen Bundesregierung
beteiligen sich offizielle Staatsangestellte an den Gedenkfeiern
zu den Massakern in Griechenland und Italien, allerdings werden
Entschädigungsforderungen weiterhin abgelehnt.
In Italien zu lebenslanger Haft verurteilt, von der bundesdeutschen
Justiz jedoch unbehelligt, lebt in Freiberg der ehemalige SS-Unterscharführer
Alfred Mathias Concina im Altenheim Johanna Rau.
Das ist die deutsche Realität, die die Forderung der Kampagne
nötig macht!
NS-Opfer entschädigen - NS-Täter
bestrafen!
|